PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 10. April 2023, 21:11

01. STEVE GOODMAN - Videotape
=> Platz 1 ist hier für mich völlig klar, auch wenn das vielleicht nicht in das Bild passt, das man so von mir hat, und auch nicht zu dem, das ich von mir selbst habe. Mit Metal-Überklassikern wie 'Ripper' und 'Warrior' in einer Gruppe kann ja eigentlich kein Non-Metal-Track auf der #1 landen, mag man meinen, doch Steve Goodmans 'Videotape' ist für mich tatsächlich einer der größten und wichtigsten Songs aller Zeiten, und vielleicht der einzige Song, den ich in den letzten zwanzig Jahren erstmals gehört habe, der wirklich einschneidend für mich war. Wegen dieses Songs habe ich mir tatsächlich meine erste A-Gitarre gekauft und meine ersten eigenen Folksongs geschrieben. Die Lyrics in Verbindung mit Steve Goodmans tragischer Vita und seiner unfassbar positiven, sympathischen Aura in diesem Livevideo sind für mich schlicht nicht von dieser Welt. Da kommt nicht viel dran vorbei, Metal oder nicht, ganz egal.

02. JUDAS PRIEST - The Ripper
=> Das war auch einer der ersten Songs, den ich auf der E-Gitarre gespielt habe. Meine Priest-Lieblingsscheibe mit meinem zweitliebsten Song nach dem Tyrannen, der mein All-Time-PRIEST-Fave insgesamt ist. Völlig großartig in jeder Hinsicht.

03. RIOT - Warrior
=> Jo, das ist dann der Proto-Speed-Metal-Smasher der Runde. Auch RIOT ist eine dieser Bands, die nie ein schlechtes Album gemacht haben, und das Debüt war schon wegweisend. Dieser Song ist eine der großen Hymnen des Albums und bis heute absoluter Standard im Liveset. Hier Eulen nach Athen, aber außerhalb der engeren Metalszene leider eine völlig übersehene Band in ihrer Relevanz für die frühe Szene und die Entwicklung des Genres.

04. ALICE COOPER - School's Out
=> Natürlich eine der ganz großen Hardrock-Hymnen überhaupt. Nicht unbedingt allzu nah am Herzen, da diese "School's Out"-Romantik bei mir nie wirklich verfangen hat, aber trotzdem ist Onkel Alice natürlich Onkel Alice, und das Ding zu Recht ein Welthit.

05. JOY DIVISION - Disorder
=> Die düstere und doch poppige Atmosphäre weiß zu gefallen. JOY DIVISION kann mich immer wieder überzeugen, weil es einfach nicht allzu generisch ist für die 1970er. Natürlich stilprägend und oft kopiert, doch als Original fraglos wegweisend und bis heute wichtig.

06. NEIL YOUNG - Out On The Weekend
=> Stilistisch nicht allzu weit weg von meinem über alles verehrten Steve Goodman, und daher sicher allzeit hörenswert, für mich aber lyrisch und in Sachen Storytelling nicht ganz so berührend und faszinierend, da dieses augenzwinkernde "tongue in cheek"-Moment hier nicht so massiv mitschwingt. Eher eine typische 60s/70s-US-Folkrock-Ballade, der Bob-Dylan-Schule.

07. AEROSMITH - Same Old Song And Dance
=> Mit Aerosmith wollte man mich schon wiederholt anfixen, doch bisher hat es nur für eine Best-of gereicht. Ist aber aufgeschoben, nicht aufgehoben, da natürlich auch Hardrocker-Allgemeinbildung. Ist auch stets coole Musik, mir fehlt aber in jeder Phase der Band der wirklich spürbare (proto-)metallische Aspekt, um vollends steil auf Aerosmith zu gehen. Das ist cool gemachter, bluesiger Rock'n'Roll mit einer gewissen Grundhärte, aber das war's dann auch. Um in dieser Gruppe zu bleiben, bietet mir da Cooper unter den Protometallern eben mehr Creepy-Voice-Stuff, Judas Priest tausendmal härtere Riffs, Riot mehr Geschwindigkeit und neoklassischen Ansatz etc... Macht Aerosmith nicht schlechter, aber es erklärt, warum es auf mich keine so massive biographische Wirkung hat(te).

