Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Dekalog der Elemente » Samstag 19. März 2022, 23:47

Rüdiger mir ist da tatsächlich mal irgend ein Post von dir im Gehirn hängen geblieben, auf Grund dessen ich dann tatsächlich mal die Battle Hyms und die Hail To England geordert hab.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 19. März 2022, 23:53

Das ist schön, wenn von mir auch mal was im Hirn hängen bleibt.

Nein, ganz ernsthaft, und ganz egal, was die Leute so sagen: Für mich ist und bleibt Manowar einfach eine ganz wunderbare Band, die in ihrer Frühphase unsterbliche, epische, progressive und originelle Klassiker in Serie geschrieben hat. Irgendwann stellte sich dann ein Twist hin zu etwas mehr Simplizität und Singalongsongs ein, und der Abwechslungsreichtum und die Progressivität gingen ein Stück weit über Bord, doch selbst in diesen späteren Phasen ist da halt immer noch einer der besten Sänger ever an Bord, und der hat auch immer und immer wieder tolle Hooklines zu singen. Da kann ich dann auch recht gut über zugegebenermaßen existierende Schwächen und Kreativitätslücken hinweg sehen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Martin van der Laan » Dienstag 22. März 2022, 16:06

Es ist doch immer wieder faszinierend, wie Musik mit dem persönlich gelebten Leben verbunden ist.

(Kleiner belangloser Exkurs...)
Zu Beginn des Milleniums war ich im holländischen Groningen und habe wie ein Geisteskranker an meiner Doktorarbeit in Mikrobiologie gearbeitet. Wir waren damals eine kleine eingeschworene Gruppe Besessener, die gerade spannende neue Entdeckungen im Labor gemacht hatten und diese zur Veröffentlichungsreife bringen wollten - natürlich am besten VOR der Konkurrenz aus Japan und den USA. Wir haben kaum geschlafen, von Kaffee und Nikotin gelebt und am Wochenende unter dem Einfluss diverser Rauchwaren ahnungslose Menschen auf den (ziemlich guten) Parties der Stadt mit unserem Nerd-Kram zugelabert.
Mit Bastiaan und Dirk-Jan hatte ich aber den Deal, dass wir wenigstens einmal pro Wochen anständig kochen und dafür einen freien Abend nehmen. Gastgeberschaft ging reihum. Und bei Bastiaan haben wir zum Aperitif-Cognac fast immer "Countdown to Extinction" gehört. Der gute Mann hörte ansonsten eher (Acid) Jazz und gediegene Klassik, aber weil "wir (DJ und ich) ja gerne Heavy Metal hören" (Zitat Ende), hat der perfekte Gastgeber immer dieses Album aufgelegt, eines von drei Metal-Alben, die er beasß (neben METALLICAs schwarzem Album und "The Real Thing" von FAITH NO MORE).
Als das besagte MEGADETH-Album gerade bei mir mal wieder zum Zug kam in der Home Office-Schaffenspause, war ich nach Sekunden wieder zwanzig Jahre zurück gebeamt und hatte die Szenerie von damals 1:1 vor Augen. Those where the days... :subber: :subber:

Langweilige Anmerkung 1: Der Bastiaan macht inzwischen in Amsterdam Biofilm-Forschung in einem zahnheilkundlichen Institut. Extrem spannend!!

Langweilge Anmerkung 2: Der DJ hat gar keinen Heavy Metal gehört, sondern eher so Post-Hardcore wie FUGAZI und NO MEANS NO etc. Aber so Krach-Zeugx wie NAPALM DEATH und PUNGENT STENCH fand er immer sehr lustig...!
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 27. März 2022, 01:43

