Dream Theater

Re: Dream Theater

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. November 2021, 12:08

Dream Theater | A View From The Top Of The World
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Es ist erstaunlich, wenn ich auf die letzten 6 Jahre zurückblicke, wie kritisch ich gegenüber dieser Band geworden bin. Das halsbrecherische Thema bezüglich „The Astonishing“ hat so einige Wunden verursacht, die nur langsam heilen wollten. Aber seitdem ist viel Wasser den Bach heruntergeflossen und heute kann ich das als gescheitertes Projekt ganz gut schulterzuckend hinter mir lassen. Deswegen: Thema abgehakt.

Über die Veröffentlichung des 2019 erschienenen Album „Distance Over Time“ habe ich auch schon einiges geschrieben. Aber um das hier noch einmal zu betonen, war „Distance Over Time“ mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung. Hatte aber auch mit das schwächste Albumartwork und wenn ich ehrlich sein soll, klingt das Album auch heute noch insgesamt wie ein Schnellschuss. Das ist der Band 2003 besser gelungen. Wiedergutmachung? Ja, vielleicht. Ist alles Gold was glänzt? Mit Sicherheit nicht. „Distance Over Time“ ist hiermit schon das zweite Album, dass es nicht in meine Top 20 geschafft hat.

Trotz der Albumankündigung war ich hin und hergerissen, Vorfreude auf der einen Seite Vorsicht auf der anderen war geboten und gaben sich die Klinke in die Hand. Meine Hoffnung auf ein tolles Ergebnis rührte daher, dass Petrucci gleich an 2 Veröffentlichungen letztes Jahr beteiligt war, die ihn so befreit wie seit Jahren nicht mehr haben klingen lassen. Ich habe so gehofft, dass die Band den Spirit nutzt und wieder diesen Spielwitz, den Wahnsinn, den die Band ausgemacht hat, nutzt und einfach tun was sie am besten können.

Zunächst einmal hat mich das Artwork bei der Ankündigung wieder völlig aus den Latschen gehauen. Das ist endlich mal wieder ein typisches Dream Theater Bildchen nach meinem Geschmack. Hier stellte sich schon das erste Gefühl ein, dass das was werden könnte. Erinnerte mich dieses Cover von der Farbgebung her an meine geliebte „A Dramatic Turn Of Events“.

Aber Pille, sei geduldig, nicht so voreilig und zu schnell vorfreudig. Dass das in die Hose gehen kann, wurde auch schon bewiesen. Und so war ich, nachdem ersten Mal „The Alien“ hören etwas überrascht. Erinnerte mich das Riffing noch an „The Enemy Inside“ oder gar an „Lost Not Forgotten“, so plätscherte der Song dann im Verlauf etwas vor sich hin. Auch LaBries Stimme mochte erst nicht gefallen, da es sehr bearbeitet klang. Ich muss zugeben, dass ich dann doch etwas irritiert war und nervös. Auch wenn ich etwas anderes geschrieben habe. Denn im Grunde weiß man, zumindest seit der ersten „Lost Not Forgotten – Archives“ Veröffentlichung wie unterirdisch LaBrie auch singen kann und wie schwankend seine Leistung vor allem live ist. Hat man Effekte auf dem Gesang auf dem ganzen Album eingesetzt oder nur weil es vielleicht der Band entsprechend zum Song passt? Abwarten.

Im Albumkontext funktioniert der Song aber wunderbar und ist seitdem ziemlich stark gewachsen. Und das ist die erste Stärke des Albums, welches ich hervorheben möchte. Endlich kann man sich ein Dream Theater Album wieder erarbeiten. Es ist endlich wieder möglich! Diese verwirrten ersten Durchläufen im Zusammenspiel mit den ersten Erkenntnissen, die man bei so etwas gewinnt und dem ständigen Verlangen diesen einen Song beim nächsten Durchlauf genauer unter die Lupe zu nehmen. I fucking love it.

