Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Sonntag 15. Januar 2023, 00:35

Da ich gerade meinen Leserpoll an Holger geschickt habe, dachte ich, ich fange hier auch langsam mal an, Resümee zu ziehen.
Ich werde dann, so hoffe ich, halbwegs zeitnah zu den einzelnen Rängen etwas sagen, allerdings ist die Liste unten herum doch sehr fuzzy geraten, was es mir teilweise etwas schwer macht, das ganze gut auf den Punkt zu bringen. Das liegt vor allem daran, dass eine Band das Jahr bei mir ganz eindeutig dominiert hat, allerdings eben auch sehr lang relativ alleine auf weiter Flur stand (qualitativ). Die beiden wirklich großen Konkurrenten kamen erst in den letzten vier Wochen in meine Sammlung (oder noch später...).

Ich steige ein mit ein paar Kommentaren zu Kandidaten, die nicht in die Top-10 gekommen sind.
Therion sind leider rausgefallen, weil ich einfach nicht zum Hören gekommen bin, ebenso Bloodbath, die ist ganz an mir vorbei gegangen und steht sogar noch in der Anschaffung aus.

Bei den gehörten Alben wäre da aber dann zum einen Ashes Of Ares. Das verwundert jetzt mich tatsächlich gar nicht, denn wenn ich ganz ehrlich bin, so ganz haben mich Matt und Freddie noch auf keinem ihrer Alben abgeholt. Allerdings gibt es dieses Jahr doch eine bemerkenswerte Sache: würde es nach mir gehen, soll Tim Owens ab jetzt bitte immer mit dabei sein, denn sein Gastbeitrag in "Monster's Lament" hat mir tatsächlich echt gut gefallen, gerade auch im Zusammenspiel mit Matt. Trotzdem, noch besser wäre das Duett auf einer Musik einer Qualität, die etwa ein Jon Schaffer vor zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren rausgehauen hat, aber Matts Schwager habe ich aus bekannten Gründen ja abgeschrieben (eigentlich auch vorher schon). Besser wird es in dem Bereich daher wohl nicht mehr unbedingt. Schade um einen meiner liebsten Sänger der Szene.
Kreator sind auch nicht dabei, das Album ist fein, nicht mehr, nicht weniger, aber hat mir persönlich nie die Hits gezeigt wie sämtliche Vorgänger. Daher logische Konsequenz, dem hier keine große Rolle zuzuweisen. Fairerweise hab ich es aber auch nicht allzu häufig gehört. Wirklich im Kopf blieb bislang nur die Vorauskopplung "Hate Über Alles", das war aber zu wenig.
Amon Amarth. Das ist schon das zweite (oder dritte?) Album der Schweden, was mir effektiv einfach egal ist. Wenn es läuft macht das durchaus noch Spaß und unterhält, aber Heidrun und die exzessive Bolt Thrower Verneigung in der ersten Minute reichen halt einfach nicht. Die Tatsache, dass das genannte Zitat für mich das prägnanteste blieb, sagt sein übriges. Wie gesagt, nicht schlecht, aber eben auch keine Glanzleistung im Axtwerfen.
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Sonntag 15. Januar 2023, 00:56

Platz 10
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Battlelore - The Return Of The Shadow

Ich habe wirklich mit mir gehadert, ob ich das Album wirklich hier so prominent herausstellen soll... Denn, bin ich ganz ehrlich, Battlelore laufen bei mir immer etwas in der Kategorie "Guilty Pleasure". Das ist eigentlich etwas hart, denn schlecht finde ich die Musik nicht, aber eben doch zu weiten und großen Teilen oft mittelmäßig, im Grunde seit Anfang an und mit nur wenigen Ausnahmen. Und doch... Irgendwie berühren sie mich halt doch immer wieder, das liegt natürlich zu großen Teilen daran, dass sie sich monothematisch einem der liebsten Metaller-Themen widmen, Mittelerde, und irgendwie schaffen sie es da dann eben doch eine Stimmung zu generieren, die mich immer wieder irgendwo bei meinen eigenen Tolkien-Erfahrungen abholt. Die Stimmung ist eine ganz andere als etwa bei Summoning, aber eben am Ende ebenfalls mein Tolkien. Und so komme ich dann, aus unendlicher Liebe und Nostalgie für andere Kunst, dazu, hier ein, im Guten wie im Schlechten, mittelmäßiges Album in meine Top-10 zu stellen. Zusätzlich kommt diesmal eben auch dazu, dass das ein Album ist, mit dem ich persönlich nicht mehr gerechnet hatte. Das letzte Album kam elf(!) Jahre vorher, die Band war effektiv aufgelöst, hatte sich dann '16 wieder mal geäußert, immer wieder hieß es "doch, wir machen nochmal was", aber ich habe, ehrlich gesagt, nicht mehr daran geglaubt. Umso größer dann meine Überraschung und auch einfach echte Freude, dass das nochmal was wurde.

