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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 30. Januar 2020, 01:33
Drumtier hat geschrieben:Hmm, also ich weiß jetzt auch nicht, ob mir hier ein paar Metaebenen entgangen sind, aber das "chill" bezieht sich ja wohl eher nicht auf Schüttelfrost. Die Parallelen zu "Netflix and chill" sind offensichtlich und so sollte wohl auch der Titel gedeutet werden. Ob gut oder schlecht, sei hier nicht bewertet, "chill" ist jedenfalls im Englischen und Deutschen auch ein Verb ^^
Natürlich ist "to chill" ein Verb und "chill" kann hier technisch betrachtet natürlich als Verb gemeint sein. Wäre es allerdings in dieser Wendung ein Verb, dann kann man die Verknüpfung des Substantivs "apocalypse" und des Verbums "to chill" mittels der Konjunktion "and" als durchaus holprig und unrund empfinden, weshalb ich im Wege der meistbegünstigenden Auslegung zu Gunsten des Titelgebers annehmen wollte, dass beides Substantive sind, da mir zudem das Verb "to apocalypse" noch nicht untergekommen ist. Eine Titelkonstruktion aus Substantiv + und + Verb klingt für mich sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch komplett beschissen. "Krieg und töte", "Schnitzel und iss", "Hase und hüpf", "war and kill", "steak and eat", "hare and jump"... "apocalypse and chill". Daher habe ich eine substantivische Lösung für "chill" gesucht und Schüttelfrost recht ulkig gefunden. Eine apokalyptische Perspektive kann einen ja schon zum Schaudern bringen. An eine prädikative Verwendung von "apocalypse" wollte ich nicht denken. Ich apokalypse, du chillst? Während ich apokalypse? Der Wahnsinn... Ach ja, "Netflix and chill" habe ich noch nie gehört, obwohl ich viel Netflix schaue. Der Slogan macht mich indes auch Schaudern. Ich sollte mein Abo kündigen. Aber da kommt zu viel Star Trek als dass man darauf verzichten möchte.
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von Eike » Donnerstag 30. Januar 2020, 11:35
Apocalypse and chill ist echt schief. Grammatikalisch kann man im Englischen jedes Nomen schlicht durch Kontext und Wortstellung als Verb gebrauchen, und (Let's) netflix and chill ergibt durchaus einen Sinn. Apocalypse als Verb ist semantisch absurd, aber vielleicht ist gerade das intendiert; was soll es bedeuten, lass uns die Apocalypse starten und gleichzeitig auch gleich durchziehen und beenden? Warum? Bloß, weil wir es können, und niemand sonst? Weil wir so mächtig sind, dass wir den ganzen Prozess mit einem Fingerschnippen in einem Ruck erledigen können? Seht her und erzittert, wir machen sogar aus der Apokalypse ein Verb? Aber da passt chill halt kaum rein. Außer man beendete die Welt durch Permafrost, wie es Robert Frost angesichts der Herzen der Menschen in einem Gedicht einst als (spiegelstrafen-)bildlich durchaus für angemessen erachtete. Also aus der Gottperspektive (oder auf Koks) mag das passen: Let's apocalyspe and chill. Bei Marvel bestand Thanos' Plan für nach der (halben) Apocalypse ja auch lediglich aus Sonnenuntergang betrachten. Das hätte ich aber eher als MONSTERMAGNET-Songtitel erwartet. Hm... 
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von salisbury » Donnerstag 30. Januar 2020, 14:07
Ich find das großartig, wie dieser simple Albentitel hier intellektuell auseinanderdiskutiert wird  . Ich fand ihn nach drei Sekunden cool und super passend in die aktuelle Zeit. Dazu dann das Cover. Simpel and irgendwie cool. 
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 30. Januar 2020, 14:32
Eike hat geschrieben:Apocalypse and chill ist echt schief. Grammatikalisch kann man im Englischen jedes Nomen schlicht durch Kontext und Wortstellung als Verb gebrauchen, und (Let's) netflix and chill ergibt durchaus einen Sinn. Apocalypse als Verb ist semantisch absurd, aber vielleicht ist gerade das intendiert; was soll es bedeuten, lass uns die Apocalypse starten und gleichzeitig auch gleich durchziehen und beenden? Warum? Bloß, weil wir es können, und niemand sonst? Weil wir so mächtig sind, dass wir den ganzen Prozess mit einem Fingerschnippen in einem Ruck erledigen können? Seht her und erzittert, wir machen sogar aus der Apokalypse ein Verb? Aber da passt chill halt kaum rein. Außer man beendete die Welt durch Permafrost, wie es Robert Frost angesichts der Herzen der Menschen in einem Gedicht einst als (spiegelstrafen-)bildlich durchaus für angemessen erachtete. Also aus der Gottperspektive (oder auf Koks) mag das passen: Let's apocalyspe and chill. Bei Marvel bestand Thanos' Plan für nach der (halben) Apocalypse ja auch lediglich aus Sonnenuntergang betrachten. Das hätte ich aber eher als MONSTERMAGNET-Songtitel erwartet. Hm... 
