Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 25. Januar 2024, 22:26

Platz 77

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Cyclone Temple | I Hate Therefore I Am
Genre: Thrash Metal
VÖ: 1991


Eine wie ich finde, späte Thrash Perle aus den frühen 90er.

Viele Thrash Metal Bands, gerade auch aus dem Underground, lernte ich schon ziemlich früh kennen. Große Teile der Band entstammen aus den früheren „Znöwhite“, die mit ihrem Album „Act Of God“ auch heute noch als Geheimtipp gelten.

Aber hier soll es um „I Hate Therefore I Am“ gehen. Mit dem ersten Song ist die Band direkt auf der Suche nachdem "Warum". Im gleichen Atemzug, zeigt die Band aber gekonnt, worum es hier eigentlich geht. Das Album ist gespickt mit Songs, die eine Ausführlichkeit an den Tag legen, wie man es zuvor sonst nur von „Megadeth“ und ganz klar auch von „Heathen“ gekannt hat.

Was ich so erstaunlich finde ist, wie sich der Thrash bis dahin entwickelt hat. Dafür, dass eine Band wie „Cyclone Temple“ immer die zweite Reihe war, können sie doch mit Stolz behaupten, nicht schlechter zu klingen als zum Beispiel „Heathen“. Da sind echte Könner am Werk gewesen. Die Band verbinden heftiges Riffing mit superben Melodien, teilweise vertrackten Rhythmen, egal ob schnell oder langsam. Sie klingen aber, wie ich finde, gerade durch den Sänger, Brian Troch so anders. Er bringt da durch seinen rauchigen, teilweise hauchenden Gesang eine gewisse Rock 'N' Roll Note in das Getriebe. Wie ich finde einer der unterbewertetsten Sänger auf diesem Planeten. Was der hier abzieht, ist mehr als nur sehr gut. Das macht für mich tatsächlich den Unterschied.

Obwohl das Album so ausladend und teilweise vertrackt rüberkommt, hat es gerade im Sound einen mainstreamigen Touch, den sich viele Bands zu dieser Zeit gewünscht hätten ohne gleich als "Metallica"-Kopie durchzugehen. Das ist hier definitiv nicht der Fall! Sie haben also einen Weg gefunden, musikalisch nicht einstecken, und soundtechnisch an nichts einbüßen zu müssen und trotzdem zugänglich zu klingen.

Ein wirklich famoses Album!

Hörbeispiele:
Why
Words Are Just Words
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Martin van der Laan » Donnerstag 25. Januar 2024, 23:59

YEAH!! Großartige Platte, sträflich unterbewertet! So musikalisch kann Thrash sein...! 8-)
668 - Neighbor of the Beast
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon frankjaeger » Freitag 26. Januar 2024, 17:29

Genau, starke Scheibe!
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Samstag 27. Januar 2024, 11:29

Danke, dass ihr den Thread mit euren Beiträgen füllt :)

Wie ist denn eigentlich das Nachfolgealbum der Band?
Das Ding habe ich noch in voller Länge gehört.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Jens Wilkens » Samstag 27. Januar 2024, 11:43

Ja, ein sehr empfehlenswertes Album! Sehr schön, dass du es ausführlich gewürdigt hast.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 31. Januar 2024, 01:10

Platz 76

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Manii | Kollaps
Genre: Black Metal
VÖ: 2013


Mein Erstkontakt mit der Band (gut ok, wenn man es etwas strenger sieht, war sogar das erste Manes Album mein Erstkontakt). Aber dieses hier hat nachhaltig Eindruck hinterlassen. Ist es doch ein unbegreiflich düsteres Album. Das sollte einem natürlich klar sein, sobald man das Artwork sieht. Etwas, was man erahnen kann, aber eben nicht offensichtlich, ist die Art der Musik, die hier gespielt wird.

Wer nämlich denkt, dass hier rasende Momente überhand haben, hat sich sicherlich getäuscht. Hier hört man eine wirklich entschleunigte Art des Black Metals. Atmosphärisch, ja doch schon auch doomig, aber auf eine avantgardistische Art. Dazu tragen dann die sporadisch eingesetzten elektronischen Einsprengsel auch definitiv bei. Aber es läuft nicht aus dem Ruder. Die oft langsam und cleanen Gitarren geben dem Ganzen eine besondere Note. Sie brechen nicht aus, wiederholen sich gerne ziemlich lange und schaffen es dabei eine Art Sog zu erschaffen, die einen gefangen hält und die heimischen vier Wände für eine dreiviertel Stunde zu einer Höhle mutieren lassen.

Ein sehr unbequeme schroffes und unnahbares Werk. Der Name ist definitiv Programm, denn der Zerfall in musikalische Form zu gießen ist der Band hier ziemlich gut gelungen. Das dürfte nicht für jeden etwas sein. Aber dieses Album hat dieses Anziehungskraft, dieses verschlossene, diese Distanzhaltung, die auch oft in der Gesellschaft Menschen zu interessanten Person machen. Was ist das? Wer ist es? Warum verhält er/sie sich so? Was ist der Hintergrund?

