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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:12
Drumtier hat geschrieben:Ich habe mir gedacht, ich mache für meine Jahresliste diesmal auch einmal einen eigenen Thread auf. Sonst würde ich die Liste einfach so irgendwo posten und hier findet vielleicht ja doch jemand Inspiration, vielleicht alleine schon weil eine Liste mit 50 % Death Metal eine Sehenswürdigkeit ist, vielleicht weil auch andere Musik darin ist, die auf Wohlgefallen stößt. Außerdem schreibe ich schon seit Jahren kleine Posting zu meinen Top 10 auf Facebook und stelle die Musik möglichst kurz vor. Als Zweitverwertung kopiere ich euch das einfach dazu, auch wenn das natürlich am ehesten für Metal-Laien geschrieben ist und durchaus launischer, als ich eine nüchterne Musikbeschreibung sonst machen würde.
Aus Gründen leichterer Zitierbarkeit werde ich die Plätze auf einzelne Posts aufteilen, aber trotzdem jetzt alles auf einmal posten.
Ich komme hier leider echt kaum mehr zum Mitlesen oder gar Schreiben, aber Jahrenslisten zu erstellen ist forumunabhängiger Fixpunkt. Die Gelegenheit nütze ich, um kurz wieder ein bisschen mitzumachen, dann kann ich nicht versprechen, ob ich wieder im Äther verschwinde. Zur Erklärung habe ich meinen Eingangspost aus dem letzen Jahr reinkopiert, ich schreibe schon seit Jahren auf Facebook für meine Metal- und viel mehr Nicht-Metal-Freunde meine Top 10 mit ein bisschen Kommentar und kopiere meine Gedanken einfachen hier her. Diesmal sind die Kurztexte leider etwas länger geworden, aber im Forum ist das ja genau richtig. Ich kopiere jetzt einfach einmal alles rein und sag dann vielleicht noch ein bisschen etwas dazu. Eure Gedanken, Meinungen und Widersprüche sind natürlich willkommen, habt Geduld, falls es mit meinen Antworten aber oft ein bisschen länger dauert.
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:15
Eins noch vorab: Traditionell stelle ich auch eine Spezialerwähnung des Jahres vor. Das ist oft ein Album, das es zwar nicht in die besten geschafft hat, aber musikalisch oder persönlich eine Stellung hat, dass ich es nicht unkommentiert lassen will. Das mache ich auch hier: Ich beginne also mit Cynic, vielleicht auch, damit ich sie nicht regulär reihen muss: Alles, was Paul Masvidal und Sean Reinert berührten, wurde zu Gold, sagte ich an dieser Stelle schon einmal. Damals allerdings noch im Präsens, denn aufmerksame Beobachter werden sich erinnern, dass Anfang 2020 mit Sean Reinert der wahre Cynic-Schlagzeuger verstorben ist. Zurück bleibt ein Gefühl der Unvollständigkeit, auch weil damit sein unschöner Ausstieg aus der Band unversöhnt geblieben ist. Zum Genie von Cynic gehörte aber auch Sean Malone, der Bassist, der den vielleicht schönsten Nachruf auf seinen langjährigen Bandkollegen geschrieben hat. Zu dieser Zeit wussten wir noch nicht, dass kurz davor auch Malones Mutter gestorben ist und die Isolation in der Pandemie gemeinsam mit Reinerts Tod ihn in eine Depression stürzen sollte. 11 Monate später beging er Suizid. In einem Jahr hat Cynic also beide Seans und die vielleicht beste Rhythmusfraktion des Metals verloren. Der Ersatz von Reinert war insofern einfach, weil er ja schon ausgestiegen ist, trotzdem denke ich, dass sich Reinert in den ruhigen Passagen öfter einmal zurückgenommen hätte, um die Musik wirken zu lassen. Der Ersatz scheint die großen Fußstapfen zu spüren und auf Nummer sicher gehen zu wollen mit möglichst viel, möglichst durchgehend. Malone war schwieriger. Paul Masvidal entschied sich dafür, ihn nicht ersetzen zu versuchen, sondern stattdessen einen Bass-Synthesizer einzusetzen. Schöne Geste zwar, aber musikalisch fragwürdig. Es passt, weil die Musik noch spaciger, verträumter und ambientelastiger wurde als je zuvor, und elektronische Elemente stark vertreten sind, aber es klingt fremd und kalt. Das Album hätte vielleicht besser als Soloalbum statt unter dem Namen Cynic gepasst, denn mit den vielen Interludes bleiben nicht viele Songs und das beste an diesen bleiben meist die Erinnerungen, die sie hervorrufen. https://www.youtube.com/watch?v=B_UGta2sZ-4
