Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 8. Januar 2025, 22:54

Dissimulator

Die beiden Songs habe ich mir jetzt in den letzten Tagen mehrfach angehört, weil ich natürlich sehr angefixt war. Es fällt ein Voivod-Bezug und meine Ohren gehen auf Habacht-Stellung. Ich kann diesen Vergleich auch verstehen, denn gerade bei den Clean-Parts ist man in ähnlichen Kosmen unterwegs. Allerdigs gibt es etliche Bestandteile in dieser teils recht harschen Mixtur, die mich bislang noch etwas abschrecken. Da wäre einmal dieser bellende Gesang, der mich zuweilen aus dem Hörkonzept bringt. In den tieferen Lagen ist alles paletti für mich, aber wenn es leicht kreischend wird, muss ich kurz mal weghören. Und dann kommt dieses Klangbild, bei welchem ich automatisch an Hardcore denken muss. Da, wo ich bei Voivod von dieser warmen Klangästhetik aufgefangen werden, scheint es hier eher ein akustisches Nagelbett zu sein, auf welches man sich fallen lässt. Dazu dann diese Duracell-Klöppel-Attacken. Ich weiß noch nicht, ob ich das irgendwann mal toll finden werde. Aktuell bleibt es bei einem "spannend"
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 8. Januar 2025, 23:06

Kamasi Washington

Jazz? Ich höre in letzter Zeit ein bisschen die alten Klassiker von meinem Dad und kann da immer wieder Perlen finden, stelle aber auch fest, dass mein Rock'n'Roll gepolten Ohren zumeist andere Rhythmik und vor allem Gesang suchen. Da muss ich schon in bestimmten Mindset sein, um so etwas toll zu finden. Dies hier ist sicherlich musikalisch höchst anspruchsvoll, mir für Jazz aber zu modern und funky.
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 8. Januar 2025, 23:12

UNTO OTHERS

Habe ich ja zusammen mit Eternal Champion und Writhen Hilt live gesehen. Hat mich stark an rockige Sisters Of Mercy erinnert und war erstaunt wie angesagt die Band offenbar ist. Das Konzert war nett, insgesamt aber zu eintönig für mich. Ähnliche Gedanken habe ich beim Anhören der Albums gehabt. Recht gefälliger Goth Rock, der gern etwas mehr Drive oder Hooklines vertragen könnte. Obendrein ist mir die Stimme für diese Art von Musik zu austauschbar. Insgesamt nett, aber leider auch nur das für mich.
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 8. Januar 2025, 23:15

The Decemberists

Jupp, das gefällt mir ganz ausgezeichnet. Wenn ich irgendwann mal wieder etwas mehr Zeit für Musik ohne schreiberische Pflichten habe (also nächstes Jahr) wird das intensiver angetestet. Herrlich verträumter Folk, der den Hörer auf eine Zeitreise in die 70er mitnimmt. Interessante Instrumentierung, Ohrwurm-Melodien, exzellenter Satz-Gesang und überhaupt gesanglich toll. Geiler Tipp!
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 8. Januar 2025, 23:25

Judas Priest

Da muss ich wohl kaum etwas dazu schreiben. Famoses Sptätwerk, welches wohl jeden Freund der Band und dieser Musikrichtung an sich, begeistern sollte.


Blaze Baileys (Freud'scher Verschreiber)

Bin leider kein großer Freund der Sangeskunst dieses Mannes. Von daher berührt mich das leider nicht besonders.

Borkennager

Gefällt mir immer, wenn ich es anhöre, aber es löst nie den entscheidenden Kaufimpuls aus. Dabei macht dei Band für mich alles richtig. Toller Gesang, majestätischer, aber nicht zu drückender Klang, wunderbar aufeinander aufbauende Lavasaitenberge und Melodien, wie singende Eisberge. Wahrscheinlich ist es die fehlende innere Ruhe, die mich solche Musik nicht komplett genießen lässt. Doppelt schade, wenn man sich das mal überlegt. Vielleicht kommt so eine Phase mal wieder. Aktuell bin ich irgendwie anders gepolt.
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Pillamyd » Samstag 11. Januar 2025, 10:35

Platz 01:
New Model Army | Unbroken


Bild

„Unbroken“ ist für mich das erste Album der Band, auf welches ich hin gefiebert habe.

Für mich zählt die Band ja sowieso schon als die Entdeckung der letzten Jahre. Dass die Band allerdings mit einem Album um die Ecke kommt, welches zunächst eine sperrige Erscheinung vermuten lässt, die dir wie aus dem Nichts in Gesicht hüpft und dabei 10 von 10 Hiebe verteilt. Nein, damit habe ich wirklich nicht gerechnet.