„Answering The Call“, hatte ich erst gar nicht so auf dem Schirm. Der lief so nebenbei durch. Bis ich dann entdeckt habe, dass das gleich nochmal Lyrics von LaBrie sind. Dadurch erhielt der Song meine Aufmerksamkeit. Starker, sehr starker Einstieg durch die Gitarrenbearbeitung. Aufbauschend, fett und groß. Die Spielfreude scheint hier unfassbar groß zu sein. Dieses groovende Riffing nachdem James folgende Zeilen sing: „ There you will be found/The writing’s on the wall/ Will you wager your life?“, erinnert mich immer etwas an die Mitte/Ende 90er/Anfang 00er Phase und das finde ich durchaus stark. Diese Art kommt auch später auf der Scheibe nochmal zur Geltung. Aber der Song ist Abwechslungsreich ohne Ende und wie der Bass hier brummt macht mir richtig spaß.

Sollen wir zu einem meiner Highlights auf der Platte kommen? Gut, dann überspringe ich erst einmal Song Nummer 3. Ich denke, dass ist nur gerechtfertigt, denn „Sleeping Giant“ ist nichts anderes als der Wahnsinn in Tüten. Ich sehe das so, weil ich den Song unheimlich vertrackt finde und er trotzdem in der Spur bleibt. Das Gerüst bildet den Rahmen, den reizen sie ordentlich aus, überschreiten diesen aber quasi nie. Rhythmisch ist das so verspielt und dabei so unverkopft wie seit langer, langer Zeit nicht mehr. Die Stelle ab Minute 04:08 zirka beweist das so wunderschön. LaBrie findet sich in der Rhythmik gut zurecht und wirkt fast, wie ein weiteres musikalisches Instrument, dass eine weitere Nuance in der herrschenden Rhythmik hinzugefügt wird. Dabei erhält der Song eine kongeniale Wendung und greift das bedrohliche, mystische, dass der Song sowieso schon innehat auf, um dem Song nochmal eine weitere Tiefe zu verleihen. Die Stelle, wenn LaBrie folgende Zeilen singt, „When we lay our armor down/Fragments of our love/Slip through the cracks of hate/But the raging storm below/Will never go away/If it is not embraced“, beweist nur wie krass der Kerl den Song im Griff hat. Da frage ich mich schon einmal mehr wie manche Hörer darauf kommen, LaBrie klinge wie ein Fremdkörper. Finde ich tatsächlich unverständlich. Zumal der James es auch hörend schafft, sich gesanglich in Kreisen zu bewegen, die ihn nicht an seine Grenzen bringen lässt, sondern so, dass die Stärken seiner Klangfarbe sich entfalten können. Somit komme ich da dann schon auf den nächsten positiven Effekt zu sprechen. Jordan Rudess: so songdienlich hat er doch auch seit Jahren nicht mehr gespielt. Absolut passende Töne die er aus seinem Tasteninstrument herausholt. Klassischer, weniger quiekend atmosphärische elektrische Aneinanderreihungen von Tonleitern. Rudess und Petrucci spielen endlich wieder miteinander. Duellieren sich auf höchstem Niveau. Diese Ragtime Artige Passage irgendwo bei Minute 6 lässt zumindest mich dann auch an ganz große Glanztaten Ende der 90er erinnern. Gerade auch der Schlussteil des Songs beinhaltet Abfahrten, dass die Ohren glühen. Ich drehe fast durch bei diesem Part und ich kann mich gar nicht halten so unfassbar zwingend spielwitzig finde ich das.

Es sind endlich wieder meine Dream Theater. So wie ich sie hören mag. Es ist unfassbar.

„Transcending Time“ ist nicht nur mit dem positivsten Vibe der gesamten Scheibe gesegnet, nein er verdeutlicht akustisch vor allem auch eines. Nämlich was für eine Monsterproduktion hier durchgezogen wurde. Alles wirkt so transparent, jedes Instrument kommt zur Geltung und trotzdem klingt das auch so unglaublich fett. Mich freut es auch einfach den Bass wirklich an jeder einzelnen Sekunde raushören zu können. Das war ja auch schon einmal anders. Das ein Andy Sneap dafür mal verantwortlich sein könnte, wer hätte es gedacht. Ich irgendwie nicht.

