Dann hier zunächst die Betätigung, dass der Sampler von mir kommt. Die Hoffnung auf einen zugeschnittenen Beitrag habe ich schnell begraben, denn das Wenige, was mir von Salisbury bekannt ist, liegt musikalisch schon deutlich außerhalb meiner Wohlfühlsphäre. Oberste Prämisse daher: Möglichst wenig nerven.
Zu den einzelnen Songs soviel:
Das Intro löse ich fairerweise mal auf, denn da gibt es kaum Chancen: Das sind ANTYRA aus Leipzig, die sich für "Call Of The Abyss" Verstärkung vom hiesigen Vokalensemble CHORISMA geholt haben. Ein schönes, bedingt weinachtliches Acapella-Stück, in dem es um verschiedene Vorstellungen zum Verbleib der Seele nach dem Tod geht.
02. Von Julian richtig erkannt: FÄULNIS mit dem Song "Trümmer" vom letzten Album "Gehirn zwischen Wahn und Sinn". Eine der wenigen straighten Nummern auf einer Scheibe zum Thema "Schizophrenie im Großstadtdschungel", mit deutlichem Punkeinschlag und interessanten Variationen des eigentlich limitierten Grundriffs. Jenseits der Selbstinszenierung eine Scheibe, die zugleich bedrohlich und anziehend wirkt, nicht zuletzt dank ihrer begnadeten Texte - "in den Händen nur ein Bleistift, und im Kopf ein Berg von Trümmern..."
03. Sehr einfach, archaisch, drückend - Musik für den Bauch. Salisbury hat den Marsch- & Schlachten-Ansatz erwähnt, was ich unterschreiben würde - ein primitiver Groover, für den die Nachkommen einer klassischen europäischen Zivilisation verantwortlich zeichnen.
04. Ebenfalls Nachkommen einer klassischen Zivilisation, allerdings etwas weiter westlich. Den Titel des atmosphärischen Beitrags hat Salisbury in seiner Beschreibung bereits erwähnt.
05. Pia liegt ganz richtig: AUTUMN mit "Satellites" vom 2006er Album "My New Time". Ich fühle mich der Scheibe ein wenig verpflichtet, da ich sie bei Erscheinen ziemlich harsch bewertet habe. Stimmlich ist die hier zu hörende Nienke eine Mischung aus Jennifer Rush und Anneke van Giersbergen, was natürlich eine absolut reizvolle Kombination ergibt. Da man im Verlauf des Albums auch musikalisch alle Register gut gemachter Goth/Rock/Metal-Musik zu ziehen weiß, sind diese AUTUMN für mich mittlerweile ein Klassiker.
06. Die Finnen haben in der Tat sehr schwarze Wurzeln, mit Black Metal hat das Ganze mittlerweile aber nichts mehr zu tun. Atmosphärische Layerorgie mit verwehtem Gesang trifft es eher - und wurde im hiesigen Review etwas kritisch beäugt.
07. Wieder Julian, wieder richtig: FJOERGYN mit "Des Winters Schmach" vom 2005er Album "Ernte im Herbst". Das Potenzial der Band ist meines Erachtens riesig, wie man schon auf frühen Werken hören kann - der latente Hang zu Pomp und Opulenz schreckt allerdings nicht Wenige, nicht zuletzt aufgrund des Plastikfaktors. Wer damit dank LIMBONIC ART, ANOREXIA NERVOSA oder SUMMONING keine Probleme hat, sollte den Deutschen eine Chance geben.
08. Der heilige Gral also.

Die Gralsritter kommen aus Deutschland, genauer: aus Sachsen. Neben EMPEROR-Anleihen überzeugen auf dem ebenfalls jungen Album vor allem die oft klassisch inspirierte Gitarrenarbeit und das variable Drumming. Noch ein Hinweis: Ehemals im Pagan-Dunstkreis verwurzelt, nicht immer unstrittig, mitlerweile jedoch mit Fokus auf Selbstverwirklichung und dem ewigen Thema Wiedergeburt durch Vernichtung.
09. Ja, ein folkiger Popsong mit "Lord Of The Dance"-Feeling! Über Illuminaten! Und von einem total verqueren Engländer verzapft, der im Übrigen auch gerne den Herold gibt. Tut natürlich kein bisschen weh.
10. Wieder Black Metal, wieder Deutschland, wieder relativ jung. Ort des Geschehens ist Thüringen, und es geschieht - totz gegenteiliger Behauptung - durchaus etwas in diesem Song. Gerade im Hintergrund, wo es aufgrund der unglaulich polierten Räude natürlich ein wenig verloren geht. Der (pseudo?)skandinavisch betitelte Song stammt von einer Split und ist der einzige auf dem Sampler, der weh tun
sollte. Danach schmeckt Stille gleich viel süßer...
11. Richtig erkannt und der beste Hinweis auf die Urheberschaft: LAKE OF TEARS sind ja nicht allzu weit verbreitet, was ich gerne und ausführlich beklage - in den 90ern neben CEMETARY und TIAMAT sicher die interessantesten Schweden dieser Spielart. "So Fell Autumn Rain"stammt vom Album "Forever Autumn" und ist klassisch LOT - melancholisch, stimmungsvoll, reduziert und doch atmosphärisch dicht. Alle Menschen müssen diese Band in ihr Leben lassen!
12. Songlänge und Beschreibung sind gute Hinweise, allerdings empfinde ich die Atmosphäre nicht als postapokalyptisch, sondern als zutiefst verträumt - diese unfassbar großartige Melodie! Die Band spricht ebenfalls deutsch (singt aber englisch), der Song stammt von einer EP, die das Vorgängeralbum thematisch fortführt und auf insgesamt etwa 100 Minuten Spielzeit bringt.
Der Sampler hat übrigens einen anderen Namen, allerdings erschien mir selbiger im Nachhinein zu offensichtlich, weshalb es ein Behelfscover gab. Das "richtige" Einlegeblatt wird dann Aufschluss geben.
Weiterhin viel Spass beim Raten.
