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von Feamorn » Mittwoch 2. April 2025, 10:39
Havoc hat geschrieben:Um mal wieder zum neuen Album zurück zu kommen. Man liest ja an sehr vielen Orten fast nur Positives. Das überrascht mich tatsächlich ein wenig. Warum? Nun. Weil es eigentlich das melodischste Album seit langem oder gar überhaupt ist. Ich will damit sagen, dass dieses Album hier aus meiner Sicht mehr Angriffsfläche bietet als die letzen Alben. Das irritiert mich ein wenig. Vor allem solche Stimmen die sagen, dass Cradle nach den zuletzt eher schwächeren Alben nun endlich wieder einen rausgehauen haben...kann ich nicht wirklich verstehen. Aber nur um es klarzustellen...die Neue ist echt toll geworden, aber aktuell sehe ich sie nicht vor den drei direkten Vorgängern. Die waren ebenfalls alle Spitze! Mal sehen wie es sich weiter entwickelt...
Dass es Stimmen gibt, die die letzten Alben als "eher schwächer" bezeichnen finde ich ja wirklich faszinierend... Für mich war "Existence Is Futile" das stärkste Album seit "Nymphetamine" und hatte das auch generell als so den groben Tenor bei der VÖ damals in Erinnerung. Uns insgesamt ist für mich die gesamte Phase nach dem "Bruch" (nenne ich immer so, auch wenn es nicht so eindeutig war, was ich meine ist Paul Allenders Abgang und der Zugang von Daniel Firth, Ashok, Richard Shaw und Lindsay Schoolcraft) quasi der zweite Frühling der Band, auch wenn Richard und Lindsay (und deren Nachfolgerin Anabelle Iratni) ja auch wieder weg sind (Hammer of the Witches und Cryptoriana waren ja tatsächlich die einzigen zwei regulären Alben mit dem selben Lineup). Habe die Neue jetzt noch nicht sooo viel gehört, aber die letzten Tage immer intensiver. (Muss zur Zeit leider auf Streaming ausweichen, da meine jpc Bestellung irgendwo im Limbo fest hing... hatte etwas knapp bestellt, dann musste ich fünf Tage warten, bis die Mail kam, dass es abgeschickt wurde, und dann hab ich erst gestern, nach einer weiteren Woche, die Nachricht in der DHL App bekommen, dass die Lieferung angekündigt wurde, soll jetzt morgen in die Packstation kommen (ist eine Post-Sendung), unglaublich nervig...  ) Bei mir zündet die Valkyrie bislang nicht so krass wie "Existence is Futile", aber ich finde das Ding dennoch bockstark! In Sachen mehr Melodie würde ich wohl sogar zustimmen, sind doch einige Ohrwurm-Momente mit dabei (für mich vor allem der "Trinity of Shadows"-Refrain). Wundere mich allerdings auch nicht wirklich, dass mir das Album gefällt, ich hatte im Vorfeld einige Äußerungen von Zoe Marie Federoff (heißt doch noch so, oder hat sie jetzt Ashoks Nachnamen?) mitbekommen, dass sie und... ich weiß nicht mehr ob Daniel Firth oder Donnie Burbage, große Fans von Midian sind, und sich dementsprechend beim Songwriting haben inspirieren lassen. Gab jetzt wohl kürzlich Live-Debuts(?) aus der Band-Phase. (Oder wird es geben?) Lange Rede kurzer Sinn, in der Form dürfen die für mich noch lange weiter machen, und ein goldenes Händchen haben sie in Sachen Line-Up (zumindest musikalisch) offenbar auch, egal wie kurz manche dabei sind. (Zählt die Band eigentlich noch als Britisch?  (Zwei Briten, zwei Tschechen, zwei US-Amerikaner.))
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von Havoc » Mittwoch 2. April 2025, 16:36
Also was das Besetzungskarussell betrifft...bist du definitiv besser informiert und tiefer im Thema drin als ich. Da blickt ja über die Jahre echt keiner mehr durch. Dani Filth ist Cradle Of Filth! Punkt. Aus. Solange die Musik weiterhin so toll ist, ist mir eigentlich relativ egal, wen er da ansonsten noch so um sich scharrt.  Aber ähnlich wie ein Kummerer bei Obscura...scheint er ein gutes Händchen dafür zu haben.  Mal etwas rumgesponnen... Dem Grunde nach ist das hier wirklich so krass, dass man auch sagen könnte, dass der halt ein Solokünstler ist. Ich meine...solche markanten Künstler wie Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer spielen ja auch mit einer Backingband. Das ist hier eigentlich nix anderes. Cradle ohne Herrn Filth ist für mich echt genauso undenkbar wie Udo Lindenberg (und Band) ohne Udo Lindenberg. 