Es ist manchmal klug, neu erworbene Scheiben nicht einfach wegzuhören.Eigentlich ist das immer klug, aber ich denke, ein nicht unerheblicher Teil unserer kleinen Gemeinschaft hier, begeht immer wieder diesen Fehler. Dann glaubt man das Album zu kennen und sortiert es in Regal ein. Da es beim Weghören keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen hat, öegt man es jahrelang nicht erneut auf und benötogt eventuell einen Reminder von Außen, dass man das Album vielleicht doch mal wieder auflegen sollte.Warum hat es beim ersten Durchlauf nicht gezündet? Vielleicht, weil es tatsächlich nicht so zwingend ist. Vielleicht aber auch, weil es eine Stimmung ausstrahlt, die man beim Weghören nicht hatte.
Ich habe irgendwann im letzten Jahr mit meinem Vorsatz gebrochen, zu viele Alben auf einen Schlag zu kaufen. Der Grund dafür war, dass ich für den damaligen Preis sofort zuschlagen MUSSTE. In dem Schwung, den ich mir selbst zusammen stellen konnte, waren auch etliche Alben dabei, die ich mehr aus musikalischem Interesse, denn aus Fantum dazu gepackt hatte und die teilweise abseits des harten Stromgeschrammels angesiedelt waren. Das war Musik, auf die ich mich in den letzten Monaten nicht einlassen konnte. Zumindest war das meine Vermutung, denn ich kannte die Alben ja noch gar nicht.
Nun lief eben zum ersten Mal das letzte Album von Leonard Cohen und wäre ich dies hier schreibe, läuft es noch einmal.Ich besitze bereits Alben von ihm und weiß, wie tief unter die Haut er gehen kann. "You Want It Darker", welches kurz vor seinem Tod erschien, ist schon im Titel programmatisch und die persönllichen Umstände der Entstehung vertiefen das Gefühl beim Anhören: Ich in tief im Innern angekratzt. Allein durch die Stimmung, die Stimme, die Instrumentierung ohne bis jetzt die Tiefe der Texte erfasst zu habe. Ich weiß, dass ich dieses Album inhalieren werde, wie damals Nick Caves' Monument "No More Shall We Part". Obwohl es musikalisch komplett un-rockend daher kommt, bin ich beinahe paralysiert, trotzdem auch inneraufgewühlt und tief ergriffen, allein durch die Klangwelt, die der alte Mann hier erzeugt. Minimalistisch, aber so effektiv, dass ich froh bin, das Album nicht schon im letzten Jahr erstmalig aufgelegt zu haben. Ich glaube, ich hätte ein paar Taschentücher benötigt. Heute bin ich begeistert und merke, dass es wenig gibt, was mich so bewegt, wie Musik.
So, wie Thrash mich faustschwigend upliften kann, so kann solche Musik mich tief ergreifen, mich am Schlawittchen packen und mich begeistern. Begeistern auf eine Art, die nur Menschen verstehen, denen Musik wichtig ist. Hier gibt es keine Oberflächlichkigkeit, hier ist alles sehr bewusst genau so, wie es sein soll. Trotz des minimalen Instrumenten-Einsatzes, habe ich zu keiner Sekunde das Gefühl, irgendwas würde fehlen.
"Music is the healer". Diesen Ausspruch liest man häufiger, aber selten war er für mich wahrer als heute Abend beim Anhören von "You Want It Darker".
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Sonntag 27. März 2022, 01:51

Sieht so aus, als hätten wir heute Abend ähnliche Erlebnisse mit Musik. Wenn's dich unvorhergesehen einfach voll erwischt. Dabei ist auch bei mir der Stil/die Musikart relativ irrelevant.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 27. März 2022, 01:57

salisbury hat geschrieben:Sieht so aus, als hätten wir heute Abend ähnliche Erlebnisse mit Musik. Wenn's dich unvorhergesehen einfach voll erwischt. Dabei ist auch bei mir der Stil/die Musikart relativ irrelevant.

Genau. Der Stil an sich ist nur auf die persönliche Stimmung im Moment des Anhörens relevant.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Jakob » Sonntag 27. März 2022, 13:59

"You Want It Darker" war tatsächlich meine erste bewusste Auseinandersetzung mit Leonard Cohen und kann dir bei deinen Hörererfahrungen nur zustimmen :)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Dekalog der Elemente » Montag 28. März 2022, 18:50

Das Cohen Album hab ich jetzt zwar nicht, aber ja der Mann geht unter die Haut.

Und generell, ja es gibt einfach Alben, die erwischen einen sowas von, egal ob man jetzt die Faust hoch reißt, oder einfach von Kopf bis Fuß Gänsepelle hat.
Musik ist einfach mindestens genauso essentiell für's Leben, wie Essen, Trinken und Schlafen. Wobei Musik auf der emotionalen Ebene deutlich vorn liegt
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 31. März 2022, 19:23

Ich schwebe gerade mal wieder ein bisschen auf Wolke 7, und der gute alte Onkel Ted ist dafür verantwortlich. Die ersten Hörproben fand ich scharf, die ersten paar Volldurchläufe der neuen Scheibe ließen mich dann ein wenig grüblen, weil mir manche Songs doch ein bisschen zu kurz, zu knapp, zu plakativ schienen. Aber so ab der vierten Einfuhr war dann doch klar, dass das wieder so 'ne bemerkenswerte Love Story wird. Ich mag's ja echt selten, wenn die Gitarrenmänner exzessiv vor sich hingniedeln, aber das machen halt auch ganz wenige so charmant, wie der gute Teddy. Wenn die Gibson Byrdland brennt, dann ist das am Ende doch immer wie Heimkommen. Und er beschneidet ganz schön effektiv die Airtime fast aller anderen Soundcheck-Kandidaten. Big Love!
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Loomis » Donnerstag 31. März 2022, 20:41

Jetzt dachte ich erst “was hat denn Nocturno Culto schon wieder draußen“, aber ja, hier geht's natürlich um The Nuge.
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