Der Sampler gefällt mir insgesamt ganz gut, auch wenn mich nicht alles umgehauen hat. Dafür war zu wenig aus den von mir favorisierten Sparten dabei (wobei ich an sich schon ein Allrounder bin - Widerspruch? Evtl...) Erkannt habe ich nichts.
Und ab geht's:
Track 1 – 5:10
Thrashiger Metalcore. Klingt verdammt amerikanisch und erinnert mich immer mal wieder an TRIVIUM. Das könnte von der Gittarenarbeit her auch hinkommen, die ist nämlich sehr versiert. Kennen tu ich das Stück definitiv nicht. Aber mir gefällt's. Könnte wohl wirklich von der neuesten TRIVIUM-Platte kommen. Der Sänger will mich die ganze Zeit zur Apokalypse willkommen heißen. Da simmer dabei!
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Track 2 – 5:36
Kriegsgetrommel und eine Leadgitarre, in die vermutlich gerade wie in eine Fanfare hineingepustet wird. Intro. Intro. Immer noch Intro. Oha, Riff. Treibender Rhythmus. Klingt wie eine ENSIFERUM-Kopie. Oder wie ENSIFERUM selbst? Oder wie die Band, der ENSIFERUM die ganze Zeit nacheifert? Der getriggerte Schlagzeugsound nervt mich bei solcher Musik, die ja irgendwie immer was naturverbundenes haben will. Ansonsten schöne, eingängige Melodien, die diese Hymne zur Schlacht verzieren. Macht definitiv Laune. Das ist genau die richtige Musik für ein kaltes Winterfestival, 17:24 mit ca. 5 Bier und 3 Met drin und dabei ordentlich Spaß in den Backen. Warum jetzt zu allem Überfluss ein Keyboard verwendet wird, verstehe ich absolut nicht. Und diese Dudelsäcke am Ende erst... argh! Flöten auch noch. Repertorie bald ausgeschöpft oder muss man vollkommen songundienlich noch mehr dazupacken? Oh, vorbei. Schade, Spaß hat's doch irgendwie gemacht.
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Track 3 – 4:11
Jetzt wieder etwas ganz anderes. Mit einem sehr dezenten Sound wird mir vollkommen unaufdringlich ein gar nicht mal so spannendes Riff präsentiert. Anschließend sogar kurzzeitig Klavier-Geklimper. Dann klingt das wieder wie Underground-Heavy Metal neueren Datums, gerade aufgrund der "Hey, hey!"-Shouts im Refrain. "I really hate you!". Echt? Nicht schlimm, ich mag dich / euch auch nicht so gerne, dass ich das ewig hören muss – wobei der Song durchaus Spaß macht.
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Track 4 – 4:22
Das ist doch gleich viel besser. Simpler, aber effektiver Heavy Metal / Hard Rock. Geht gut nach vorne mit netter Leadgitarre und großteils durchgetretenem Gaspedel. Die Double-Leads sind sogar richtig toll. Irgendwie fällt es mir richtig schwer, da jetzt auffällige Elemente herauszupicken, denn der Song brilliert meiner seiner unglaublichen Schlichtheit. "Keep on fighting!" - läuft. Fein!
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Track 5 – 4:30
Das erinnert mich vom Sound wie von der Musik her teilweise extrem an JUDAS PRIEST zur "Screaming For Vengeance"-Zeit. Aber vermutlich auch nur, weil ich keinen besseren Vergleich parat habe. Wobei, 'You've Got Another Thing Coming' schimmert für mich hier sehr deutlich durch. Nur klingt der Sänger hier nicht wie der Metal-God, sondern eher wie einer der klassischen und typischen Sänger der ganz frühen Heavy Metal-Phase. Gar nicht mal verkehrt.
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Track 6 – 5:50
MAIDEN-artige Lead-Gitarre. Dann sogar doppelt. Und dann sehr ulkiger, hoher Gesang, der ziemlich nasal daherkommt. Kenne ich natürlich nicht. Und selbstredend auch keinen passenden Vergleich. Die Gitarren sind sehr dezent und klingen bei den Melodienführungen sehr klar. Das Keyboard im Hintergrund dient nur ganz leicht der Untermalung. Irgendwie klingt das so unglaublich unaufdringlich, dass man das schon fast als Metal-Fahrstuhl-Musik bezeichnen könnte (jetzt vor allem vom Sound her betrachtet). Ist aber ganz nett.
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Track 7 – 4:45
Hell yeah! Hier wird innerhalb von Sekunden Hackfleisch aus mir gemacht. Und zwar solches der ganz, ganz feinen Sorte. Nach den bisher eher klassisch ausgerichteten Sachen werden mir bei Titel 7 direkt messerscharfe Gitarrenriffs, Blastbeats und Gekeife um die Ohren gehauen. Hat teilweie was von DEATH. Teilweise aber auch definitiv wieder etwas von einer modernen Band wie THE BLACK DAHLIA MURDER. Der radikale Stimmenwechsel erinnert sehr an die Amerikaner, vor allem das hohe Gekrächze. Neben einigem an Gedudel gibt es dann auch wieder thrashige Parts, insgesamt auch etwas vertrackt, weshalb der Vergleich mit DEATH absolut nicht von der Hand zu weisen sein dürfte. Gefällt mir sehr gut, weil auch epische Passagen eingebaut sind. Der Song hat alles – und genau das dürfte einigen zu viel sein. Bester Song des Samplers!