PS: Emotional hätte ich es vermutlich sogar noch höher einsortieren können...

Wer mal hören will, wie sich das anhört, hier zwei Stücke vom aktuellen Album: Elvenking, Firekeeper

(Und falls jemand versuchen will, nachzuvollziehen, warum ich die Band doch so gerne mag, noch zwei ganz alte Stücke: Journey To Undying Lands, mein Erstkontakt vom ersten Album '02, damals noch mit anderem Sänger, und Dwimmerlaik, einer der Bonustracks vom dritten Album '05 (warum sie einen der, meiner Meinung nach, stärksten Songs auf die Limited Edition packen... naja...)
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Sonntag 15. Januar 2023, 01:11

Platz 9
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Arch Enemy - Deceivers

Noch eines der '22er-Alben, denen ich das Prädikat perfectly fine verpassen würde.
Warum landen die Schweden mit ihren beiden US-Expats dann nicht wie ihre Landsleute von AA sowie uns Mille außerhalb der Liste? Nun, ich denke, dass ich '22 einfach ein ziemlich deathiges Jahr hatte. (Weshalb wäre auch interessant gewesen, zu sehen, was bei mir etwa mit Bloodbath passiert wäre.) Dazu kommt dann, dass ich tatsächlich noch nie zuvor so gespannt auf ein Arch Enemy Album war, wie dieses Jahr, was zum einen daran lag, dass ich zwei der Vorab-Songs ganz vorzüglich fand (House Of Mirrors, Handshake With Hell), zum anderen natürlich auch daran, dass ich nach Handshake echt neugierig war, was sie auf dem Album mit Alyssas Versatilität anstellen würden... (wenig...)
Das führte allerdings auch dazu, dass mein Dauergast auf dem "Enttäuschung des Jahres"-Podest, dann unerwartet auch richtig harte Konkurrenz hatte... :-S

Nun, am Ende bleibt ein feines Album, mit einigen Stücken, die ich echt gerne mag, das aber eben auch deutlich unter dem bleibt, was ich mir erhofft hatte.

Beispiele: Die erwähnten Handshake With Hell, House Of Mirrors und dann vielleicht noch Sunset Over The Empire
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Sonntag 15. Januar 2023, 01:27

Platz 8
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Blind Guardian - The God Machine

Und damit im Sauseschritt zur Enttäuschung des Jahres.
Ja, auch das eigentlich zu hart, und nein, auch das war abzusehen, denn das waren sie bei mir in den letzten zwanzig Jahren mit fast jedem Album, aber ich kann nicht anders. Immerhin kamen sie einer Vermeidung des Titels so nahe, wie lange nicht mehr. Aber geschmähte Liebhaber wie ich sind eben kleinlich. Und ja, das Album ist gut, um nicht zu sagen, perfectly fine. :grins: (Warum das Jahr im allgemeinen diesem Prädikat in meiner Wahrnehmung noch sehr deutlich entkommt, kann ich hoffentlich später noch ordentlich heraus arbeiten.)
So, mit etwas mehr Ernst an die Sache, das bin ich meiner (einstigen?!?!? oO ) Lieblingsband schuldig. Die Jungs machen hier unheimlich viel richtig, bzw. eben besser als seit... hmm... formell dem letzten Jahrtausend, dem persönlichen Gefallen dann eher seit dem Twist oder der Oper, je nach meiner Tageslaune. Und trotzdem... irgendwas fehlt mir noch immer, irgendwas fühlt sich nicht so an, wie mein innerer Jungendlicher die Krefelder nochmal hören möchte, und da hört sich der Versuch dann leider manchmal auch fast an wie gewollt und nicht gekonnt. Das ist zu 90% sicher ein Ich-Problem, aber manche Sachen passen für mich auch einfach weiterhin nicht so ganz zusammen. Ich mag die Produktion z.B. weiterhin nicht, die war in den Neunzigern, zu der Aggressivität, für mich, irgendwie passender. Ach ja. Ich bin kein Musiker, nur Fan, der zudem bei dieser, für ihn so wichtigen und besonderen Band, eben doch noch zwanzig und mehr Jahre in der Vergangenheit hängen geblieben ist. Ich hör schon auf. Trotzdem, mehr mögliche Liebe wäre so schön, gerade hier.
Am Ende haben Battlelore mir fast (oder am Ende tatsächlich?) mehr Nostalgie-Behandlung gegeben, als Blind Guardian. Und das sollte wirklich nicht sein.
Apropos Nostalgie... die wird weiter oben auf der Treppe nochmal ein relevantes Thema...