08. QUEEN - Brighton Rock
=> Bei Queen habe ich immer ein wenig das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass ich mit der Band nicht wirklich warm werde und nur ganz wenige Songs echt grandios finde. Natürlich war Freddy Mercury ein Gottsänger mit unfassbarer Stimme und faszinierender Vielseitigkeit, und ähnliches gilt von seinen Mitstreitern an ihren Instrumenten. Will ich nicht die Bohne relativieren. Was mich bei aller Genialität aber immer wieder abtörnt, ist das allzu oft durchbrechende Überkandidelte in ihrer Kompositionsweise und in ihrer Darbietung, die ich bisweilen immer wieder kurz vor albern finde. Geht mir bei "Bohemian Rhapsody" so, und auch bei diesem Song. Das instrumentale wie vokale "Gackern" speziell am Ende ist mir zu sehr drüber. Und ich bin jemand, der Tormentor und Sigh liebt... von daher, keine Ahnung, was mit mir falsch ist.

09. LED ZEPPELIN - Kashmir
=> Ach herrje, die Gruppe kostet die klassischen Legenden wirklich aus, mit denen ich "nie so recht warm" geworden bin. LED ZEP ist ja infamously mein "least fave" unter allen 1970er-UK-Dinos, und das ist nicht nur bei "Whole Lotta Love" so, sondern leider auch bei 'Kashmir'. Natürlich tolles und legendäres Hauptriff, tolle Sitar-Leadmelodien, oder E-Bow, oder whatever, aber ich mag Robert Plants Art zu singen einfach nur sehr selten, und auch die orchestralen, soundtrackartigen Produktionselemente sind mir zu viel. Ich mag's im 1970er-Sound irgendwie erdiger, basischer. Ja, egal... Klassiker, unangetastet, mit allem Respekt... aber das meine ist das auch nach all den Jahren nicht, in denen ich es inzwischen versucht habe.

10. THE BEATLES - The Long And Winding Road
=> Jo. Was soll ich sagen? Ich nehme den Beatles nichts weg, aber auf mich hat die Band nie einen nachhaltigen Einfluss gehabt, obwohl meine älteren Geschwister mit dem Sound noch mit aufgewachsen sind. Mir ist das unterm Strich dann doch immer zu poppig gewesen, wenn sie nicht gerade alte 50er-R'n'Roll-Songs gecovert haben. Ich bin kein Anti-Popper und mag auch mainstreamigere Sachen sehr gerne, aber ich brauche da immer irgend einen besonderen Aspekt an Band, Song, Stimme, Text, der mich knackt, und das ist mir bei den Beatles bisher nicht passiert. Hier ähnlich: Ein fraglos schöner Song, den ich wunderbar gerne anhören kann, aber der mich nun nicht aus der Reserve lockt, mich näher an die Beatles ranzuschmeißen. Dazu ist es mir zu orchestral und zu pianolastig, und ich glaube, dass McCartney auch mein least-fave-Beatles-Singer ist. Das ist mir zu viel Lovesong.






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Zur Frage nach dem schwach besetzten Jahrgang?

Nein, tatsächlich hatte ich bei keinem Jahrgang ernsthaft Probleme, drei Songs zu nominieren (habe immer drei eingereicht, zur Auswahl für Holg). Manche Jahre waren etwas stark von den offensichtlichen Bands dominiert, aber unter dem Strich konnte ich auch für jedes Jahr einen Song nominieren, der nicht von einer der offensichtlichen Bands stammt, bei denen ich zwingend mit zu vielen Überschneidungen rechnen musste.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 11. April 2023, 10:54

Danke für die Antworten!
Ich habe mich schon teilweise behämmert gefühlt. Aber ich bin in manchen Jahren dann doch sehr schwach aufgestellt.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:01. STEVE GOODMAN - Videotape
=> Platz 1 ist hier für mich völlig klar, auch wenn das vielleicht nicht in das Bild passt, das man so von mir hat, und auch nicht zu dem, das ich von mir selbst habe.


