Da ich mich immer noch nicht so richtig traue an die Songs ranzugehen, die mein Leben am besten beschreiben, bin ich beim Stöbern durch das Forum auf dieses Thema hier gestoßen. Ich habe festgestellt, dass ich hier noch gar nichts reingeschrieben habe. Ich sehe das hier als ziemlich guten Kompromiss an und kann auch ein bisschen was dazu schreiben. Der Anfang ist leicht, aber wo hört das ganze eigentlich auf? Gute Frage. Es ist gar nicht so leicht, da einen Cut zu machen. Trotzdem bleibt mir der Versuch, wichtige Alben für mich als Eckpfeiler auszumachen, die mir auch in diese Richtung musikalische Hörgewohnheiten eröffneten. Dann starte ich den Versuch.
Schon in frühen Jahren lief vor allem bei meinem Vater immer sehr oft und sehr viel Musik. Deshalb bin ich schon relativ früh auf beispielsweise „Metallica“ gestoßen, ohne zu wissen, dass das Jahre später meinen musikalischen Werdegang stark beeinflussen wird. Auch kann ich mich gut an so manchen Gang zum Müller erinnern, wenn wieder eine Scheibe rausgekommen ist, die meinen Vater interessierte. Wahrscheinlich hat mich das auch geprägt, mir selbst irgendwann eine Sammlung aufzubauen.
1. Pur – Seiltänzertraum
2. The Beatles – Rotes Album
3. Baris Manco - Mançoloji
4. Metallica – Kill Em All
5. Dream Theater – Octavarium
6. Elton John – Live in Australia with the Melbourne Symphony Orchestra
7. Toxik – World Circus
8. Iron Maiden – Seventh Son Of A Seventh Son
9. Antimatter – Leaving Eden
10. Magnum - On A Storyteller's Night
Erste Band die mein generelles Interesse an Musik maßgeblich geprägt hat
Die allererste Band, die ich bewusst und intensiv gehört habe. Das war schon eine frühkindliche musikalische Berührung. Laut Zeugenberichten wurde Klein-Pille ruhig, wenn die Live VHS der "Seiltänzertraum Tour" lief. 1993 zuvor erschien das Album dazu und es lief auch durch meinen Vater sehr häufig. Das war halt die erste Band. Und ohne die, wäre ich wahrscheinlich nie so breit aufgestellt, wie ich es eben bin. Da werden Erinnerungen wach, wenn es läuft. Und es läuft auch heute noch regelmäßig. Jahrelang war es die einzige Musik, die ich bewusst und intensiv gehört habe. Jedenfalls habe ich 1998 dazu mein erstes Konzert im Stadion in Stuttgart erlebt und seitdem liebe ich Livekonzerte.
Nicht nur die Musik sprechen zu lassen
Bei meiner Oma lief damals viel alter Schlager und wie ich mich entsinne auch gern Mal Whitney Houston und irgendwann entdeckte ich den Kassettenkoffer und zog ein Tape raus, dass sich von den anderen farblich unterschied. Ganz rekonstruiert bekomme ich die Geschichte dazu nicht. Denn ich hatte jahrelang gedacht, es wäre das blaue Album gewesen, weil die Kassette eben blau war (dachte ich). „Michelle“ war eines meiner damaligen Lieblingslieder der Band und habe damit in Verbindung gebracht, bis ich merkte, dass der Song aber auf dem roten Album drauf war. Maximale Verwirrung! Frech jedenfalls, weil die Kassette tatsächlich blau war und auch das Artwork viel blau hatte. Es muss also diese hier gewesen sein: https://www.discogs.com/de/release/8610245-The-Beatles-1962-1966. Anders ist es nicht erklärbar.
Na ja, jedenfalls waren es die „Beatles“ die mir damals als kleiner Bub eine Menge spaß bereiteten und das verflog nie so ganz. Das war auch die erste Band, mit der ich mich intensiv auch geschichtlich beschäftigte. Also, als ich die Bücherei für mich entdeckte. Sehr prägend und Jahre später freute ich mich wie damals, als ich die Beatles Box mein Eigen nennen durfte.
Die Wurzeln
Bleiben wir in der Türkei, so muss ich immer an die türkische Variante einer deutschen Musikshow denken. Ich komme gerade nicht auf den Namen. Jedenfalls war der Moderator ein gewisser Barış Manço, dessen Musik allgegenwärtig war. So habe ich auch irgendwann die Doppelkassette seiner Folk bzw. Rockmusik gehabt, die ich heute auf CD besitze. Wunderbare Erinnerungen, wunderbare Zeiten.
