Ach ja, anscheinend hat mein Wichtel keine Umlauttasten auf seiner Tastatur...|
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Retrograde&AnterogradeRetrograde&AnterogradeJuhu, gleich zweimal würde Reggylein bewichtelt: Ein schönes Sampler-Zwillingspaar mit abstrakter 3D-Grafik auf dem Cover, einmal "Anterograde" in Schwarz-Rot, einmal "Retrograde" in Blauweiß. Dazu ein sympathische Nachricht vom Wichtel höchstpersönlich mit der Empfehlung "Anterograde" zuerst anzuhören, da das Erraten seiner Person sonst zu leicht ist. Und für jeden erratenen Song auf dem offenbar schwierigeren "Retrograde" winkt mir ein Drink. Na dann hoff ich mal, dass ich soviel vertrage
Ach ja, anscheinend hat mein Wichtel keine Umlauttasten auf seiner Tastatur..."Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&Anterograde[quote="Regina Löwenstein"]Und für jeden erratenen Song auf dem offenbar schwierigeren "Retrograde" winkt mir ein Drink./quote]
Oh, cool, die erste Via-Wichtel-Anmache ![]() Viel Spaß!
Re: Retrograde&Anterograde
Neidisch, was? ![]() "Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&AnterogradeLauschangriff 1/1
1: Ganz gemütlich brettert „Anterograde“ los mit einem groovigen Heavy-Metal-Song. Dieses einprägsame Gitarrenpattern kommt mir bekannt vor – vielleicht liegt es daran, dass der Song generell sehr „genretypisch“ anmutet, aber nichtsdestotrotz ansprechend und originell. Relativ moderner Sound, da die Produktion aber nicht aufdringlich auf Hochglanz poliert wirkt, ordne ich diese Nummer irgendwo in die Neunziger ein. Obwohl dieser Song recht gemessen und zivilisiert ins Ohr geht, weckt er in mir Slayer-Assoziationen – gar nicht so verkehrt, denn hier zockt die Band des ehemaligen Slayer-Drummers Dave Lombardo, Grip Inc. Aus den gesellschaftlichskritischen Lyrics höre ich etwas von „rusty nails“ heraus, dies dürfte auch der Songtitel sein. 2: Another time, another place. (Mist, jetzt habe ich, ganz unabhängig vom Gehörten, einen penetranten Yngwie-Malmsteen-Ohrwurm) Flotter Double-Bass jagt uns ins zweite Millennium nach Skandinavien. Der Sound mutet nach modernem Melodic Death an, ganz nach Göteborg schaffen wir’s jedoch nicht – irgendwo in Dänemark fängt uns an der Theke einer Disco-Bar ein verruchter Sänger ab. Rau flüstert er, ein „bad bad boy“ zu sein, und klingt auch wie einer. „You might say that I’m evil, I don’t care about ugly people.“ Och nööö, der genretypische poppige Refrain zerstört die ganze Coolness, unser sexy Gastgeber entpuppt sich als Modern-Metal-Milchbubi. Der muss sich mit dem zufrieden geben, was er kriegen kann – nix mit „I Get What I See“, Raunchy. 3: Die Synthies und das Geklimper am Anfang haben mich abgeschreckt, doch keine Gothic-Schnulze bahnt sich hier an, sondern guter alter Prog. Relativ simpel und eingängig in seiner melodischen Heavyness; kaum zu glauben, dass es sich hier um niemand Geringeres als Psychotic Waltz handelt – aber den emotionalen Gesang von Buddy Lackey erkennt man sofort, selbst wenn er recht einfallslose Liebes-Lyrics zum Besten gibt. Für Liebe sterben? How morbid. 4: Auch der folgende Song ist ganz solide, aber nichts, was mich zu Begeisterungsstürmen verleihen würde, dazu ist es viel zu traditionell 80er-lastig. Ein etwas nöliger Sänger fängt, zunächst so gut wie ohne Begleitung, etwas von „I can’t believe what I see…“ an. Bald dreht der Songs allerdings zu etwas rockigeren Ausmaßen auf, mit typisch hallenden Drums, während der Sänger im Refrain etwas von „far too long“ klagt. Generisch statt energisch. Ui, der kommt ins Falsett hoch. Wie süüüüth. Ganz gutes Gitarrensolo, weil verspielt und nicht zu straightforward. Auch das zweite melodische Zwischenspiel weiß zu gefallen. Wenn da bloß nicht der langweilige Refrain wäre … 5: Zu einem treibenden Intro schwingt sich unser langhaarige Recke auf seinen Drachen für das aktuelle Speed-Metal-Abenteuer, um seiner Holden ein Ständchen zu bringen oder eine gemütliche Runde Drachenpolo zu spielen. Hm, blonde