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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Rüdiger Stehle » Freitag 29. September 2023, 00:51
So, schon wieder zwei Wochen vorbei, ich hänge im Takt... das Festival, ich schrieb es bereits. Nun, hier mal wieder etwas tiefer aus der Mottenkiste das folgende kleine Wunderwerk: RAGNAROK "Arising Realm" (Head Not Found, 1997)Das ist nun genau das, was man Ende der Neunziger im Kopf hatte, wenn man von der zweieinhalbten norwegischen Black-Metal-Liga sprach. Ein fast fröhliches und doch irgendwie gruftiges Keyboard klimpert episch unbeholfen im Fahrwasser der ersten beiden DIMMU BORGIR- und GEHENNA-Werke durch rauschige Windbrausereien, bevor sich die Meute mit dem eröffnenden 'God Is Wasted' halb rockig, halb rasend, stets rumpelnd in Pandatünche getaucht durch die verschneiten norwegischen Winterwälder scheppert. Ja, so war das anno 1997 als die Sarpsborger RAGNAROK unter der Ägide von Jon Metalions Head Not Found Records ihren Zweitling "Arising Realm" auf die hungrige Schwarzbängerschaft losließ, bereits in der tieferen Szene ganz gut etabliert durch das "die Wichtel ziehen auf den Berg"-Debüt "Nattferd" und das kultige Demo "Pagan Land". Just bevor die Szene völlig explodierte, und so hat die Band bis heute den Ruf, doch noch zu den alten Helden des Genres zu gehören. Ich bin so etwas wie ein Fan der allerersten Stunde, habe ich mir doch damals schon das erste Demo per IRC und Schneckenpost kommen lassen, und das Debüt und die Sophomore haben mich komplett abgeholt, auch wenn es natürlich ziemlich Low-Fi und irgendwie auch in Sachen Einfluss und Wirkmacht B-Ware ist. Trotzdem steht es schlicht bilderbuchmäßig für alles, was diese wunderbare, verstörende und heißkalt geliebte Szene für mich in den Neunzigern zum Nabel der stählernen Welt gemacht hat. Rollenspieler-Epik, juveniler Eskapismus, grimmiger Hass, eine bizarre, unwirkliche Welt zwischen Kinderzimmer und brennenden Sakralbauten, fröhlich klimpernde Keyboards, wie ein Blizzard durch den Schnee treibende Flirrgitarrenriffs, ein Beat zwischen rumpelrockigem Groove und so ungezähmter wie unkontrollierter Raserei. Ein Hauch nordisch-folkoristischer Melodei, grollendes Grimmen und gieriges Geifern. Doch trotz klackernder Drums und jugendlicher Unbeholfenheit in Sachen Produktion steckt in dem Album all das, was Black Metal für mich ausmacht. Das ist für mich auch nach 26 Jahren noch ein Paradebeispiel für jene Art von "generischem" aber doch so vollendetem, perfektem, pechschwarzem Wahnsinn, der mich seither nie mehr losgelassen hat. De har kommet for å hente deg! For å bringe deg hjem! https://www.youtube.com/watch?v=IY6JsYw8R98 - Intro / God Is Wasted https://www.youtube.com/watch?v=jCl8RFiDdTs - En Verden Av Stein https://www.youtube.com/watch?v=IBqpRIXSL7Y - My Hate Is His Spirit
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von Pillamyd » Freitag 29. September 2023, 01:18
Sehr schön! Klasse Album!
Hatte das Album selbst schon eine ganze Weile auf dem Einkaufszettel. Letztes Jahr relativ Zeitnah zum Kauf meines Tapedecks, habe ich mir das Album dann auf MC besorgt. Könnte ich mal wieder einlegen. Auf dem Album passt irgendwie alles, wie ich finde. Rundum gelungen. Ich finde ja auch teilweise die Rhythmik grandios. Da hatten sie damals schon viel Gespür für ohne es albern klingen zu lassen. Gerade in deinem dritten Hörbeispiel hört man das. Ein äußerst herrlich fröstelndes Album, mit viel Charme.
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von Rüdiger Stehle » Freitag 29. September 2023, 01:39
Pillamyd hat geschrieben:Sehr schön! Klasse Album!
Hatte das Album selbst schon eine ganze Weile auf dem Einkaufszettel. Letztes Jahr relativ Zeitnah zum Kauf meines Tapedecks, habe ich mir das Album dann auf MC besorgt. Könnte ich mal wieder einlegen. Auf dem Album passt irgendwie alles, wie ich finde. Rundum gelungen. Ich finde ja auch teilweise die Rhythmik grandios. Da hatten sie damals schon viel Gespür für ohne es albern klingen zu lassen. Gerade in deinem dritten Hörbeispiel hört man das. Ein äußerst herrlich fröstelndes Album, mit viel Charme. Ja, ganz wunderbar, gell? Bin grad komplett neuverliebt in das Ding. Siehe auch "Erkenntnisse"-Thread. Der Bass ist auch klasse präsent, was durchaus ein bisschen untypisch für die Szene ist. Herrlich auch, wenn immer mal wieder ein paar dezente Tastentöne für Stimmungs-Farbtupfer sorgen.
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von Pillamyd » Freitag 29. September 2023, 15:46
Ich hab gerade nachgelesen, ob ich schon einmal etwas über die Alben hier geschrieben habe. Habe ich. War aber unfassbar kurz. Ich hatte einen "Ragnarok" Thread in Erwägung gezogen, aber Nils hat mich zunächst davon abgehalten Und dann ist es in Vergessenheit geraten. Vielleicht sollte doch dann mal einer her. Sind ja nicht nur die zwei Alben, die es gibt. Auch wenn sie wohl herausstechen.