Ich wünschte wirklich, ich hätte die Tour nicht verpasst... Denn da funktioniert die Band für mich noch immer zu 100%, übrigens egal was sie spielen.

Immerhin hätten sie bei mir beinahe noch das Artwork des Jahres gewonnen. (Wurde dann kurz vor knapp von ein paar frechen US-Käuzchen gemopst.)

Beispiele: Vor über einem Jahr, das Versprechen auf eine Rückkehr, Deliver Us From Evil; und noch vor dem Album die Erkenntnis, dass das mit uns wieder nichts werden wird (mit anderen Worten, mein vermutlich am wenigsten gemochter Song des Albums...) Secrets Of The American Gods
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Pillamyd » Sonntag 15. Januar 2023, 13:21

Liest sich ganz schön spannend hier. Vor allem weil du eine Top 10 hier aufstellst, die kritisch daherkommt. Es liest sich eine Liste von 10 Alben mit denen du dich beschäftigst hast und zu denen du einfach etwas schreiben willst. Interessanter Ansatz. Obs deine Intention war, weiß ich natürlich nicht. Aber das regt zum mit nachdenken an.

Das "Battlelore" für mich mal eher nichts ist, hatte ich mir schon gedacht. Bestätigt sich, mit dem Hören von "Elvenking" dann leider auch. Guilty Pleasure und auf 10 ist aber schon ein sehr spannender Spagat.
Mir ist die Musik zu glatt und zu lasch, die ich da hören durfte.

"Arch Enemy" ist halt auch in einem Genre verankert, dass nicht mein bevorzugtes ist. Ich wollte mich immer mal mit der ganz alten Phase der Band beschäftigen. Aber da habe ich auch einfach nie die Kurve bekommen. Ich habe jetzt mal "Handshake With Hell" angehört und das ist wirklich gar nicht schlecht, wäre da diese störende Plastikproduktion. Halt leider nicht meins. Ich dachte vielleicht, man hört da vielleicht ein bisschen Loomis-Signature Sound raus, aber auch das höre ich nicht raus. Der Kerl ist wohl sehr Anpassungsfähig. Trotzdem ärgert mich eine Sache. Die Band war auf Tour mit "Carcass", "Unto Others" und "Behemoth". Ich war bloß zu Faul hinzugehen :grins:

Und spätestens hier habe ich mich gewundert, die Scheibe überhaupt hier aufzufinden. Enttäuschung des Jahres und Platz 8? Das wäre bei mir nie möglich. Aber gut.
Ich mag das Album. Ja ich finde es sogar sehr gut. Aber ich habe es eindeutig zu wenig gehört. Ich kommen wohl mit dieser "Blind Guardian" gut zurecht. Auch die letzte Scheibe hat mir gut gefallen. Das hier ist bekanntlich ein Schritt weg vom Bombast und Orchestersound. Auch wenn der Sound bis jetzt auf keinem Album optimal ist, dass ich hören durfte. Aber diese puristischere Art gefällt mir ziemlich gut. Die Songs finde ich, obwohl ich das Album sehr zugänglich finde, trotzdem verschachtelt und meist sperrig. Da scheint sich weniger geändert zu haben. Mein liebster Song auf dem Album ist aber tatsächlich "Destiny". Finde ich saustark.

