Holger Andrae hat geschrieben:Pillamyd hat geschrieben:Holger Andrae hat geschrieben:Pillamyd hat geschrieben:Was ich von "Killing Joke" halten soll, weiß ich leider noch nicht. Das was ich gehört habe, meist die älteren Sachen, konnten mich nicht so abholen wie ich vermutet habe. Da sollte ich vielleicht noch einmal einen Versuch starten. Aber "Democrazy" werde ich gern als nächste Anlaufstelle nutzen. Mal schauen wie es mir taugt.
Ja, die früheren Sachen finde ich auch seltsam, etwas sperrig, kratzbürstig, aber in der richtigen Stimmung passt das.
Ich habe gerade nachgeschaut. Die "Night Time" war es. Da hatte ich reingehört, weil die jeder abgefeiert hat. Und ich merke gerade, dass mir die "Pandemonium" noch empfohlen wurde.
"Pandemonium" fand ich auch gut.
Die frühen Sachen sind eben noch sehr stark vom Punk beeinflusst.
Ich mag ja, nicht zuletzt wegen des Abwechslungsreichtums, aber eigentlich auch komplett wegen der einzelnen Songs - und darunter dann nochmal gleich mehreren persönlichen Hits besonders - "Extremities, Dirt and Various Repressed Emotions" am liebsten: Das angepisst aggressive 'Age of Greed', das atmosphärische 'Inside the Termite Mound', das aufbauend aufputschend vorantreibende 'Struggle' zählen da eigentlich immer zu meinen Favoriten, ansonsten eben je nach Stimmung auch die übrigen Stücke; und als weitere Anspieltipps noch hinzufügen würde ich das eher besinnlich mantraartige 'The Beautiful Dead' und im Gegensatz dazu den nahezu bandtypischen (soweit man das "typisch" überhaupt sagen kann) Abriss 'Kaliyuga' als mitreißendes Groovemonster, wobei beide Stücke sich das auf bandeigene Weise beschwörerische Element ziemlich deutlich auf die Flagge geschrieben haben und dadurch doch wieder gut zusammenpassen.
"Absolute Dissent" hat auch viel Varietät, aber darauf sind die "eigentlichen" Hits für mich deutlich klarer herauszuheben: Die Epitaph-Hymne 'The Raven King' für ihr verstorbenes Bandmitglied, das dubbig nostalgische 'Ghosts of Ladbroke Grove', der Tanzbodenfüller 'European Super State'; dazu sind der Opener 'In Excelsis' und der wiederum einigermaßen bandtypische Titeltrack 'Absolute Dissent' noch als Anspieltipps zu nennen. Ansonsten ist recht viel Geballer drauf, aber das Album ist gerade in diesen heftigeren Momenten - ...wieder einmal... - etwas zu knallig produziert, wenn auch nicht ganz so übersteuert wie das songwriterisch gute aber leider fast unhörbar zugemauerte "Hosannas from the Basements of Hell". Darunter leiden gerade die späteren Produktionen ziemlich, hierauf geht es aber überwiegend noch. Interessant ist, dass es von "Absolute Dissent" eine Special Edition mit der Bonus-Compilation "Absolute Respect" gibt, auf der sich zehn Coverversionen und ein Remix von KILLING JOKE-Songs finden; daran beteiligt waren illustre Acts wie FEAR FACTORY, FOO FIGHTERS, HELMET, METALLICA, NINE INCH NAILS.
Die Band war eben mit, trotz oder wegen, ihrer manchmal etwas gestrengen Limitierungen bzw. zackig repetitiven und hypnotischen Groove-Orientierung, der "typischen" Mischung aus industriellen, metallischen, punkigen, tranceigen/tribalistischen Sounds besonders einflussreich über Genre-Grenzen hinweg. Alleine darum lohnt sich der "musikhistorische" Blick auf KILLING JOKE; aber auch für sich genommen gibt es da so einige Perlen zu entdecken, und ähnlich wie bei MOTÖRHEAD klingt da eben längst nicht "alles gleich", wenn man mal etwas tiefer gräbt bzw. in die Breite des Spektrums schaut.
Eine ganz gute Compilation aus einer früheren Bandphase ist: "Laugh? I Nearly Bought One!".
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)