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von Rüdiger Stehle » Dienstag 14. Mai 2024, 14:50
Liebes Forum, als ich neulich in München mit dem Kollegen Salisbury und der Kollegin Metal Me zusammen saß, haben wir - inspiriert von GUN, COVEN und CROMAGNON - auf YouTube einen kleinen Streifzug durch okkulte, satanische und pagane Rockbands der 1960er und 1970er unternommen, also Sachen, die entweder vor dem Debüt von BLACK SABBATH erschienen sind, und die fraglos protometallisch sind, also zur Zeit ihres Entstehens sicherlich nicht als Metal gehandelt wurden und auch nicht erkennbar von Metalbands beeinflusst sein konnten. Die musikalische Genres reichen vom Folk und Folk Rock, über klassischen Rock'n'Roll bis hin zum Prog- und Psychedelic Rock u.v.m... Dabei sind uns einige verstörend krasse Exponate untergekommen, die nicht nur ob der Thematik ihrer Zeit meilenweit voraus waren, sondern die auch wundervolle Musik und für ihre Zeit immens progressive Visionen musikalischer wie lyrischer Art boten. Das ließ bei mir den Gedanken entstehen, dass wir uns auch mal in Artikelform diesem Thema nähern könnten, wozu natürlich einige Recherche und Vorarbeit nötig ist, denn etliche der Bands sind auch aus meiner Perspektive sehr obskur, und die Dokumentationen der Bandhistorien nicht so leicht zu finden, wie es dank Metal Archives & Co. im metallischen Genre der Fall ist. Ich starte vorab diesen Thread im öffentlichen Forum statt im internen Redaktionsforum, weil mich auch das Feedback der Leser zu diesem Thema interessiert, und weil so der Kreis der zum Finden solcher Perlen beitragenden Personen vielleicht ein wenig größer wird. Ich verlinke der Vollständigkeit halber auch mal die bisher im Forum zu relevanten Acts bestehenden Beiträge: COVEN - viewtopic.php?f=30&t=8710&p=434588CROMAGNON - viewtopic.php?f=32&t=4622&p=223893&hilit=cromagnon#p223893GUN - viewtopic.php?f=39&t=8695&start=60#p440574Und dann stelle ich kurz vier weitere für mich völlig faszinierende Werke dieser versunkenen Welt vor, um den Thread in Gang zu bringen. SCREAMING LORD SUTCH & The SAVAGES1960-1970 London, England / UK  Extrovertierter, krasser Sänger und Performance-Künstler mit Horror-Themen und aufsehenerregenden Liveauftritten: "Jack The Ripper" (1963, Liveperformance von 1964 oder 1965) - https://www.youtube.com/watch?v=lWCOFkyeGNsBBC Documentary - https://www.youtube.com/watch?v=4jFBk-1H1wwSPRIGUNS OF TOLGUS1972-1978, danach Soloprojekt Cambridge, England / UK  Wundervoller, mystischer Folk Rock mit Pagan- und Wicca-Themen. Melodisch und instrumental mit sehr typischen angelsächsischen und keltischen Einflüssen, wie etwa auch bei Jethro Tull oder viel später bei Skyclad und Cruachan vorhanden. Sängerin Mandy Morton hat das Konzept nach dem Ende der Band fortgeführt. "Witchfinder" (1978) - https://www.youtube.com/watch?v=MZW7-b7TiNw"Sir Colvin" (1976) - https://www.youtube.com/watch?v=dzyJS9ZIJBM"Devil's Night" (1977) - https://www.youtube.com/watch?v=_I-qxSvvDJ0"The Lady" (1978) - https://www.youtube.com/watch?v=8IlM1B3q-V0Hier habe ich mir eben das Anthology-Boxset bestellt, weil ich das echt richtig toll finde. BLACK WIDOWLeicester, England / UK 1966-1973, 2007-2014  Mantrischer, psychedlischer Rock mit leichtem Folk-Einschlag, mehrstimmigem Gesang, ausgiebigem Geflöte und okkulten Themen. 'Sacrifice' - https://www.youtube.com/watch?v=LolAqrF1WdcSALEM MASSCanyon County, Idaho / USA 1971-1978  Dröhnender, moog-lastiger, psychedelischer Hardrock. Nur ein Album mit einem famosen, epischen, etwas lang geratenen Titeltrack über brennende Hexen. 'Witch Burning' - https://www.youtube.com/watch?v=TR5OQfnI998Nota bene: Das sind Zufallsfunde, die mich begeistert und verstört haben, ich bin kein Experte für die Bands und werde noch viel recherchieren müssen, um daraus eine veröffentlichungsfähigen Artikel zu machen, aber ich habe aktuell Lust darauf, das Thema in Gang zu bringen und will da gemeinsam mit euch ganz an der Basis des Entdeckens anfangen. Kommentare jeder Art sind sehr herzlich willkommen.
