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von Rüdiger Stehle » Freitag 28. Juni 2019, 23:29
Drumtier hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mir ist das mit dem Bombast, den Keyboard, den Chören einfach viel zu dick aufgetragen inzwischen. Die Gitarre ist fast nur Rhythmusinstrument, die Stimme ist sehr monoton, das heißt, dass die Melodie im Endeffekt komplett vom Keyboard getragen wird, und das ist dann der Punkt, wo es sich für mich nicht mehr wirklich in meinen Metalkosmos einfügt, wenn nicht mehr Stimme und Gitarre die Melodie tragen, sondern stattdessen das Keyboard und der Orchester-Bombast.
Ich werde immer als pathologischer Keyboard-Hasser verkannt, wenn ich so etwas sage, aber ja, ja und nochmals ja! Metal ist auf Grundlagen von Gitarren gegründet worden und es gibt keinen Grund daran was zu ändern. Keyboards als atmosphärischer Zusatz oder klanglicher Gegensatz sehr gerne, aber fehlendes Songwriting mit Keyboards zu übertünchen, funktioniert für mich gar nicht. (Unabhängig von SABATON natürlich, ich hab mich nur grad so gefreut, dass ich meine oft erklärte Meinung zu Keyboards hier fast wörtlich wiedergefunden habe  )
Jo, ich bin auch kein Keyboard-Hasser. Gar nicht. Wenn jemand vom Klischee faselt, dass Metal und Keyboards unvereinbar seien, dann denke ich an DIOs "Rainbow In The Dark" und schmunzle. Aber wenn die Gitarren wirklich nur Rhythmus liefern und das Keyboard die ganze Melodieführung übernimmt, und das nicht nur bei einem Song sondern dauern, dann vergeht mir das Schmunzeln recht zügig.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von CaptainMorgan » Dienstag 2. Juli 2019, 00:50
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich finde das auch nicht kriegsverharmlosend oder inhaltlich unangemessen. Aber von toll ist es dann halt doch meilenweit weg.
Ich selbst bin ein wirklich passionierter SABATON-Fan, aber das Video mit Konzert- und Blödelbildern zu "Great War" finde ich schon ein wenig daneben. Wenn man als Band weiß dass man genau deswegen oft kritisiert wird und einem unterstellt wird die ganze Kriegsthematik nicht ernst zu nehmen war dieser Schachzug wahrlich kein kluger.
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von hellknulf616 » Freitag 5. Juli 2019, 13:10
CaptainMorgan hat geschrieben:[...] Wenn man als Band weiß dass man genau deswegen oft kritisiert wird und einem unterstellt wird die ganze Kriegsthematik nicht ernst zu nehmen [...]
Das ist doch 'ne ziemlich korrekte Beschreibung der Band und ihres thematischen Kapitals. Ich mag Sabaton sehr gern, weil sie musikalisch grundsätzlich over the top gehen - vom durchschnittlichen Sabaton-Anhang (oder der Band selbst) einen differenzierten Umgang mit Krieg im Allgemeinen und Kriegen im Speziellen zu erwarten, halte ich aber für komplett verfehlt. Die Band pickt ja regelmäßig irgendwelche erprobten Heldenstories aus dem zugrundeliegenden Grauen und setzt auf genau die platte Mischung aus individueller Überhöhung, Verklärung und "Menschlichkeit in unmenschlichen Situationen", die der nächstbeste C-Klasse-Hollywoodschinken auffährt. Da ist nicht mehr, auch wenn Mr. Broden das pflichtschuldig immer mal wieder zu Protokoll geben mag. Sabaton funktionieren über Eurovisions-Fanfarengebolze, Schlagerstrukturen mit einem untrüglichen Gefühl für gute Refrains und pathetische Stabreime. Dazu bedient man über thematisch passende Hymnen häppchenweise alle national(istisch)en Bedürfnisse der Anhänger, die zwischen Metallplattenweste und Tarnfleckhose passen. Und das ist es in meinen Augen dann schon gewesen. 
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von Raphael Paebst » Freitag 5. Juli 2019, 14:06
hellknulf616 hat geschrieben:CaptainMorgan hat geschrieben:[...] Wenn man als Band weiß dass man genau deswegen oft kritisiert wird und einem unterstellt wird die ganze Kriegsthematik nicht ernst zu nehmen [...]