Um mich nicht nur stur von Song zu Song zu hangeln, möchte ich auf einen weiteren Aspekt eingehen, der mir positiv aufgefallen ist. Das Schlagzeug. Endlich ein homogener, transparenter, druckerzeugender Sound für ein Schlagzeug. Das im Einklang damit, dass Mangini wohl seine beste Leistung seit seinem Einstieg 2011 hinlegt, muss ich als Kritiker der letzten Alben, gerade was den Sound und die Technik anbelangt, den Hut ziehen. So gut klang es lange nicht mehr. Er verballert die Songs nicht mehr, sondern verleiht ihnen den nötigen Raum, um sich zu entfalten. Er setzt Akzente mit seinem Spiel genau da, wo sie benötigt werden, genau das was mir auf den letzten zwei Alben gefehlt hat. Zu perfekt, zu mechanisch, zu steril. Jetzt wird sich der eine oder andere Fragen, was denn mit zu perfekt gemeint ist. Ich versuche es mal, meine Gedanken dazu, die zugegeben nicht für jeden ersichtlich sein muss, niederzuschreiben. Mit zu perfekt meine ich tatsächlich nicht, dass Mangini außerordentlich gut spielt. Das tut er ohne jeden Zweifel, meist wirkte das auf mich auf den Alben zuvor wie als möchte sich Mangini von der Bandzusammenstellung herausheben, beweisen was er kann. Den Kritikern zeigen, dass er eines Mike Portnoys würdig ist, ersetzt zu haben. Auf „A View From The Top Of The World“, agiert er endlich losgelöster, spielt situativer mit viel Platz für Interpretation. Man kann als Hörer das gehörte weiterspinnen und sich fragen, in welche Richtung die Songs gelenkt werden könnten. Es ist also auch unvorhersehbarer als zuvor. Das macht das Erarbeiten eines solchen Albums herausfordernder und der Langzeiteffekt ist für meine Verhältnisse einfach höher. Klar, das machen viele nicht an einem einzelnen Musiker fest. Für mich ist es aber ein wichtiger Punkt, warum Dream Theater wieder nach Jahren wie eben jene Band klingt. Mangini so scheint es, ist im „Dream Theater-Sound“ angekommen.

Als Petrucci meinte er arbeite an einer 8 Saiten Gitarre, fand ich das erstmal unspektakulär. Es war ja nur eine Frage der Zeit bis so etwas passieren würde. Dass es nicht schon längst passiert ist, hat mich da eher gewundert. Die Ankündigung diese auch für das nächste Album zu verwenden, lag also auch sehr nahe. Ich war gespannt was Petrucci daraus macht und wie eine solche Gitarre in einem Dream Theater Song vielleicht neue Akzente setzen kann. Das Ergebnis findet sich auf dem sechsten Platz in der Tracklist. Und ja, das ist ein sehr tiefer, vielleicht auch neuer Ansatz im Dream Theater Sound. Ich kenne mich aber zu wenig aus, ob er auch tatsächlich die Range einer 8-String Guitar auf diesem Song genutzt hat. Herzerwärmend finde ich aber, dass ein Myung-Text wieder Platz auf dem Album gefunden hat. Ich mag die Texte von Myung wirklich sehr gerne. Egal ob „Lifting Shadows…“, „Trial Of Tears“ oder „Breaking All Illusion“. Das Ding ist, dass Myung immer sehr viel Platz für Interpretationen lässt und seitdem Myung auch vermehrt Interviews in den letzten Jahren gibt, halte ich den Mann für sehr reflektiert und wenn er erklärt für was das Master in „Awaken The Master“ steht, hat er mich in seinen Bann. Ich mag einfach seinen Ansatz an Lyrics ranzugehen. Ich finde das sehr spannend, vor allem im Kontext zu Petruccis oder Labries Texten. Wobei ich sehr gerne mal wüsste, ob es immer noch so ist, dass Myung wohl mit Textfragmenten ankommt und das mit Petrucci zusammen fertigstellt. Allgemein finde ich aber auch, dass die Lyrics sehr gelungen sind.

