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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2022, 19:57
Huch, noch kein Thread zu einer DER Alternative-Bands der Achtziger- und Neunziger- Jahre?
Ich werde mich demnächst mal durch Teile des FAITH NO MORE-Katalogs hören:
Begonnen habe ich jetzt mit "The Real Thing", das dürfte ihr zweites Album sein, wenn ich mich recht entsinne. Es stammt jedenfalls aus dem Jahr 1989. Das Debütalbum(?) "We Care A Lot!" habe ich leider irgendwann verscherbelt. Man merkt jedenfalls schon "The Real Thing" an, wie kreativ und scheuklappenfrei die Band damals agierte. Ihr Crossover ragt von 1980er-Pop- über Funk-, Hard- & Stadion-Rock, Hardcore-Punk mit den typischen Gangshouts und auch gelegentlichem Rap bis in den Heavy Metal hinein, wobei jedoch gerade die später noch bandtypischer flüssig gleitende Eleganz der Stil-Übergänge und Verschmelzungen hier bereits die bisweilen noch ruppigen Brüche von "We Care A Lot!" ersetzt. Stimmungswechsel bzw. -spannungen innerhalb eines Songs sind sozusagen an der Tagesordnung, und somit ist hier von melancholisch bis hypoman, von besinnlich über euphorisch bis verzweifelt oder aggressiv quasi alles möglich. Sehr eigenwillig und eigenständig wurde nicht einfach kopiert und neu collagiert, was andere bereits geliefert hatten, sondern äußerst kreativ musiziert. Eingängikeit gepaart mit Was-habe-ich-da-denn-gerade-gehört?- & Wieso-waren-die-damals-schon-so-weit?- Momenten aufgrund vermeintlicher Stilbrüche und eines bis dato (`89!) unerhörten Sounds verblüffen ebensosehr wie die Selbstverständlichkeit dieser Darbietungen, die niemals selbstzweckartig effektheischend wirken. 'Surprise! You're Dead!' etwa mag ein äußerst plakativer Titel sein, aber genau so passend dazu klingt dann eben auch die Musik. Auf der anderen Seite stehen wandelbare, mitunter ruhigere Titel wie das durchaus progressive 'The Real Thing', vor allem aber jede Menge freigeistige Nummern irgendwo dazwischen auf dem Programm. Der Sound von FAITH NO MORE ist über weiteste Strecken dieses Albums sehr dicht, dabei aber nicht ohne simplere Groove-Momente, allerseltenst auch nur ansatzweise überladen; doch es bedarf entweder einer gewissen Stilbreite in der bisherigen Rezeption der Hörerschaft, oder aber mehrfacher Durchläufe und einer grundsätzlichen Offenheit, um sich auf die Vielschichtigkeit der hier gebotenen Stile einlassen zu können. Bisweilen finden sich gar orchestrale Anleihen, was auf eine gewisse Filmsoundtrack-Affinität einiger Bandmitglieder schließen lassen könnte. Freunde von basslastiger Rhythmik werden aus "The Real Thing" möglicherweise ebenso viel ziehen können, wie eine keyboardveredelt melodieselige - oder am anderen Ende des Spektrums auch eher ruppig groovig veranlagte Jump & Mosh-Hörerschaft. Das Album ist eben eine echte Wundertüte, dabei nach wiederholten Durchläufen jedoch nicht ohne Ohrwurmqualität.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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Eike
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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2022, 20:13
Ach ja: ' Woodpecker From Mars' sollte wirklich jede*r Metalfan mindestens einmal gehört haben; das ist ganz weit draußen.
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von mike » Mittwoch 22. Juni 2022, 20:42
The Real Thing ist das dritte Album. Davor kam noch Introduce Yourself.
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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2022, 20:55
Stimmt ja!