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:15
10. Dornenreich – Du wilde Liebe sei Cynic verzichten auf den Bass, Dornenreich verzichten auf das Schlagzeug. Das mag nicht weiter überraschen, aber dass sie nicht ganz darauf verzichten wie in ihren Akustik-Alben, sondern es durch Percussion ersetzen, ist doch interessant. Zumindest teilweise hätte ich es sinnvoll gefunden, um der Musik Struktur, Halt und Zielstrebigkeit zu geben. So bleibt ein gar verkünstlerischtes, vielleicht überambitioniertes Werk. Wir werden später zu einer Band kommen, die ihre Texte wie mit dem Leuchtstift schreibt, um schmerzhaft genau auszudrücken, wie der Inhalt gelesen werden will. Dornenreich schreiben Texte mit dem Leuchtstift, um zu sagen „Seht mich an, ich bin Kunst!“. Dabei entstehen unfreiwillig komische Bilder bis hin zu Fehlern. Das ist schade, weil die Ideen ihrer Geschichten gar nicht uninteressant sind, ebenso wenig die Musik. Die Violine veredelte die letzten paar Dornenreich-Alben, dieses rettet sie. Als Geigenalbum mit Gedichten, Gitarre und Getrommle ganz gut. https://www.youtube.com/watch?v=1HT2F7tnkiU
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von Peter Kubaschk » Sonntag 16. Januar 2022, 18:15
ich kann dir schon mal sagen, dass zumindest dein #1 im Leserpoll eine Rolle spielt und sich auch dank dir ganz gut platziert.
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:15
9. At The Gates – The Nightmare Of Being At The Gates sind heute der Musik gewordene Spatz in der Hand; lieber froh sein, dass es sie wieder gibt und sie regelmäßig neue Musik veröffentlichen, und nicht auf Glanztaten ihrer Jugend hoffen. Ihr Schema der drei Post-Reunion-Alben ist immer ziemlich gleich: melodische Riffs, eher weniger einzelne Melodien, Triolen-Slayer-Beats und mal mehr, mal weniger Death Metal. Insofern ist es erfreulich, dass es hier mit Saxophon und Orchester und ein einer gewissen progressiven Ausrichtung doch neue Zutaten zu finden gibt. Vor allem aber ist die Gitarrenarbeit besser als auf den Vorgängern, der Gesang nimmt leider von Album zu Album ab. https://www.youtube.com/watch?v=9tRqq6r_bNw
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:16
8. Cannibal Corpse – Violence Unimagined Niemand „braucht“ ein neues Cannibal-Corpse-Album. Niemand freut sich darauf, ist gespannt darauf oder erwartet es sehnsüchtig. Jeder weiß, wie es klingen wird. Seit unfassbaren 31 Jahren. Unter diesen Umständen Musik zu machen, Kunst zu erschaffen, ist denkbar schwierig und doch schaffen sie es Album für Album. Es gelingt ihnen, weil sie unerschütterlich an sich und ihr Produkt glauben und ihre Fähigkeiten nach wie vor vorhanden sind. Corpsegrinder ist 51 und klingt als wäre er 21, Alex Webster ist stark wie immer, Mazurkiewicz solide und Neueinsteiger Erik Rutan kennt die Band lange genug, dass er nahtlos anknüpfen kann. Der Platz hier ist zu kurz, um über Begrifflichkeiten wie Kunst versus Konsum zu philosophieren, aber solange ihre Musik so aggressiv und mächtig klingt, ist Philosophie müßig. https://www.youtube.com/watch?v=kSzJjlq_LT0
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:16