Wie gesagt, ich hatte das noch im Kopf. War für mich zumindest nicht überraschend.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:08. QUEEN - Brighton Rock
=> Bei Queen habe ich immer ein wenig das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass ich mit der Band nicht wirklich warm werde und nur ganz wenige Songs echt grandios finde. Natürlich war Freddy Mercury ein Gottsänger mit unfassbarer Stimme und faszinierender Vielseitigkeit, und ähnliches gilt von seinen Mitstreitern an ihren Instrumenten. Will ich nicht die Bohne relativieren. Was mich bei aller Genialität aber immer wieder abtörnt, ist das allzu oft durchbrechende Überkandidelte in ihrer Kompositionsweise und in ihrer Darbietung, die ich bisweilen immer wieder kurz vor albern finde. Geht mir bei "Bohemian Rhapsody" so, und auch bei diesem Song. Das instrumentale wie vokale "Gackern" speziell am Ende ist mir zu sehr drüber. Und ich bin jemand, der Tormentor und Sigh liebt... von daher, keine Ahnung, was mit mir falsch ist.


Albern? Hmm...ok.
Ich bin hier aber generell etwas überrascht, wie wenig man auf die Gitarrenarbeit eingeht. Das sticht für mich viel mehr raus als der Gesang.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:10. THE BEATLES - The Long And Winding Road
=> Jo. Was soll ich sagen? Ich nehme den Beatles nichts weg, aber auf mich hat die Band nie einen nachhaltigen Einfluss gehabt, obwohl meine älteren Geschwister mit dem Sound noch mit aufgewachsen sind. Mir ist das unterm Strich dann doch immer zu poppig gewesen, wenn sie nicht gerade alte 50er-R'n'Roll-Songs gecovert haben. Ich bin kein Anti-Popper und mag auch mainstreamigere Sachen sehr gerne, aber ich brauche da immer irgend einen besonderen Aspekt an Band, Song, Stimme, Text, der mich knackt, und das ist mir bei den Beatles bisher nicht passiert. Hier ähnlich: Ein fraglos schöner Song, den ich wunderbar gerne anhören kann, aber der mich nun nicht aus der Reserve lockt, mich näher an die Beatles ranzuschmeißen. Dazu ist es mir zu orchestral und zu pianolastig, und ich glaube, dass McCartney auch mein least-fave-Beatles-Singer ist. Das ist mir zu viel Lovesong.


Du beantwortest das zwar schon innerhalb deines Textes. Aber ich kann sehr gut verstehen, wenn man das Pompöse in dem Song nicht richtig mag. Das Album ist ja hinsichtlich dafür bekannt, dass es ziemlich orchestral ausgefallen ist. Deshalb gab es ja eine überarbeitete Version, der die Songs in ihrer Ursprungsform zeigt, ohne orchestralen Sound. Ich finde die Version vom 1970 veröffentlichten Album auch um einiges kitschiger. Das wird dein Interesse zwar nicht steigern. Weil du aber das orchestrale "kritisiert" hast, wollte ich kurz darauf eingehen.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 11. April 2023, 12:25

