Ich habe das Album nun ein paar mal angehört. Ich finde es einfach toll. Den einzigen Kritikpunkt den ich wenn überhaupt anbringen kann ist, dass mir vielleicht ein paar Hörspielsamples zu viel drauf sind. Das Orchester, die Songs und Hansis Vocals sind einfach so toll, dass man meistens eher froh ist, wenn die Sprecherparts vorüber sind. Sie stören nicht direkt, aber die echten Songs sind halt noch viel toller....
Raphael Paebst hat geschrieben:1. Die Produktion ist suboptimal. Es ist natürlich nicht leicht, ein komplettes Orchester aufzunehmen, hier hat man es aber geschafft, dieses künstlicher und ärmer and Dynamik klingen zu lassen, als das so manche Samples heute hinkriegen. Ist halt schade, wenn man den Aufriss macht, ein echtes Orchester zu bezahlen und das dann völlig kraft- und lustlos klingt.
Ich bin sicher kein Orchesterexperte, aber in meinen Ohren klingt das überhaupt gar nicht so. Ich höre hier eine Dynamik wie ich sie selten oder noch nie auf einem Metal/Rock Album gehört habe. Finde das wundervoll vom Sound her. Kraft- und lustlos? Nee. Empfinde ich komplett gegenteilig.
2. Es tut Hansis Stimme gut, wenn er nicht gegen 200 Gitarrenspuren ansingen muss. Auf "Legacy of the Dark Lands" singt er variabler als in den letzten Jahren oder überhaupt und man hört die verschiedenen Facetten der Stimme gut raus. Hilft natürlich nicht, wenn man wie Holg die Stimme grundsätzlich unhörbar findet.
Sehe ich genauso. Hansi singt super. Auch wegen ihm ist das Album richtig toll geworden.
3. Die Kompositionen sind leider im Prinzip Popsongs (wenn wir Metal mal als Popmusik ansehen) und nutzen somit die Möglichkeiten des Orchesters und der Orchestermusik (ich will jetzt mal nicht Klassik sagen, weil das halt was anderes ist) nicht aus. Das schlägt sich in den Songstrukturen oftmals sehr deutlich nieder und hier und da denkt man, es fehlen schlicht die Metalband, um das ganze zu nem ordentlichen Song zu machen. Schade, hier werden die Potentiale des Orchesters einfach nicht ausgenutzt.
Wie gesagt. Von Klassik habe ich wenig bis gar keine Ahnung. Vielleicht sollte ich mir da aber auch mal was kaufen. Aber diese dargebotenen sehr unterschiedlichen und teils sehr kreativen Songs (man höre nur "In The Red Dwarfs Tower") als Popsongs zu bezeichnen finde ich einfach total unpassend. Selbst im Metalbereich. Das ist doch hier kein einfaches Material. Kann ich wie Punkt 1 überhaupt nicht verstehen.
4. Die Orchestrierung ist ebenfalls ok aber nicht überragend. Es gibt ja Gründe, warum eine Band wie Nightwish sich einen Profi leistet, um die Songs zu orchestrieren, so ne Partitur schreibt man halt nicht einfach so, das ist ein eigenes Studium. Blind Guardian machen das solide, aber oftmals wird dann halt doch einfach nur von ner Streichermasse das gespielt, was normalerweise die Gitarren spielen würden.
Von Partituren habe ich keine Ahnung. Kann gut sein, dass das ein studierter Klassikmusiker als stümperhaft empfindet. Aber soweit ich weiß waren hier doch auch Kenner mit am Werk oder? Das wurde nicht alles in Eigenregie gemacht. Wie dem auch sei. Ich mag es total. Sogar die Instrumentalversion des Albums ist geil.
5. Es gibt ein Fantasy-Textkonzept, ist klar. Zum genauen Inhalt kann ich noch nicht viel sagen, es gibt enen Roman von Markus Heitz, der die Vorgeschichte erzählt, es geht um denDreißigjährigen Krieg, Dämonen, eine andere Welt und wenigstens bei Heitz spielt die Tochter von Solomon Kane (autsch!!!) eine Rolle. Blind Guardian bleiben sich hier treu, indem sie auf dem DSA- und Billigfantasylevel bleiben, das Konzept und die teils eher unglücklich gereimten Texte heben das Album definitiv nicht auf ein höheres Level.
Auf Texte lege ich ja seit jeher nicht so viel Wert. Aber ich denke schon, dass du hier Recht haben könntest. Vor allem auch das Artwork sieht mir zu sehr nach Computerspiel aus. Ähnlich wie bei DTs "The Astonishing". Für ein Werk, dass nun 25 gereift ist hätte ich mir hier schon noch etwas mehr bzw. etwas imposanteres erhofft. Wobei ich das Coverbild ganz ok finde.
Fazit: Ist schon irgendwie ok, Euphorie will nicht aufkommen und Blind Guardian machen das, was sie in letzter Zeit so oft machen: Sie haben riesige Ansprüche, die sie entsprechend kommunizieren und dann doch eher hausbacken umsetzen, vermutlich, weil einfach nicht mehr drin ist. Das war halt alles irgendwie sympathischer, als Anspruch und Wirklichkeit noch zusammengepasst haben, wie zuletzt auf "Nightfall In Middle-Earth".
An die alten Klassiker mag man nicht rankommen. Aber das kann man auch hiermit kaum vergleichen. Ich finde das Teil jedenfalls vom Klang und Sound her einfach phantastisch. Auch die Songs mit Orchester auf den letzten Alben fand ich schon toll. Ich finde Orchester und Blind Guardian passen einfach super zusammen. Und ich meine herauszuhören wie viel Arbeit und Detailverliebtheit hier drin steckt. "Hausbacken umsetzen"? Nee. Das klingt doch Null nach einem Werk, dass mal grad eben so lieblos zusammengeschustert wurde. Und das Ding wächst noch enorm weiter. Ich bin mehr als zufrieden. Dazu sei noch erwähnt, dass ich kein BG-Fanboy bin. Erst ab dem Jahre 2010 habe ich mir ja die Alben nachgekauft. Von daher. Alles gut. Wir scheinen das Ding nur wirklich extrem verschieden wahrzunehmen.