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von Eike » Dienstag 21. November 2023, 16:39
Pillamyd hat geschrieben: Faith No More | We Care A LotGenre: Alternative was auch immer(?) VÖ: 1985 In meiner Welt ist liegt es wohl einfach in der Natur, dass besonders Debüt Alben eine starke Anziehungskraft auf mich haben. Ich sehe schon die Kommentare, die folgenden Alben viel besser finden. Und mit Sicherheit sind das alles großartige Alben. Augenscheinlich sind es immer die gleichen Gründe warum bei mir vor allem Debüt Alben immer wieder Erwähnung finden. Die lest ihr aber dann auch raus (oder habt es schon). Wie beschreibt man eigentlich die Musik von „Faith No More“? Alternative Rock? Crossover Metal? Ich habe so meine Probleme mit der Bezeichnung. Und damit habe ich mir wohl den ersten Bock geschossen, immer das Genre mit anzugeben. Denn so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Obwohl da sicher viel Wahrheit drin steckt. Aber gerade das Debüt ist doch so viel mehr. Führt man sich das Eröffnungsdoppel zu Gemüte, erkennt man vor allem den starken New Wave Einschlag, der von monotonen, gemeingefährlichen Gitarren geprägt ist, welches mit einem erstaunlichen Keyboard Klangteppich nur so getragen wird. Jetzt mag der ein oder andere behaupten, dass die Keyboards in ihren Einsätzen kaum Variation bieten und ehrlich gesagt, stimmt das auch. Aber hier, auf diesem Album ist mir das vollkommen egal. Denn die Abwechslung kommt von einer anderen Ecke. Ich finde, die Band war unfassbar innovativ. Wo die „Red Hot Chili Peppers“ unglaublich funkig, konfus und schnell agierten. Bietet „We Care A Lot“ eine etwas leichtere, nicht weniger frische aber auch eine zielgerichtetere Version. Keine Ahnung, ob dieser Vergleich bei irgendjemanden von euch ankommt. Aber ich vergleiche das immer sehr gerne. Vor allem weil das Klangtechnisch näher ist, wie man vermuten mag. Aber vielleicht ist das auch nur mein Kopf, der so denkt. Das erstaunliche ist, wie ich finde, wie dem Album, trotz diesen modrigen Geruch von Post-Punk und New Wave, diese Frische Art nicht abhandenkommt. Hier und da blitzt der Bass hervor. Der Gesang, zeigt sich ab und an von seiner offenen Seite. Die Produktion lenkt das Album öfters einmal in eine etwas ungelenkige Art. Aber das macht für mich eben den Reiz. Das höre ich halt einfach sehr gerne. Der Band gelingt, in my opinion, der schmale Grat, sich zu verlieren und sich doch wieder auf die Linie zu katapultieren. Das ist ausufernd und doch kompakt. Hörbeispiel:We Care A LotThe Jungle
Ha, das muss hier rein zitiert werden! Damit kommst du total an bei mir, inklusive FNM-Peppers-Vergleich, sofern man bei beiden Bands die Frühphase meint. (Irgendwie checke ich entweder sofort, was du meinst, oder komme so gar nicht mit, je nach Beitrag.) Pillamyd hat geschrieben:kingdiamond hat geschrieben:FAITH NO MORE - das hat mich aktuell schon etwas überrascht…beim näheren Nachdenken hätte man aber durchaus drauf kommen können, dass dir die zusagen!
Das ich damit überrasche, hätte ich nicht gedacht. Ist doch an vielen Stellen des Forums zu lesen, was mich musikalisch so umtreibt.
(Das hat allerdings auch eine ziemliche Bandbreite, was dich musikalisch umtreibt. Da sehe ich nicht DEN roten Faden. Genausowenig bei mir selbst. Ich wäre ziemlich aufgeschmissen, da auf irgendwas zu wetten in Geschmacksfragen. Überraschungen bleiben nie aus. Aber sonst wäre Musik ja auch um einiges langweiliger, wenn man sich dabei stets sicher sein könnte.) Holger Andrae hat geschrieben:Yes!Yes!Yes!
Die Frühphase von Faith No More finde ich ganz toll und die Gründe beschreibst Du ganz wunderbar. Aber langsam mit den Huftieren. Gestolpert bin ich über die Band mit "The Real Thing", die ich als Portokiller bei Groovers Paradise mitbestellt hatte. Ich kannte natürlich keine Note von der Band, war aber Ende der 80er bereits auf der Suche nach neuen Klängen. Das Album hat mich dan komplett abgeholt, denn die Mixtur aus Jims teils brachialer Gitarrenarbeit und den wavigen Klängen daneben, sowie natürlich den komplett abgedrehte Patton-Moves, - Lyrics und Ideen, ergaben eine außergewöhnliche Mixtur. Die Tour mit Prong als Support war dann eine Offenbahrung und das kostenlose Konzert in der Hafenstrasse ebenfalls. Rockstars, die keine waren. Zugabenteil aus zugerufenen Cover-Wünschen. Ein Träumchen. "We Care A Lot" ist dann zwar one Mike, aber die Musik ist roher. Man merkt die Aufbruchstimmung innerhalb der Band. Ich mag zwar "Introduce Yourself" am liebsten, aber diese Scheibe läuft hier auch gern. Das Tolle daran: Sie klingt immer noch frisch.