Das ist ja kein Grund für die Annahme einer Behämmertheit. Wir sind ja fast alle Jahrgänge, die selbst eher mit der Musik der Achtziger oder Neunziger unmittelbar aufgewachsen sind, weil die in unserer prägenden Jugendzeit eben aktuell war, und nicht die Musik der Siebziger und Sechziger. Das haben die meisten von uns dann retrospektiv erkundet, weil wir irgendwann die Relevanz dieser Vorläufer für unser Lieblingsgenre erkannt haben, oder weil wir halt auf andere Weise darauf aufmerksam gemacht wurden. Egal wie, für die meisten Mitspieler war es eben in ihrer prägenden Phase schon "alte Musik", und weil da nicht jeder von Anfang an dabei war, ist es halt eine Frage dessen, wann man darauf aufmerksam wurde, und wie viel man da schon "nachgeholt" hat, wenn es darum geht, wie groß die Lücken sind. Dass ich an Ende dann zumindest in den Siebzigern doch für jedes Jahr einiges habe, liegt halt an meinem sehr ausgeprägten Komplettismus. Ich hab Heep komplett, ebenso Sabbath und Hawkwind, und gerade diese drei Bands haben in den 1970ern von Anfang an in nahezu jedem Jahr mindestens ein Album herausgebracht, und da die alle auch tolle Songs haben, hat sich das "Problem" für mich dann auch schon erledigt. Und ab Mitte der Siebziger kommen dann Sachen wie Rainbow, Priest, Motörhead, Rush etc... dazu, dann ist eh der Drops gelutscht.

@ Queen:
Ja, sorry, ich finde das manchmal überkandidelt und geckenhaft, was Mercury tut. Ist nicht böse gemeint, und ich glaube, dass der das auch völlig absichtlich gemacht hat und viele lieben ihn ja genau dafür. Aber bei so Vokalakrobatik-Geschichten wie "Galileo, Galileo, Figaro" zieht's mir halt die Schuhe aus. Dass ich wenig auf die Gitarrenarbeit eingehe, ist bei mir ziemlich normal, weil ich generell sehr stark auf die Sänger fixiert bin, wobei ich meine nichtswürdige "Kritik" hier durchaus auch auf die Instrumentalisten beziehe. May ist natürlich ein Gitarrengott wie Mercury ein Sangesgott ist, und beide zeigen in dem Song auch alles, was sie können. Mir ist das aber einfach streckenweise etwas zu viel Pomp & Circumstance, zu viel Stolzieren auf dem Laufsteg, mit immer wieder einem Zucken in Richtung gewollte Groteske und Varieté. Das durchzieht das, was ich von Queen kenne, und zwar sowohl die Epen als auch viele der Popsongs (Radio Gaga, Bicycle...). Tut mir ja selber leid, dass es so ist, da ich bei manchen Bands (siehe oben) dieses Wandeln am Rande zur Groteske durchaus schätze, und daher ist das auch mit allem Respekt gesagt und nicht böse gemeint.

@ The Beatles:
Höre ich mir gerne mal an, die reduzierteren Versionen, da ich einen puren Singer/Songwriter-Stil ja durchaus sehr schätze (siehe Goodman u.a.). Der hier vorgestellte Beatles-Track hat zwei Stolperfallen für mich. Einmal das besagte Orchestrale und zum anderen die schmachtende Darbietung im Lovesong-Stil, womit ich mir ganz generell schwer tue, auch bei meinen Faves aus der Country-Ecke. Da mag ich auch die Desperado-Songs, die Hobo-Songs, die Trucker-Songs, lieber als die Liebeslieder. Geht mir auch mit Filmen so. Filme die romantische Liebesthemen im Zentrum der Handlung haben, sind einfach nichts für mich. Mir ist klar, dass man speziell diesen Song durchaus auch anders interpretieren kann, aber die Art des Arrangements und die Art wie Paul die Lyrics interpretiert, sorgen einfach für ein markantes Lovesong-Flair, und das ist bei den Beatles ja fraglos ein Dauerbrenner-Thema, wie es in den Sechzigern und davor eben durchaus Standard war. Ist nicht schlimm, ich hab nur keinen nennenswerten persönlichen Bezug zu dem Thema, und fühle mich daher mit Lovesongs im klassischen Sinne tendenziell eher unwohl.
:grins:
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 11. April 2023, 12:56