Ich bin wirklich gespannt wie es hier weitergeht.
Sehr spannend und interessant ist das alles hier. Bei einem Album bin ich mir sicher, dass es noch auftauchen wird. Der Rest wird sehr spannend.
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Sonntag 15. Januar 2023, 13:37

Ja, ich weiß dass das etwas "schizophren" ist, aber ich hab mich hier quasi (freiwillig) "zwingen" lassen auch wirklich eine Top-10 aufzustellen, wenn man nur so sechzehn Alben des aktuellen Jahres gehört hat, und nur von einer handvoll wirklich begeistert ist, dann kommen halt solche Artikel/Listen wie meine zu Stande. ;)
Dazu kommt, dass ich immer noch viel weniger Musik höre, als noch vor ein paar Jahren (das ist tatsächlich erst so ca. seit Dezember wieder besser geworden).
Deshalb muss ich auch zurückweisen, dass ich mich stark mit den Alben beschäftigt habe. Etwas, natürlich, sonst könnte ich gar nix schreiben, aber nich so viel, wie ich das nach eigenem Anspruch eigentlich gerne hätte. Vor allem hab ich bei fast jedem Album noch da Gefühl, dass sich die Einschätzung da noch wandeln könnte.

Und nochmal zur Blind Guardian Enttäuschungs-Schizophrenie: das geht mir bei der Band halt echt bei jedem Album nach der ANATO so. Ich kann die Jungs nicht schlecht finden, die Band IST meine musikalische DNA (zumindest das 90er-Material), und die ist eben auch in den 00er-Werken noch da. Gleichzeitig aber oft in einer Ausprägung, die ich so lieber nicht hätte.
BG haben sich nie so weit von "meinem" Kern wegbewegt, dass sie mich vollkommen verlieren würden (im Gegensatz etwa zu In Flames, das wird später nochmal Thema), aber eben doch außerhalb meines Sweetspots. Natürlich ist es auch ein Kokettieren von mir, die wiederholt als Enttäuschung auszuzeichnen, aber gerade diesmal haben sie es durch die Rolle Rückwärts eben auch provoziert. ;) Das letzte Album war für mich nicht die EdJ, meine ich.

Ach ja, bzgl Sound, ja, das fällt mir auch immer öfter auf, dass ich da mit eigentlich "guten" Produktionen so meine Probleme habe. Das spielt bei Arch Enemy bestimmt auch eine Rolle, dass die bei mir immer etwas unter ihren (vermuteten) Möglichkeiten bleiben.

PS: Loomis ist beim Songwriting, afaik, komplett aussen vor.
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Montag 16. Januar 2023, 00:48

Platz 7
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Sisters Of Suffocation - Eradication

Nun ein Album, dass ich eigentlich etwas zu wenig gehört habe, um hier eine wirklich gut fundierte Einschätzung abzugeben, die kam nämlich nur wenige Tage vor Lorna Shore in's Haus, und letztere hat hier echt die Platte gefegt. Aber jedesmal, wenn ich die neue SOS auflege, habe ich so eine Freude daran, dass ich das einfach würdigen muss. Vordergründig ist das ganze recht klassischer Death Metal. Die Band war ja ehemals all female, mittlerweile ist das Rhythmus-Rückgrat aber doch mit Männern besetzt, aber das nur nebenbei. Tatsächlich gefielen mir bislang sämtliche Outputs der Band ziemlich gut, wobei die erste VÖ, die EP "Brutal Queen" bislang tatsächlich mein Favorit war. Bislang! Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich 'Eradication' bei mir ganz oben festsetzen wird. Die Band macht einfach verdammt viel richtig. Zum einen sind die Songs größtenteils sehr knackig (wir haben 16 Tracks, die in insgesamt unter 48 min in's Ziel kommen), dazu darf Vokalistin Els noch häufiger als früher auch mal Singen, was der Variabilität gut tut, ohne Netto an Härte einzubüßen.
Ich fürchte nur, dass das Album insgesamt in der Öffentlichkeit bislang ziemlich abgesoffen sein wird. Das ganze wurde 2020 per Crowdfunding finanziert (wo ich mich tatsächlich beteiligt hatte), lag dann wegen Krankheit über ein Jahr auf Eis und kam dann jetzt im Dezember doch endlich an's Licht der Öffentlichkeit. Ich wünsche den Damen und Herren wirklich alles Gute und hoffe, dass sie doch noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Verdient hätten sie es, meiner Meinung nach.

Eine Gruppe, die bei mir auch sehr weit oben auf dem Wunsch nach einem Konzertbesuch steht. Hätte letztes Jahr beinahe mal geklappt, habe nur zu spät davon mitbekommen, dass sie einige Kilometer östlich bei Siegen gespielt haben (war dann ausverkauft). Hoffe, es gibt bald was.

