Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Dead_Guy » Montag 29. Dezember 2025, 23:35

10. clipping. - Dead Channel Sky
Da ich bisher wenig aktiv war, möchte ich diesen Zustand zum Jahresende ändern und mach den Anfang mit meiner Top 10 Alben aus diesem Jahr. Und anfangen möchte ich mit einem Hip Hop Album und bevor jetzt schon jemand das lesen aufhört möchte ich nur gesagt haben das es alles aber nur kein typischer Genre-Vertreter ist. Irgendwie merkwürdig, obwohl ich selber das Genre aktiv höre, bin ich absolut nicht drinnen wenn um aktuelle Veröffentlichungen geht.Aber clipping. faszinieren mich, denn sie gehen einen experimentellen Ansatz, sind eigenbrötlerisch unterwegs und umschiffen so jedes Klischee was dieses Genre gerne mal beschissen macht. Außerdem wenn eine Band wie Oranssi Pazuzu einen Song von denen als Intro bei Konzerten spielt sagt das schon eine Menge aus, nämlich das man hier keinen Kram von der Stange bekommt. Die musikalische Untermalung geht mehr in die technoide und noisige Richtung und sind sowohl von der Atmosphäre als auch Härte gar nicht weit vom Metal entfernt, wichtig ist auch, das die Beats mehr sind als ein Unterbau wo drauf gerappt wird, sondern musikalisch so viel zu bieten haben, das man sie auch für sich genommen genießen kann. Ich tue mich schwer das mit anderen zu vergleichen, da ich die Musik zwar gerne höre aber kaum nennenswerte Ahnung habe, deswegen muss ich es über Umwege beschreiben. Und zwar so: das Album lebt von einer sehr greifbaren Atmo, die in ihrem dystopischen Sci-Fi Charakter was von 90er Sci-Fi-Action-Thrillern hat, inklusiver harter Action, lässigen Club-Szenen oder philosophisch nachdenklichen Momenten. Das ist nämlich das was es für mich so spannend macht, ein Album was einen so hart in diese Welt reinzieht das man das Gefühl hat einen Film zu hören. Dazu kommt noch obendrauf das dieser stressige, überdrehte Wahn und dieses düstere Zukunftssetting auch irgendwo den aktuellen Zeitgeist widerspiegelt, man linse nur über den großen Teich, wo der Faschismus seine Renaissance erfährt. Und jetzt bin gespannt ob sich wer davon angesprochen fühlt und verspreche das der Rest dann forumskonfomer ist.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 30. Dezember 2025, 00:42

Ich hab es mir angehört, obwohl in deiner Beschreibung bereits so einige Triggerworte enthalten sind, die mich üblicherweise Abstand nehmen lassen: #hiphop #noisig #lässigeclubszenen #stressig #überdreht #zeitgeist #beats

Wobei ja Ausnahmen existieren, denn manche würden auch Watchtower als stressig, King Diamond als überdreht und Blasphemy als noisig beschreiben.

Was ich verstehen kann, das ist, dass einen die Atmosphäre abholt. Die elektronischen Beats und die durch die Elektronica erzeugte Atmosphäre transportieren tatsächlich gewisse dystopischen Sci-Fi-Vibes, was erst einmal charmant ist, und jene Momente, in denen nicht gerappt wird, also vor allem die Instrumentalparts und manche gemäßigtere Gesangsparts ("Code") kann ich mir tatsächlich sehr gut geben. Um richtig tief einsteigen zu wollen, ist aber dann doch das Gesangselement der Deal-Breaker. Ich komme einfach in die Rhythmik und den Duktus von Hip-Hop-Gesang nicht rein und kann ihm schon deshalb nicht folgen.

Gleichwohl sicher qualitative Musik mit Anspruch. Will ich nicht kleinreden. Ich besitze ja ein einziges Hip-Hop-Album (von ANGRY TENG)... das aber nur, weil es auf Zeitgeister erschienen ist und der Matin Vasari halt auch ein echter Metalhead ist. Kann ich mir auch gut anhören, aber ja, ein HipHopper werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Aber ich habe ja auch meine nichtmetallischen Spielfelder.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 30. Dezember 2025, 00:53

Die dodekaphonischen und dissonanten Elemente bei "Malleus" sind auch cool.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon kingdiamond » Dienstag 30. Dezember 2025, 01:02

Ich habe deinen Text zumindest gelesen und nicht schon im zweiten Satz aufgehört. Zu mehr reicht es aber erstmal nicht.
Ich steige dann erst beim Metal ein.
Hab auch eh generell noch genug nachzuholen, bevor ich mir HipHop geben werde. ;-)
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Eike » Dienstag 30. Dezember 2025, 14:14

Schöner Text zum Einstieg, Dead_Guy!
CLIPPING ist mir als Name schon über den Weg gehoppelt, allerdings bislang bloß als ein weitgehend leerer Begriff bis auf den Ruf, ein heißes Eisen zu sein. Dein Text trifft es echt gut, was das dystopische Sci-Fi-Element und die technoide Hektik anbelangt. Manches erinnert an PRODIGY, BENTLEY RHYTHM ACE, SQUAREPUSHER oder andere britische D'n'B, Big Beat, IDM Musikanten, Anderes im besten Fall an AESOP ROCK. Derzeit ist mir gar nicht so sehr nach kühler Stressmucke, aber ich verstehe den Appeal, obgleich ich die extrem hohen Luftsprünge mancherorts nicht ganz nachvollziehen kann. Dafür fehlen mir große Überraschungsmomente. Würdigen kann ich konsequente Klangästhetik und genug technische Finesse um trotz geradliniger Grundstilistik für eine gewisse Abwechslung zu sorgen. Dennoch benötige ich nach etwa der Hälfte des Albums erstmal einen Break. Bei 'Keep Pushing' gefällt mir der flüssige Übergang zwischen düsterem Elektro und zurückgelehnter Jazziness, was für einen trippigen Effekt sorgt.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 30. Dezember 2025, 15:00

Sehr cool, dass du begonnen hast. CLIPPING. ist mir kein Begriff, aber was den Hip Hop angeht, bin ich da seit Jahren raus. Habe aber immer mal wieder Phasen, in denen ich Songs ausgrabe und dann auch genießen kann- Ich bin schon öfters mal nahe an der Versuchung mir ein kleines Klassiker Gerüst aufzubauen.