Zu den Jahrgängen: Ich hatte mir ursprünglich drei Songs pro Jahr ausgesucht, musste aber ein paar Mal weiter kramen, da ihr mir die Songs oder Interpreten bereits weggenommen habt :)
Das war in manchen Jahren nur von daher etwas problematisch, da ich fast nur die großen Bands hatte. Hab' aber trotzdem jedes Mal was gefunden. Logischerweise war die zweite Dekadenhälfte deutlich einfacher, weil da einfach schon mehr Hard Rock am Start war und später sogar bereits NWoBHM. Komisch übrigens, dass keiner was von den Soundhouse Tapes gelistet hat. Aber das wäre dann ja einfach gewesen. Und langweilig. 1973 war meine härteste Nuss.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 11. April 2023, 13:01

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das ist ja kein Grund für die Annahme einer Behämmertheit. Wir sind ja fast alle Jahrgänge, die selbst eher mit der Musik der Achtziger oder Neunziger unmittelbar aufgewachsen sind, weil die in unserer prägenden Jugendzeit eben aktuell war, und nicht die Musik der Siebziger und Sechziger. Das haben die meisten von uns dann retrospektiv erkundet, weil wir irgendwann die Relevanz dieser Vorläufer für unser Lieblingsgenre erkannt haben, oder weil wir halt auf andere Weise darauf aufmerksam gemacht wurden. Egal wie, für die meisten Mitspieler war es eben in ihrer prägenden Phase schon "alte Musik", und weil da nicht jeder von Anfang an dabei war, ist es halt eine Frage dessen, wann man darauf aufmerksam wurde, und wie viel man da schon "nachgeholt" hat, wenn es darum geht, wie groß die Lücken sind. Dass ich an Ende dann zumindest in den Siebzigern doch für jedes Jahr einiges habe, liegt halt an meinem sehr ausgeprägten Komplettismus. Ich hab Heep komplett, ebenso Sabbath und Hawkwind, und gerade diese drei Bands haben in den 1970ern von Anfang an in nahezu jedem Jahr mindestens ein Album herausgebracht, und da die alle auch tolle Songs haben, hat sich das "Problem" für mich dann auch schon erledigt. Und ab Mitte der Siebziger kommen dann Sachen wie Rainbow, Priest, Motörhead, Rush etc... dazu, dann ist eh der Drops gelutscht.


Genau.
Obwohl ich wahrscheinlich relativ nah an den 70ern angefangen habe, ging der Blick rückwärts erst verhältnismäßig spät los. Das lag ganz einfach daran, dass die Stromgitarrenevolution in den 80ern so furchtbar rasant war. Mit Uriah Heep oder Queen habe ich mich erst in den 90ern beschäftigt. Selbst Black Sabbath war zu Beginn nur eine Randerscheinung, da ich nur "Live At Last" hatte und die bis heute schlimm finde. Gut, Rainbow, Priest, Motörhead und dann auch Rush kam eher rasch (hihi) in die Sammlung. Beatles, Led Zep und Lizzy - da hatte ich nur die "Thunder & Lightning" und "Life" - folgten dann erst Anfang der 90er. Wie auch Jethro Tull.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 11. April 2023, 13:06

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das ist ja kein Grund für die Annahme einer Behämmertheit. Wir sind ja fast alle Jahrgänge, die selbst eher mit der Musik der Achtziger oder Neunziger unmittelbar aufgewachsen sind, weil die in unserer prägenden Jugendzeit eben aktuell war, und nicht die Musik der Siebziger und Sechziger. Das haben die meisten von uns dann retrospektiv erkundet, weil wir irgendwann die Relevanz dieser Vorläufer für unser Lieblingsgenre erkannt haben, oder weil wir halt auf andere Weise darauf aufmerksam gemacht wurden. Egal wie, für die meisten Mitspieler war es eben in ihrer prägenden Phase schon "alte Musik", und weil da nicht jeder von Anfang an dabei war, ist es halt eine Frage dessen, wann man darauf aufmerksam wurde, und wie viel man da schon "nachgeholt" hat, wenn es darum geht, wie groß die Lücken sind. Dass ich an Ende dann zumindest in den Siebzigern doch für jedes Jahr einiges habe, liegt halt an meinem sehr ausgeprägten Komplettismus. Ich hab Heep komplett, ebenso Sabbath und Hawkwind, und gerade diese drei Bands haben in den 1970ern von Anfang an in nahezu jedem Jahr mindestens ein Album herausgebracht, und da die alle auch tolle Songs haben, hat sich das "Problem" für mich dann auch schon erledigt. Und ab Mitte der Siebziger kommen dann Sachen wie Rainbow, Priest, Motörhead, Rush etc... dazu, dann ist eh der Drops gelutscht.