Helden, die auf Drachen Polo spielen. Wär doch mal eine schicke Idee für ein Albumcover. Nein, mir ist nicht direkt langweilig, aber das Versprechen meines Wichtels von einem völlig gegensätzlichen zweiten Sampler wird immer verlockender mit jedem epischen „ooooh“ des Polo-Spielers. Der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass mir eigentlich nur der klischeehafte Gesang sauer aufstößt; die Instrumentalarbeit an sich ist ziemlich geil! Saucoole Solos mit Luftgitarrenpotenzial, abwechslungsreiches Drumming – flott und mitreißend, das Ganze. Da ist das Selbstbewusstsein, mit dem sich die Band selbst Forte nennt, durchaus gerechtfertigt, denn Power hat „Stranger Than Fiction“ bis zum Abwinken. "Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&AnterogradeUnterhaltsam, mach ma weiter
"Modern Metal Milchbubi", fein, fein ![]()
Re: Retrograde&Anterograde2/1
6: Über Göteborg wirft uns der Drache endlich von seinem Rücken ab, mitten in ein eigenartiges Melodic-Death/Thrash-Gemetzel, angeheizt von dreckigen, fast schon schwarzmetallisch anmutenden Shouts. Musikalisch ist das auf jeden Fall näher an Oldschool-Thrash, auch wenn das Ablösen der Growls durch klare Vocals mich in dieser Form fast schon an Into Eternity erinnert – doch die klingen weitaus feinsinniger. Das hier hingegen ausgesprochen rau, außerdem auf älter getrimmt als es eigentlich ist. So alt sind Fission nämlich gar nicht, die hier in bemühter, pseudo-kosmischer Wortwahl einen „Crater“ besingen. 7: Nach den spacigen Eskapaden des vorherigen Songs eine verdiente Ruhepause. Mit Voivod chillen im kniehohen roten Gras, das in den verträumt-proggigen Klängen sanft schaukelt, mal unter einer etwas steiferen Rock-Brise erzittert; bizarren Wolkenstrukturen beim Formen und Auflösen zusehen. Freedom eben. 8: Ruhig geht es anfangs auch in diesem Track zu, der sich allerdings bald als eine rock’n’rollige Oldschool-Nummer entpuppt. Ich bin mir unschlüssig, ob ich den Sänger unterhaltsam oder nervig finden sollte, eigenwillig ist er auf jeden Fall. Nee, dieser getragene Refrain ist nicht so meins. Der muntere Unterton des Songs steht total im Kontrast zu den pessimistischen Lyrics und auch zu dem Bandnamen Depressive Age. Sie verkraften es anscheinend ganz gut, in einem „Garbage Canion“ zu leben. Ganz nett. 9: Nennt mich paranoid, aber ich schwör’s, dieses leise Lachen ganz am Anfang des Tracks war für mich bestimmt. Pure Schadenfreude darüber, dass jetzt auf mich gleich noch etwas Oldschooliges kommt. Womit habe ich bloß den Metalgott erzürnt? Moment mal, das ist gar nicht mal so langweilig wie befürchtet… Jap, diese überdrehte Heavy-Metal-Nummer weiß sogar mir zu gefallen, schön überdreht, hier passt auch das das hohe Kreischen im Refrain. „She’s gone to living! Memories gather!“ oder so. Jau, das reißt mit und hat Feuer. Ich habe das Gefühl, gerade das müsste ich unbedingt kennen, aber ich komme ums Verrecken nicht darauf. Dann halt nochmal aufdrehen und mitrocken, dieser Song ist nämlich saucool! 10: Mit Einbruch der Dunkelheit werden die Straßen unsicher. Die letzten Haarspray-Divas, die jetzt von ihren Karaoke-Abenden gen Heia aufbrechen, drängen sich ängstlich aneinander. Der regennasse Asphalt bebt unter der wuchtigen Maschine, die hier als doomige Walze angerollt kommt – die dünne Polizeisirene im Hintergrund kommt gegen dieses Ungetüm einfach nicht an. Tonnenschwere, Unheil verkündende Riffs, stampfende Rhythmen, herrlich dreckige und dennoch epische Vocals, die ihre Coolness gerade in den Sprechparts offenbaren … holy shit, that’s heavy! Seltsamer Songtext, der aber gut zu der Vortragsweise passt; im theatralischen Refrain kommt etwas von „Stigmata“. Die doomige Schlagseite, die dem Song seinen unglaublichen Groove verleiht, ist nicht unbegründet, hat doch bei Abstrakt Algebra der Candlemass-Bassist seine Finger im Spiel. "Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&AnterogradeDie Nummer 9 ist wohl Trouble mit Memory's Garden.
