Blind Guardian

Re: Blind Guardian

Beitragvon Erasmus » Sonntag 10. November 2019, 15:22

So, hab das Ding jetzt einmal gehört, somit ist das alles sehr vorläufig. Folgende Dinge fallen auf:

1. Die Produktion ist suboptimal. Es ist natürlich nicht leicht, ein komplettes Orchester aufzunehmen, hier hat man es aber geschafft, dieses künstlicher und ärmer and Dynamik klingen zu lassen, als das so manche Samples heute hinkriegen. Ist halt schade, wenn man den Aufriss macht, ein echtes Orchester zu bezahlen und das dann völlig kraft- und lustlos klingt.
2. Es tut Hansis Stimme gut, wenn er nicht gegen 200 Gitarrenspuren ansingen muss. Auf "Legacy of the Dark Lands" singt er variabler als in den letzten Jahren oder überhaupt und man hört die verschiedenen Facetten der Stimme gut raus. Hilft natürlich nicht, wenn man wie Holg die Stimme grundsätzlich unhörbar findet.
3. Die Kompositionen sind leider im Prinzip Popsongs (wenn wir Metal mal als Popmusik ansehen) und nutzen somit die Möglichkeiten des Orchesters und der Orchestermusik (ich will jetzt mal nicht Klassik sagen, weil das halt was anderes ist) nicht aus. Das schlägt sich in den Songstrukturen oftmals sehr deutlich nieder und hier und da denkt man, es fehlen schlicht die Metalband, um das ganze zu nem ordentlichen Song zu machen. Schade, hier werden die Potentiale des Orchesters einfach nicht ausgenutzt.
4. Die Orchestrierung ist ebenfalls ok aber nicht überragend. Es gibt ja Gründe, warum eine Band wie Nightwish sich einen Profi leistet, um die Songs zu orchestrieren, so ne Partitur schreibt man halt nicht einfach so, das ist ein eigenes Studium. Blind Guardian machen das solide, aber oftmals wird dann halt doch einfach nur von ner Streichermasse das gespielt, was normalerweise die Gitarren spielen würden.
5. Es gibt ein Fantasy-Textkonzept, ist klar. Zum genauen Inhalt kann ich noch nicht viel sagen, es gibt enen Roman von Markus Heitz, der die Vorgeschichte erzählt, es geht um denDreißigjährigen Krieg, Dämonen, eine andere Welt und wenigstens bei Heitz spielt die Tochter von Solomon Kane (autsch!!!) eine Rolle. Blind Guardian bleiben sich hier treu, indem sie auf dem DSA- und Billigfantasylevel bleiben, das Konzept und die teils eher unglücklich gereimten Texte heben das Album definitiv nicht auf ein höheres Level.

Fazit: Ist schon irgendwie ok, Euphorie will nicht aufkommen und Blind Guardian machen das, was sie in letzter Zeit so oft machen: Sie haben riesige Ansprüche, die sie entsprechend kommunizieren und dann doch eher hausbacken umsetzen, vermutlich, weil einfach nicht mehr drin ist. Das war halt alles irgendwie sympathischer, als Anspruch und Wirklichkeit noch zusammengepasst haben, wie zuletzt auf "Nightfall In Middle-Earth".


Danke, Raphael, für diesen informativen und sehr unterhaltsamen Eindruck. Ich werd mir das Album wohl doch demnächst holen. Ob ich das Buch dazu lese... da bin ich sehr skeptisch. ^.-
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Havoc » Montag 11. November 2019, 23:38

Raphael Paebst hat geschrieben:So, hab das Ding jetzt einmal gehört, somit ist das alles sehr vorläufig.


Für ein solches Werk allerdings mehr als extrem vorläufig. ;-)
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Raphael Paebst » Montag 11. November 2019, 23:58

Havoc hat geschrieben:
Raphael Paebst hat geschrieben:So, hab das Ding jetzt einmal gehört, somit ist das alles sehr vorläufig.


