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von Chris Schantzen » Montag 2. Februar 2026, 22:12
Zur Füllmaterial-Frage:
Ja, ich bin zumindest der Meinung, dass Füllmaterial, selbst wenn es sehr hochwertig ist, auch immer noch nur das sein kann; Füllmaterial.
Um das etwas auszuführen; wir alle kennen doch zur Genüge die Platten, von denen 2-3 Song rausstechen und hängen bleiben, und der Rest fällt unter "ferner liefen". Dieser "Rest" kann großartige Musik sein, wie auch z.B. beim - Spoiler - aktuellen Alter Bridge Album, wo dann aber selbst nach 3 Hördurchgängen einfach nichts hängen bleibt, außer, dass es halt gute Musik ist. Klar, es gibt sehr wenige Scheiben, wo (fast) alle Songs auch einzeln für sich betrachtet geil sind, aber die Qualität der Musik zwischen den Hits schwankt doch von Platte zu Platte sehr stark.
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von Pillamyd » Montag 2. Februar 2026, 23:31
Stefan_Rosenthal hat geschrieben:Hallo Pillamyd,
....
Danke für die ausführliche Antwort. Ich hab die zwei Punkte (Vollkatastrophe/Gesang, Albenbesitz) schon korrigiert – also alles sauber Überspitzung und Polemik gehören in diesem Format völlig dazu – das macht ja auch den Reiz aus. Für meinen Geschmack wurde hier allerdings eine Grenze überschritten, weil die ständige Fokussierung auf einen Punkt das Album selbst fast unsichtbar macht. An meiner eigentlichen Kritik ändert das nichts: Mir ging es nicht um die Überspitzung an sich, sondern darum, dass dadurch eher persönliche Aversion als Einordnung transportiert wird. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen, ich belasse es mal dabei. Danke trotzdem für den Austausch.
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von Havoc » Montag 2. Februar 2026, 23:32
Das verstehe ich zwar schon, aber ich finde es schon zumindest ein wenig abschätzig, hochwertige Songs als Füllmaterial zu bezeichnen. Nur weil es zwei drei Songs gibt, die da dann noch mal ne Stufe besser sind. Aber auch das ist natürlich wieder mal so ein schwieriger Begriff. Eine Band schreibt ja nicht auf Anhieb drei Hits und denkt sich dann...och komm...wir komponieren noch schnell sieben weitere Songs um ein Album voll zu bekommen.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 3. Februar 2026, 00:52
Ich habe das Phänomen, das Chris beschreibt. Dass ich weiß, dass ich ein Album toll finde, aber mich nicht wirklich an einzelne Songs erinnern kann. Bei neueren Alben passiert mir das öfters als bei den Alben, mit denen ich aufgewachsen bin. Wobei ich das in der Regel weniger auf die mangelnde Qualität des "Füllmaterials" zurückführe, als vielmehr auf eine nach zigtausenden gehörten Alben doch irgendwie reduzierte Speicherkapazität meines Hirns, und auf einen Mangel an Zeit und Muße, einem Album noch so viel Hingabe zu geben, wie ich das tun konnte, als ich nur 10, 20 oder 100 Alben im Regal hatte. Ich höre neue Alben meiner Lieblingsbands immer noch oft, aber halt nicht mehr so oft und so lange wie ich das tat, als ich 12 - 20 Jahre alt war. Wenige Alben nach 2000 gehen mir so sehr ein, wie fast alles, was ich bis Ende der Neunziger kennengelernt habe. Für mich weniger ein Qualitätsmange auf Bandseite, als ein Rezeptionsmangel auf meiner Seite.
Außerdem bin ich halt seit jeher ein Album-komplett-Hörer. Ich hab für mich nie die Hits auf den Alben gesucht, und Alben danach geordnet, ob sie "Hits" haben. Für mich war immer viel wichtiger, ob das Album als Gesamtkunstwerk auf allen sensorischen Ebenen funktioniert. Von der neuen Megadeth ist bisher "Tipping Point" reproduzierbar im Ohr, der Rest noch nicht... aber trotzdem weiß ich, dass das für mich ein rundum tolles Album ist.