Re: Retrograde&Anterograde
Stimmt, isses. Danke! "Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&Anterograde3/1
11: Gib’s zu, Wicht, all die mehr oder weniger harmlosen Hardrock-Nummern bisher dienten nur dazu, meine Wachsamkeit einzulullen, damit ich völlig unbedacht in das folgende Extremprog-Inferno hineintapse. Tja, Intention erfüllt – dieses Feuerwerk von einem Track lässt mich in einem Zustand ähnlich dem der Überlebenden eines Lovecraft-Schockers zurück, nur fähig zu stammeln und zu faseln: „Dieses… dieses Ding… es kam nicht von hier…“ Der Song scheint wirklich nicht von hier zu sein, mit all den exotischen Elementen. Nach einem Percussion-Gewitter im Intro lockert sich das straffe Drumming; das markante Motiv, welches sich durch den gesamten Song zieht, tänzelt nun zu treibenden Rhythmen und Flamenco-Gitarren daher. Ay caramba! Nach einem kräftigen Schluck von der Caipirinha melden sich die Bassgitarren zurück, am Strand wird gerockt! Die jazzigen Melodienfetzen, welche in hallenden Breaks die eingestreuten Sprachsamples begleiten, kenne ich eher als Kniff aus des Technical Death Metal. Hier wirbeln Einflüsse aber auch in Derwisch-Manier umher! Was hör ich da? Ist es der Schwips vom feinen Rum oder holen jetzt die Cabana-Boys tatsächlich auch noch ein Cello hervor? Streicher klagen der untergehenden Sonne nach, eher wieder rockig abgefeiert wird. Tempo auf Anschlag aufgedreht, jetzt melden sich raue Shouts, die im Gemetzel zu „stop thinking right now“ aufrufen, und mit einem letzen Streicherseufzer verklingt ein Song, der dem Wort „progressiv“ eine ganz neue Bedeutung verleiht. Ihr wollt gar nicht wissen, wie oft ich mir das angehört hab. Bitte verrät mir jemand, was das ist! Ich bin auch ganz lieb. Mit diesem heftigen, unvorhersehbaren Meisterstück hat der Wichtel aber die Messlatte für die restlichen Songs ganz schön in die Höhe geschraubt … 12: Und siehe da, auf hohem Niveau geht es auch weiter. Dieser elektronisch klirrende Einstiegsriff erinnert mich spontan an Voivods „Brain Scan“, doch der vorliegende Song schlägt eine ganz andere Richtung ein. Modern kristallklar produziert, sodass die kräftigen Bässe gut zum Ausdruck kommen. Wenn das noch als Gothic bezeichnet werden kann, dann ist es erstklassiger. Die Sängerin zwingt mich doch glatt, meinen Metal-Chauvinismus zumindest für die Dauer des Songs abzulegen, denn das Organ dieser Dame ist überwältigend: kraftvoll, emotional, erhaben, am Alt näher als am Sopran. Nichts von der hysterischen Quäkigkeit eines austauschbaren Gothic-Hühnchens: Persönlichkeit und Charisma strahlen aus jeder gesungenen Note. Gesungen wird übrigens von „rose cleansing“. Oh, pardon, „rust cleansing“. Der einzigartige Stil und diese überirdische Sängerin gehören zu keinen Geringeren als Madder Mortem. 