7. Obscura – A Valediction Die Rückkehr von Christian Münzner befriedigt nicht nur unser aller Harmoniebedürfnis, sondern sorgt auch für einen neuen Schub in der Gitarrenvirtuosität. Steffen Kummerer kann immer noch nicht growlen, aber es gefällt mir gar nicht schlecht, wenn er jetzt öfter in die heisere Richtung früher At The Gates geht. Das ist übrigens nicht die einzige Verbindung zur Göteborg-Szene, weil der dortige Haus-und-Hof-Produzent Fredrik Nordström auch dieses Album produzierte. Es bleibt aber beim Einfluss auf den sehr klaren, für manche vielleicht zu sauberen Klang, die Musik ist weiterhin klinisch präziser, melodischer Tech Death mit herausragenden Musikern auf allen Positionen und einer gewissen Neigung, zu dick aufzutragen. Einen fetten Abzug in der B-Note gibt es für die wohl absurdesten Linernotes, die ich je gelesen habe, in denen Kummerer aus irgendeinem Grund kleine Minireviews liefert und nicht gerade mit Bescheidenheit glänzt. https://www.youtube.com/watch?v=MdfFSWXU2bE
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:17
6. Archspire – Bleed The Future „Stay Tech” ist ihr Motto und Tech sind sie geblieben. Das bedeutet aber nicht möglichst komplizierte Takt- und Tempoänderungen, sondern „Stay Tech” heißt hier„Speed Kills”. So simpel das Prinzip sein mag, die Umsetzung ist jedes Mal wieder beeindruckend. Der Höllenritt bietet über durchaus ansprechende Riffs, Halbmelodien und Soli ein überraschend eingängiges Hörerlebnis. Einige ihrer Vorbilder stammen aus dem Hip Hop und das hört man nicht nur am Gesang und dessen Geschwindigkeit, vor allem aber ist das keineswegs ein Nachteil. https://www.youtube.com/watch?v=LY8RFaMs0Ac
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:17
5. Rivers Of Nihil – The Work Rivers Of Nihil haben sich weg vom Deathcore hin zu einem Geheimtipp im Technical Death Metal entwickelt. Nach dem Überraschungserfolg mit dem letzten Album gehen sie jetzt noch weiter in die progressive Richtung und überraschen weiter. Der Death Metal nimmt auf diesem Konzeptalbum erheblich ab, Klargesang und unverzerrte, melodische Gitarren nehmen zu. Das Saxophon bleibt dementsprechend. Das überzeugt nicht alle, ich finde aber, dass die reduzierte Zahl an Death-Metal-Momenten ihre Wucht nur noch steigert. Das Album braucht sicher seine Zeit, belohnt aber mit durchdachter Schönheit und tonnenschwerer Kraft. https://www.youtube.com/watch?v=NF9J8NyA1ag
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von Drumtier » Sonntag 16. Januar 2022, 18:18
4. Waldgeflüster – Dahoam Seit Lunar Aurora auf eine vermutlich göttliche Eingebung hin aus ihrem Ruhestand zurückgekommen sind, um ihr letztes Album „Hoagascht“ als erstes im bairischen Dialekt einzuspielen, hat sich Dialekt-Black-Metal als eine Art Mini-Genre um dieses Meisterwerk gebildet. Die Band war mir bis Ende Oktober völlig unbekannt, aber wenn ich über ein Album namens „Dahoam“ scrolle, schlagen meine Sensoren aus und lassen mich fast ungehört kaufen. Wo Hoagaschts Black Metal warm und sanft war, geht es hier kälter und mit deutlichen Post-Anklängen zu. Die Melodiebögen sind gelungen und der Klargesang funktioniert gut, aber sicher im Gesamtgefüge besser, als er das isoliert tun würde. Der Text ist zwar Unique-Selling-Point, aber gleichzeitig auch einzige Schwachstelle, da er die Botschaft gar so deutlich überbringen will und auf Subtilität und Interpretationsmöglichkeiten verzichtet. Zusätzlich wirkte er auf mich wie auf hochdeutsch geschrieben und dann in Dialekt übersetzt. Die Linernotes bestätigten mich, der Sänger ist einer jener Eltern, die mit ihren Kindern nur mehr hochdeutsch sprechen, und ließ sich beim Dialekt vom Schlagzeuger helfen. Das hört man und es führt die gewünschte Natürlichkeit etwas ad absurdum. Das ist aber bitte Kritik auf hohem Niveau in einem Spezialaspekt, die Musik erreicht eine verdiente Topplatzierung. Die Suche nach den legitimen Nachfolgern von Lunar Aurora geht aber weiter, oder? https://www.youtube.com/watch?v=TKR9oYNYgVo
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