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von Eike » Dienstag 14. Mai 2024, 15:17
BLACK WIDOW ist großartig. Obskur? Weiß ich nicht... Habe hier zumindest einen Metal-Sampler aus der ersten Hälfte der Neunziger, wo ein Song von denen drauf ist, und den gab es damals in einer hessischen Kleinstadt in einem ganz normalen Kaufhaus auf dem Grabbeltisch zu erwerben, nichtmal im Karstadt, sondern in einem ganz kleinen Laden.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 14. Mai 2024, 15:25
Jo, BLACK WIDOW ist nicht wirklich obskur, wobei es auch zwei NWoBHM-Bands und diverse sonstige Metal-Bands mit diesem Namen gibt. Ich wollte jetzt nicht unbedingt die Obskurität zur Bedingung machen, sondern schon die okkulten Referenzen des 1960er/1970er-Rocks allgemein würdigen. Coven kennen ja durchaus auch ein paar Leute, und die gesamte Neo-Occult-Rock-Szene der 2010er ist davon massiv beeinflusst (Lucifer, Blood Ceremony, The Devil's Blood usw...), und auch Screaming Lord Sutch ist in England durchaus eine beachtete Person, und von GUN kennt man zumindest den Hit, der auch auf viele Classic Rock Sampler kam. Mir ging es mit "obskur" also nicht zwingend um übersehene Demoperlen, sondern schon auch um Bands, die eine Rolle spielten, die man aber als durchschnittlicher Metalfan nicht unbedingt als Vorläufer unserer Musik bzw. deren Symbolik und Thematik im Kopf hat. Du hast auf die Ära sicher einen weiteren Blick als die Mehrzahl unserer Leser (und ggf. auch ich selber). Bonus: BONNIE DOBSON*1940, aktiv seit 1960 Toronto / Kanada   Apokalyptischer, thematisch finsterer, in all seiner zarten Anmut teils makaber zynischer Folk Rock. 'Morning Dew' (1961) - https://www.youtube.com/watch?v=aawu-kPl5p8'Winter's Going' (1969) - https://www.youtube.com/watch?v=gk8DdihnlNsTIMBERJACK1969 Wellington, Neuseeland Das ist ähnlich krass wie CROMAGNON. Es gibt sogar einen Videoclip, in dem die Kult-Gemeinde in Kutten durch den Wald hüpft und Ritualkreise um eine nackte Dame bildet. Das alles geschieht zu höchst folkloristischem Rock. Wobei der Song zum Clip ein Cover von Black Widow ist. Die B-Seite ist eine Eigenkomposition und komisch. Es wundert nicht zu sehr, das die Band ein Geheimtipp geblieben ist. Aber der Clip ist sehenswert drollig.  'Come To The Sabbath' (1969) - https://www.youtube.com/watch?v=FofrkIyL4h8'Epilogue' (1969) - https://www.youtube.com/watch?v=b7aS1RPH1KI
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von Eike » Dienstag 14. Mai 2024, 15:38
Ach, so einen großes Blickfeld habe ich da jetzt nicht. Finde die Thematik allerdings auch so hochinteressant. Das besagte BLACK WIDOW-Album steht seit Jahren auf dem Einkaufszettel, sollte ich vielleicht endlich mal ernsthafter ins Auge fassen bzw. tatsächlich besorgen. Und auf alles andere bin ich gespannt. LORD SUTCH sagt mir immerhin vom Namen her was... Und natürlich die drei mit Threadlinks von dir Genannten.
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von Susanne Schaarschmidt » Dienstag 14. Mai 2024, 15:56
Schöner Thread! Hab jetzt schon mal in TIMBERJACK und Bonnie Dobson reingelauscht. Und ja, auch in das drollige Video gelunst. Beides interessant, doch Bonnie hat mich mehr beeindruckt. Bin schon gespannt auf den Rest bei passender Gelegenheit.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 14. Mai 2024, 16:07
Jau, Bonnie Dobson ist auf jeden Fall spannender und tiefgründiger und hatte auch eine nachhaltige Karriere. Ihr Song "The Morning Dew" wurde nach ihren eigenen Angaben auf der Homepage insgesamt 75x gecovert. Sogar von Giganten wie Robert Plant, Clannad, Einstürzende Neubauten, The Grateful Dead und Nazareth.
Dass aus Timberjack nicht mehr geworden ist, als eine kuriose Single nebst drolligem Video wundert mich nicht, wenn der einzige nennenswerte Beitrag zur Musikgeschichte ist, aus Neuseeland gekommen zu sein und einen skurrilen Clip zu einem BLACK WIDOW-Cover gemacht zu haben, und vorher als die berühmte Band THE DIZZY LIMITS in den Sechzigern drei weitere Singles.
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von Pillamyd » Dienstag 14. Mai 2024, 21:44
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das Thema nicht spannend finde. Ich schätze aber, dass ich dafür gerade nicht den Kopf aufbringen kann. Deswegen ist es vorgemerkt und wird nicht vergessen...für bessere Tage. Auch wenn das an der Aktualität und dem füttern des Themas nicht sonderlich beiträgt.
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von Jhonny » Mittwoch 15. Mai 2024, 08:55
Sehr spannend! Heute gehe ich leider etwas in Arbeit unter, aber ich hoffe, mich zu gegebener Zeit ausführlich mit den Songs beschäftigen zu können.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 15. Mai 2024, 09:27
Gefällt mir sehr gut. Ob es okkult ist, weiß ich nicht. Wobei ich das jetzt auch nicht sklavisch an dem Begriff festmachen will. Es geht mir darum, düstere, apokalyptische, diabolische, heidnische, misanthropische Referenzen zu finden, die im Rock der 1960er und 1970er noch nicht so präsent waren, wie in der kurz danach oder parallel entstehenden Hardrock und Heavy-Metal-Szene. Es soll halt um Bands gehen, die dezidiert noch nicht zum "Hard & Heavy"-Genre gehören wie man es um diese Zeit herum von Blue Cheer, King Crimson, Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple und - natürlich - Black Sabbath schon sagen kann. Daher eher Sachen aus dem Rock'n'Roll, dem Acid/Psychedelic Rock, dem Folk Rock, dem Blues Rock usw..., die eben mit einer für diese Genres ungewöhnlichen Düsternis um die Ecke kommen. Da kann dann gerne auch "Ghost Riders In The Sky" mit dazu, klar ein Country Song, aber eben einer, der auch von zahlreichen Metalbands gecovert wurde, weil er so düster ist.
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