Burzum

Re: Burzum

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 4. März 2011, 21:38

Okay. Ich denke, das Wesentliche ist für den Moment gesagt. Freut mich, dass ihr euch wieder vertragt.
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Re: Burzum

Beitragvon Jhonny » Samstag 5. März 2011, 01:20

Schön, hier gabs ja richtig viel zu lesen ;-)


Ich finde es generell positiv, wie in diesem Forum mit dem Thema Burzum umgegangen wird.
Und ich finde schon, dass es durchaus auch einige kontroverse Diskussionen gab, auch im alten Forum.
Das gehört ja auch dazu.

Gut finde ich den Vergleich mit Gorgoroth, denn ich finde wichtig, dass man Burzum nicht auf eine andere Stufe als andere Bands hebt: Das Problem ist doch kein "braunes" Problem. Ich habe zwar nicht alle, aber einige Burzum-Texte gelesen und die keineswegs als rechtsradikal empfunden.
Problematisch ist doch einzig und allein die Vergangenheit (und Gegenwart?) der Person... und das ist (gerade im Black Metal) im Schweden / Norwegen der 90er Jahre nicht gerade unüblich gewesen.

Mord, Suizid, dazu eine Prise Homophobie und etwas Antisemitismus - das ist doch schon ein Stück weit prägend für die Geschichte des BM.
Das meine ich jetzt erst mal gar nicht wertend.
Ich will damit nur klar stellen: Wer ein Problem hat mit Burzum, sollte auch über seine Einstellung zu Dissection, Gorgoroth oder anderen hier erwähnten Bands nachdenken.

Ich habe ganz sicher ein Problem mit der Person, die hinter Burzum steht und habe bisher keine CD der Band zu Hause, obwohl ich die Musik sehr gut finde. Mag sein, dass sich das noch ändert, aber bisher hat das durchaus einen Sinn.
(Allerdings: Auf meiner einzigen Mayhem spielt Vikerness den Bass...)

Als heilige Kuh habe ich Burzum hier nie empfunden. Für Julian und Rüdiger sicher eine prägende Band, was ich für nachvollziehbar halte.
Ich denke auch, dass Burzum in den 90ern durchaus Wegbereiter einer Sezen waren, das sollte man (metalhistorisch) würdigen.
Viele andere hier hören aber doch entweder keinen oder wenig Black Metal, oder aber haben keine besondere Beziehung zur Musik von Burzum. (unter anderem) Darum halten sich die Diskussionen hier doch meist im Rahmen.

Und ich denke, dass man wirklich sehr zwischen Person und Musik unterscheiden muss.
Klar ist aber auch, dass man finanziell eine äußerst zwielichte Gestalt unterstütz - das darf man nicht vergessen.
Allerdings, ein Recht auf einen Neuanfang muss da sein. Das verlangt nicht nur das Gesetzt, sondern auch jegliche Moral.
Natürlich habe ich große Bedenken, dass ein Gesinnungswandel bei Vikernes vielleicht nicht stattgefunden hat.
Trotzdem muss ihm doch irgendwie die Chance gegeben sein, sein Geld zu verdienen, und aus den Reviews und dem Julian-Rüdiger-Bericht hatte ich nicht das Gefühl gewonnen, die letzten Scheiben wären gezielte ideologische Propaganda-Scheiben (wie manche das über die letzte Dissection-Scheibe sagen).

Deshalb bleibt das ganze wohl ein Spagat - aber, das finde ich ganz wichtig! - ein Spagat, den unsere Szene bei Gorgoroth, Dissection und ähnlichen Combos ständig entlangwandert! Burzum sind nicht DIE eine schlimme Band. Sondern eine aus einer ganzen Reihe.
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Re: Burzum

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 5. März 2011, 02:45

So, dann auch ich noch einmal kurz und ganz unaufgeregt zur Kontroverse:

Zuerst zur "heiligen Kuh" noch kurz: Ich bewerte den Begriff nicht über, bin aber schon der Meinung, dass Burzum für dieses Forum keine heilige Kuh ist. Für die Redaktion sowieso nicht. Auch für mich ist Burzum keine heilige Kuh in der Weise, dass ich ein Problem damit hätte, wenn Burzum oder Vikernes kritisiert wird. Dass ich Burzums Musik total verehre, daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Es gibt einfach wenig Musik und wenig Lyrik, die mich so sehr ergreifen wie Burzum. Das habe ich mir nicht heraus gesucht. Das hat sich so ergeben und ich glaube auf dieser Ebene stehen bei mir sonst nur noch Cirith Ungol, Manowar und Bathory. Das ist dann die Ebene, die noch über den zahlreichen "normalen Götteralben" kommt. Nämlich Götteralben, die mich emotional total packen. Und die sind selten.

Vikernes als Person stehe ich natürlich auch zwiegespalten gegenüber. Er hat eine schreckliche Tat begangen. Das will ich nicht schönreden. Ob er dafür nun "genug" gebüßt hat, oder nicht, darüber will ich nicht richten. Auf jeden Fall hat er gebüßt. Seine Ideologie, so wie er sie heute vertritt, finde ich abstrus. Die kann ich nicht richtig ernst nehmen und somit auch nicht für wirklich gefährlich halten. Das Schwierige ist die Musik und der Lohn für die Musik: Der Plattenkauf. Es gibt vieles, was dagegen spricht, keine Frage (den Falschen unterstützen etc...). Aber für mich gibt es auch sehr gewichtige Argumente, sie - bei Gefallen, versteht sich - eben doch zu kaufen und damit Vikernes zu entlohnen:

Zum einen hilft es keinem, wenn Vikernes mit Frau und zwei kleinen Kindern von Sozialhilfe leben muss, die ihm der norwegische Staat - ob er will oder nicht - bezahlen müsste, wenn der Mann nicht für sich selber sorgen könnte. Ob er sein Geld nun mit Tüten kleben oder mit Musik machen verdient, ist dann letztlich auch egal. Er muss für seinen Lebensunterhalt arbeiten, und Musik machen kann er eben am besten.