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Track 8 – 4:03
Keyboard-Kitsch von der ersten Sekunde an. Endet zum Glück nach 15 davon. Kommt dann aber wieder. Das ist typischer Euro-Power-Metal, wie ich ihn gerade nicht gebrauchen kann. Ich kenne ihn diesem Bereich nicht so sonderlich viel, erinnert mich aber ein wenig an eine Band wie VISIONS OF ATLANTIS ohne weiblichen Gesang. Ist definitiv gut gemacht, kann mich aber aktuell nicht so wirklich berühren.
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Track 9 – 6:21
Hatte ich den Song nicht gerade schon? Uhm. Die Spielzeit ist eine andere, muss daher wohl etwas anderes sein. "Pompösaunes Keyboard" zu Beginn, bevor leicht so etwas wie ein Riff einsetzt. Ziemlich kitschiger, Euro-Metal-Standard-Text ("Listen to what I've to say; hear my words, yes, i will lead the way; follow me and we'll never be apart [...]") und auch musikalisch nicht unbedingt übermäßig aufregend, wobei dies durch ein paar Einfärbungen, wie man sie vielleicht von ENSIFERUM kennt, aufzulockern versucht wird. Es gibt ziemlich viele Wiederholungen, enden tut das ganze dann mit dem Chorus auf der Akustikgitarre.
Schlecht ist das sicherlich nicht, und für den Moment kann ich mir das auch gut geben, wobei mich dieser BRAINSTORM meets ENSIFERUM-Mix im Moment nicht so anspricht, wie das vielleicht noch vor einigen Jahren der Fall gewesen wäre.
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Track 10 – 3:49
Irgendwie gehen mir die Beschreibungen aus. Wieder Heavy / Power Metal. Recht flott. Kein Kastraten-Gesang. Feines, zügiges Solo. Melodien auch gut. Nur die Gesangslinie ist nicht so meins; irgendwie etwas unspektakulär – da fehlt die Hookline, die meines Erachtens unabdingbar ist, um solche Musik spannend zu machen.
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Track 11 – 3:51
Mein erster Gedanke: Schon wieder Power Metal, aber immerhin schön treibend und nach vorne gehend, mit ziemlich brutalem Sound und ordentlich Druck im Hintern. Double-Bass, treibende Lead – yeah! Aber auf einmal gesellt sich kein Eierkneif-, sondern schön dreckiger, gegrowlter Gesang hinzu. Das Tempo ist durchgehend hoch und wird auch im Prinzip zu keiner Sekunde gedrosselt. Erinnert insgesamt – auch vor allem der Melodien wegen – ziemlich an EQUILIBRIUM, bis bei 2/3 des Songs auf einmal DRAGONFORCE-artige Soloeinladen das Geschehen beherrschen. Zum Glück nicht allzu lange, so dass dieser kurzweilige Song zeitig auf den Punkt kommt. Kommt bestimmt vor allem live gut, wobei ich die Halbwertszeit auf Platte als relativ gering einschätzen würde. Dennoch: Feines Stück, das Spaß macht!
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Track 12 – 7:33
Beim schließenden und längsten Song des Samplers tue ich mich mit einer Beschreibung richtig schwer. Eine vom Sound her fast Stoner-artige Gitarre setzt ein, dann Gegrowle, wobei das nicht in Geballer, sondern in langsame, atmosphärische Musik mündet. Genre? Pagan Metal dürfte es wohl am ehesten treffen. Es wird zwischendurch immer mal wieder auf allen Instrumenten variiert, und der Drummer findet gelegentlich auch das zweite Bass-Pedal, aber insgesamt handelt es sich hierbei um ein sehr getragenes Stück Musik. Nach 4,5 Minuten gibt's ein Solo. Anschließend nimmt der Song nochmal Fahrt auf, bevor er schließlich mit einer Clean-Gitarre und Keyboard-Synthies gefadeoudet (was ein Wort, nicht?) wird. Nicht schlecht, kann mich aber auch nicht vollständig packen.
Ich habe auch keinen wirklichen Plan, wer mich bewichtelt hat, aber ich will auch nicht einfach nachgucken um logisch zu erschließen, wer es sein müsste. Getippt hätte ich jetzt fast auf jemanden wie Frozen, da der Power Metal-Anteil recht hoch ist, aber dafür sind einige Sachen dann vermutlich doch zu hart.
Daher: Bitte gebe dich zu erkennen, lieber Wichtel!