"Introduce Yourself" finde ich auch sehr spannend, weil das eben noch nicht Patton ist, aber eben doch komplett Grenzen auslotend und überschreitend. Sowas freakig Frisches habe ich dann erst wieder bei CANDIRIA gehört. Oder eben damals so grob um den Dreh herum bei den frühen RHCP. "Introduce Yourself" wurde leider, wie auch das Debütalbum, nicht in das PappschuberbündelCDrerelease des FNM-Katalogs aufgenommen, das Neueinsteigern einen sonst feinen Höreinstieg zum kleinen Preis bietet. Die Band lohnt sich allgemein, aber ohne das Frühwerk entgeht einem, wirklich zu begreifen, wie mutig diese Band "bei Null angefangen" hat (oder bei Ground Zero nach Genrezertrümmerung), als sie ihren eigenen Stil zu entwickeln begann. Obwohl sie immer eingängiger wurde, lag darin eine ziemlich stringente Konsequenz. Rüdiger Stehle hat geschrieben:FAITH NO MORE kann ja an sich alles, was ich nicht mag. Oder besser: Was ich in den Neunzigern meinte, nicht zu mögen. Crossover zu allerlei Genres, eine alternative Attitüde, keine metallische Legende, funky Rhythmen, Keyboards, Samples undsoweiter. Was New Wave und Post Punk sind, wusste ich nie. Und doch ist es passiert, dass die Band es schon damals geschafft hat, auf meinen Schirm zu geraten. Also natürlich nicht 1985, sondern dann später mit Herrn Patton und "The Real Thing", 'From Out Of Nowhere' und 'Epic', Anfang der Neunziger. Natürlich irgendwie gehasst, weil kein Metal, aber doch nicht gehasst, weil eigentlich ja doch gar nicht so schlecht. Ich mochte die melodischen Gesangselemente von Patton immer, wenn dann Crossover-Einflüsse aus HipHop und Funk ankamen, war "The Trve Me" aber natürlich professionell angepisst.
Trotzdem hat mich FNM nie so sehr abgetörnt wie viele andere Crossover- und Alternative-Kapellen es seinerzeit taten, oder später dann die nahezu komplette Nu-Metal-Posse. Was letztlich passieren musste, dass ich mir tatsächlich irgendwann im Herbst 2016 dann doch die ganze FNM-Diskographie ins Haus geholt habe (bis auf das damals aktuelle Comeback-Album), das weiß ich gar nimmer. Lässt sich bestimmt hier im Forum nachlesen, was da los war. Ich glaube, es hatte mit dem Soundcheck zu tun. Ist aber auch egal, was der Trigger war, der tiefere Grund ist, dass ich immer mal wieder einen kleinen Substance-over-Image-Anfall habe, und dann meiner Erkenntnis Tribut zolle, dass originelle und eigenwillige Qualitätsbands doch nicht unbedingt die reine Lehre befolgen müssen, um meine Aufmerksamkeit zu verdienen. Meistens verdränge ich das zumindest in Sammlerdingen dann doch recht erfolgreich, aber eben nicht immer, und dann passiert so etwas.
"We Care A Lot" ist ein Hammeralbum. Der Bass ist ein Traum, die Dynamik ebenso, der funky Groove, auch der Sprechgesang und die Keyboards rulen derbe. Das ist gleichermaßen abgedreht wie es zwingend ist, spacig und erdig zugleich, es trägt dich einfach so durch die Platte, in einem Flow. Die New-Wave-Gedanken kann ich heute auch nachvollziehen.
Einfach ein cooles Ding, das anno fuckin' 1985 schon klang wie tief aus den Metal-Neunzigern und aus den Pop-Achtzigern zugleich. Das macht es irgendwie zeitlos, und - wie du sagst - auch genrelos. Ich nenne das immer eine Band und ein Album "sui generis". Ist wie nichts anderes, dabei aber immer emotional packend und die Seele tragend - ein größeres Kompliment kann man Musik kaum machen, denke ich.
Martin van der Laan hat geschrieben:Ich bin ja auch ein großer FAITH NO MORE-Fan, wobei mir sich mein Interesse nach "Angel Dust" etwas im Sande verlaufen hat. Weiß gar nicht so genau warum... "Album Of The Year" habe ich noch gekauft, aber eher selten gehört. Gute Platte, hat bei mir aber nicht so richtig gezündet. Ich kann mich aber noch gut an Parties erinnern in den frühen 1990ern, wo 'From Out Of Nowhere' und 'Epic' raus und runter liegen. Von "The Real Thing". Summa summarum vermutlich eine der spannendsten und kreativsten Bands der harten Rock- und Metal-Geschichte. So, diese Zitate mussten auch noch hier herüber. Sehr spannende Band, da sollte für viele verschiedene Ohren etwas dabei sein, zumindest in irgendeiner Phase. Das ist ein bisschen so wie bei den Metallikanern oder sogar der unanfechtbaren Königin von den britischen Inseln. Denen war es auch immer schnurzpiepe, was angesagt war, nachdem sie als Pioniere eine Welle losgetreten hatten. Sie machten einfach unbeeindruckt von Trendverläufen ihr eigenes Ding weiter, egal wohin und welche Szene da was zu zu sagen hatte oder auch nicht mehr. Meist sogar ziemlich erfolgreich.
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