|
|
von Eike » Sonntag 18. April 2021, 14:30
salisbury hat geschrieben:Eike hat geschrieben:Du hast "Mut" auf der Hauptseite sehr gefeiert, meine ich mich zu erinnern.
Ja, und Du hast mich mit dem unglaublichen 'I hold your light' damals angefixt, meine ich mich zu erinnern.
Das klingt nach mir. Toller Song! (Und komplett anders als 'Jesus Fever' oder 'Possession Is The Medicine'. Ja, "Resplendent Grotesque" ist eine Abwechslungs-Wundertüte.)
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von Eike » Montag 19. April 2021, 03:24
123_7 hat geschrieben:Der Post-Punk von BEASTMILK sollte dir eigentlich gefallen.
Hm, nach sprunghaften Reinlauschen in "Climax" ist mein erster Eindruck: Eine schon irgendwie interessante Mischung, aber eher in der Theorie als in der Praxis... Das ist ziemliches THE CULT- & THE MISSION-Epigonentum bzw. vielleicht auch eine Hommage; dazu ein Hauch von Psychobilly- und Surfrock- Einflüsse, eine vage Erinnerung an Stonerdoom, aber alles davon extrem flauschig weichgespült und seltsam aquarellen aufgequollen. Echt nicht schlecht gemacht, in genau dieser Mische vielleicht vorher auch so noch nicht da gewesen, aber nicht wirklich originell, so ein typisches neo-hipsteriges Retroding eben. Ich mag ja eklektische Stilistik, aber es berührt mich in dem Fall wenig, auch wenn es echt sehr hübsch klingt. Vielleicht, weil mich die Originale in jüngeren Jahren einfach weitaus stärker beeindruckt haben, als das diese Light-Variante jemals könnte. Das wäre vermutlich auch damals schon nett rübergekommen aber bereits nach einer Saison nicht mehr so richtig im Ohr gewesen, allenfalls noch nostalgisch. Es wäre bestimmt auch heuer oder in kommenden Jahren ganz willkommene, wirklich nette, momentane, sommerliche Hintergrundmucke, um am sonnigen Strand einige Cocktails zu süffeln, während die Wellen im Watt sanft auslaufen, die Zehen einige Muscheln aus dem Sand freilegen und bei milder Brise so manche hübsche Hintern durch die Augenwinkelwahrnehmung schlendern. Aber im Plattenschrank verfügbar haben muss ich das nicht. Ambientkram wie seinerzeit diese "Café del Mar"-Sampler, eben bloß britisch cool statt spanisch lauwarm angehaucht.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von salisbury » Montag 19. April 2021, 08:01
BEASTMILK ist doch auch McNerney, oder? Das hat mir beim Reinlauschen auch eher am wenigsten gefallen von seinen Projekten. Doch nun liegt gerade "Resplendent Grotesque" vor mir. Aort. Kvohst. Vicotnik. Mjam, mjam, drei ganz wunderbare Freaks. Und sofort blitzt MANES auf, oder LETHE mit Anna Murphy. Nochmal zwei so Freaks. Big love 
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22800
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
von Eike » Freitag 18. Juni 2021, 01:38
Ein neues <CODE>- Album namens "Flyblown Prince" soll im Juli erscheinen. Vorab gibt es daraus bereits ' The Mad White Hair' zu hören. 
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von Eike » Mittwoch 19. März 2025, 19:23
Endlich mal in Stimmung für "Flyblown Prince"!
Der Titeltrack eröffnet gleich mit harscher, leicht chaotischer Raserei, aus der sich aber nach und nach schon erste interessante Muster ausmachen lassen. Es bleibt aber ungestüm, finster und harsch. Als sich dann schließlich ein klassischer Heavy-Metal-Gitarrenlauf aus dem zerstörerischen Gerase erhebt, hat das beinahe etwas Feierliches. Hymnisch oder elegisch? Ambivalent, würde ich sagen. Inhaltlich scheinen wir es hier mit einem wahnhaften Serienmörder-Song zu tun zu haben. Untypische Thematik für die Band, und eigentlich auch für das, womit die späteren Songs aufwarten.
Man wollte wohl den direkten, kompromisslosen Einstieg, um gleich eine Stimmung von Zerfall und Zerstörung, von Endlichkeit und Verfall zu kreieren, ohne Schönung oder Zurückhaltung. Das ist jedenfalls gelungen! Im weiteren Verlauf des Album wird es dann verzweifelter...
