Der Kurzreview-Thread

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Samstag 3. September 2022, 15:32

MY DYING BRIDE - "The Dreadful Hours"

...bietet mal aufwühlenden, mal schwelgerischen Death-Doom mit bisweilen auch ruhigerer, melancholischer Note, die in Richtung Gothic Metal schielt. Von Groove bis Elegie, von Schwermut bis Schönheit, von Schroffem bis Fragilem schlägt sich hier eine hübsche Bandbreite an Stimmungen und Stilistiken nieder, die das Werk so ausgewogen wie abwechslungsreich macht. Musik mit Leidensmiene muss eben nicht immer gleichförmig und monoton daherkommen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es hier auf diesem Album (das auf der Hauptseite leider noch keine offizielle Rezension hat...) etwa keine dichten Riffwalzen oder Schlagzeuggewitter gäbe, welche die trauernde Doomstimmlage des Gesangs ergänzten, oder keine grabesschweren Growls. All das gibt es zur Genüge auf "The Dreadful Hours". Vielmehr setzen die bisweilen geradezu glitzernden Einsprengsel von Keyboards eher geschickt wie dünne Silberfäden mit eingewobene Akzente in der überwiegend dusteren Textur der Musik. Nichts davon wirkt wie pailettenhaft aufgesetzter Glitter und Tand, vielmehr scheinen sämtliche Akzentuierungen wie aus der selben Wurzel von Vergänglichkeit erwachsen wie die sonstige Grabesschwere, an deren Spitzen sich jedoch manche Notblüte findet, die ihn matter Schönheit erstrahlt. Ein wuchtiges Werk ist dieses Album, trauerschwer massiv und doch spröde in seinem Klagen. Alles zerfällt; MY DYING BRIDE liefert den Soundtrack dazu.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Mittwoch 7. September 2022, 15:45

QUANTUM FANTAY - "Bridges Of Kukuriku"

Vom flirrenden Opener mit seinen Arabesken an sorgt QUANTUM FANTAY auf "Bridges Of Kukuriku" für eine flirrende, lebendige, aber auch mystische, psychedelische Stimmung. Der Acid-Rock dieser Formation schlägt in eine ähnliche Kerbe wie OZRIC TENTACLES es tut: Flächige Sounds geben sich mit hummelhintriger Rhythmik ein Stelldichein, auf dass es eine wahre Freude für Freunde tranceiger Hypnotik und abgespaceter Psychonautik ist. Wer Instrumentalrock / Postrock / Progrock / Spacerock ebensowenig abgeneigt ist wie percussionlastiger Weltmusik, TANGERINE DREAM oder gar technoid-elektronischen Psy-Trance-Klängen findet auf "Bridges Of Kukuriku" reichlich Stoff der feinsten Art geboten; im Mittelpunkt steht jedoch neben Flötentönen und Keyboardklängen stets das klassische Rockinstrumentarium. Wer HAWKWINDs NIK TURNER auch oder gar insbesondere für alles, was darüber hinausgeht, liebt, darf ebenfalls ein Ohr riskieren.
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Beitragvon Havoc » Freitag 9. September 2022, 23:20

Helloween - Helloween (2021)

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Nach "7 Sinners" ist das tatsächlich erst mein zweites Album der Band. Es gefällt mir echt gut. Ich denke in der Gesamtheit sogar besser als mein Erstwerk.
Am allerbesten gefällt mir wohl gleich der starke Opener. Der hat eine coole Melodie. Streng genommen könnte man also sagen, ab dann geht es bergab.
Nein...das wäre fies. Denn kein einziger Song krepiert im Rohr. Das straightere "Indestructible" finde ich z.B. ziemlich cool. Der finale Longtrack ist natürlich auch gut.
Alles gut also. Und dennoch, jetzt kommt das Salz in der Brühe, wird das wohl eher nicht mehr so richtig meine Band werden. Es klingt mir wohl etwas zu gut gelaunt alles.
Zuckermelodien im Überfluss. Zu süß war noch nie so mein Ding. Dennoch. Auf jeden Fall ein starkes Album, welchens meine Sammlung bereichert. Und wer weiß...vielleicht komme
ich ja eines Tages doch noch zu mehr bei der Band. Man weiß es nie.
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Beitragvon Eike » Samstag 10. September 2022, 02:06

