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von Eike » Freitag 13. September 2024, 13:01
Pillamyd hat geschrieben:Sehr schön geschrieben.
Dankeschön! Pillamyd hat geschrieben:Ich habe jetzt mal in "The Four Horsemen" reingehört. Ich meine zu verstehen, was du daran zu kritisieren hast. In den schnellen Momenten kommt das Cello, wie ich finde, tatsächlich nicht so zur Geltung. Ich frage mich unsicher, ob da zwei konträre Verhältnisse gegeben sind. In den ruhigen, oder aber auch in den leicht abgewandelten Passagen finde ich das aber durchaus Ausdrucksstark und erfrischend. Sonst klingt es leider "nur" wie sehr gut nachgespielt. Allerdings ist das Handwerk natürlich sehr stark.
Ja, das ist es. Die übrigen Stücke des Albums finde ich da deutlich stärker. Aber das Debütalbum, oder generell die ersten beiden, schaffen es, Sachen auf dem Cello funktionieren zu lassen, die nicht funktionieren sollten, und das macht es für mich deutlich beeindruckender. Solche atemberaubenden Momente sind auf dem zehnten Apoalbum eher selten. Aber es gefällt mir für sich genommen trotzdem. Jedenfalls über die weitesten Strecken. Pillamyd hat geschrieben:Ich habe die Veröffentichung nur am Rande mitbekommen. Ich kenne auch das erste Album nur Stückweise. Ich hatte mal die "Cult", weil mich das interessiert hat. Aber die Begeisterung hielt sich damals in Grenzen. Weswegen ich die Band auch nie weiter verfolgt habe.
"Cult" ist schon deutlich anders vom Charakter her.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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von Eike » Sonntag 16. März 2025, 13:46
Hier liefen/laufen nochmal "Inquisition Symphony" und "Cult" hintereinander durch.
Was "Cult" so einzigartig macht sind die wirklich gelungenen Eigenkompositionen.
Allerdings hat "Inquisition Symphony" wirklich tolle Arrangements, und das schließt die Anordnung der Stücke als ein sehr gut gegliederte Album mit atmender Stückfolge ausdrücklich mit ein. Nicht nur sind hier die Nuancen im Spiel bis ins Letzte perfekt ausgereizt, es ist auch eine gleichermaßen facettenreiche und flüssige Zusammenstellung an Songs.
"Cult" will ich damit kompositorisch überhaupt nicht schmälern. Zum einen, und das besticht mich natürlich besonders aufgrund meiner Geschmacksorientierung, wird hier noch mehr auf Melancholie gesetzt, zum anderen ergeben sich spannungsreiche Momente aus einer gewissen Zerrissenheit zwischen ebenjener Melancholie und einer gewissen rohen Düsternis, welche hier oftmals als geschlossene Wall of Sound daherkommt, wobei die Übergänge durchaus gekonnt sind, sodass beides nicht losgelöst nebeneinander steht, sondern eben schlüssige Kontraste in den Raum stellt.
Allerdings, Stichwort Klangraum: Gerade im Direktvergleich zeigt sich mir, dass die Tontechnik und Abmischung bei "Inquisition Symphony" gegenüber "Cult" dann eben doch die Nase deutlich weiter vorn hat; das frühere Album klingt einfach weitaus differenzierter und, selbst in den gezerrteren Momenten, klarer als das jüngere. Voluminös und dynamisch, tiefer ausgeleuchtet, wärmer. Das spricht mich dann letztendlich eben doch noch mehr an, es ergibt sich daraus einfach diese schwelgerische Durchlässigkeit, welcher sich "Cult" mitunter verweigert. Live mag das anders sich angehört haben, war mir jedoch nicht mehr vergönnt auszuforschen.
In der Frühphase erlebte ich das Quartett dreimal live, kleiner Club Gig, kleines Open Air Konzert, mittelgroße Gemeinschaftshalle gut gefüllt, und da hat mich die Formation auch jedes Mal ausnahmslos überzeugen und für sich einnehmen können.
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von Eike » Sonntag 16. März 2025, 20:56
Eike hat geschrieben:Pillamyd hat geschrieben:Ich habe jetzt mal in "The Four Horsemen" reingehört. Ich meine zu verstehen, was du daran zu kritisieren hast. In den schnellen Momenten kommt das Cello, wie ich finde, tatsächlich nicht so zur Geltung. Ich frage mich unsicher, ob da zwei konträre Verhältnisse gegeben sind. In den ruhigen, oder aber auch in den leicht abgewandelten Passagen finde ich das aber durchaus Ausdrucksstark und erfrischend. Sonst klingt es leider "nur" wie sehr gut nachgespielt. Allerdings ist das Handwerk natürlich sehr stark.