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von Feamorn » Mittwoch 2. April 2025, 17:02
Klar ist Dani Cradle, und ohne Dani gibt es kein Cradle, aber nach allem was ich über die Jahre so gehört hat, ist das ansonsten schon recht demokratisch (bin die Tage erst über eine Aussage von Adrian Erlandsson dazu gestolpert). Das ist wohl zum einen der Grund, für den hohen Durchsatz an Musikern, weil es eben auch clasht, aber andererseits heißt das eben auch, denke ich, dass da jeder in der Band seinen Anteil am Songwriting hat/haben kann. Da finde ich das dann durchaus spannend, wen er sich dazu holt. Lindenberg oder Grönemeyer sind ja schon auch die Hauptsongwriter, afaik, das scheint bei CoF nicht der so Fall zu sein.
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von Havoc » Donnerstag 3. April 2025, 10:57
Feamorn hat geschrieben:Klar ist Dani Cradle, und ohne Dani gibt es kein Cradle, aber nach allem was ich über die Jahre so gehört hat, ist das ansonsten schon recht demokratisch (bin die Tage erst über eine Aussage von Adrian Erlandsson dazu gestolpert). Das ist wohl zum einen der Grund, für den hohen Durchsatz an Musikern, weil es eben auch clasht, aber andererseits heißt das eben auch, denke ich, dass da jeder in der Band seinen Anteil am Songwriting hat/haben kann. Da finde ich das dann durchaus spannend, wen er sich dazu holt. Lindenberg oder Grönemeyer sind ja schon auch die Hauptsongwriter, afaik, das scheint bei CoF nicht der so Fall zu sein.
Da magst du auch wiederum recht haben. Die Neue lief gestern auch noch mal. Insbesondere die Songs "The Trinity Of Shadows" und "Malignant Perfection" sind schon sehr poppig und schliddern fast zu arg an der Grenze zum Kitsch entlang (diese Keyboard-Klänge allen voran). Es sind aber trotzdem gute Songs. Am besten gefallen mir bisher wohl tatsächlich die Halbballade "Non Omnis Moriar" und "You Are My Nautilus". Des Weiteren dann auch das sehr heavy angesetzte "White Hellebore" und auch "Ex Sanguine Draculae". Aber wie schon gesagt...den kleinen Hype um das Album innerhalb des Cradle-Kosmos kann ich nicht ganz nachvollziehen. Womöglich würde ich es aktuell sogar leicht hinter den letzten drei Werken sehen.
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von Havoc » Dienstag 15. April 2025, 23:42
Schicke Gruppentherapie mal wieder. Es freut mich wirklich sehr, dass das Album gut wegkommt. Ganz besonders freut es mich, dass Rüdiger anscheinend wirklich die Klasse der Band so richtig erkannt zu haben scheint. Auf zwei Sätze der GT möchte ich noch kurz eingehen... Was haben ZZ TOP, AC/DC, MOTÖRHEAD und CRADLE OF FILTH gemeinsam? Sie dürfen immer die gleichen Alben veröffentlichen und das macht rein gar nichts.
Also das hier möchte ich so echt nicht stehen lassen. C.O.F. war eigentlich gerade eben keine Band, die immer das gleiche Album gemacht hat. Aber ich denke hier ist so die Entwicklung ab der "Hammer Of The Witches" gemeint. Ja. Die Band fährt seit diesem Album schon einen bestimmten Stil und hat es sich darin vielleicht sogar ein wenig gemütlich gemacht, aber auch diese vier Alben sind sich sicher nicht so ähnlich, dass man von einer Kopie sprechen könnte. Nee. Sicher nicht. Die "Midian" war dann glaub ich auch die letzte Scheibe, in die ich nochmals hineingelauscht habe. Den dann folgenden Symphonic-Gothic-Kitsch-Klimbim habe ich lediglich noch so mit einem Viertel der Ohren zur Kenntnis genommen.
Das hier sehe ich auch total anders. Bei solchen Aussagen könnte man meinen, dass die Band auf einmal einen total anderen Stil spielen würde und total verweichlicht wäre. Dem ist aber mitnichten so. Cradle hatten stets einen harten Metal Anteil in ihren Alben. Und besonders kitschig ist da eigentlich gar nix. Wenn man Cradle mag, muss man irgendwann einfach alle Alben habe. Ein wirklich Schwaches wird man nicht finden. 
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von Holger Andrae » Donnerstag 17. April 2025, 10:22
Vor allem ist der zitierte Satz auch in Bezug auf Motörhead falsch.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 17. April 2025, 10:51
Holger Andrae hat geschrieben:Vor allem ist der zitierte Satz auch in Bezug auf Motörhead falsch.
Hättest du es nicht gesagt, dann wäre das mein Job gewesen. Man vergleiche einfach mal "Overkill", "1916" und "Another Perfect Day"... 