Mit was für einem Gewicht muss die Band ins Studio gegangen sein? Die Frage stellt sich mir immer wieder. Und dass ich gern einmal Mäuschen spielen würde, wenn die Band an neuem Material arbeitet. Man hört da ganz viel Wut, Auseinandersetzungen, gleichzeitig aber auch diese verlangen nach konstruktivem Umgang, Reflektion und was weiß ich noch alles. Man muss ja nur mal den Bass am Anfang der Scheibe mit dem Song „First Summer After“ anhören, der die Tiefe des Albums verdeutlicht und einen guten ersten Eindruck des Albums vermittelt. Justin agiert (wie immer) unfassbar ausdrucksstark. Eindringlich, angepisst, direkt und gleichzeitig wirken nicht nur die Texte so, sondern auch die Musik. Rund, roh und grundehrlich. Ich sage es immer wieder, wenn man die Band live gesehen hat und dann so eine Scheibe wie „Unbroken“ vorgesetzt bekommt, sieht man vor dem inneren Auge schon die Mimik, Gestik wie Justin auf der Bühne agiert. Auf diesem Album finde ich es sogar noch ein Stückweit intensiver und damit noch großartiger. Es wirkt durch diese unfassbar gelungene ausbalancierte Produktion, die Wortwahl im Text einfach noch krasser, finde ich.

Musikalisch verbindet hier die Band meiner Meinung nach viel Altem mit Neuem. „Iduema“ zum Beispiel mit seinen World Music Einflüssen. Ich würde dieses Album trotz meiner Ausführung im oben liegenden Absatz nicht als Wut- oder Verzweiflungsalbum bezeichnen. Aber es ist wie immer bei „New Model Army“ eine klare Haltung. „I Did Nothing Wrong“ ist super eindringlich, weil Justins Stimme sehr gut in Szene gesetzt wird. Oder „Relaod“. Es ist einfach Fakt, das Justin irgendwie immer die richtigen Worte für seinen ausdrucksstarken Gesang findet und diese eben von dieser großartigen Musik ziemlich toll hervorgehoben wird.

Dass dann auf der Tour im Anschluss der Veröffentlichung dann direkt 8 der 11 Lieder live gespielt wurden, war wirklich der Hammer und hat nochmal gezeigt, wie stark das Album ist. Neben den ganzen Klassiker braucht sich hier nämlich kein Song der Scheibe verstecken. Und das muss einem auch erst einmal gelingen.

Jetzt habe ich in diesem Text einige Songs erwähnt und trotzdem fällt die Auswahl für die Hörbeispiele alles andere als leicht. Und trotzdem will ich mich entscheiden.

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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Pillamyd » Samstag 11. Januar 2025, 11:04

Damit hätte ich dann meine Top 10 2024 abgeschlossen.

Ein wirklich starkes Jahr. So viele tolle Alben, über die ich aber anderweitig noch meinen Senf beisteuern werde. Es schmerz aber schon unheimlich, dass Alben von "Witherfall", "The Gates Of Slumber" "Slave Agent" oder vor allem auch der neuen "Nick Cave And The Bad Seeds" keinen Platz ergattern konnten, obwohl sie es definitiv verdient hätten.

Was ich mir beim Havoc abgeschaut habe:
Habe ich auch noch nicht gepostet, ist aber vielleicht auch mal spannend zu lesen.

Die bisherigen Alben des Jahres:

2011: Dream Theater – A Dramatic Turn Of Events
2012: Rush | Clockwork Angels
2013: Dream Theater | Dream Theater
2014: Threshold | For The Journey
2015: Steven Wilson | Hand.Cannot.Erase.
2016: Obscura | Akróasis
2017: Helheim | landawarijaR
2018: Satan | Cruel Magic
2019: Idle Hands | Mana
2020: Sodom | Genesis XIX
2021: Dream Theater | A View From The Top Of The World
2022: Sigh | Shiki
2023: Crown Lands | Fearless
2024: New Model Army | Unbroken
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Jakob » Samstag 11. Januar 2025, 13:32

Vom Namen her kenne ich NEW MODEL ARMY, aber ich habe eben mal in deine Songvorschläge gehört und bin überrascht, dass es so "rockig" (bzw kaum metallisch) tönt. Auch an DANZIG werde ich stark erinnert (vor allem gesanglich). Ich hatte die eher in die Alternative-/Punk-Richtung abgespeichert, dem ist ja nicht so. Spannend!
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Pillamyd » Samstag 11. Januar 2025, 13:48

Die Ursprünge der Band sind klar dem Post-Punk zu verorten. Mit der "Thunder And Consolation" kamen dan Folk Rock Elemente dazu. Aber ich bin noch nicht vollständig in der Diskographie und da klafft eine große Lücke zwischen 2005 und 2014. Freut mich aber, dass es dir gefällt :)

Aber das hier:
Jakob hat geschrieben:Auch an DANZIG werde ich stark erinnert (vor allem gesanglich).


:?

Ich hatte mal ein Thema zu der Band aufgemacht. Vielleicht interessiert es dich ja:
https://www.powermetal.de/forum/viewtopic.php?f=34&t=8206
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Re: Mein musikalisches Jahr im Rückblick

Beitragvon Havoc » Samstag 11. Januar 2025, 14:06

Pillamyd hat geschrieben:Die bisherigen Alben des Jahres:
2015: Steven Wilson | Hand.Cannot.Erase.


Oha...so viel zu dem, was ich gerade in meinem Thread dazu geschrieben habe. :grins:

Mich hat tatsächlich auch verwundert, dass die Opeth nicht in deinem Top Ten ist. Davon hast du ja schon auch sehr geschwärmt. Naja. ;-)
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