Beispiele: Der Opener, Buried In The Crowd; das zweite und ganz frische Video zum Album, dazu mein bisheriger Favorit, Pay My Dues
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Montag 16. Januar 2023, 01:05

Platz 6
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Arjen Anthony Lucassen's Star One - Revel In Time

So, das Ding hatte bei mir einfach Pech. Ich habe nun schon eine geraume Zeit eine ziemliche Prog-Flaute. Nichtsdestotrotz war das Album bis Mitte Dezember noch ein heißer Treppchenkandidat, da sonst auch wenig im Raum stand und Arjen bei mir einfach eine feste Bank ist, selbst wenn er schlecht drauf ist (was er hier nicht ist). Da dann aber noch Material kam, was mich SEHR begeistert hat, und ich eben die letzten Monate einfach nicht in der Stimmung war, muss es diesmal mit Platz 6 genug sein. Trotzdem ein starkes Teil, wobei es mich weniger begeistert, als die beiden Vorgänger unter der Star One Flagge. Ich glaube, ich bin insgeheim doch noch ein Bisschen verärgert, dass er sich vom bisherigen Star One Line-Up gelöst hat (die beiden bisherigen Alben hatten mit Russell Allen, Floor Jansen, Dan Swanö und Damian Wilson immer ein festes Stimm-Team, das hat Arjen hier aufgelöst und auf Songbasis Leute gesucht. Tatsächlich gibt es sogar noch eine zweite Variante aller Songs, bei denen Arjen die Demo/Guide-Vocals mitveröffentlicht hat (auf der Special Edition als zweite CD). Das soll eindeutig kein Diss gegen die vielen tollen Sänger sein, die hier einen großartigen Job machen, aber für mich verschwimmen hier eben am Ende doch die Grenzen von Star One, Ayreon und anderen Lucassen-Projekten, und sonderlich deutlich waren die Grenzen eh nie. Die Einzige, die jetzt noch steht, ist, dass es thematisch in jedem Song um irgendeinen Sci-Fi-Film geht.
Aber das ist alles Korinthenkackerei, das ist musikalisch, wie fast immer bei Arjen, ganz großes Tennis, gesanglich wie gesagt eh. Dazu hätte das Album fast meinen Song des Jahres gestellt (war wirklich, wirklich knapp). Ich darf mich nicht beschweren, wenn Arjen einen seiner musikalisch vielleicht stärksten Songs seit Jahren raushaut und den dann auch noch, u.a., von Michael Mills vertonen lässt (der ja über die letzten Jahre zu so etwas wie meinem Traumpartner für Arjen wurde (neben Damian Wilson)). Also beide Daumen hoch! Mit anderer Dauergefühlslage bei mir gibt so ein Album auch locker mal das Treppchen.

Beispiele: Der Opener, mit Britney Slayes, zu Terminator, Fate Of Man; und dann natürlich mein zweitplazierter Song des Jahres, der auch die Eins wohlverdient hätte, gesungen von Michael Mills und Ross Jennings, zu Primer (den ich noch immer nicht gesehen habe), Prescient (alleine die Synth-Melodie am Anfang lässt mir halt schon das Herz platzen, und ab dann geht's nur noch weiter aufwärts)
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Feamorn » Montag 16. Januar 2023, 01:21

Platz 5
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The Halo Effect - Days Of The Lost

So, auch ich folge dem Nostalgie-Köder schamlos in's Netz. Das ist ein Album, das dem In Flames Album, auf das ich seit 2000 lange vergeblich gewartet habe, näher kommt als jedes andere Stück Musik, was seitdem kam. Ich hatte das Warten in diesem fast vollen Vierteljahrhundert zwar längst aufgegeben, weshalb das wohl nicht ganz so hart einschlägt, wie es das vor einige Jahren wohl noch getan hätte, zudem habe ich effektiv keinen Bezug zu Dark Tranquility, die für mich damals, als ich sie als In Flames Methadon nehmen wollte, nie funktionieren wollten, aber das was ich hier zu hören bekomme, trifft halt doch die alten Narben, aktiviert alte gespeicherte Motor-Cluster im Hirn. (Fast) perfekte Nostalgie halt. Und ich bin einfach dankbar! Und freue mich nebenbei, dass Jesper Strömblad noch da ist, und noch Musik macht, die mir dazu auch noch weitestgehend gefällt. Danke für alles!

