Erst 2014 gegründet, ist WHOREDOM RIFE in Sachen norwegischen Black Metals ganz fraglos eine der jüngeren Bands, auch wenn ihr Masterminde Vegar Larsen (alias Vyl, alias V.Einride) vom Alter (Jahrgang 1978) her sehr nah an den großen Protagonisten der Szene ist und als Drummer von KEEP OF KALESSIN schon seit den späteren Neunzigern in der Szene aktiv ist. Daher lässt sich trotz der späten Gründung nicht wirklich von einer Newcomerband sprechen.
Vielmehr ist WHOREDOM RIFE in kürzester Zeit zu einer der treibenden Kräfte der seit Mitte des letzten Jahrzehnts durchaus boomenden "Nidaros Szene" in und um Trondheim avanciert. Folgerichtig ist man auch beim Szenelabel Terratur Possessions unter Vertrag, das in Deutschland über Ván vertrieben wird.
Das Besondere an und um WHOREDOM RIFE ist dabei aus meiner Sicht weder, dass das Rad des norwegischen Black Metals neu erfunden werden würde, noch, dass die Band über alle Maßen hinaus originell vorginge, sondern vielmehr, dass sie die bekannten Stilelemente des Genres in einer ganz besonders vollendeten Weise und mit einer großen Ernsthaftigkeit verbindet. Die morbide Finsternis von DMDS-Ära-MAYHEM geht hier Hand in Hand mit der wahnhaften Reduziertheit von Panzerfaust-DARKTHRONE und der romantischen, melodischen Melancholie von Shadowthrone-SATYRICON, ohne dass die Band je zu sehr ins Fahrwasser des einen oder anderen Vorbildes geraten würde. Der Whiskyfreund würde wohl von einem vollendeten, charakterstarken Blend mit durch und durch norwegischem Charakter sprechen.
Bisher gibt es von der Band die selbstbetitelte Debüt-MCD "Whoredom Rife" (2016), sowie die drei Studioalben "Dommedagskvad" (2017), "Nid - Hymner Av Hat" (2018) und "Winds Of Wrath" (2021). In der "Pause" vor dem aktuellen Album erschienen die zwei EPs "Vinternatt" und "Ride The Final Tide", sowie die spannende Bergen/Trondheim-Split-EP "Pakt" mit TAAKE, die eine stilistisch durchaus sehr passenden Kooperation ist.
Alle Alben der Band glänzen mit tollen Totentanz-artigen Artworks im Zeichenstil der Rennaissance, und die Produktion ist für Black-Metal-Aficionados stets bestechend, wie ich finde. Sie hat zwar trotz der stilistischen Nähe zu den frühen 1990er-Werken die Untiefen völligen Unproduziertseins komplett hinter sich gelassen und sorgt für einen differenzierten und transparenten Klang der viele instrumentale Details offenbart, dabei vermeidet die Band trotz der K.O.K.-Vergangenheit des Vordenkers aber auch ein zu klares, lautes oder ballerndes Klangbild, so dass der Hörer auch bei den durchaus ausgiebig vorhandenen Blastparts oder bei den epischen Keyboard-Einsätzen nicht von der Soundlast erdrückt wird. Der Deal ist: WHOREDOM RIFE fährt einen Klang der so klar, modern und differenziert ist, dass man bei aller klassischer Ausrichtung wunderbar erkennen kann, was die Band technisch so alles kann. Doch es steht ihr nicht der Sinn danach, die Durchschlagskraft zeitgemäßer Produktionen in einer Weise auszureizen, die aus organischem und mystischem Black Metal eine sterile, kalte Machtdemonstration werden ließe.

Teilt gerne eure Meinungen zu den Alben, oder zu meiner Einschätzung.
Wer noch nicht gehört hat, der kann hier ausgiebigst fühlen:
https://whoredomrife.bandcamp.com/
Ich für meinen Teil kann sagen, dass der Band genau das gelingt, was nach eigenem Bekunden ihr Ziel ist:
The idea behind the band is to breathe new life into the art form and lifestyle that we know as True Norwegian Black Metal.