Für ein solches Werk allerdings mehr als extrem vorläufig. ;-)

Bisher hat sich wenig an meiner Einschätzung geändert. Für die folgende Zeile aus einem der Hörspielstücke gibt's nochmal Abzüge in der B-Note: "That being that had taken shape was dressed in white, mounted on a white horse - a white horseman", selbst im Grundkurs Logik waren die Beispiele damals besser.
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Havoc » Dienstag 12. November 2019, 20:33

Für die folgende Zeile aus einem der Hörspielstücke gibt's nochmal Abzüge in der B-Note: "That being that had taken shape was dressed in white, mounted on a white horse - a white horseman", selbst im Grundkurs Logik waren die Beispiele damals besser.


Wie würdest du es formulieren?

Habe das Album jetzt auch...mal sehn. ;-)
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Raphael Paebst » Mittwoch 13. November 2019, 10:52

Havoc hat geschrieben:
Für die folgende Zeile aus einem der Hörspielstücke gibt's nochmal Abzüge in der B-Note: "That being that had taken shape was dressed in white, mounted on a white horse - a white horseman", selbst im Grundkurs Logik waren die Beispiele damals besser.


Wie würdest du es formulieren?

Habe das Album jetzt auch...mal sehn. ;-)

Gar nicht. :grins: Im Ernst, ich würde einfach den ersten Teil weglassen und direkt nur was a white horseman (oder white rider, wenn ich nicht Angst hätte, von Tolkien Enterprises verklagt zu werden) schreiben. Es ist halt sehr unbeholfen, wie viele der Sprechparts.
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Feamorn » Mittwoch 13. November 2019, 11:00

Ich war/bin ja eigentlich riesiger Blind Guardian Fan, ich erinnere mich auch noch, wie ich mich bei den ersten Ankündigungen damals, dass man gerne ein Orchesteralbum auf die Beine stellen würde, gefreut habe... Aber irgendwie ist seitdem viel Wasser den Rhein hinunter geflossen, bei mir wie im Hause Blind Guardian viel passiert und irgendwie geht mein Interesse an der Platte gegen Null. Ich hatte bei YouTube mal kurz in ein Stück rein gehört und war irgendwie auch so ganz und gar nicht angetan. Natürlich ist das gerade bei so einem Werk ziemlich sicher kein guter Gradmesser, aber im Moment ist die Luft total raus bei mir. Das Einzige, worauf ich mich bei BG zur Zeit wirklich freuen würde, ist eine weitere Tour, denn die Live-Auftritte sind stets tolle Erfahrungen und da möchte ich auch in Zukunft so viele mitnehmen, wie ich kann.

Dabei hatte mir das letzte Album ja tatsächlich wieder deutlich besser gefallen, als der Vorgänger, der mich nahezu völlig verloren und kalt gelassen hatte. Privat lege ich trotzdem fast Ausschließlich NIME, ATTWS (ich glaube tatsächlich, dass das mittlerweile mein meist gehörter Song der Krefelder sein könnte, dabei habe ich auch mit dem damals zu Beginn noch gefremdelt) und ab und zu die Frühwerke auf.

Warum schreibe ich eigentlich soviel, obwohl ich das neue Werk noch gar nicht gehört habe?
Ich glaube, das ist immer dieses Probleme mit eingerosteter Liebe, oder so... Ein Bisschen Wehleid sei mir hoffentlich gegönnt. *seufzt* ;)
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Re: Blind Guardian

Beitragvon CaptainMorgan » Donnerstag 14. November 2019, 00:47

Also, ich find's geil.
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 14. November 2019, 12:25

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Re: Blind Guardian

Beitragvon Feamorn » Donnerstag 14. November 2019, 12:34



Da steht am Ende bei der D&W-Erwähnung Kai Hansen statt Hansi Kürsch. ;)
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Re: Blind Guardian

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 14. November 2019, 13:16

Ist schon repariert. Danke!


(Wir wollten nur testen, wer bis zum Ende liest.)
;-)
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