Das Debütalbum ist sehr gut. Und auch nicht so überhappy.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Samstag 10. September 2022, 21:21

Eike hat geschrieben:Das Debütalbum ist sehr gut. Und auch nicht so überhappy.


Das Debüt ist sicher auch eines der Helloween-Alben, welches mich mit am meisten interessiert. So überhappy finde ich das neue Album nun auch gar nicht.
Und ich kann es sogar gut nachvollziehen, wenn Fans wie Rüdiger hier die Höchstnote ziehen. Das ist schon alles gut gemacht.
Ach...mal gucken. Es werden im Laufe der Zeit bestimmt noch weitere Alben den Weg in meine Sammlung finden. Das Aktuelle löst aber in mir gerade nicht zwingend einen
Kaufrausch aus. ;-)
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Sonntag 18. September 2022, 15:12

A-Z - A-Z

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Nach Arch/Matheos gibt es nun also auch Alder/Zonder. Da kann man natürlich kaum widerstehen. Nach dem ersten Anhören war ich eher nur sehr verhalten begeistert. Eher wenig, was einen wirklich begeistert hat. Aber mit den weiteren Umdrehungen (und das waren echt einige) hat das Album dann doch immer mehr Spaß gemacht. Es ist aber auch wirklich eher ein Album zum Anhören und nicht zum Zunge schnalzen, bewundern und anbeten. Dafür ist das halt dann doch zu sehr easy listening. Zumindest ist es das für Prog-Hörer. Alles ziemlich rockig und hochmelodisch. Die Songs unterscheiden sich auch eher nur von ihren Melodien, weniger von der Dynamik und Geschwindigkeit. Ich höre das Teil echt oft und gerne...und doch hatte ich mir noch ein wenig mehr erhofft. Das hier ist von der Art her auch sehr ähnlich der letzten Alder-Solo Scheibe "What The Water Wants", welche ich aber auch richtig stark fand. Mhh. Was machen wir nun damit in der Endabrechnung. Denke eine 8 oder auch 8,5 ist hier angebracht. Einen Neuner kann ich leider nicht zücken. Dafür reicht es nicht. Meine Hoffnung war ja eigentlich, dass Jim Matheos nun mit Kings Of Mercia eine etwas härtere proggigere Scheibe bringt. Aber nach dem was ich so lese scheint das wohl auch eher nicht der Fall zu sein. Mal sehn. Das Apfel-Zebra Cover hier finde ich übrigens immer noch oberhässlich.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Loomis » Sonntag 18. September 2022, 15:30

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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Mittwoch 28. September 2022, 15:05

Heute mal was gänzlich non-metallisches:

DONALD FAGEN - "Kamakiriad"

Irgendwo zwischen R'n'B & Pop könnte man das Dingen hier ansiedeln; aber beides wäre für sich genommen irreführend: Hier haben wir es nämlich mit superleichtem aber verspieltem, zuckerwattig flockigem bis auf eleganteste Weise funkigem, verträumt-beschwingtem, jazzig angehauchtem "progressive easy listening" zu tun - um mal meine eigene Schublade aufzumachen. Relative kurze, gemütlich schwofige Stücke wie 'Springtime' wechseln sich mit "on the road soundtracks" ab ("Kamakiriad" ist eine Art nostalgisch angehauchtes, utopisch retro-futuristisches Konzeptalbum(?) über eine Art Sci-Fi Mobilität, aber nicht verkopft sondern eher gefühlig, eskapistisch...), und dann gibt es da noch die wunderbar kuschlige, winter-city-apartment-romantische Slacker-Single 'Snowbound' mit ihrem wunderschönen Musikvideo von Michel Gondry ("The Science of Sleep", "Eternal Sunshine of the Spotless Mind"). Songtitel wie 'Teahouse on the Tracks' & 'On the Dunes' teilen ja schon ungehört mit, dass dies eher ein Album für ruhige Stunden ist, tiefenentspannt aber nicht einschläfernd, ein Album zum Tagträumen von mehr Licht für regnerische Sonntagnachmittage im Winter.