Ich schrieb weiter oben über den Gedanken, ob Petrucci die 8 Saiten Gitarre auch als solche genutzt hat. Beim Anhören des Liedes fällt auf, dass er den Song damit zumindest nicht zukleistert. Gerade im Mittelpart gibt es einige Stellen die wirklich Raum schaffen für die anderen Instrumente. Teilweise wird da auch eher gemäßigt gewerkelt. Allerdings bedient sich John schon auch seiner Soli und hält damit nicht hinterm Berg. Spannend wird es wie er sich mit der neuen Gitarre entwickelt und hoffe auf einen weiteren Song auf der oder den nächsten Scheibe.

Herzstück der Platte ist dann natürlich der Titelsong „A View From The Top Of The World“. Ich habe mich riesig über einen derartigen Longtrack gefreut, konnte mir aber auch beim besten Willen nicht vorstellen in welche Richtung der Song gehen könnte. Deshalb war ich da schon sehr gespannt drauf und zunächst war ich ehrlicherweise dann doch etwas ernüchtert, wie der Song ausgefallen ist. Aber wie das so ist, der Song entwickelt sich, entfaltet sich, gibt nach und nach Preis, was er versteckt hält. Das ist aber auch gerade bei dem Song wirklich der springende Punkt. Wenn man alle Longtracks dieser Länge miteinander vergleicht, so höre ich da eine gewisse Art Zurückhaltung heraus. Eine etwas geradlinigere Richtung wie ich sie zum Beispiel auf „A Change Of Seaons“ richtig schätze. Trotzdem gibt es gerade zu Anfang starkes Riffing wie auf „The Illumination Theory“ oder einen ruhigeren Teil, wie auf eben jenen erwähnten Vergleichssong. Aber dezenter, ruhiger, nicht so orchestral, irgendwie typischer. Man erkennt halt einfach, dass es sich hier um Dream Theater handelt. Dann gibt es aber wieder Parts, die mich teilweise auch an die Phase zur Zeit von „Falling Into Infinity“ erinnern lassen, übrigens nicht nur im Titeltrack. Auch „Answering The Call“ hat da so ein zwei Passagen, die mich an die 90er Phase erinnert. Nur um das zu erwähnen, falls ich das weiter oben im Text vergessen habe zu erwähnen. Warum der Song auch etwas dezenter und direkter wirkt, ist die Tatsache, dass es kein langes Intro gibt. James LaBrie hat seinen ersten Einsatz nach ca. 2-3 Minuten. Das ist vielleicht nichts Besonderes, passt aber für mich, weil es zum Profil des Songs einfach wahnsinnig gut passt und das straighte in dem Song noch mal stark gewichtet. Das Break bei Minute 14 in ein etwas temporeicheres Level…unschlagbar.

Mir ist erst etwas später aufgefallen, dass das Album zum ersten Mal seit "A Dramatic Turn Of Events" auch keine reine Ballade enthält, was das aufmerksame Zuhören noch ein bisschen weiter fördert. Zumal die Balladen immer eine Ruhepause auf den Alben waren und sehr radiotauglich wirkten. Es gibt dahingehend nicht wirklich eine Pause für den Zuhörer. Dieser Tatsache geschuldet, entstand „Invisible Monster“ als letzter Song (deswegen setze ich diesen Abschnitt auch ans Ende). Natürlich handelt es sich hierbei nicht um eine Ballade. Aber: Im Gesamtkonzept ist es vielleicht der unauffälligste Song unter den ganzen Monstern und mich wundert es nicht, dass der Song als zweite Single veröffentlicht wurde. Für mich das songdienlichste Stück Musik auf der Scheibe. Fies halt, dass LaBrie „Invisible Monster“ halt auch so singt, dass er gleich im Ohr hängen bleibt, und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich den Song vor mir hersumme. Wahrscheinlich ist damit der Zweck erfüllt, haha!