Das ist doch 'ne ziemlich korrekte Beschreibung der Band und ihres thematischen Kapitals. Ich mag Sabaton sehr gern, weil sie musikalisch grundsätzlich over the top gehen - vom durchschnittlichen Sabaton-Anhang (oder der Band selbst) einen differenzierten Umgang mit Krieg im Allgemeinen und Kriegen im Speziellen zu erwarten, halte ich aber für komplett verfehlt. Die Band pickt ja regelmäßig irgendwelche erprobten Heldenstories aus dem zugrundeliegenden Grauen und setzt auf genau die platte Mischung aus individueller Überhöhung, Verklärung und "Menschlichkeit in unmenschlichen Situationen", die der nächstbeste C-Klasse-Hollywoodschinken auffährt. Da ist nicht mehr, auch wenn Mr. Broden das pflichtschuldig immer mal wieder zu Protokoll geben mag. Sabaton funktionieren über Eurovisions-Fanfarengebolze, Schlagerstrukturen mit einem untrüglichen Gefühl für gute Refrains und pathetische Stabreime. Dazu bedient man über thematisch passende Hymnen häppchenweise alle national(istisch)en Bedürfnisse der Anhänger, die zwischen Metallplattenweste und Tarnfleckhose passen. Und das ist es in meinen Augen dann schon gewesen. 
Das fasst es gut zusammen und da liegen auch viele meiner Probleme mit der Band. Dazu kommt noch, dass ich mich an ihre frühen auftritte erinnere, die voller Spielfreude und Spontanität waren, heutzutage gibt es halt immer die gleiche, durchkoriographierte Show mit immer den gleichen Gags, den Biertrinkpausen an immer den gleichen Stellen und so weiter. Wenn man, so wie ich, die Band jedes Jahr auf irgendeinem der großen Festivals sieht, kann man halt irgendwann schon die Ansagen mitsprechen, so gleichförmig ist das geworden.
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von CaptainMorgan » Dienstag 23. Juli 2019, 17:23
So, nun habe ich auch das Album gehört, bis gerade eben zwei Mal.
Was soll ich sagen? Bin ich begeistert? Ja, irgendwie schon. Musikalisch wagt man eigentlich keine großen Experimente und wer SABATON liebt bekommt genau das was man daran so mag, wer SABATON bisher gemieden hat sollte das auch weiterhin tun. Vorerst kristallisieren sich für mich mit "The Futue of Warfare" (behandelt textlich die Entwicklung und den ersten Einsatz der Tanks, die man später als "Panzer" bezeichnen wird. Diese Waffe war in der Tat eine der wichtigsten Kriegserfindungen des 1. Weltkriegs und wegweisend für die Kriegsführung bis heute), "Attack of the dead Men" (wirklich tolle Riffs, schöne Melodie), der Titeltrack (nimmt sowohl Bezug auf die Kämpfe in Flandern 1917 als auch auf den statischen Stellungskrieg allgemein, aus meiner Sicht auch der Songs mit den besten Lyrics) und das (fast abschließende) "The End of the War to end all Wars" (schafft es gut für SABATON-Verhältnisse eine bedrückende Atmosphäre zu erreichen) heraus. Der ganze Rest pendelt irgendwo zwischen sehr gut und ganz nett.
Was mir ein wenig sauer aufstößt sind ein paar textliche (z.B. sagt kein Mensch "U.S.A. Marines", "Devil Dogs") sowie historische Fehler (Manfred von Richthofens Geschwader nannte man vor allem bei den Engländern "Flying Circus" und nicht etwa "Red Squadron"). Wenn man sich schon ernsthaft mit dem höchst komplexen Thema Erster Weltkrieg auseinandersetzen möchte darf man da durchaus etwas genauer arbeiten. Die Spoken Word-Intros zu den Songs der "History Edition" sind eigentlich generell gut gemacht und informativ, das Intro zu "Fields of Verdun" ist allerdings totaler Käse. Was den Sound angeht hätte ich mir vor allem nach den beiden eher glattgebügelten "Heroes" und "The last Stand" etwas mehr Kantigkeit bei den Klampfen gewünscht, leider ist das aber wieder nicht so. Wenn es um das Konzept geht verstehe ich nicht so ganz warum man für den US-amerikanischen Anteil am Krieg gleich zwei Songs nimmt, wichtige Protagonisten wie Italien oder Österreich-Ungarn total unter den Tisch fallen lässt. Vor allem der Kampf in den Alpen am Isonzo in den Jahren 1915 bis 1918 hätte guten Stoff für einen Song geboten.