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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Donnerstag 20. Oktober 2022, 18:39

Reminder to myself, dass dieses Kurzreview aus fremder Quelle
für mich einfach nicht ausreicht, um die Genialität von "Cosmogonia" der griechisch-deutschen Epic-Folk-Heavenly-Voices-Gothic-Heavy-Prog-Rock-Gruppe INTO THE ABYSS mit ihrer ureigenen Musikantensicht auf die Antike und ihrem arabesk verspielten Einschlag in den durchaus orchestralwuchtigen Arrangements einer eigentlich recht sparsamen Rockbandbesetzung (5 feste Mitglieder, darunter 1 Violinistin + 4 Gastmusikanten an Ney, Oud, Flöte/Piano und kretischer Lyra) in Worte zu fassen.

Denn man reist beim Zuhören förmlich im Geiste mit durch 'Alexandria', ersehnt mit dem 'Helionaut' das Dunkel vertreibende Licht, oder lauscht verklärt den psychedelisch verträumten Klängen von 'Hermanubis'; niemals wirkt dieser Sound bombastisch überladen, dennoch ist er dicht genug gewebt, um nicht bloß aber eben auch Kraft und Herrlichkeit auszustrahlen, verströmt dabei allerdings eine beinahe synästhetische Wolke an Eindrücken, Effekten, Emotionen, Ereignisreichtum und Erlebnissen musikalischer Art, dass man davon schon überwältigt werden kann; jedoch auf eine äußerst geschmeidige Art, die einen einlullt, ohne in seichte Gefilde abzudriften oder irgendwelche Genreklischees abzuhaken. Am ehesten ließen sich die urwüchsige Kraft, der nahbare Stimmungsreichtum, die tighte Verspieltheit und die Flüssigkeit der schwelgerischen Kompositionen wohl noch mit derart facettenreichen und doch stilsicheren sowie letztlich aber auch wieder gänzlich verschiedenartigen Bands wie THE TEA PARTY (hin und wieder) oder DEAD CAN DANCE (etwas seltener) vergleichen.

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Huch, jetzt ist da aus der schlichten Selbsterinnerung doch glatt schon eine Kurzrezension geworden; zwar ebenfalls keine die Genialität des Albums genügend ausdrückende, aber da dies eben ein Thread für Kurzrezensionen ist, will ich es dennoch dabei bewenden lassen. Da sollten alle Progköpfe mal offenherzig reinlauschen und ihre Seele dem öffnen; den Körper natürlich auch, denn so manches davon wäre sogar tanzbar. Wie hoffentlich deutlich wurde, ist das kein mathematisch abgezirkeltes Werk, sondern geht geradewegs ins Blut.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Pillamyd » Sonntag 23. Oktober 2022, 23:36

Wenn ich mich jetzt nicht vertue, hattest du mir "Cosmogonia" mal empfohlen. Werde ich Tage noch einmal reinhören müssen.

In Donald Fagen habe ich reingehört und weiß nicht so ganz was ich von halten soll. Das klingt mir in den Songs n etwas zu poliert, wenn auch sicher nicht schlecht. Ich bin noch etwas hin und hergerissen. Und in mir keimt die Frage auf zu welchen Anlässe ich die Musik laufen lassen sollte. Lesen, putzen, bügeln? :grins:
Ich kanns mir spontan gerade nicht vorstellen. Was ich mir aber vorstellen kann ist, dass das live nochmal eine Spur besser klingen mag.
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