Das gewichtigere Argument ist für mich jedoch kein wirtschaftlich-utilitaristisches wie das vorgenannte, sondern in der Tat ein moralisches: Ich schulde es ihm, dass ich ihm für das, was er mir seit 20 Jahren gegeben hat, etwas zurück gebe. Und er hat mir unheimlich viel gegeben. Für das Böse, das er getan hat, musste und muss er bezahlen. Für das Gute, das er geschaffen hat, soll er dann auch den Lohn haben. Good karma, bad karma. Kein Mensch ist nur gut oder nur böse. Auch wenn jemand wie Vikernes natürlich zum Schwarz-Weiß-Malen einlädt.

Das Wort "stigmatisieren" meinte ich im Übrigen nicht wertend, sondern einfach als "kennzeichnen". Bands in denen verurteilte Verbrecher spielen als mit einem Makel behaftet ansehen und deshalb für sich persönlich ablehnen. Es mag sein, dass ich das auch getan hätte, wenn ich Burzum als "die Band des Mörders" kennen gelernt hätte. Ich habe mich noch nie mit einer Band befasst, von der ich vorher so etwas wusste. Aber wenn mich eine Band hat, dann hat sie mich. Ich kenne Burzum seit ca. 1991/1992. Vor dem Mord, vor den Nazisachen, und die Musik hat mich gefangen genommen. Bis heute. Zwanzig Jahre später. Die Musik steckt so tief in mir, dass ich - selbst wenn ich es wollte - nicht sagen könnte: "Nachdem der das getan hat, ist die Band für mich passé." - Ich muss und kann mich damit arrangieren, dass etwas das ich musikalisch wie kaum etwas anderes auf der Welt verehre, eine sehr finstere Schattenseite hat.
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Re: Burzum

Beitragvon firestarter » Samstag 5. März 2011, 03:01

Ich klinke mich hier mal wieder aus, da ich alles gesagt habe, was mir wichtig war. Interessant ist aber schon, welchen Verteidigungsreflex das Ganze auslöst (nicht nur bei Rüdiger).
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Re: Burzum

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 5. März 2011, 03:14

Dass ich meine Positionen immer verteidige, sollte nichts Neues sein. Das hat nur wenig mit dem speziellen Thema zu tun. Da kannst du fast jeden Thread aufschlagen, in dem ich eine kontroverse Meinung vertrete. Ich mag es einfach nicht, meine Position in den Raum zu stellen. Ich muss immer begründen und erklären, weil ich will, dass man meine Position versteht. Ob das nun ein Verteidigungsreflex ist, weiß ich nicht. Für mich ist es das Bestreben schlüssig zu argumentieren und zu handeln, und auch Positionen begreifbar zu machen, die vielleicht doch rein emotional sind. Vielleicht eine Berufskrankheit. Aber ich hatte das wohl schon vor meiner Berufswahl. Und vor Burzum.
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Re: Burzum

Beitragvon firestarter » Samstag 5. März 2011, 03:19

Ich habs ja, wie bereits geschrieben, auch nicht speziell auf dich gemünzt. So, nun bin ich aber raus.
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Re: Burzum

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 5. März 2011, 03:20

Okay. :-)
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Re: Burzum

Beitragvon scumi » Samstag 5. März 2011, 03:35

@Rüdiger: Wie schon gesagt, ich kann nicht umhin diese Haltung zu respektieren. Auch wenn ich wie erwähnt nicht die gleiche Haltung habe, kann ich die deine dennoch nahvollziehen aufgrund deiner Begründung. Viel mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Das darfst du gerne als Kompliment verstehen.

@Jhonny: In der Tat gehöre ich zu den Leuten, die auch einige der anderen von dir genannten Bands mit höchst kritischen Augen betrachten. Das ist aber bitte nicht relativierend in irgendeiner Richtung zu verstehen.
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Re: Burzum

Beitragvon Heydulf » Samstag 5. März 2011, 22:16

Danke Rüdiger für das Review. Trifft in vielen Punkten auch mein Empfinden, nur dass ich wahrscheinlich weniger schöne Worte gefunden hätte ;)

Ich habe allerdings mit dem Lesen gewartet, bis ich ein paar Durchläuft hinter mir habe. Leider sind es bis jetzt nur ca. 5, aber die Tendenz ist klar steigend ;)
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Re: Burzum

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 5. März 2011, 22:22

Jau. Hab ich mir gedacht, dass du keinen Spoiler lesen willst, vor du die Scheibe selbst gehört hast. Ich bin inzwischen bei über 30 Durchläufen angelangt und kann nicht sagen, dass sich Abnutzungserscheinungen breit machen würden. Das Album wächst irgendwie immer noch, je mehr sich die Texte erschließen. Mein Norwegischkurs macht sich inzwischen auch immer mehr bezahlt. Ich verstehe inzwischen schon viel, ohne mitzulesen.

Was mich total begeistert, sind die klaren Gesangsparts. Ich hätte das in der Form von Burzum nicht erwartet, und bin ziemlich fasziniert davon, wie gut das passt.
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