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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Julian Rohrer » Montag 25. September 2023, 16:24
Bei dem Besuch des Konzerts von WIND ROSE, ALL FOR METAL und SEVEN KINGDOMS ist es mir mal wieder sowas von negativ aufgefallen: Gefühlt kommt die Hälfte der Musik bei diesen Bands vom Band. Ich habe das mal so im Bericht aufgeschrieben: "Ich stehe immer noch am Eingang und muss mich über eines wundern: Alle Bands hatten heute jede Menge Tonspuren im Gepäck, die vom Laptop abgespielt und nicht live performt wurden. Bei SEVEN KINGDOMS hatte ich das schon beschrieben. ALL FOR METAL hatten Chöre, Keyboards und sogar zweite Gesangs-Stimmen vom Band dabei, während keiner der beiden Sänger gesungen hatte. Bei WIND ROSE gab es einen Keyboarder, aber die Chöre kamen vom Band. Die beiden Saitenhexer standen ständig am Mikrofon und taten ihr Bestes, um zu kaschieren, dass einige Tonspuren vervielfacht wurden. Ich frage mich: Stört nur mich dieser Retortensound? Und: Was ist eigentlich der Sinn von Live-Auftritten? Erwarten die Bands und ihre Produzententeams, dass das Publikum wiederum eine Performance erwartet, die an Perfektion grenzt? Das geht doch auf Kosten der Dynamik und Einzigartigkeit einer eingespielten Band, die live auch mal etwas anderes ausprobiert. Die vielleicht nicht perfekt spielt, aber zumindest eine Einzigartigkeit erzeugt, die eben nur die Menschen erleben, die an diesem Abend vor Ort sind. Wohin soll die Reise gehen? Was spricht dagegen, in Zukunft die Bands einfach komplett auf der Bühne Karaoke spielen zu lassen und nur die Sängerinnen und Sänger singen zu lassen, wie es im Pop- und Schlagerbusiness üblich ist? Bei allem Spaß, den das Publikum heute Abend zweifellos hatte, gehe ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Und mit der Hoffnung, dass vielleicht ein Umdenken stattfindet und auch Bands dieser Größenordnung wieder mehr Wert auf Authentizität als auf Einheitsbrei legen." Das komplette Gegenteil habe ich dann in Schwaben beim Gas Hä äh Gäbe Festival erlebt: Fünf Bands, die wenn dann nur mit sehr dezentem Karako-Modus auf der Bühne standen, oder, wie Juttas VELVET VIPER, zumindest nach meinen Ohren komplett darauf verzichteten, und gerade deswegen eine sooooo gute, authentische und einzigartige Show abgeliefert haben. Das war wie Balsam auf meiner Seele. Und beantwortet natürlich auch die im Titel gestellte Frage: Natürlich gibt es noch Bands, die auch ohne Extra-Spuren auskommen - aber es werden immer weniger. Jetzt die Frage in die Runde: Sind die Gedanken anschlussfähig? Beschäftigt euch das? Oder könnt ihr Konzerte auch im Karaoke-Modus genießen?
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von Eike » Montag 25. September 2023, 18:04
Der nächste Schritt ist dann der, dass man Eintritt bezahlt, um ein Musikvideo der Band mit Studiosound auf der Leinwand zu schauen. Am besten im Kino, dann kann man dabei auch noch schön die Füße hochlegen und 20 Euro für eine Hand voll Nachos mit Billigkäse und Labbersalsa bezahlen. Rock'n'roll!
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von Jhonny » Montag 25. September 2023, 19:19
Ich gebe zu, dass das bisher kein großes Thema bei den meisten Konzerten war, die ich besucht habe. Mal gucken, wie es bald bei STRATOVARIUS / SONATA ARCTICA wird. Klar, bei BABYMETAL war es anstrengend, aber die wollte ich ja eh nicht sehen und musste sie irgendwie mitnehmen.
Grundsätzlich finde ich es schon ok, dass mal etwas eingespielt wird, aber ich glaube, es würde mich stören, live an feste Tracks gebunden zu sein, die mitlaufen. Ich spiele aber auch ungern mit Click.
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von MarioDahl » Montag 25. September 2023, 20:06
Ich mag keine Backing Tracks. Wenn ich mich an DYNAZTY erinnere, deren Sound sehr Keyboard/Synthie-/lästig ist, man aber keinen Keyboarder auf der Bühne sieht, ist das schon echt befremdlich. Grds ist live für mich dann, wenn man, abgesehen von Song-Intros, sämtliche Sounds live auf der Bühne fabriziert. Und nicht vom Band abspielt.