Das klingt sehrninteressant, was du dazu schreibst und ich habe gestern, zur späten Stunde auch mal reingehört. Und das hat mir sehr gut gefallen-Scheint sehr gehaltvoll zu sein. Das Interesse wurde geweckt, Jetzt fehlt mir nur noch die Zeit, das ein wenig zu vertiefen. Im neuen Jahr mach ich das aber gerne noch einmal.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Dead_Guy » Dienstag 30. Dezember 2025, 19:31

Danke erstmal fürs Interesse, gwrade bei so was fremden hätte ich ehrlich gesagt mit weniger gerechnet. Zu den Gennanten die als Vergleiche genommen wurden würde ich noch un Death Grips erweitern, die sind ähblich pulstreibend und unkonventionell unterwegs und werden gerne als die Punks des Hip Hop bezeichnet. Und wo Aesop Rock genannt wurde: sein aktuelles Album Black Hole Superette ist wiederum ein Album wo ich die weite Begeisterung nicht ganz teiele, dafür dümpelt es mir stellenweise zu sehr vor sich hin. Was ich dafür wiederum empfehlen kann aus diesem Jahr ist die Ghais Guevara, ein Konzeptalbum übers Musikgeschäft wenn ich das richtig verstanden habe und mir ziemlich taugt, aber mehr als diese drei und die Showbiz! von Mike habe ich an Neuheiten aus dem Genre dieses Jahr auch nicht gehört.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Dead_Guy » Mittwoch 31. Dezember 2025, 10:39

9. Wulkanaz - Luftuz
Weiter geht es mit einem Genre, wo ich mir zumindest einbilde sowas wie Ahnung zu haben, nämlich Black metal und zwar der eigenwilligen Art. Wulkanaz ist das Projekt eines Schweden den man von seinem Projekt Wagner Ödegard kennen könnte. Wulkanaz sind so ziemlich das primitivste und obskurste was der schwedische Black Metal zu bieten hat, frühe Arckanum auf schwarzgebranntem mit einer gewissen Punkigkeit versehen, dazu die Kaputtheit von bspw. Ildjarn. Das dritte Album ist erstaunlich musikalisch (für dieses Projekt wohlgemerkt) ausgefallen: nicht nur ist es das längste Werk in der Diskografie, der Sound ist klarer, aber immer noch lofi und räudig wie es sich gehört, und es gibt sowas wie hymnische Momente, die ihre Bathory-Verwandschaft nicht leugnen. Davon ab ist der Weidness-Faktor gleich geblieben, noch immer prügelt man sich grobschlächtig durch schwedische Hinterwälder und der Gesang ist herrlich abgefuckt und erreicht stellenweise die Besessenheit des Vocalterrors von Reverorum Ib Malacht. Richtig gaga wird es aber erst wenn mitten in den Songs ritualistische Ambient- Klänge reingeworfen werden, die zu zunächst sinnlos platziert wirken, aber den einwilligen Charakter und Kauzigkeit nach oben treiben und für mich ganz persönlich die Highlights auf dem Album darstellen, aber auch im Hintergrund eingestreute, wabernde Sythies und Folk-Nuancen sorgen dafür das es ein Album ist, wo man trotz aller Primitivität immer wieder noch was entdecken kann.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 31. Dezember 2025, 10:47

Dead_Guy hat geschrieben:Danke erstmal fürs Interesse, gwrade bei so was fremden hätte ich ehrlich gesagt mit weniger gerechnet.


Das Forum steckt voller Überraschungen :grins:
Gerade beim Eike war ich mir sicher, dass du auf Interesse stößt. Non Metal Sachen finden hier durchaus Anklang und das sehr vielseitig. Hip Hop, Klassik, Jazz, Country, New Wave/Post Gedöns. Das Spektrum ist schon sehr hoch, wenngleich sehr verstreut und es nicht täglich hier Erwähnung findet.
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Re: Dead_Guys pers. Jahresabschluss

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 31. Dezember 2025, 10:59

Zu Platz 9:

Es dürfte wohl öfters der Fall sein, hier auf unbekanntes zu treffen. So mag ich es :grins:

Gerade höre ich rein und lese dabei deinen Text. Und kann das Geschriebene gut nachvollziehen. Ich mag diese punkige, fast schon Crust artige in den Songs. Richtig interessant wird es durch diese Elektroeinspielungen. "Gulbraza" ist dabei fast ja noch konventionell. Aber schon der nächste Song hat eigenwillige Vocals. Komisch, ist er doch noch eine Spur traditioneller, aber irgendwie anders. Ich ziehe also das Ergebnis aus gehörtem und gelesenen folgendes Ergebnis daraus: weiter zu erkunden! Das ist wohl nicht alles, was der Gesamtsound hergibt. Echt interessant!
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