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von Holger Andrae » Donnerstag 17. April 2025, 10:58
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Holger Andrae hat geschrieben:Vor allem ist der zitierte Satz auch in Bezug auf Motörhead falsch.
Hättest du es nicht gesagt, dann wäre das mein Job gewesen. Man vergleiche einfach mal "Overkill", "1916" und "Another Perfect Day"... 
Ganz genau.Diese Aussage trifft auf Motörhead für mich genauso gut zu wie auf beinahe JEDE andere Band, die einen Signature-Sound gefunden hat.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Havoc » Donnerstag 17. April 2025, 12:01
Holger Andrae hat geschrieben:Ganz genau.Diese Aussage trifft auf Motörhead für mich genauso gut zu wie auf beinahe JEDE andere Band, die einen Signature-Sound gefunden hat.
Stimmt eigentlich. Sowas muss man eher bewundern als bemängeln. Gerne genannt wird ja diesbezüglich auch AMON AMARTH. Klar klingen die Alben recht ähnlich. Aber trotzdem braucht man als Fan wirklich alle. Und außerdem wollen die Fans ja auch gar nix anderes. Es ist auch eine echte Kunst solch einen gewissen Sound zu entwicklen und immer spannend in Nuancen zu verändern und erweitern. C.O.F. haben diesen Sound insbesondere mit den letzten vier Alben gefunden. Da ist schon was dran. Aber auf die gesamte Diskografie gesehen ist C.O.F. sicherlich keine Band auf die der Satz auch nur annähernd passen würde. Wobei es ja hier gar nicht gemängelt wird.....er schreibt ja, dass sie das dürfen. Trotzdem ist die Aussage irgendwie halt nicht ganz zutreffend. 
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von Havoc » Donnerstag 17. April 2025, 23:11
Angeregt durch die kürzliche Diskussion habe ich mich mal dazu verleiten lassen eine kleine Einteilung ihres Werks vorzunehmen. Ich denke man kann die Diskografie grob in vier Phasen einteilen.
Die ersten drei Alben stellen bis heute das kultige Fundament dar, auf dem alles andere gründet. Bereits auf dem noch eher schrofferen Debüt ließ sich erahnen, dass das eine ganz besondere Band sein könnte. Und bereits mit Album Nr. 3 wurden sie zu Black Metal Super Stars auf der einen und zum Hassobjekt auf der anderen Seite.
1 The Principle Of Evil Made Flesh (1994) 2 Dusk And Her Embrace (1996) 3 Cruelty And The Beast (1998)
Mit den folgenden Alben zeigen Cradle dann bereits, dass sie ihr Ding einfach durchziehen. Das Vampirimage wird erst mal nicht weiter gepflegt und schnell wird klar, dass diese Band deutlich mehr will und vor hat als nur Black Metal zu spielen. In dieser Phase wagt man sich immer weiter aus der Deckung und geht noch etwas mehr in Richtung Klassik, Gothic und Rock. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Die Musik fußt allerdings immer auf hartem typischen C.O.F.Metal. Mit Album Nr. 7 hat man diese Richtung dann aber wohl ausgereizt.
4 Midian (2000) 5 Damnation And A Day (2003) 6 Nymphetamine (2004) 7 Thornography (2006)
Der Kurs wird ab hier wieder ein wenig in die eigene Vergangenheit korrigiert. Auf den folgenden Alben sind wieder vermehrt richtig harte Passagen zu finden und auch das Vampirimage wird wieder neu aufgefrischt (Nr. 9). Weiterhin wagt man sich sogar thrashig anmutende Parts mit einzubauen (Nr. 10). Und auch wenn diese drei Alben sicher allesamt nicht unbedingt zur Krone ihrer Schöpfung gezählt werden, so werden sie doch genre arg unterschätzt.
8 Godspeed On The Devil´s Thunder (2008) 9 Darkly, Darkly, Venus Aversa (2010) 10 The Manticore And Other Horrors (2012)
Ich weiß nicht genau, was dann passiert ist. Liegt es an Besetzungswechseln, bei denen kaum jemand mehr durchblickt? Aber ab Album Nr. 11 spielt die Band auf wie im zweiten Frühling. Auf keinem Album klingt Cradle mehr nach Iron Maiden auf Crack (Zitat Dani himself) als auf dem ersten dieser Phase. Das wird dann weiter gepflegt und entwickelt, sodass man das Gefühl hat, dass die Band hier ihren eigenen Signature Sound gefunden hat. Vier wunderbare Alben, alle recht heavy und insbesondere auf dem neuesten Werk auch sehr melodisch.
11 Hammer Of The Witches (2015) 12 Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay (2017) 13 Existence Is Futile (2021) 14 The Screaming Of The Valkyries (2025)
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