Riesig deshalb, weil ROTTING CHRIST (* 1984 als BLACK CHURCH, seit 1997 als ROTTING CHRIST) die wohl dienstälteste griechische Black-Metal-Band ist, und eine der dienstältesten Black-Metal-Bands weltweit. Anfangs spielte man Grindcore, doch seit der ersten förmlichen EP "Passage To Arcturo" (1991) sind wir im Black Metal daheim.
Warum mache ich das jetzt? Nun, weil ich vor Kurzem zusammen mit Julian und Heydulf bei einem Gig der Hellenen war, weil dieser ganz formidabel war, und weil ich mich daher entschlossen habe, jetzt die Sammlung zu vervollständigen. Bisher hatte ich nur das Frühwerk, also die EP und die ersten drei Studioalben. Jetzt ist zustätzlich die "A Dead Poem" (1997) hier aufgeschlagen, und von den restlichen, noch fehlenden 10 Alben sind 8 bestellt. Ihr seht, ich meine es ernst. Alles oder nichts!
Ihr werdet also ggf. mit mir ein bisschen auf Entdeckungsreise gehen. Aber vorab geht's mir mal um die "A Dead Poem". 1997 war eine üble Zeit. Da erdreisteten sich so einige einstigen Black-Metal-Helden, auszuwimpen. Gothic-Einflüsse zu verbraten. Massenkompatibler zu werden. Hörerfreundlicher. Man nannte es damals "Century Media Disease" oder auch "Peaceville Disease". Die Beispiele sind zahllos Tiamat, Moonspell, Amorphis, Sentenced, Anathema, Katatonia, Therion, Samael, Morgoth... alle meinten sie, dass sie melodischer, gruftiger, rockiger, eingängiger, massenkompatibler werden müssten.
Was habe ich das damals gehasst und folgerichtig seinerzeit auch die Sammlungen der Figuren abreißen zu lassen. Ich war doof. Aber konsequent. Viel später dämmerte mir, dass auf diese Weise und wegen dieses Trends einige Alben entstanden sind, die ich heute für Meisterwerke halte, und für unheimlich wertvolle Zeitzeugen einer musikalischen Entwicklung. Sowie für einen wesentlichen Teil der Seele des Neunziger Metals. Einige davon habe ich nacherworben und inzwischen komplettiert. Der Rest wird irgendwann kommen. Keine Frage. Muss sein.
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Ihr sprichwörtliches und symptomatisches Spätneunziger-Album war "A Dead Poem", und es ist ein völliger Killer. Die schwarzmetallischen Roots fließen so wunderbar schlüssig und mitreißend in einen dramatischen Mix aus Epic Metal und Gothic Metal, dass es eine echte Freude ist. Was hört man dem Werk an, dass die Griechen sowohl Manowar lieben (inzwischen hatte Bandleader Sakis Tolis ja die Ehre einen der Altgriechisch-Erzähler auf der letzten MANOWAR-EP zu geben), als auch Gothic Rock und die eigenen Black-Metal-Wurzeln. Herrlich! Zwingende Empfehlung!

Sorrowfull Farewell - https://www.youtube.com/watch?v=ZtnCbTGu610
A Dead Poem -https://www.youtube.com/watch?v=2OHyE22kCsk
Between Times - https://www.youtube.com/watch?v=Y_M3AX2tolk