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von Chris Schantzen » Dienstag 3. Februar 2026, 14:34
Ob man den Begriff "Füllmaterial" abschätzig findet, ist, denk ich mal, Geschmacksache. Ich verwende den Begriff rein deskriptiv, die Bewertung kriegt er dadurch, ob ich dieses Füllmaterial dann gelungen oder nicht finde. Ich sehe das ähnlich wie Beilagen beim Essen. Gute Beilagen kompletieren ein tolles Gericht, aber ich bestell es mir in erster Linie nicht wegen der Beilagen.
Zur Aussage "Eine Band schreibt ja nicht auf Anhieb drei Hits und denkt sich dann...och komm...wir komponieren noch schnell sieben weitere Songs um ein Album voll zu bekommen.": Doch. Natürlich nicht immer und nicht alle, aber wir leben in einer Zeit, in der Alben an sich sehr stark an Wert verlieren (Ausnahmen bestätigen die Regel, v.a. im obersten Regal). Was für Labels, PR - und schlussendlich dann auch Bands - wichtig ist, ist dass ein paar Singles richtig gut performen. Der Rest ist oft recht wertlos und damit qualitativ recht irrelevant. Dies liegt dran, wie Musik inzwischen in der Masse konsumiert wird. Dies führt dazu, dass viele Bands inzwischen oft nur Singles rausbringen und diese dann irgendwann mal zu ner EP zusammenfassen. Ein Album wird oft nur noch produziert weil man das vertraglich irgendwie muss oder aus persönlichem Antrieb, weil die Band ein Album haben mag. Aber im Gespräch mit vielen Musiker*innen musste ich erfahren, dass der Fokus deutlich und überwiegend auf 3-4 Hits liegt.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 3. Februar 2026, 15:01
Es ist dir natürlich zuzugeben, dass die Beobachtung in Teilsegmenten des Musikbusiness absolut dem Status quo entspricht. Es handelt sich um eine von alten Männern gleichwohl als durchaus gruselig empfundene Entwicklung, die du hier beschreibst. Glücklicherweise betrifft die Entwicklung meines Erachtens die Bands allenfalls marginal, die gemeinhin für den klassischen Albumhörer gesteigerte Relevanz haben. Käme eine Band wie Megadeth auf die Idee, nur 2-3 Singles zu machen, die dann nur digital veröffentlicht würden, wäre ihr Output für mich dann halt am Ende nicht mehr existent. Wobei das jetzt nichts Neues ist... ich empfand das Konzept der Single auch schon vor 30 Jahren als subjektiv maximal unattraktiv. Ein Song, der allein außerhalb eines Albumkontextes existierte, war für mich - und wohl den Großteil ihrer Fanbase - immer so etwas wie ein Alien, den man sich dann - so er denn eine physische Veröffentlichung erfuhr - halt notgedrungen, des Komplettismus wegen, als Single ins Haus geholt hat, der aber nie den Stellenwert hatte, den ein Song haben konnte, der es "auf das Album" geschafft hat.
Ich kenne durchaus auch viele Leute, die der Meinung sind, dass die Hitsingles meist die schlechtesten Songs der großen Bands waren. Speziell bei Iron Maiden liest man das sehr häufig. Wobei ich da dann durchaus anderer Meinung bin, und die Hitsingles dieser Band regelmäßig sehr schätze. Wobei das - und da war ich für die Zeit dann eben auch ein moderner Jungspund - daran liegt, dass ich einen großen Teil meiner musikalischen Frühsozialisation über die Heavy-Metal-Videoclips auf MTV, Tele.5 und später Viva erlebt habe, als ich es mir noch nicht leisten konnte, jedes Album zu kaufen.