Das ist alles richtig. Natürlich aber von mir nicht ganz so ernst gemeint. Ich saß bloß an meiner Liste und hatte für manche Jahre ziemlich viel von den zwei Jahren so gut wie gar nichts. Da habe ich schon mal ungläubig über mich gelacht. Außerdem war dann halt die Überlegung meinerseits, nicht die offensichtlichen Sachen zu nehmen. Weil, wie ich schon zum Priest Song schrieb, dachte ich mir, nachher stehen da über 3 Priest, Motörhead, Rush, Rainbow Songs (nur als Beispiel) und dann wird eh nachnominiert. Das wollte ich bei mir vermeiden. Das gute, ich habe ein, zwei Sachen entdeckt, zu denen ich sicher noch etwas beitragen werde. In welcher Form auch immer. Die ich aber nicht unbedingt ins Spiel bringen wollte. Ach ja, ich würde mich ja auch komplettist nennen. Nicht in der Ausprägung wie bei dir. Aber ich bemühe mich da schon auch. Wenn auch langsamer.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ja, sorry, ich finde das manchmal überkandidelt und geckenhaft, was Mercury tut. Ist nicht böse gemeint, und ich glaube, dass der das auch völlig absichtlich gemacht hat und viele lieben ihn ja genau dafür. Aber bei so Vokalakrobatik-Geschichten wie "Galileo, Galileo, Figaro" zieht's mir halt die Schuhe aus. Dass ich wenig auf die Gitarrenarbeit eingehe, ist bei mir ziemlich normal, weil ich generell sehr stark auf die Sänger fixiert bin, wobei ich meine nichtswürdige "Kritik" hier durchaus auch auf die Instrumentalisten beziehe. May ist natürlich ein Gitarrengott wie Mercury ein Sangesgott ist, und beide zeigen in dem Song auch alles, was sie können. Mir ist das aber einfach streckenweise etwas zu viel Pomp & Circumstance, zu viel Stolzieren auf dem Laufsteg, mit immer wieder einem Zucken in Richtung gewollte Groteske und Varieté. Das durchzieht das, was ich von Queen kenne, und zwar sowohl die Epen als auch viele der Popsongs (Radio Gaga, Bicycle...). Tut mir ja selber leid, dass es so ist, da ich bei manchen Bands (siehe oben) dieses Wandeln am Rande zur Groteske durchaus schätze, und daher ist das auch mit allem Respekt gesagt und nicht böse gemeint.


Ist ja keine Entschuldigung nötig. Ich habe bloß drüber nachgedacht und wusste aber nicht genau was ich dazu schreiben sollte. Ich höre das immer wieder, dass es auch die Fraktion der Nichtmöger von "Queen" gibt. Anfangs nicht verstanden, aber es tauchen dazu immer mal wieder Erkenntnisse auf. Ich muss das nur nochmal zu Ende denken.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Höre ich mir gerne mal an, die reduzierteren Versionen, da ich einen puren Singer/Songwriter-Stil ja durchaus sehr schätze (siehe Goodman u.a.). Der hier vorgestellte Beatles-Track hat zwei Stolperfallen für mich. Einmal das besagte Orchestrale und zum anderen die schmachtende Darbietung im Lovesong-Stil, womit ich mir ganz generell schwer tue, auch bei meinen Faves aus der Country-Ecke. Da mag ich auch die Desperado-Songs, die Hobo-Songs, die Trucker-Songs, lieber als die Liebeslieder. Geht mir auch mit Filmen so. Filme die romantische Liebesthemen im Zentrum der Handlung haben, sind einfach nichts für mich. Mir ist klar, dass man speziell diesen Song durchaus auch anders interpretieren kann, aber die Art des Arrangements und die Art wie Paul die Lyrics interpretiert, sorgen einfach für ein markantes Lovesong-Flair, und das ist bei den Beatles ja fraglos ein Dauerbrenner-Thema, wie es in den Sechzigern und davor eben durchaus Standard war. Ist nicht schlimm, ich hab nur keinen nennenswerten persönlichen Bezug zu dem Thema, und fühle mich daher mit Lovesongs im klassischen Sinne tendenziell eher unwohl.