So komme ich also zu meinem Ranking:

01. The Alien 9/10
02. Answering The Call 9,5/10
03. Invisible Monster 8,5/10
04. Sleeping Giant 10/10
05. Transcendence Time 9,5/10
06. Awaken The Master 9,5/10
07. A View From The Top Of The World 9,5/10


Fazit:

Das Album landet also Notentechnisch aufgerundet bei einer 9,5 und würde sich im Ranking seit Mangini eingestiegen ist auf dem zweiten Platz befinden und das finde ich absolut berechtigt. Was die Band hier fertiggebracht hat löst in mir ein unfassbaren Glücksgefühl aus, welches ich so nicht erwartet hätte. Erstens schaffen Dream Theater es wieder so zu klingen wie Dream Theater eben klingen, was dazu führt, dass ich ein Dream Theater Album zum ersten Mal seit 2013 wieder so erleben kann wie ich es gewohnt bin. Fordernd, spannend, melodiös und natürlich. Zum zweiten, bringt LaBrie wieder eine Leistung zu Tage, wie man es auf Platte von ihm gewohnt ist. Mit (!!!) dem kleinen Unterschied, dass sich LaBrie seiner Grenzen wohl bewusst ist und auch mit diesem Wissen an die Songs herangeht, was ein wirklich warmes Klangbild zu Tage fördert und angenehm anzuhören ist. Das wurde meisterhaft gelöst und auch Zeit, vor allem wenn man die Titel live präsentieren möchte. John Petruccis Soli auf dem gesamten Werk finde ich ebenfalls unschlagbar. Ja man hört Referenzen zu älteren Glanztaten, aber warum denn auch nicht? Muss das ein Kritikpunkt sein? Ich finde nicht. Der Sound ist ein wahrer Ohrenschmaus, so druckvoll, so transparent. Jedes Instrument hat seinen Raum und blitzt auch immer mal wieder gut dosiert und stimmig aus dem Gesamtsound heraus. Ich würde fast sagen, dass wir es hier mit der besten Produktion der Band zu tun haben. Die Band macht endlich wieder das, was sie am besten kann und geht dabei so lockerflockig durch das Album, dass es mir einen wahnsinnigen Spaß bereitet. Anders kann ich mir die bald 30 Umdrehungen in weniger als 3 Wochen nicht erklären. Wie gesagt, das Album liegt gleichauf mit der „A Dramatic Turn Of Events“ wenn ich die Noten betrachte. Ob es sich an jenes Album noch vorbeidrängt, wird die Zeit zeigen, denn wie so oft erwähnt, lief das 2011er Werk ein Jahr lang nahezu jeden Tag bei mir mindestens einmal am Tag. Witzig, dass es vor allem die Alben sind, die mit dem Buchstaben „A“ beginnen, die mir immer ausgesprochen gut gefallen. Aber spaß beiseite, ich habe absolut kein Problem damit "A View From The Top Of The World" auf den zweiten Platz zu setzen. Somit würde mein Ranking bezüglich der Alben seit Mangini in der Band ist so ausfallen (und das, ohne mit der Wimper zu zucken):

01. A Dramatic Turn Of Events 9,5/10
02. A View From The Top Of The Worlds 9,5/10
03. Dream Theater 8,5/10
04. Distance Over Time 8/10
05. The Astonishing 5/10

Kritiker der Band, oder diejenigen die mit dem Sound der Band seit Jahren nichts mehr anfangen können, werden auch hier wieder nicht viel finden was ihnen gefällt. Das mag für die ein oder andere Person auch generisch klingen, für manche vielleicht auch wie ein Rückschritt. Manch andere finden das Album zu flach oder zu lang. Es wird Leute geben die meinen Rudess würde sich zu sehr in den Vordergrund drängen, andere wiederum finden er gehe zu wenig aus sich selbst heraus. Manche halten die Leistung von LaBrie für Spitze aber im Kontext für zu wenig. Ich las auch schon von Stimmen, die meinten LaBrie würde sich wie ein Fremdkörper anfühlen. Für mich ein Punkt der absolut nicht nachvollziehbar ist. Wie kann jemand der fast 30 Jahre in der Band ist wie ein Fremdkörper klingen?

