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von Jesus » Freitag 14. Januar 2011, 12:31
Gut argumentiert. Sehr schön. Für mich ist das alles zwar immer noch nicht 100%ig nachvollziehbar, liest sich aber besser als  , nicht wahr? Vielleicht kann man ja doch noch eine zivilisierte Diskussion führen, die passiv Sinn ergibt oder adjektivisch sinnvoll ist und vielleicht sogar aktiv Sinn macht Martin van der Laan hat geschrieben:@Jesus: Ist finde es durchaus logisch, dass es an den Rändern eines Spektrums vieles gibt, was nur dort ist, weil es sich grundsätzlich gerne an den Rändern aufhält (das nervt mich dann leicht mal), und nicht weil es gerade von diesem Rand aus das gesamte Spektrum zu bereichern versteht.
Warum aber sollte denn eine Band in so einer Position unbedingt das Genre "bereichern" wollen? Und was heißt bereichern? Würde nicht gerade eine ungewöhnliche Truppe mehr interessante Elemente mit sich bringen als all das stilistische (nicht zwangsläufig qualitative) Mittelmaß? An kürzlich erschienenen BM-Scheiben würden die OV HELL (Danke für das Album, Peter, diese Scheibe wird mein neues Lieblingsbeispiel für absolut belangloses Mittelmaß ohne einen Hauch von Originalität oder Finesse  ) und die WATAIN dem Genre keinerlei neue Impulse geben und bewegen sich im Spektrum des Black Metal in der traditionellen Mitte. Weiter am Rand ist die neue DEATHSPELL OMEGA, die sich eben "grundsätzlich an den Rändern aufhält", aber neue und spannende Elemente ins Genre mit sich bringt. Das hat jetzt nichts mehr mit der Diskussion um DEATH zu tun, zeigt aber, dass es hüben wie drüben gleichermaßen gute Musik gibt, aber gerade die Grenzgänger sind es doch, die Leben in die Bude bringen. Martin van der Laan hat geschrieben:Und vielleicht werden DEATH eben von Nicht-Death-Metal-Fans so häufig geschätzt, weil sie musikalisch was zu bieten haben, das über die konkrete Stil-Definition hinaus geht. Als Miterfinder und Pioniere des Death Metal müssten aber DEATH all das beinhalten, was Death Metal ausmacht, nicht oder? Martin van der Laan hat geschrieben:Das heisst, DEATH verstehen es offenbar, vom Rand aus (und Death-Metal als Ganzes ist bezogen auf das komplette musikalische Spektrum ein Randbereich) das Gesamte zu bereichern. In welche Richtung meinst Du? DEATH war wegweisend für den Death Metal, insofern finden sich doch dort mehr Elemente von Chucks Sound als auf der anderen Seite der Schubladengrenze. Martin van der Laan hat geschrieben:Ich kenne sogar einen Menschen, der sonst mit Rock-Musik oder Metal gar nicht viel am Hut hat, aber die späten Werke von DEATH und CONTROL DENIED sehr ansprechend und spannend findet.
Das ist dann aber auch eine extrem selektive Wahrnehmung seitens dieser Leute und sehr, sehr schade. Schade für das Genre, schade für die anderen Bands dieses Stil, schade für diese Hörer, die sich selbst auf eine einzige Band fixieren, wo sie doch so viel Auswahl haben (selbst unter dem Gesichtspunkt, dass 98% eines jeden Genres nichts taugt). Nur weil DEATH populär sind, sind sie noch lange nicht die einzige gute DM-Band und auch nicht die einzige mit diesen konkreten Silelementen. GORY BLISTER klingen recht ähnlich, ohne dabei Klone zu sein. Und doch redet niemand von denen. Nur weil sie später kamen und keine Pioniere sind? Deswegen sind die doch nicht schlecht und in der Theorie sollten sie doch auch DEATH-Fans gefallen. Nur mal so als ganz konkretes Beispiel, das soll jetzt keine Werbung für GORY BLISTER werden 
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Jesus
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von Peter Kubaschk » Freitag 14. Januar 2011, 12:45
Jesus hat geschrieben:Nur weil DEATH populär sind, sind sie noch lange nicht die einzige gute DM-Band und auch nicht die einzige mit diesen konkreten Silelementen. GORY BLISTER klingen recht ähnlich, ohne dabei Klone zu sein. Und doch redet niemand von denen. Nur weil sie später kamen und keine Pioniere sind? Deswegen sind die doch nicht schlecht und in der Theorie sollten sie doch auch DEATH-Fans gefallen. Nur mal so als ganz konkretes Beispiel, das soll jetzt keine Werbung für GORY BLISTER werden 
Aber wenn man in der Materie nicht besonders tief drin ist, trifft man eben nicht so schnell auf GORY BLISTER oder OBSCURA. Auf DEATH trifft man immer. Und ja, diese beiden Bands sind auch (sehr) gut, aber es benötigt halt schon einen deutlichen größeren Grad an Neugier & Interesse am Genre, um sie kennenzulernen. Und dieses Interesse & diese Neugier haben "Gelegenheits-Deather" eben in der Regel nicht. Und schon bleiben diese Band auf der Strecke.