Ja, ob das dann "purer" ist, mag ich nicht zu beurteilen. Der Song halt, minus die orchestralen Klänge. Ob diese Love Thematik bei den Beatles so krass die Dauerbrennerei beheizt hatte, wage ich mal vorsichtig zu widersprechen. Klar, es gab sie. Vor allem in der ersten Hälfte des Bandbestehens. Aber ab "Rubber Souls" war das doch auch schon zunehmend anders. Meist sehr komplex. Meist so, dass das Live gar nicht übertragbar gewesen wäre. Vielleicht ist es nicht so offensichtlich. Aber es gibt sie, die Songs, abseits vom simplen, mainstreamigen Popsong, den die Band durchaus wusste einzusetzen. Ich schätze da muss man tiefer eintauchen. Neben einem "All You Need Is Love" gibt es auch ein "I Am The Walrus". Neben "Julia" gibt es ein "While My Guitar Gently Weeps". Neben "Michelle" gibt es "Think For Yourself".
Aber hier geht es ja auch um den nominierten Song :)

Danke für den Austausch! :dafuer:
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 11. April 2023, 13:18

Holger Andrae hat geschrieben:Komisch übrigens, dass keiner was von den Soundhouse Tapes gelistet hat. Aber das wäre dann ja einfach gewesen. Und langweilig.

Es gab in den späten Siebzigern ja noch ein viel kultigeres Metal-Legenden-Demo, das man nominieren konnte.
;-)
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 11. April 2023, 13:32

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Komisch übrigens, dass keiner was von den Soundhouse Tapes gelistet hat. Aber das wäre dann ja einfach gewesen. Und langweilig.

Es gab in den späten Siebzigern ja noch ein viel kultigeres Metal-Legenden-Demo, das man nominieren konnte.
;-)

Vielen Menschen steht die Farbe Orange halt nicht so gut.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Susanne Schaarschmidt » Dienstag 11. April 2023, 14:02

Holger Andrae hat geschrieben:Ziemlich faszinierende Gruppe, wenn man sich die Wertung der ersten 10 (!) Teilnehmer anschaut. Ich kann mich nicht entsinnen, dass es schon mal einen Song gab, den alle 10 Teilnehmer weiter sehen wollten.Aber dieses Mal fehlen ja auch noch Susanne und Eike :D 8-)


War am Wochenende unterwegs und diese Woche bin ich tagsüber heftig beschäftigt, werde aber bestimmt mal nachts, wenn ich eh nicht gleich einschlafen kann, meine Wertung zur zweiten Gruppe abgeben. An Motivation mangelt's nicht, sind doch zwei von mir nominierte Songs in der Gruppe und auf die anderen bin ich nach euren Beschreibungen auch gebührend neugierig. Reingehört hab ich bisher noch nicht, um mir die Vorfreude und Überraschung nicht zu verderben.
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Re: PMDECS - Seventies - Diskussionsthread

Beitragvon Susanne Schaarschmidt » Dienstag 11. April 2023, 14:07

1973 musste ich erst ein bisschen suchen, doch nach Listenabgabe habe ich dann sogar noch zwei weitere gute Songs (wieder-)entdeckt. Wirklich schwierig gestaltete sich jedoch 1975 für mich.
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