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von Holger Andrae » Dienstag 3. Februar 2026, 22:53
Was Rüdiger schreibt. Singles waren mir von jeher komplett egal. Ich höre (fast) immer ein ganzes Album. Mit allen guten oder weniger guten Songs. Warum? Weil ich Lust auf das Album und diese Band habe. Obendrein hat sich Band wohl auch etwas dabei gedacht, ein Album genauso zu veröffentlichen, inklusive der Tracklist und dem Artwork. Ein Gesamtkonzept. Das mag in heutigen Zeiten der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne und Playlisten hat das alles weniger Wert und ich lebe in meiner kleinen verscheuklappten Welt, in der ich der festen Überzeugung bin, meine Lieblingsbands würden noch immer nach altem Brauchtum Songs erstellen. Vielleicht höre ich deswegen auch so wenig und so ungern aktuell populäre (Hard-)Rock-Musik, weil da in meinen Ohren eben sehr vieles sehr austauschbar klingt. Und zwar in einem weit höheren Maß als es im als zu regressiv verschrienem Alte-Schule-Metal für mich der Fall ist. Von daher ist "Füllmaterial" für mich immer ein Negativ-Begriff.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von salisbury » Dienstag 3. Februar 2026, 23:24
Interessantes Thema. Ich bin auch eher Albenhörer, allerdings habe ich nicht so arg viel Zeit zum Musik hören, vor allem die letzten Jahre, und so kommt es, dass ich bei bekannten Alben oft zuerst die Highlights raussuche oder gezielt in Netz danach suche. Ja, ist schneller als CD raussuchen, Anlage umstellen, Song anwählen, Bequemlichkeit ist der Feind, aber... In dem Kontext stelle ich auch fest, dass es für mich sehr wenige Alben gibt, selbst bei meinen ansoluten Lieblingen, wo mir wirklich alle Lieder gefallen. Mag sein, dass ich deshalb schon seit vielen Jahren keine 10 mehr vergeben habe ... wobei ich kaum mehr Rezis mache 
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von frankjaeger » Mittwoch 4. Februar 2026, 10:35
Das ist das klassische "Alt gegen Jung". Da die Jugend weniger bis keine Tonträger mehr kauft, hat Chris natürlich recht, da werden alle Lieder einzeln - und mit anderen Songs nochmal als cascading release auf die Plattformen gestellt. Album? Na ja, wenn es genug sind, kann man die auch nochmal als Album zusammenfassen. Physisch? Als Merch ganz praktisch, sonst nicht unbedingt notwendig, wenn, dass wir Chris sagt, um die einzelnen Songs - Singles sind es ja nicht wirklich mehr - zusammenzufassen. Habe ich auch gemerkt, als ich das letzte Album von OF VIRTUE kaufen wollte, dass aber erst nach zahlreichen Einzeltrackreleases gepresst wurde.
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von Feamorn » Mittwoch 4. Februar 2026, 10:51
Holger Andrae hat geschrieben:Von daher ist "Füllmaterial" für mich immer ein Negativ-Begriff.
This. Das wird auch keine Erklärung jemals ändern. Füllmaterial ist das, was ein Versandhandel in die Pakete kippt, wenn das Produkt dieses nicht ausfüllt, damit es nicht rumfliegt. Das ist keine Beilage, die ja eigentlich Teil einer Komposition einer Speise ist, der Vergleich ist für mich total schief. Füllmaterial ist "Müll" (maximal noch für eigene Verwendung im selben Kontext recyclebar), aber kein (gewünschter) Teil eines Produkts. Wenn ein Song als "Füllmaterial" bezeichnet wird, sagt man effektiv "Abfall". Genauso sind aber auch nicht alle Nicht-Hits eines Albums Füllmaterial/Abfall, da kann man den Beilagen-Vergleich von mir aus wieder bringen, auch wenn ich ihn nicht unbedingt korrekt finde. PS: Ich finde die Einteilung von Songs auf Alben und "Hits" und "Füllmaterial" ehrlich gesagt unglaublich zynisch.
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