Eike hat geschrieben:Ah, gefunden, besten Dank dafür:Rüdiger Stehle hat geschrieben:ZAHO DE SAGAZAN "La Symphonie Des Éclairs (Le Dernier Des Voyages)"
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Wenn der Gesang, die Phrasierung und die Stimmung mich mitnehmen, dann kann auch sehr elektronisch geprägte Musik mich komplett abholen.
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Von ihr gibt's bisher nur ein Album (das allerdings in einer Version mit und einer Version ohne Orchester). Die reguläre Deluxe-Version hab ich direkt geordert, und 14 Stunden später war sie im Briefkasten. Läuft jetzt, und das ist schon sehr schöne Mucke... und eine tolle Stimme mit toller Phrasierung. Einflüsse reichen von Piaf und Bowie über Jacques Brel und Barbara Brodi bis hin zu Kraftwerk und Depeche Mode, Krautrock und Synthwave. Die dunkle, facettenreiche Stimme sorgt für ein ziemlich einzigartiges, recht düsteres, nachdenkliches, aber nicht negatives oder depressives Flair. Kann viel, wie ich finde.
https://www.youtube.com/watch?v=LsYkbKovDZ0
Deine Beschreibung trifft es recht gut. Ich habe mit der Rhythmik dieses Songs so meine Probleme. Zu dicht am klassischen House-Rhythmus. Der macht mich immer unruhig und latent aggressiv, Ich empfinde ihn als unangenehm, korsettartig, kommandierend, kalt, steril, starr, metallisch, undurchdringlich, zwanghaft, daran und darin swingt nichts, er verweigert sich jeglicher Resonanz mit den übrigen Songelementen.
Das mag beabsichtigt sein, und es ist ein me-Problem, dass ich ihm zu viel Fokus gewähre, und das verstellt mir etwas den Zugang. Objektiv ist das gut gemacht, passt anscheinend ja auch zur Thematik, wenn ich mich da auf eine User-Übersetzung in den Kommentaren verlassen darf.
Der Text erinnert mich ein wenig an die Thesen von Mary Wollstonecraft aus "A Vindication of the Rights of Woman": Wenn man jemandem die intellektuellen Fähigkeiten und die freie Selbstbestimmung und soziale Anerkennung, kurzum die Mündigkeit abspricht und seine Kompetenzen auf Gefühle und pflegerisch-psychische Zuwendung hin einschränkt, so wird diese Person im Gegenzug Kontrolle auszuüben versuchen und psychisch manipulativ agieren, um die Machtdynamik zu unterlaufen bzw. umzukehren.
Diesen verschlagen aufbegehrenden Trotz, aber auch die besinnungslose, unempathische, unterkühlte, verständnislose Unerbittlichkeit, mit der ihm begegnet wird, beschreibt das Stück auch musikalisch sehr gut: Der zu eng gesteckte, führende Beat als Gegenpart, als eine starre Kette, wovon der ergreifende Gesang sich zunehmend abzuheben und zu emanzipieren versucht.
Möglichst objektiv betrachtet ist das musikalisch, kompositorisch sowie in Arrangement und Darbietung stark; aber ein Hörgenuss ist es für mich subjektiv dennoch nicht.
Interessante Konzeptualisierung und Vorgehensweise, und für dieses Stück eine sehr gute Sängerin.
Auch deinerseits sehr gut und treffend beschrieben Eike.
Ich denke, dass wir uns in der objektiven Beschreibung weitgehend sehr einig sind und uns hier lediglich das subjektive Wohlbefinden mit dieser Art von Musik trennt. Dennoch freut mich deine Anerkennung der gebotenen Qualität. Für mich ist tatsächlich das rhythmisch kalte und erbarmungslose Gerüst dieses Songs ein besonderer Pluspunkt, der mir dabei hilft in diese Welt einzutauchen. Das hat für mich Parallelen zu ansonsten stilistisch sehr weit entfernten Bands aus der norwegischen BM-Avantgard, speziell zu DHG, MYSTICUM, MANES oder sogar MAYHEM zu Zeiten der "Grand Declaration". Ich beschreibe das immer als "totalitären Industrial-Beat" und bin damit wohl nicht weit weg von deiner Einordnung. Mit dem Unterschied halt, dass ich das toll finde.
Vorsorglich sei aber gesagt, dass dieses starre, kalte Beat-Gerüst bei Weitem nicht das ganze Album durchzieht, sondern dass die meisten Songs relaxter, spaciger, teils triphoppiger, teils ambientlastiger gefügt sind.
Mich holt das Album gerade komplett ab, auch wenn das für mein übliches Beuteschema ja grundsätzlich schon ziemlich weit draußen ist. Früher konnte ich ja mit elektronischer Musik fast gar nichts anfangen. Es freut mich sehr, dass sich das ändert. Und es freut mich, dass mein passives Französisch noch deutlich besser ist, als ich es erwartet häte.





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