Tool

Re: Tool

Beitragvon hellknulf616 » Mittwoch 2. Oktober 2019, 08:52

Nils Macher hat geschrieben:Da sträubt sich ungefähr alles in mir. Die Diskussion hatten wir an irgendeiner Stelle schonmal, aber im Prinzip geht es doch darum, dass hier nicht das eigentliche Kunstwerk (wie bei einem Gemälde, das nur einmal existiert) verkauft wird, sondern im Prinzip eine Lizenz zum Konsum. Und das ist mir auch im Fall von TOOL den Preis beim besten Willen nicht wert.


Hatten wir sicher schon mal. "Kunst vs. Konsumgut" ist ja ein ewiges Thema und ich denke, dass hier auch der Diskussionsfaden "ich kauf mir 1000 Platten für 2,50€, damit ich sie habe" (leicht übertrieben!) in Reichweite ist. ;-)

Ich hab mir darüber gestern noch Gedanken gemacht und würde kurz gesagt auch ne 150€ CD von Tool gegenüber jedweder Kritik verteidigen - weil eben ausschließlich Tool die Entscheidung darüber zusteht, zu welchen Konditionen sie ihre Kunst verkaufen.

Gleiches gilt für die Form: Diese Lizenz, die dir offenbar wichtig ist, kostet genau 10,99€. Du hast dafür Zugriff auf das komplette musikalische Werk ohne Gimmicks - kannst du konsumieren bis der Arzt kommt. Wenn, ja wenn du es im Jahr 2019 schaffst, die digitale VÖ als legitime VÖ-Variante für eine vom Trägermedium komplett unabhängige Kunstform zu akzeptieren. ;)
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Re: Tool

Beitragvon frankjaeger » Mittwoch 2. Oktober 2019, 09:10

Physischer Tonträher bedeutet auch ein physisches Booklet, das für mich bei einem solchen Werk unabdingbar dazu gehört. Digital ist also so, also ob du die "Mona Lisa" betrachten darfst, aber nur durch zwei Schlitze, durch die man nicht das gesamte Bild sehen kann. Du kommst nicht in den kompletten Genuss der Kunst.
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Re: Tool

Beitragvon Nils Macher » Mittwoch 2. Oktober 2019, 09:27

hellknulf616 hat geschrieben:Ich hab mir darüber gestern noch Gedanken gemacht und würde kurz gesagt auch ne 150€ CD von Tool gegenüber jedweder Kritik verteidigen - weil eben ausschließlich Tool die Entscheidung darüber zusteht, zu welchen Konditionen sie ihre Kunst verkaufen.




Ich muss mir ein wenig auf die Finger hauen, um bei dem Thema nicht auf die Metaebene abzudriften und die soziologische Debatte Kunst vs. Unterhaltung aufzumachen. Natürlich darf eine Band das. Aber ich als Konsument darf das ebenso kritisieren und sagen, dass es Abzocke ist. Ich würde mir wünschen, dass das jeder Mensch so sieht und eine Band, die ihre Fans so dreist am Nasenring durch die Manege führt, nicht einen einzigen Tonträger davon verkauft. Wir sprechen uns zu dem Thema wieder, wenn die Jewelcase-Version zum Midprice in den Regalen steht.

hellknulf616 hat geschrieben:Gleiches gilt für die Form: Diese Lizenz, die dir offenbar wichtig ist, kostet genau 10,99€. Du hast dafür Zugriff auf das komplette musikalische Werk ohne Gimmicks - kannst du konsumieren bis der Arzt kommt. Wenn, ja wenn du es im Jahr 2019 schaffst, die digitale VÖ als legitime VÖ-Variante für eine vom Trägermedium komplett unabhängige Kunstform zu akzeptieren. ;)


Ich habe meine Definition nicht vom Trägermedium abhängig gemacht, sondern von der Tatsache, dass ein Tonträger eben nicht das "Kunstwerk" an sich darstellen kann. Insofern bestimmt also die Band mit dem VK nicht über den Wert ihrer Kunst, sondern über die Marge des Trägermediums.

Interessant ist in diesem Kontext ürbigens "Once Upon a Time in Shaolin" vom WU TANG CLAN, wo es nur eine einzige CD gibt.
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Re: Tool

Beitragvon hellknulf616 » Mittwoch 2. Oktober 2019, 09:39

An die Scheibe hab ich gestern auch gedacht. Die gab's doch sogar nur als USB-Stick, oder?

Edit: Nee, offenbar ne Doppel- CD.

Was deine Wünsche betrifft, sind die natürlich nachvollziehbar. Nur gibt es mE eben null legitimen Anspruch eines Publikums gegenüber einem Künstler. Schimpfen und mit Liebesentzug drohen kann man aber 24/7, das stimmt.

@Frank

Dann häng dir 'ne gute Kopie der Mona Lisa in dein Zimmer, wo du sie immer siehst. ;-)

Große Kunstwerke haben im Kern mE nichts mit der Verfügbarkeit des Originals zu tun - die ist ausschließlich markt- und statusrelevant. Beethovens Neunte, Metropolis, Faust, der Kuss - nichts davon leidet in seinem künstlerischen Ausdruck, weil du nicht das Original besitzt. Von Beethoven kannst du nicht mal ein Original besitzen, weil Musik vor ein paar hundert Jahren nun mal keine Wahl hinsichtlich des Trägermediums hatte. Ist die deswegen jetzt zweitklassig?