Ein langer Wegbegleiter
In irgendeinem Türkei Urlaub (es war in den 90ern fast immer jährlich, deswegen kann ich mich an das genaue Jahr nicht mehr erinnern. Es muss aber 1997 oder 1998 gewesen sein), bekam ich irgendwann von einem bekannten die „Kill Em All“ in die Hand gedrückt. Irgendwie musste er mitbekommen haben, wie ich irgendjemand in der Stadt beim Vorbeilaufen an einem Plattenladen erzählte, dass ich das Album, dass es da in Massen gab, kannte, weil mein Vater es hatte. Es handelte sich um „Load“). Daraufhin drückte man mir vor meiner Abreise, die „Kill Em All“ als MC in die Hand. Ich könnte mir heute noch in den Allerwertesten beißen, dass ich die scheinbar nicht mehr habe. Natürlich war das nicht ganz erfassbar für mich. Für ungeübte Ohren war das einfach nur Krach. Erst Jahre später, als mir Metallica den Weg in den harten Bereich geebnet hatte, erinnerte ich mich wieder und dann war es halt um mich geschehen.
Erste Berührungen mit Progressive Metal
Nachdem wirklich über mehrere Jahre ganz viel "Metallica" lief und ich so auf andere Thrash Bands aufmerksam geworden bin, hatte ich den „Thrash Metal“ irgendwann satt und bin auf eine Band namens „Dream Theater“ gestoßen. Mein erster Berührungspunkt war allerdings die „Awake“ mit der ich nichts anfangen konnte und wieder vergessen hatte. Etwas später lief dann die „Octavarium“. Mein erstes Album der Band und das Teil haute mich einfach aus den Socken. Verleitete mich dazu, die Diskographie in kürzester Zeit zu erwerben und intensiv zu hören. Einer meiner absoluten Lieblingsbands. Aber „Octavarium“ war die Initialzündung für mich und bereitete den Weg für eine sehr, sehr lange Leidenschaft zur Band. Ach, wenn man das alles nochmal erleben dürfte…
Großer Respekt
Irgendwann musste ich ein Referat im Fach Musik halten und mir wurde "Elton John" zugewiesen. Da ich absolut nichts von dem Mann daheim hatte, bekam ich ein paar Alben ausgeliehen, um mir die Musik auch anhören zu können. Darunter war ein Livealbum aus 1987. „Live In Australia With The Melbourne Symphony Orchestra“ hat mich von Sekunde an gefangen gehalten. Unsterbliche Hits wie „Sorry Seems To Be The Hardest Word“, „Tiny Dancer“, „Candle In The Wind“ (welches mir natürlich was sagte), „Your Song“ und „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ haben mich sofort gepackt und das Referat war ein leichtes. Ich habe den allergrößten Respekt vor dem Herren mit den schrägen Outfits und den lustigen Brillen entwickelt. Wunderbarer Musiker mit wahnsinnig tollen Songs und Alben.
Der nötige Wind zum Entfachen des fast erloschenen Feuers
Den Thrash hatte ich etwas satt. Aber etwa zu gleichen Zeit wie "Dream Theater" entdeckte ich durch ein anderes Forum viele Bands und stieß irgendwann auf „Toxik“. Was technisch versierter Thrash Metal bedeutete, bekam ich dann mit der „World Circus“ zu spüren. An Gesang und Spiel musste ich mich gewöhnen, aber das hatte was Magnetisches. Ich konnte und wollte nicht loslassen. Mit Sicherheit auch einer der Gründe für mein Interesse an komplexeren Tönen und vor allem dem Underground.
Wie vielfältig der Metal doch ist
Meine zweite oder dritte gekaufte „Iron Maiden“ Scheibe war die „Seventh Son…“ und ich war fasziniert von dieser Art, wie die Band an ein Album rangegangen ist. Es klang so anders von dem was ich von der Band sonst so kannte. Das beeindruckte mich und führte wohl dazu, dass das zu einer meiner absoluten Lieblingsband wurde. "Seventh Son..." war jahrelang meine Nummer eins. Hätte ich die Band heute entdeckt, wäre das mit Sicherheit ein anderes Album gewesen. Aber so ist es eben dieses und das ist auch gut so.
Emotionen, Emotionen, Emotionen
2010 stieß ich zu diesem Forum und es dauerte nicht lange, bis hier die ersten Top 100 Listen geführt wurden und ich bin (jetzt wird es rührselig) jedem dankbar, der da seine Energie reingesteckt habe. Ich habe so viel entdecken dürfen, aber die allergrößte Entdeckung war die „Leaving Eden“. Ohne Wenn und Aber ein Album, dass mich eine massiv lange Zeit täglich begleitet hat.
Melodien, Melodien, Melodien
Mein Fokus auf progressiven Metal ließ mit der Zeit immer nach. Und die Erkenntnis, dass es nicht immer frickeln muss und es nicht immer 20 Minuten Songs braucht, um großartiges zu erschaffen, löste sich mit folgendem Album völlig auf (um das Mal überspitzt auszudrücken). „Magnum“ und vor allem „On A Storyteller’s Night“ ist der beste Beweis dafür. Es braucht einfach tolle Melodien, gerne eingängig aber immer noch von einer Qualität umgeben, für die andere Bands alles geben würden.