Diese Fragen werde ich bei dieser Musik zwar nie beantwortet bekommen, aber ich habe beim Hören der Musik immer das Gefühl, sie wie durch eine Lupe beobachten zu können. Man geht zu dieser Musik nicht ab. Man hält Inne. Man kommt in einen Zustand des Nachdenkens, die Gedanken kreisen. Vielleicht eine andere Form von Meditation. Ja, ich weiß. Sehr spirituell. Aber warum denn auch nicht?

Hörbeispiele:
Skoddeheim
Endelaust
Zuletzt geändert von Pillamyd am Samstag 25. Oktober 2025, 23:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 31. Januar 2024, 13:45

Das Album auf Platz 76 ist von 2013 und nicht von 2018.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 31. Januar 2024, 23:24

Zu Artillery muss ich nichts schreiben, oder? 8-)

Dann mal auf in die Tampa und ordentlich abtardeln. Ich muss gestehen, dass ich die Band zu Beginn ziemlich abgefeiert habe, weil das eben noch eine andere Art der Extreme war. Texte teils nur als Lautgabe one wirklich Worte zu verwenden und dann diese Monster-Matte! "Cause Of Death" fand ich dann auch noch toll - und trage sogar das Short von der Tour noch immer - aber danach war ich da ziemlich raus, auch wenn ich die Band immer grundsympathisch fand. Allein dieses Comic-Video wo sie mit zu einem Nasty-Savage-Konzert gehen, ist schon mega! Musikalisch ist das aber nicht mehr meine Baustelle. Dreitausend Pluspunkte für die Originalität, die ich gerade im Todesblei-Urwald wirklich schierig finde. Sei es der Gesang oder dieser Tone, man erkennt sofort, wer das ist. Hier kommen jetzt noch Indutrial-Elemente hinzu, die es noch (!) grantiger klingen lassen. Diese tiefen Tiefen sind einfach mächtig. Aber eben auch ein Stilmittel, welches mir nicht sonderlich zusagt. Ich mag Gitarren lieber, pfeilschnell und wieselg als büffelartig.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 1. Februar 2024, 00:48

Spontan eingestreut: Auch der Rabe ist noch an Bord, wobei ich in die Levellers und in die Sisters noch nicht hinein gehört habe. Mache ich beizeiten noch.

Die anderen Scheiben der letzten paar Seiten habe ich und ich schätze sie allesamt sehr.

ARTILLERY mag ich von der ersten, noch NWoBHM-lastigen Scheibe an unheimlich gerne, die "By Inheritance" ist dann sicher ein Meilenstein des europäischen Thrash Metals. Großartige Songs, echte Hits. Hab ich in dem coolen und hübschen Anthology-Boxset von Metal Mind Records. Man macht mit keiner Scheibe der Dänen was falsch, wie ich finde.

Die CYCLONE TEMPLE ist unkonventionell, spritzig, hintergründig, gesanglich toll (hat a weng was von Hetfield und Brian Ross). Habe ich leider nicht so viel gehört, wie ich sollte, aber ja, so mag ich amerikanischen Thrash sehr gerne. "Why?" ist ein Hammersong. Die Zupfgitarren am Anfang, dann die schwelenden Akkorde der Verstromten. Das einsetzende, zermalmende Riff. Bombe!

Bei OBITUARY bin ich mir nicht sicher, ob diese Scheibe oder ihr Vorgänger mein Liebling ist. Kennen gelernt habe ich die Band mit dem Vorgänger "The End Complete". Die "World Demise" ist ein wenig kälter, technoider, aber das ist konzeptionell bedingt und auch nur marginal. Immer unverkennbar, immer toll. Ich liebe Tardys Gesang. Meine liebste US-Death-Band, zusammen mit Death (natürlich) und der frühen Morbid Angel Zeit mit David Vincent.

Die vorletzte MANII war in meinen Jahrescharts, wenn ich mich recht entsinne. Die aktuelle liegt schändlicherweis noch auf dem FIFO-Stapel. Das 2013er-Album habe ich erst weit später nachentdeckt, weil ich die Nidaros-Szene nicht direkt auf dem Schirm hatte. Aber dafür kam die Szene, die Band, das Album danach umso heftiger. "Kollaps" ist ein wunderbar finsterer, zäher, widerborstiger Hassbrocken. Lief nach dem Kauf eine ganze Weile in Heavy Rotation. Die letzten beiden Alben sind nicht so unnahbar und etwas typischer nordisch-schwarzmetallisch unterwegs. Das hebt die "Kollaps" heraus. Bärenstarkes Album und das von dir insoweit herausgehobene Artwork finde ich tatsächlich phänomenal gut. Echtes Highlight in jeder Hinsicht.
alias Hugin der Rabe.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Freitag 2. Februar 2024, 01:33

4 Alben, 4 Treffer. Da steckt einfach nochmal so viel Wahrheit drin in deinen Sätzen zu den Alben, dass ich da nichts mehr großartiges hinzuzufügen habe.

So bin ich dann vor allem auch gespannt, was du von den "Levellers" und den "Sisters" hältst. Ist es doch nicht gerade die Musik, bei der ich denke, dass sie dir gefallen könnte. "Sisters" vielleicht noch mehr als "Levellers". Aber deine Sicht der Dinge...da freue ich mich jetzt schon drauf. Egal ob das gefällt oder nicht. Es ist einfach spannend zu lesen...
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