Das scheinen mir einfach zwei verschiedene Stränge von Kunstverständnis zu sein.
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Re: Tool

Beitragvon frankjaeger » Mittwoch 2. Oktober 2019, 12:05

Ich habe nie von einem Original geredet. Ich weiß nicht, worauf du Bezug nimmst, aber sicher nicht auf meine Aussage.
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Re: Tool

Beitragvon hellknulf616 » Mittwoch 2. Oktober 2019, 13:13

Aber klar doch - ich hab nur aufgrund deiner Aussage gegoogelt, ob die Lyrics der Scheibe online sind. Und siehe da, sie sind es. Also hast du für 10,99€ (DL) + Kleingeld für die Ausdrucke alles, was Tools neues Album ausmacht. Die günstige Mona Lisa quasi. ;-)

Edit: Das wird dich nicht überzeugen, das ist mir klar. Aber so einfach wollte ich dich nicht davonkommen lassen.
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Re: Tool

Beitragvon Peter Kubaschk » Mittwoch 2. Oktober 2019, 13:33

hellknulf616 hat geschrieben:hast du für 10,99€ (DL) + Kleingeld für die Ausdrucke alles, was Tools neues Album ausmacht.


Da würde dir der Künstler ganz sicher widersprechen.
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Re: Tool

Beitragvon hellknulf616 » Mittwoch 2. Oktober 2019, 15:32

Das wissen wir nicht - deswegen drehen wir uns hier nach meinem kleinen Einwurf so lustig im Kreis und wirken bisweilen etwas angefasst. Oder trollig, zumindest komm ich mir in manchen Momenten so vor... :grins:

Die Premiumversion ist der DL sicher nicht, da gebe ich dir und deinen Vorrednern vollkommen recht (selbiges trifft dann entlang dieser Argumentation auch auf die potenzielle Standard-CD zu). Aber da es ihn nun mal gibt, scheint er mir eine autorisierte und - durch Reduktion aufs Wesentliche, die Musik - erschwingliche Form dessen zu sein, was Tool der Welt geben wollen.

Ich sehe (im Gegensatz zu anderen Schreibern hier) einfach keinen Grund, warum man der Band aus der vergleichsweise teuren Alternativausgabe einen Vorwurf stricken sollte. Man könnte stattdessen ja auch die Digitalvariante als zeitgemäße reguläre Edition betrachten.
Das Problem scheint mir eher zu sein, dass digitale Ausgaben nicht als Ausgaben, sondern bestenfalls als (vorzugsweise kostenfreie) Zugaben zu vermeintlich "echteren" Waren wahrgenommen werden. Kostet ja nix, is ja virtuell oder so.
Ein hausgemachtes Problem der Musikindustrie, keine Frage, aber man kann ja auch als Konsument mal drüber nachdenken, wo man die Kunst an sich wertmässig verortet, wenn man alles jenseits der Materialkosten ausschließlich als Marge und/oder Gewinn betrachtet. Und nicht bspw zunächst als verdienten Lohn für den künstlerischen Akt und alle damit verbundenen Aspekte.

Anyway, ich werde mich zugunsten der Forenfriedfertigkeit mal lieber ausklinken. Ich will hier niemanden angreifen oder bekehren, aber es ist halt echt manchmal schwer, in diesem seltsamen Netz aus Sammelleidenschaft, Idealisierung und blanker, hässlicher Kosten-Nutzen-Ökonomie den Durchblick zu behalten.
Wir wollen nur die beste Kunst, wir wollen bewegende, lebensverändernde, wegweisende und manchmal auch nur unterhaltsame Kunst, aber sie mussmussmuss als Standardversion auf CD kommen und sollte bestenfalls 14,99€ kosten. Mit Downloadcode, damit ich die CD im Schuber lassen kann. Das klingt doch irgendwie falsch, oder?

:bier:
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Re: Tool

Beitragvon frankjaeger » Mittwoch 2. Oktober 2019, 18:59

Letzteres klingt definitiv falsch.

Bei TOOL hat das Booklet hoffentlich mehr zu bieten als Texte, aber du hast natürlich dahingehend recht, dass ein heruntergeladenes Booklet dann schon der Mona Lisa-Kopie entspricht. Download ist für mich zwar, als ob ich die Mona Lisa-Kopie erst immer vom Dachboden aus der hintersten Ecke kramen müsste, was ich dann halt doch nicht mache, aber in der Tat, ich hätte die Möglichkeit. Downloads höre ich aber nur, wenn ich am Computer sitze und nie, wenn ich bewusst und in Ruhe Musik hören will.
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Re: Tool

Beitragvon Eike » Donnerstag 17. Oktober 2019, 21:23

Während der Rest der Welt sich uneins zu sein scheint, ob sie hoffentlich hörenswerte neue Musik hören oder doch lieber Walter Benjamins tatsächlich lesenswerten essay "Über das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit" in einer Grundsatzdiskussion über Kunstrezeption ausblenden will, ...

... da frage ich mich ganz solipsistisch, wie depressiv oder jaded oder musikuninteressiert ausgerechnet jemand wie ich eigentlich werden konnte, dass er immer noch nicht einen Ton des neuen TOOL-Albums gehört hat, das gefühlt seit der letzten Eiszeit einmal brennend erwartet wurde.

Vielleicht sollte ich doch wenigstens eine Rezension lesen, wenn mir das Forum schon keinen Einblick liefert, wie die Musik hier ankommt.
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