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von Jesus » Freitag 14. Januar 2011, 13:02
Und gerade deswegen sollten Gelegenheits-Deather nicht DM als Ganzes als sinnloses Geknüppel und Geröchel abtun. Denn damit stilisieren sie DEATH nicht nur zu etwas hoch, was die Band nicht ist bzw. war und Chuck auch nie sein wollte, sie stellen sich selbst zudem als starrköpfig und unwissend dar in einem Versuch, sich elitär abzugrenzen von anderem populären DM wie CANNIBAL CORPSE, die eben in eine ganz andere Richtung gehen.
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von Martin van der Laan » Freitag 14. Januar 2011, 13:10
Mir ist das alles zu sehr auf stilistische Schubladen begrenzt. Der Idealfall ist doch der: Ich habe eine musikalische Idee, eine Vision im Kopf (oder im Herzen oder wo auch immer). Dann probiere ich aus mit welchen Stilmitteln ich das am besten umsetzen kann. Dabei kommt in der Regel was Interessanteres heraus, als bei Künstlern, die sich sich auf ein Ausdrucksmittel festlegen und dann versuchen, welche Visionen sich mit diesen Mitteln verwirklichen lassen. Ein Beispiel: An einer Wand hängen zwei Bilder von einer rosafarbenen Brücke. Eines von einem Maler, der den in jedem Element des Lebens steckenden Kontrast zwischen Hart, Fest und Beständig und Weich, Sanft und Flüchtig visualisieren möchte. Und ein anderes von einem Maler, der halt Brücken malt und auch mal ne rose Brücke ausprobieren wollte. Ich verwette zwei Monatgehälter, dass den interessierten Laien das Bild des ersten Malers eher ansprechen würde, und zwar ohne diese Hintergründe zu kennen, obwohl auf beiden objektiv mehr oder weniger dasselbe zu sehen ist.
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von Martin van der Laan » Freitag 14. Januar 2011, 13:20
Ach so, und bevor jemand sagt, dieses Gerede stehe im Widerspruch zu meiner eigenen TOP100-Liste zum Beispiel: Ich habe ja gesagt, ich ziehe die Linie dieses Mal selbst gegen die eben vetretene Philosophie, weil das hier eine Metal-Magazin ist und ich nicht glaube, dass hier jemand mit mir über neue klassische Musik, alte hebräische Lieder-Sammlungen oder japanische Percussion diskutieren will. Geschweige denn Malerei oder Literatur. Außerdem muss man für subjektives Gefallen die Vision des Künstlers ansatzweise teilen können. Daher finden Musiker, die vor allem Gefühle wie Traurigkeit, Perspektivlosigkeit, Leere und Lebensüberdruss ausdrücken wollen, und sich kaum und Wege zur Überwindung dieses Zustandes oder die Psychologie dahinter interessieren, nur sehr selten mein Gehör. Ich bin der Geist, der steht's verneint - okay, Dein Problem! ICH bin der Geist - der steht's nach einem möglichen Ja sucht.
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von Jesus » Freitag 14. Januar 2011, 13:23
Das ist genau das Gegenteil von meiner Aussage. Bei mir erscheinen da mehrere gut gemalte Gemälde in mehr oder weniger ähnlichem, aber für jeden Künstler ureigenem Stil, die allesamt unterschiedliche Motive zeigen. Halt eine Stilepoche. Dazu gehören DEATH genauso wie OBSCURA und GORY BLISTER und ATHEIST  Und wenn ich eins davon mag, muss ich zwar nicht zwangsläufig das andere mögen (wenngleich die Wahrscheinlichkeit doch relativ hoch ist), aber einfach abtun als schlecht und untalentiert kann ich es doch auch nicht.