Man sieht also, die Kritikerstimmen gehen auch hier weit auseinander. Für den ein oder anderen mag mein Geschriebenes für zu euphorisch halten. Vielleicht mag ich auch wirken wie der Kerl mit der Fanboy-Brille. Ich will das gar nicht bestreiten, mit dem Unterschied, dass diese Art von Euphorie bei mir lange Zeit nicht mehr gegeben war. Fast die Hälfte meiner Zeit in der ich Fan der Band bin. Mit dem Album hat die Band mich einfach wieder als vollumfänglichen Fan für sich gewonnen. Der war ich immer schon, aber halt kritischer. Auch wenn meine Kritik oft in eine andere Richtung gegangen ist. An dem neuen Album habe ich halt wenig bis gar nichts zu mäkeln. Ich werde ablehnende Stimmen auch nicht zur Überzeugung umstimmen können. Das ist aber auch gar nicht meine Intention. Sollte das auf natürlichem Wege passieren freue ich mich über jeden der das so sehen kann. Ich für mich persönlich bin einfach wieder heilfroh meine Dream Theater zu 100 Prozent zurückzuhaben. Das tut einfach wieder wahnsinnig gut. Ich kann da einfach saugut mitgehen. Die ganzen Klischeebehafteten Aussagen lasse ich bewusst weg, warum die Band für mich so wichtig ist, das kann man an anderer Stelle lesen. Mir geht es auch hauptsächlich über meine Wünsche für die Band, die sich hier bestätigt haben. Die Ausflüge in Soloalbum und LTE 3 haben wohl gefruchtet und das macht mich glücklich bis in den Himmel. Das passende Ergebnis hat lange gebraucht, aber es ist da! Für mich! Danke John, John, Mike und Jordan!

Jetzt wurde es kurz wohl doch noch etwas emotional und auch etwas lang. Sei es drum! Ich habe fertig!
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Re: Dream Theater

Beitragvon cgrage » Mittwoch 10. November 2021, 14:40

Und der Dank an James wird absichtlich fallen gelassen?

Das stimmt aber. Die Scheibe ist ein echter Bringer. Man muss sie sich vielleicht etwas erarbeiten, bringt dann aber umso mehr Spaß.
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Re: Dream Theater

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. November 2021, 14:45

cgrage hat geschrieben:Und der Dank an James wird absichtlich fallen gelassen?


Um Gottes willen! Nein!
James stand da definitiv. Der ist beim drüberlesen und korrigieren wohl abhanden gekommen. Vielleicht kann man den ja noch eintragen zusätzlich.
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Re: Dream Theater

Beitragvon Havoc » Mittwoch 10. November 2021, 21:47

Danke für diese weitreichenden Gedankenausflüge. Mit 'Sleeping Giant' haben wir auf jeden Fall einen gemeinsamen Favoriten. Fand den auch auf Anhieb richtig toll. Habe das Album allerdings bei weitem noch nicht so oft gehört wie du. Einerseits aus Zeitgründen, aber andererseits lege ich auch neue Alben meist nicht gleich zu oft auf. Egal wie gut ich sie finde. ;-)
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Re: Dream Theater

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 11. November 2021, 09:28

Ganz feiner Text, Enis!
Das hat Spaß gemacht, den zu lesen.
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Re: Dream Theater

Beitragvon Pillamyd » Freitag 12. November 2021, 11:19

Dankeschön an euch. Ich hab dann doch einen Rappel bekommen und dann hab ich einfach in die Tasten gehauen.

Havoc hat geschrieben:Danke für diese weitreichenden Gedankenausflüge. Mit 'Sleeping Giant' haben wir auf jeden Fall einen gemeinsamen Favoriten. Fand den auch auf Anhieb richtig toll. Habe das Album allerdings bei weitem noch nicht so oft gehört wie du. Einerseits aus Zeitgründen, aber andererseits lege ich auch neue Alben meist nicht gleich zu oft auf. Egal wie gut ich sie finde.


Ich lege da gar nicht mehr so viel Gewichtung rein. Wenn mir ein Album gefällt, dann höre ich es halt. Wenn mich ein Album dazu dann noch so begeistert, dann halt auch in diesem Ausmaß. Klar aus Zeitgründen habe ich das Album auch mal einen Tag nicht gehört, aber meistens steck ich dann wo anders ein um Musik hören zu können.
Die "A Dramatic Turn Of Events" hat mir gezeigt, dass ich mich in richtig guten Fällen da gar nicht satt dran hören kann. Wie gesagt, wenn ein Album in mir was auslöst, dann halt so.