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von Rüdiger Stehle » Freitag 29. September 2023, 16:09
Neue Norweger-Threads können niemals schaden.
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von Pillamyd » Freitag 29. September 2023, 16:19
Bei passender Gelegenheit, überlasse ich dir gerne den Vortritt 
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von Nils Macher » Freitag 29. September 2023, 20:46
Pillamyd hat geschrieben:Ich hab gerade nachgelesen, ob ich schon einmal etwas über die Alben hier geschrieben habe. Habe ich. War aber unfassbar kurz. Ich hatte einen "Ragnarok" Thread in Erwägung gezogen, aber Nils hat mich zunächst davon abgehalten
Ich habe dich von einem BM-Thread abgehalten? 
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von Pillamyd » Freitag 29. September 2023, 22:46
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von Nils Macher » Freitag 29. September 2023, 22:57
Glück gehabt RAGNAROK ist natürlich eine schöne Vorstellung, das hier besprochene Album kenne ich nicht. Leider steht auch die "Nattferd" immer noch auf dem Einkaufszettel statt in der Sammlung. Ach verdammt, Prime regelt. Nächsten Mittwoch steht sie in der Sammlung.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 12. Oktober 2023, 22:46
Ich wollte das eigentlich in etwas höherer Frequenz machen, aber die Zeit fliegt und fliegt... und schwupps ist der Thread schon auf Seite 2. Daher mal ein wenig *bump* for the sake of it. Und bumpy ist diese Musik sehr wohl, die jetzt kommt... in da face! THE EXPLOITED "Beat The Bastards" (Rough Justice Records, 1996)Da ich mich ja gerade eh als der verkappte Hardcore-Onkel des Forums oute, wollen wir doch einfach gleich Nägel mit Köpfen machen und aufs Ganze gehen: Edinburgh's Finest - THE EXPLOITED - waren 1996 echt hart am Wind und haben nach sechs Jahren ohne zählbare Veröffentlichung mit "Beat The Bastards" ein Brett von einem Album hinaus gehauen, dass es echt zur Fürchten und zum Lieben war. Wilder, knallharter, räudiger Hardcore Punk mit einer Thrash-Schlagseite, die sich von und zu scheibt, und ein Riffgewitter abfeuert, das sich gewaschen hat. Dazu speit Chef-Iro-Fronter Wattie Buchan in seiner unnachahmlichen Art und mit seinem fetten Scots-Accent Gift und Galle. "Beat The Bastards", eröffnet vom gleichnamigen Titelstück, ist eine wüste Scolding-Orgie, in der alle ihr Fett wegbekommen, die Wattie mal scheel angeschaut haben. Leute, die dem System dienen, Leute zur Rechten wie zur Linken, zur katholischen wie zur protestantischen Seite, hier hat sich fast jeder ein deftiges Fuck-off verdient, so scheint es. Die Bastards kriegen auf die Fresse, die Reichen eh (a law for the rich), abgestumpfte Kinder werden beklagt (affected by them), selbst ist man erst mal für gar nichts verantwortlich, sondern alle anderen (don't blame me), das System hatten wir schon? Ja? Auch scheiße, eh klar! Fuck it, for fuck's sake! Lügen tun sie auch alle, natürlich... Ihr habt ein Bild bekommen, denke ich. Ich weiß ja nicht, ich denke ideologisch könnte ich mit Wattie wahrscheinlich öfters mal über Kreuz liegen, aber ich mag solche garstigen Schimpforgien mit Charme, und vor allem, wenn sie dir halt so herrlich räudig und hart ins Gesicht gerieben werden. Für mich ist diese Phase von THE EXPLOITED sicherlich mehr Metal als sie Punk ist, aber trotz allem, klar, der Punk schlägt lyrisch ebenso an allen Ecken und Enden durch, wie auch musikalisch, wobei eben die Riffs und Leadgitarren ganz weit weg vom Drei-Akkorde-Schema sind, sondern einen rattenscharfen Mix aus hartem, metallischem Hardcore und punkigem Thrash Metal abfeuern. Wer also AGNOSTIC FRONT ebenso mag wie ACID REIGN, GWAR oder RUMBLE MILITIA, der ist bei "Beat The Bastards" zu jeder Zeit goldrichtig. Oft versamplert, oft verwichtelt, immer genre genommen! Andererseits ist die Scheibe auch nicht immer nur der aggressive Fön, sondern es ist hier und da auch unter die Haut gehend und hintergründiger, etwa bei 'System Fucked Up', das auch seine crustigen und post-hardcoreigen Momente hat, in denen es getragener, dafür aber umso fieser den brennenden Holzspan unter den Fingernägeln gibt. Und das Artwork mit dem Iro-Schädel ist halt auch legendär. 'Beat The Bastards' - https://www.youtube.com/watch?v=WManjKAEJzU'Don't Blame Me' - https://www.youtube.com/watch?v=Tyulgjl1QFo'System Fucked Up' - https://www.youtube.com/watch?v=y5xOuUF-wx0Addendum: 1996 war eh ein Jahr, in dem ganz viele grandiose Alben erschienen sind, die mich auf meinem Weg durchs metallische Paralleluniversum unheimlich viel weiter gebracht haben, und neue Horizonte eröffnet haben, auf ganz vielen Ebenen, und dieses Aggressionswunderwerk ist eines der wichtigsten davon. Andere sind beispielsweise "Devil's Canyon" von MOLLY HATCHET, oder "Into The Unknown" von MERCYFUL FATE. Wie gesagt, auf so vielen Ebenen.
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