(Und einen Kritikpunkt muss ich dann doch noch anbringen: die Klargesangspassagen machen das Album für mich aktiv schlechter, zum Glück sind es nicht viele. Hätte man drauf verzichten sollen.)

Beispiele: Der Song, der (wie so viele) auch 1:1 auf Colony hätte stehen können, Days Of The Lost, die ersten von mir gehörten Töne vom Projekt, eine kleine Offenbarung, Shadowminds; und der eine Song vom Album, der in meine Song-Top-10 gekommen ist, weil er eben doch nicht gaaaanz so schamlos vom eigenen Großwerk abgekupfert ist (okay, schon, aber egal :D ;) ) The Needless End
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Re: Ein paar Gedanken zur 2022er Musik

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 16. Januar 2023, 02:19

BATTLELORE:
Jo, was du schreibst, das trifft es in allen Belangen. Schon eine ziemlich mittelmäßige Band, am Ende, aber ich kann den Reiz trotzdem verstehen. Ich habe nur die "The Third Age...", aber ich habe mir, ähnlich wie bei Summoning immer wieder überlegt, ob ich doch mal tiefer einsteigen muss, der Thematik wegen. Bei Summoning habe ich es getan, weil mir das halt musikalisch auch noch näher liegt, und weil es die Abigor-Connection hat.


ARCH ENEMY:
Die Band war mir irgendwie schon immer zu steril für schwedischen Death Metal. Da liebe ich die ältere Schule dann doch viel mehr. Hätte ja gerne, schon als Undergroud-Provo-Aktion immer gerne gesagt, dass die nur mit Johan Liiva gut waren, aber selbst da gefallen mir die nur bedingt. Alyssa ist eine coole Sängerin, und auch Angela fand ich gut, daran liegt's nicht. Es ist mehr das ballerig-cleane Element, das mich stört. Und ich mag clean/growl-Wechselgesang auch nicht allzu sehr. Kann man gut anhören, schlägt mich nicht in die Flucht, aber stilistisch ist es halt auch nichts, was mich wirklich anspricht.

BLIND GUARDIAN:
Die ist toll. Für mich vielleicht die beste seit "Nightfall". Mir gefällt der härtere Ansatz. Aber ja, insoweit bin ich auch bei dir, von den wirklich großen BG-Werken bis dorthin ist man halt eben immer noch weit entfernt, und das beziehe ich nun auch primär auf die Wirkung, die es auf mich persönlich hat, nicht auf Objektivierbares.

SISTERS OF SUFFOCATION:
Yep. Das ist dann richtiger Death Metal. Viel fieser als die Erzfeinde, viel direkter, viel ungehobelter. Hier stört auch der cleane Gesang überhaupt nicht, weil das nicht dieses typische US-Radio-Core-Wechselspielchen ist, das hier abgezogen wird, sondern eher proggy Einsprengsel. Für ein echtes DM-Highlight dürfte der Klampfensound noch ein wenig modriger und roher sein, mehr DISMEMBER als DEATH, aber ja, das macht Spaß.

STAR ONE:
Star One und Arjen ist eigentlich immer cool. Mir fehlt allerdings einiges von ihm, einfach, weil er so irre viel gemacht hat, dass ich da nie den Überblick hatte. Von STAR ONE habe ich die ersten beiden, und schätze vor allem das Debüt sehr, da es mich auch dazu gebracht hat, endlich mal noch tiefer bei HAWKWIND einzusteigen. Tolle Musik. Auch und gerade für Sci-Fi-Fans wie mich.

THE HALO EFFECT:
Ein gutes Beispiel dafür, dass Soundchecken die Sinne vernebeln kann, weil man zu viel auf einmal hört. Habe ich im August-SC deutlich zu niedrig bewertet. 1 - 1,5 Punkte mehr würde ich inzwischen geben. Ja, die Klargesangspassagen... sind ja... neben dem Hüpfkram... auch das, was IN FLAMES seit ab/nach "Clayman" so problematisch macht. Für mich ein cooles Album. Werde ich mir ggf. noch nachkaufen, denke ich.

@Jesper: Jede Band, an der er mitgewirkt hat, war mit ihm besser als ohne ihn.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
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