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von Holger Andrae » Montag 25. September 2023, 20:29
Ich bin da schlimm altmodisch. Fand ja zuerst schon Ministry damals zu roboterhaft. Das war dann live aber sowas von röckenröll ... Zum Kern des gelockten Dackels: In gewissem Rahmen darf auch mal was aus der Dose kommen, aber ich bin großer Verfechter von Menschlichkeit auf der Bühne. Dazu zählen Spielfehler, Jam-Sessions, Timing-Schwankungen, Text-Patzer etc pipapo. So wie ich das hier verstehe, ist die Musik ja wohl bei Entstehung schon auf diese Livesituation ausgerichtet. Das ist dann Retorten.Rock für mich und widerspricht zu 100% meinem Verständnis.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von kingdiamond » Montag 25. September 2023, 22:01
Holger Andrae hat geschrieben:Zum Kern des gelockten Dackels
Ich verbitte mir diese Degradierung des Pudels!!! Zum Thema: Karaoke-Modus? Wenn die Scorpions bei Heidi Klum auftreten ist das sogar bei denen so, die es wohl ohne können (müssten). Aber hier geht es ja eher um Bands, die das generell auch ohne Millionen-Publikum machen. Bin da bei euch, lieber komplett live und die Musik von vorne herein so gestalten, dass man sie auch „aufführen“ kann. Ohne Intros oder Übergänge geht es wohl aber auch bei einigen meiner Lieblingsbands nicht. Ich mochte zumindest auch Ministry und Disillusion kommt wohl auch nicht ohne aus… @Eike Spielst du da auf eine bestimmte Band an? Ich konnte es auch nicht fassen, dass sich sowas Leute antun…
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 26. September 2023, 00:03
Ja, Julian, beim "Gas Gäba!" hatten wir im ganz Wesentlichen keinen Karaoke-Metal, glaube ich. 
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von Pillamyd » Dienstag 26. September 2023, 00:33
Ziemlich viele Fragen...
Aber ja. Mich hätte es, bei aller Offensichtlichkeit, auch gestört. Außer man weiß, was da auf einen zukommt. Bei "Illumination Theory", war es klar, dass das für die Band eine Pause bedeutete. Da finde ich sowas, dann auch in Ordnung. Aber ich finde auch, dass ein Konzert vor allem davon lebt eben live zu sein. Das heißt, Variationen zu hören, weil zum Beispiel der Gitarrist gerade eben darauf bock hat. Oder einen bock schießt, weil er zu früh einsetzt oder sonst etwas. Das sind die Momente woran man sich dann gerne zurückerinnert. Das gibt die Energie. Wenn ich dann von eben solchen halbherzigen versuchen (sorry, nichts anderes ist das für mich), dass auch noch zu kaschieren, lesen muss, dann kann man gleich zu Hause bleiben und eine (wahrscheinlich) Produktionstechnisch perfekt polierte Scheiben hören.
Bei den Bands, die du aber gesehen hast und bei dem dir das so massiv aufgefallen ist, wundert mich das eigentlich gar nicht. Und davon kenne ich eigentlich ja nur dieses "All For Metal" und auch nur, weil die hier bei euch ja ziemlich präsent besprochen wurde. Ich bin da ziemlich Vorurteilsbehaftet und 30 Sekunden haben mir da gereicht um zu merken, dass das nichts für mich ist. Das da ziemlich viel heiße Luft dazwischen ist, wundert mich also auch in Bezug auf Livedarbietung einfach gar nicht. Ich möchte hier nicht zu bösartig klingen. Deswegen lasse ich das an der Stelle...
Ist übrigens auch ein Grund, warum ich keine Pop Konzerte von einzelnen Künstler anschauen könnte, wie sie heute stattfinden. Wenn das Hauptaugenmerkt, auf künstlerischer Seite, eher auf Choreographie und Bühnenshow liegt und man dadurch nur jeden 3 Satz singt, brauch ich das persönlich auch gar nicht.
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von Nils Macher » Dienstag 26. September 2023, 09:04
Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, wenn substantielle Beiträge vom Band laufen. Genau so wenig habe ich aber auch Verständnis für Bands, die live einfach nicht liefern können. Ja, mich stören verstimmte Gitarren und schiefe Sänger (wenn die Melodien nicht schief sein sollten). Ich habe mir da vor Jahren mal wenig Freunde mit einer Konzertbesprechung vom KIT-Gig des Kodex gemacht. Fand ich einfach zu rumpelig. Genau so hat mich aber eben auch POWERWOLF in Wacken gestört, wo kein Bassist auf der Bühne war, sondern das nur vom Band lief.
Gegen Clicktracks habe ich nichts, das hatte unser Drummer in der Big Band auch schon. Hat viele Vorteile und nichts damit zu tun, dass jemand ein schlechter Musiker ist.
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von Jhonny » Dienstag 26. September 2023, 10:26
Nils Macher hat geschrieben:Gegen Clicktracks habe ich nichts, das hatte unser Drummer in der Big Band auch schon. Hat viele Vorteile und nichts damit zu tun, dass jemand ein schlechter Musiker ist.
Ich habe auch nichts dagegen, spiele nur selber eher ungern mit Metronom. Das war schon im Klavierunterricht so. Ist also eine subjektive Abneigung. Wenn Leute das auf der Bühne nutzen ist das voll ok.
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