Rüdiger Stehle hat geschrieben:[U]nabhängig von politischen und sonstigen Erwägungen, finde ich - und das habe ich sicher schon öfters gesagt - es immer besonders reizvoll, sich mit der Kunst extremer Persönlichkeiten zu befassen, da ihre Wirkkraft einfach eine besondere ist. Das mag Einbildung sein oder nicht, aber ich habe es für mich oft so erlebt, dass die Musik von Menschen, die wirklich ideologisch in der Welt leben, die sie besingen, eine ganz besondere Intensität hat. Ist ja auch irgendwo nachvollziehbar, dass die Inbrunst bei der Lyrik und der Musik eine andere ist, wenn jemand an das glaubt, was er tut, als wenn jemand nur mit gruseligen Geschichten unterhalten und den Bösen spielen will. Das ist natürlich keine moralische Rechtfertigung für das, was diese Menschen neben der Musik tun, aber es ist in einem Genie-und-Wahnsinn-Kontext eben dennoch oft kreativ sehr fruchtbarer Boden, der durch den Wahn oder quasi-religiösen Eifer bereitet wird.
Persönlich habe ich genug kritische Distanz zu solchen Künstlern, dass ich diesen Blick in den Abgrund durchaus genießen kann, aber die Gefahr, die für leicht beeinflussbare Menschen hierin liegt, ist mir schon bewusst.
Eike hat geschrieben:Geht mir bei G. G. ALLIN so. Das meiste, was er so abgeliefert hat, ist für mich musikalisch ziemlicher Rotz oder allenfalls halt Kaputtnik-Standard-Kost, und doch brachte er da eine gewisse Intensität rein, die eher selten ist. Und seine Coverversion von WARREN ZEVONs 'Carmelita' bringt bei mir dann was zum Klingen, das sicherlich von seinem Lebensstil miterfüllt wurde und was niemand anders so hätte darbieten können. Eine eigene Facette, die unersetzlich und nicht nur trotz sondern auch wegen der mitschwingenden, durchdringenden Kaputtheit besonders schön ist. Obwohl WARREN ZEVON als Komponist, Musiker, Sänger, Texter weitaus begabter, bemühter und dabei als Künstler/Interpret sicherlich um keinen Grad weniger authentisch war als G. G. ALLIN - aber eben einfach abgeklärter, selbstreflektierter. Das sorgte für eine andere Art der Intensität. Rein qualitativ; also weder quantitativ, noch irgendwie wertig besser oder schlechter, sondern schlicht und einfach wesensartig anders.
Verdammt zum Leben...