13: Wie verzückt von seinem kraftvollen Vorgänger, beginnt dieser Song mit bedächtigem Klavierklimper, bevor er sich schüchtern-poppig zu rocken anschickt. Das ist noch nicht mal Prog. Oh mein Wichtel, warum brichst du den Zauber der Vorgängertracks mit so etwas Profanem? Bitte nicht schon wieder so eine Schmalzlocke von Sänger, der sich seine Modedrogenexzesse per Radio-Jingles finanziert, in denen er allzu melodiös etwas über Narben und gebrochene Herzen jammert. Immerhin hat der Sänger davon genug Wut im Bauch, um sogar loszushouten, als der Song sich langsam steigert. Klingt gar nicht mal übel – natürlich im Rahmen eines recht rückgratlosen Hardcore/Pop-Rock-Geschwurbels. Nett, aber völlig uninteressant und so zuckersüß, dass mein Geschmack nach musikalischem Insulin lechzt. 14: Forsch klopft ein Drum-Pattern an, begleitet von nervösen Streichern. Eine fast folkige Instrumentalmelodie; generell klingt die Aufmachung sehr nach finnischem Stil der Moderne. Der Wechsel von poppigen Vocals auf Shouts deutet darauf an, dass wir es mal wieder mit einer Modern Metal/Melodic Death/Neothrash-Nummer zu tun haben, allerdings durch den rasanten, abwechslungsreichen Songaufbau im instrumentalen Bereich nicht allzu fad, sondern im Gegenteil, ziemlich fesselnd. Diese orientalisch anmutenden Melodieneinflechtungen machen die Sache interessant. Vielleicht ist dieser Song von Hevein nicht unbedingt „worth fighting for“, aber hörenswert auf jeden Fall. 15: Ist ja lieb vom Wichtelmenschen, dass er mit als Null-Punkte-Bremse zum Schluss einen Song draufgepackt hat, den ich von den ersten Takten an auswendig mitsingen könnte, aber muss es wirklich die poppigste, nervigste Emo-Nummer von 30 Seconds To Mars sein? Tiefer hinab ginge es höchstens mit dem Material von „This Is War“. Ich liebe die Band trotz aller Klischees heiß und innig, und gerade auf dem Debüt sind einige großartige Songs zu verzeichnen – wäre also gar nicht nötig gewesen, mit dieser öde nölenden Radionummer vorlieb zu nehmen. „Come break me down, bury me, bury me, I am finished with you!“ Woher weiß mein Wichtel eigentlich, dass ich eine Trennung hinter mir habe, und warum vermutet er, dass ich mich mit so einer Schmonzette trösten lassen würde? Gut, abgesehen von dem schnuckeligen Anblick von Jared Leto in dem zugehörigen Videoclip, schmacht. You’re killing me, killing me. Erster Wichtelsampler clear. Naja, bis auf ein paar Songs, wo ich inständig auf Hilfe hoffe (das Flamencodings! das Flamencodings!). Mein Wichtel ist ein ganz schöner Fuchs; selbst ohne sonderliche Kauz-Schmankerl schafft er es, mich in Atem zu halten mit all den unvorhersehbaren Wendungen. Traditioneller Metal in jeglicher Couleur, Melodic Death für Jung und Alt, die ein oder andere Schnulze … guter Mix, wenn auch nicht wirklich auf mich zugeschnitten. Jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen auf die zweite Eskapade. Ich habe bisher absolut keine Ahnung, wer mich hier beschenkt hat; zu gut tarnt sich der Unbekannte. Rein beliebig aus dem Bauch heraus tippe ich auf holg. Bis dahin: Feuer frei für Anmerkungen und Rateversuche. "Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Retrograde&AnterogradeNein, holg ist es sicher nicht.
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