'Clemency & Atrophy' kommt schleppender daher, klingt zunächst irgendwie rostig, dann geisterhaft, schließlich verflucht und melancholisch gleichzeitig. Ein Stück, das sich immer wieder neu auftürmt, beinahe wie Postmetal, dabei aber doch in grooviger Schwärze verwurzelt bleibt. Sägende Klargitarrenläufe und texturgekörnte Blackieriffs streiten miteinander, ohne dass eine Seite obsiegt. Spannungsvoll aber zäh ist die Stimmung, sirupartig, bipolar angespannt.
'By the Charred Stile' täuscht im Eröffnungstakt wildes Geballer an, um dann jedoch eher auf verzweifelte Zerrissenheit und einen nahezu klaren Gesang wie fernes Rufen eines Ertrinkenden zu setzen. Die zerklüfteten Akkordlandschaften künden von Klippen und Gischt, um im Bilde zu bleiben, ein tosendes Auf und Ab, ein anschwellendes Wogen und Sturmgebraus, das nie wirklich nachlässt, allenfalls der Stimme ein wenig mehr Raum gibt, durchzogen von schwer pochendem Schlagzeug. Ein erster Höhepunkt.
'Rat King' bringt atmosphärisch einen Modergeruch ein, wie man ihn sonst eher im Death/Doom oder Gothic Metal findet, aber die schwarze Grundierung verleugnet sich keineswegs, frisst sich wie ein Pilz immer wieder rottend an die Oberfläche dieses bis fast zur Unkenntlichkeit nachgedunkelten, rissigen, von Staub durchsetzten, einst wohl mit dickem Pinsel aufgetragen, lovecraftsch diffusen Ölgemäldes. Verfallszerfleckt und bedrückend schummrig. Angemodert und vertrocknet. Rissdurchfurcht. Unheimlich...
'From The Next Room' ist eine ganz klassische <code>-Komposition, die auf jedem Album der Band, zumindest als Bonustrack, einen Platz hätte finden können. Verwaschen, getragen, albtraumverloren, elegisch, monochromatisch, verraucht und vernebelt, mysteriös und irgendwie episch im abwechslungsreichen und doch konsequent sämigen Verlauf.
Insgesamt geht es nach dem eher nach Innen gekehrten Album "Mut" also wieder deutlich schwarzwurzliger zu auf diesem Album, jedoch ohne jemals generischen Einheitsbrei zu servieren. Selbst das bandtypischste Stück 'From The Next Room' bringt in seiner geschickt hineinkomponierten Coda noch einmal eine so bislang noch nicht im <code>-Sound dagewesene Einsamkeit und Traurigkeit ein.
'Dread Stridulate Lodge' kommt dann mit dem vielleicht schwersten Groove daher, den ich von dieser Band je hörte. Dieser schwerfällig getriebene, malmend sich dahinwälzende und eine gletschertiefe Furche hinter sich herziehende Sound ist eine willkommene Neuerung auf "Flyblown Prince", und seine geradlinigere Ausrichtung lockert trotz seiner enormen Heaviness das Album auf und bietet einen späten Anker inmitten der sonst eher progressiv gefärbten Schwarzmalereien.
'Scold's Bridle' ist das blackmetallischste Stück auf "Flyblown Prince". Hier geht es gallig, bitter, verhärmt zu, der Song scheint von konstanter verbaler Erniedrigung als schwelendem Trauma zu künden, einer seelenaushöhlenden schleichenden Vergiftung des Inneren. Im Verlauf des Werkes wird es marschartiger, schleppender, aber auch aufbegehrender gegen die Pein, dennoch bleibt die wütende Stimmung durch eine schwere, niederdrückende Ohnmacht gezeichnet.
'The Mad White Hair' setzt zum Albumende noch ein absolutes Meisterwerk als Schlusstein: Erhaben und stimmungsvoll, progressiv und vielfältig, obsessiv und lyrisch, mehrstimmig, geschickt verwoben, atmosphärisch dicht, und dabei klarer und differenzierter durchkomponiert und tontechnisch ausproduziert als alles hier zuvor Gehörte. Von balladesk bis psychedelisch reicht hier das Stilspektrum, doch natürlich kommen auch die schwarmetallenen Texturen wieder nicht zu kurz. Der Gesang mutet mitunter theatralisch an, dann wieder intim und beschwörend, mal umherirrend und mäandernd, dann wieder manisch getrieben. Das Stück ist unheimlich dynamisch, und zwar sowohl rhythmisch als auch in Tempo und Lautstärke. Äußerst nuanciert wird hier musiziert, von filigran und fragil bis beharrlich und massiv wird hier so einiges an Variation und Widersprüchlichkeit geboten, doch niemals reißt der kompositorische Fluss ab, stets bleibt es EINE konsequente musikalische Erzählung. Solch einen Longtrack gab es von dieser Band noch nicht!
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
Zurück zu Thrash / Death / Black Metal
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.117s | 11 Queries | GZIP : Off
|
|