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von Martin van der Laan » Freitag 14. Januar 2011, 13:51
Du immer mit deinem "schlecht" und "untalentiert" und der Angst, abgetan zu werden...
Stilepochen sind nur von kunstgeschichtlicher, d.h. akademischer Bedeutung, nicht für meine Wahrnehmung von Kunst. Das sind technische Details, die häufig auch nur von den Möglichkeiten der Künstler in ihrer Zeit bestimmt wurden. Kunstwerke gehören thematisch geordnet, wenn überhaupt! Nicht nach Motiven oder nach Epochen/Stilen. Die bei dieser Ordnung entstehenden Grauzonen und Unsicherheit sind gerade gewollt und das Allerspannendste. Das ist nun wieder in der Literatur am besten zu beobachten. So lese ich z.B. im Alten Testament der Bibel die Geschichte, in der Gott Abraham befiehlt seinen Sohn zu opfern, mit dem Gedanken, dass es hier geht um eine in die Lebenswirklichkeit der damaligen Menschen eingebettete Darstellung von Verlustängsten und der Fähigkeit des Loslassens der Eltern von den Kindern. Nur durch Loslassen behält man das Geliebte. Eine tolle Geschichte. Das ist das Thema, der Gegenstand. Es ist für mich nicht primär ein religiöser Text, sondern ein weiser und berührender. Er gehört zusammen mit Texten aus aller Welt und jeder Zeit in die Kategorie des Loslassen können und dadurch gerade gewinnen. Jetzt übertrage das mal auf die Musik. Für mich hat ein Violinkonzert von Prokofjev, das den Schmerz der Einsamkeit unter Vielen, des Gefangenseins in sich selbst mehr mit bestimmten Songs von Bands wie SIEGES EVEN oder MEKONG DELTA zu tun, als mit anderen Violin-Konzerten aus dieser Epoche. Ich interessiere mich für bestimmte emotionale und philosophische Gegenstände und finde in der Regel viele ganz verschiedene Umsetzungen toll.
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von Teichfrosch » Freitag 14. Januar 2011, 15:10
Es rational begründen zu wollen wieso man eine Band gut findet und eine andere nicht ist von vorneherein zum scheitern verurteilt mMn ... Man kann, ähnlich wie lastFM das auch tut, Vermutungen darüber anstellen was eine Person die Band X, Y und Z gut findet ansonsten noch gut finden könnte, ob das dann tatsächlich so ist kann man nicht mit Sicherheit vorher sagen.
DEATH fand und find ich immer sehr progressive/Thrash lastig und den Gesang für DM Verhältnisse recht hoch und relativ differenziert, insofern wundert mich nicht dass die Band auch abseits der klassischen extreme Metal Hörerschaft Freunde hat.
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von salisbury » Freitag 14. Januar 2011, 19:50
Thema Death:
Interessante Diskussion hier. Ich gehöre auch zu den Leuten, die DEATH sehr gerne hören, aber kein Fan des großen Genres "Death-Metal" sind. Woran das nun liegt, kann ich nicht genau sagen. Bei den meisten mir bekannten DM-Bands finde ich nicht das Moment, das ein Herr Chuck Schuldiner kreiren kann. Hier geht es mir weniger um den Gesang, sondern eher die Arrangements, die verspielten Gitarren, die wahnsinnigen Schlagzeuger, die sich auf DEATH-Platten besonders austoben dürfen. Andere technische Bands wie Cannibal Corpse geben mir aber absolut nichts. Die Schweden (ENTOMBED, UNLEASHED, DISMEMBER...) sind hier ziemlich kreativ, aber trotzdem is da kein Chuck dabei. Ich, und sicher viele Leute, die progressive Musik konsumieren, finde, daß der Mann ein musikalischer Genius war. Möglicherweise wäre er auch in anderen Stilen herrausragend gewesen, aber das finden wir leider nicht mehr heraus.
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von Havoc » Samstag 15. Januar 2011, 13:35
Jesus hat geschrieben:...und die WATAIN dem Genre keinerlei neue Impulse geben und bewegen sich im Spektrum des Black Metal in der traditionellen Mitte.
Da gebe ich Dir sogar Recht. Neu ist da kaum was. Allerdings setzen sie das Ganze so geil um, dass es einen einfach umhaut. Da kommt kaum ne andere Band dran.
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