Ja, ich weiß schon, dass man im Englischen sehr gerne das Gegenteil von dem macht, was wir in Deutschland tun. Wir substantivieren gerne Verben mit -ung oder ählichem, die Engländer machen gerne Verben aus Substantiven. Daher kommen dann auch solche Abscheulichkeiten wie "Let's netflix!". Klar ist das grammatikalisch korrekt. Kann man auf Deutsch ja durchaus auch tun, wenn man halt entsprechende Flexionsformen bildet, "Auf, lass uns netflixen!"; wird ja auch gemacht, mit z.B. "smsen", "stiefeln", "darten" etc... Stilistisch finde ich es dennoch sehr holprig, wenn eine Aufzählung wie hier oder beim Netflix-Slogan solche ungleichen Wortpaare bildet, da - auch wenn es der Anbieter gerne hätte - "neflixen" bzw. "to netflix" eben doch keine etablierte Verbbildung aus einem Nomen ist.
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von Drumtier » Donnerstag 30. Januar 2020, 19:29
salisbury hat geschrieben:Ich find das großartig, wie dieser simple Albentitel hier intellektuell auseinanderdiskutiert wird  . Ich fand ihn nach drei Sekunden cool und super passend in die aktuelle Zeit. Dazu dann das Cover. Simpel and irgendwie cool. 
Ich fand ihn ehrlich gesagt nicht so besonders, aber je länger alte Männer (sorry, bin auch seit kurzem 30, ich darf das  ) ohne Kenntnis diverser Internetphänomene über diesen Titel diskutieren, desto besser. Ich denke übrigens, dass der Titel auch durchaus eine (Anti-)Greta-Ebene enthält, als Ergänzung zu Netflix schauen und chillen (oder eben mehr) ist ja der Klimawandel, also die Apokalypse sowieso nicht aufzuhalten und kann genauso gut für entspannen genützt werden. Aber mehr will ich gar nicht mehr dazu sagen, ist so schon surreal genug 
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von salisbury » Donnerstag 30. Januar 2020, 19:59
Drumtier hat geschrieben: Ich denke übrigens, dass der Titel auch durchaus eine (Anti-)Greta-Ebene enthält, als Ergänzung zu Netflix schauen und chillen (oder eben mehr) ist ja der Klimawandel, also die Apokalypse sowieso nicht aufzuhalten und kann genauso gut für entspannen genützt werden.
Muss gar nicht unbedingt Anti-Greta sein sondern einfach nur ne zynische Beschreibung dazu, wie die Welt größtenteils zu Gretas Agenda steht. Hand aufs Herz, wer hier tut wirklich aktiv irgendwas gegen die scheinbar drohende (Klima)-"Apocalypse"? Greta applaudieren und ein bischen Müll trennen zählt da nicht. Die allermeisten (mich eingeschlossen) verhalten sich doch im übertragenen Sinne eher wie die Dame auf dem Cover. Einige glauben gar, das sei eh alles Quatsch. Ich will aber keinesfalls politisch werden hier, sonder nur so die unmittelbaren Gedanken, wiedergeben, an was ich bei dem Titel denke und warum ich ihn sehr gut (im Sinne von treffend) finde. Die sprachlich/grammatikalische Ebene ist mir dabei völlig bums. Der Titel knallt rein und greift einfach, wie ein Werbeslogan.
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von Havoc » Donnerstag 30. Januar 2020, 22:08
Interview-Auszug aus dem RockHard... RH: Charlotte, eure Platte heißt "Apocalypse & Cill" - eine interessante Namenswahl.
Charlotte: Sie lacht: Die Reaktionen, die wir auf die Ankündigung erhalten haben, waren ziemlich gemischt. Einige Leute dachten im ersten Moment, dass der Titel ein Scherz sei. Ist er nicht, wir meinen das schon ernst. Viele der Stücke auf der Platte beschäftigen sich mit dem steten Unheil, das über unserer Welt schwebt. Natürlich schwingt in der Namensgebung aber auch ein ironischer Unterton mit. Ich bin jedenfalls froh, dass sich die Leute überhaupt darüber unterhalten.
Des Weiteren bestätigt sie indirekt, dass sich der Titel an "Netflix & Chill" anlehnt. 
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von Eike » Donnerstag 30. Januar 2020, 23:23
Also, das Artwork ist echt mal cool.
Bei der Spiegelung des Feuers in der Sonnenbrille fällt mir unergründbarerweise gleich die ähnliche Spiegelung im Lack der schwarzen Limousine im Video zu 'Symphony of Destruction' von MEGADETH ein.
Eigentlich mag ich Cover mit CGI gar nicht. Aber durch den Kontrast zur 1950er/1960er Posterschönheit kommt diese um so besser zur surrealen Geltung.
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von Jhonny » Donnerstag 30. Januar 2020, 23:39
Eike hat geschrieben:Also, das Artwork ist echt mal cool.
Sehe ich genauso. Und eure Diskussion um die Grammatik des Titels amüsiert mich - und sorgt dafür, dass die Band bekannt ist. Aus ihrer Sicht - alles richtig gemacht.
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von Chavo89 » Freitag 31. Januar 2020, 07:47
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