"Sleeping Giant" wächst wohl immer noch bei mir. Das ist wirklich großartig. Könnte wohl auch ne 15/10 sein :grins:
Und Havoc, unbedingt "Answering The Call" noch intensiver hören. Großartiger Songaufbau. Ja, vielleicht typisch. Aber eher typisch Mitte 90er, als späte 00er oder 10er Jahre ;-)
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Re: Dream Theater

Beitragvon Havoc » Freitag 19. November 2021, 22:28

Jakob hat geschrieben:
Nee, geht natürlich nicht. Vor allem nicht ohne Gesang.

Ist natürlich überzogen, klar ;-) Dennoch stimmt das Feeling einfach, dass schafft die neue DT bei mir nicht. Bisher.


Und wie siehst du dazu im Vergleich so die letzte PETRUCCI-Solo Scheibe. Von der bin ich ja wirklich ein großer Freund. Lief letztens erst wieder.
Die bereitet mir nach wie vor extrem viel Spaß! Die LTE 3 habe ich immer noch nicht. Und die neue DT pendelt bei mir weiter zwischen 8,5 und 9
Punkten herum. Das ganz große Feuer kann sie nicht entfachen, aber ich bin trotzdem mehr als zufrieden mit dem Ding.
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Re: Dream Theater

Beitragvon Jakob » Samstag 20. November 2021, 12:19

Havoc hat geschrieben:
Jakob hat geschrieben:
Nee, geht natürlich nicht. Vor allem nicht ohne Gesang.

Ist natürlich überzogen, klar ;-) Dennoch stimmt das Feeling einfach, dass schafft die neue DT bei mir nicht. Bisher.


Und wie siehst du dazu im Vergleich so die letzte PETRUCCI-Solo Scheibe. Von der bin ich ja wirklich ein großer Freund. Lief letztens erst wieder.
Die bereitet mir nach wie vor extrem viel Spaß! Die LTE 3 habe ich immer noch nicht. Und die neue DT pendelt bei mir weiter zwischen 8,5 und 9
Punkten herum. Das ganz große Feuer kann sie nicht entfachen, aber ich bin trotzdem mehr als zufrieden mit dem Ding.

Die Petrucci-Scheibe fand ich auch schon sehr gut, muss ich auch nochmal hören. Auch hier schon habe ich das Zusammenspiel mit Portnoy als sehr nostalgisch-positiv empfunden. Aber es ist halt eine Solo-Scheibe vom Gitarristen, das hört man schon. Ich hätte mir manchmal gewünscht, dass er sich noch weiter vom Rock/Metal wegbewegt, es gibt glaube ich nur einen jazzigeren Song.

Zur neuen DT: Ich habe mir aufgrund Pillamyds Text mal 'Sleeping Giant' angehört, da regt sich irgendwie gar nichts bei mir. Hm...
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Re: Dream Theater

Beitragvon Havoc » Samstag 20. November 2021, 18:25

Ich meinte noch mehr so den Vergleich LTE3 zur Petrucci.
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Re: Dream Theater

Beitragvon Jakob » Samstag 20. November 2021, 20:39

Havoc hat geschrieben:Ich meinte noch mehr so den Vergleich LTE3 zur Petrucci.

Da würde ich der LTE 3 definitiv den Vortritt lassen. Wie geschrieben, die Petrucci ist halt ne Solo-Scheibe eines Gitarristen (im wahrsten Sinne des Wortes :P ) und kommt da auch nicht raus aus dem Korsett. Möchte es ja aber auch nicht und dafür kann man es auch erstaunlich gut hören. Die LTE3 - ist in Prinzip auch ne Solo-Platte, von allen vieren nämlich :grins: - ist ein tolles, unterhaltsames Instrumentalalbum, das durch 3/4 der Mitglieder halt extrem DT-eingefärbt ist, was ja schon bei LTE 1 und 2 der Fall. Wobei mir das Songwriting dieses Mal fast etwas zu "brav" ist, da tönten die Vorgänger etwas experimenteller. Die LTE kann ich auf jeden Fall öfter hören, als die Petrucci.
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