Ja, in den ruhigeren Passagen besticht das Cellospiel, gerade nach einigen fremdelnden und dann doch befreundenden Durchläufen, tatsächlich am meisten, und es gewinnt dem Stück auch neue Facetten ab. Dass man manches noch einmal ab- und dem eigenen Sound anverwandelt hat, respektiere ich ganz grundsätzlich. Als Ganzes und für sich genommen besticht diese APOCALYPTICA-Version also durch einen dynamischen Facettenreichtum. Man darf eben kein reines Thrasharrangement erwarten. Genau solche "Experimente" machen die Transkription freilich interessant. Für die Musikanten vermutlich noch etwas mehr als für die Zuhörer. Aber auch, wer das Original nicht kennt, dürfte hieran seine Freude haben, vielleicht mangels Voreingenommenheit sogar noch mehr.
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von Eike » Sonntag 16. März 2025, 21:53
So, jetzt nochmal ein Direktvergleich, danach lasse ich es erstmal gut sein:
METALLICAs 'One' in zwei APOCALYPTICA-Versionen.
Die 2024er Bombastversion setzt auf orchestrale Arrangements mit filmscoreartigen Effekten und spoken words parts. Das ist ein interessanter Ansatz, der allerdings überwiegend vom Kontrast des unheilsschwangeren Intros zum eher heroischen und deutlich disneyesk anmutenden Symphonikeransatz und dann wieder zum Bedrohlichkeit und Düsternis demgegenüberstellenden beziehungsweise hinzufügenden Rezitativ James Hetfields ausgehend seine paradoxe Wirkung entfaltet, bis erst im Finale die existentielle Dringlichkeit des Stückes deutlicher Raum greift und diesen dann wieder ergänzend mit Soundeffekten füllt, um seine filmisch anmutende, programmatische erzählerische Klammer zu schließen. Dazu braucht das Stück ganze neun Minuten und 43 Sekunden. Ein beachtlich langer Atem, keineswegs langweilig inszeniert, aber im gesamten Aufbau doch eher bühnentheatralisch als impressionistisch immersiv.
Die 1998er Purismusversion mit lediglich vier elektrifizierten Cellos hingegen schafft es in verhältnismäßig kurzen fünf Minuten und 44 Sekunden zum einen, von Beginn an melancholischer, nahegehender und persönlicher ihr schicksalsschwangeres, tragisches Thema zu entfalten, zum anderen erwachsen hier die Bedrohung, die Düsternis, die Gespaltenheit, die Verzweiflung, die Zerrissenheit, die Zerschlissenheit aus dem zunächst noch getragenen und feierlichen Moment heraus viel organischer und konsequenter, türmen sich zunehmend dissonant und im Innersten spannungsgenerierend auf, immerzu bedrückender, intensiver, eindringlicher werdend, in zuletzt eindrücklich überwältigender und doch bis zum bitteren Ende stets emotional nachvollziehbarer Steigerung. Lyrisch bis zum Anschlag, dennoch auch programmatisch ausdrucksstark, vor allem jedoch bei aller emotionalen Komplexität durchgehend unheimlich dicht und kompakt, zielgerichtet und konsistent.
Ich fühle mich hier mittendrin in der musikalisch entworfenen Szenerie, fühle die das Stück ausmachende Geworfenheit überall um mich herum und tief in mir, statt sie aus eher betrachtender Position heraus als eine auf starre Blickachsen ausgerichtete, panoramaartig in die Tiefe gestaffelte, fertige Klangkulisse vorgesetzt zu bekommen, die ihre Effekte eher aus konkreter Anschauung, aus intellektuell codierten Gedankenwelten und aus durch einzeln vorgegebene Impulse getriggertem Kopfkino bezieht. Das spätere Arrangement mag technisch perfekt sein, dramaturgisch detailliert ausgeklügelt wie eine in Akte strukturierte und präzise durchgetaktete Erzählung, aber es packt mich längst nicht so sehr wie der unmittelbarere Ansatz des rein instrumentalen Wettstreits sich zunehmend überlagernder und eher chaotisch ineinandergleitender Gefühle.
I rest my violent case, pardon me, my case for the cello.
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