Alles in allem ist das Album an sich gut und typisch SABATON, die genannten Kritikpunkte trüben den Hörspaß aber dennoch etwas. Ist "The great War" besser als "The last Stand"?. Nein, in meinen Augen leider nicht, aber Spaß macht die Scheibe unterm Strich dennoch
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von frankjaeger » Dienstag 23. Juli 2019, 17:30
Danke für deine Einschätzung. Das untermauert natürlich das (wohl nicht Vor-)urteil, dass sich die Schweden die Thematik wohl eher als Image ausgesucht haben, als damit ein echtes Anliegen zu verbinden. Die von dir genannten Tatbestände finden sich in jedem halbwegs vollständigen Buch über den 1. Weltkrieg, ja, da darf man von den selbsternannten Kriegsexperten mehr verlangen. Andererseits sind Bands mit einem Image, das sie halt nur so halb ernst nehmen, im Metal nichts Neues. Muss man ihnen also nicht vorwerfen. Eine verpasste Chance für die Band ist es aber allemal.
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von CaptainMorgan » Dienstag 23. Juli 2019, 17:35
frankjaeger hat geschrieben:Danke für deine Einschätzung. Das untermauert natürlich das (wohl nicht Vor-)urteil, dass sich die Schweden die Thematik wohl eher als Image ausgesucht haben, als damit ein echtes Anliegen zu verbinden. Die von dir genannten Tatbestände finden sich in jedem halbwegs vollständigen Buch über den 1. Weltkrieg, ja, da darf man von den selbsternannten Kriegsexperten mehr verlangen. Andererseits sind Bands mit einem Image, das sie halt nur so halb ernst nehmen, im Metal nichts Neues. Muss man ihnen also nicht vorwerfen. Eine verpasste Chance für die Band ist es aber allemal.
Nein, Vorwurf ist das sozusagen keiner, nur für mich etwas enttäuschend. Andererseits haben SABATON zumindest stellenweise das Ganze aber dann doch nicht so seicht umgesetzt wie Viele befürchtet haben. Auch das Artwork des Albums ist wirklich grandios geworden und wird aus meiner Sicht dem Thema durchaus gerecht (erinnert mich auch in der Tat an ein paar Werke von Otto Dix).
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von CaptainMorgan » Dienstag 23. Juli 2019, 17:44
Zusatz zu meinem Einschätzungs-Post:
Was ich auch etwas enttäuschend finde ist die Tatsache dass man sich aus dem doch recht großen Repertoire an Jagdfliegercharakteren des "großen Krieges" sich mal wieder den altbekannten Richthofen ausgesucht hat. Da hätte man auch gerne mal auf jemand anderen zurückgreifen können, Beispiele gefällig? Charles Nungesser, Frank Luke, Werner Voss oder Albert Ball um von den wichtigsten Nationen je einen zu nennen.
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von CaptainMorgan » Mittwoch 24. Juli 2019, 14:12
Weil es mir gerade extrem auffällt: Von der Struktur und der Melodie her erinnert mich "Great War" (also der Song) ziemlich an "Carolus Rex" (auch der Song).
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von Raphael Paebst » Donnerstag 8. August 2019, 14:35
CaptainMorgan hat geschrieben:Weil es mir gerade extrem auffällt: Von der Struktur und der Melodie her erinnert mich "Great War" (also der Song) ziemlich an "Carolus Rex" (auch der Song).
Das liegt einfach daran, dass Sabaton im Prinzip spätestens seit der "The Art Of War" genau drei Songs hat: Den straighten schnellen á la '40:1', den stampfenden straighten á la 'The Price Of A Mile' und den bombastischen, leicht an spätere Savatage angelehnten á la 'Cliffs Of Gallipoli', 'Carolus Rex' und eben jetzt 'Great War'. Musikalisch finde ich den letzten immer noch am spannendsten. Was den Klampfensound angeht, den du oben ansprachst, erwarte ich auch in Zukunft keine Besserung von einer Band, die ihre originalen Klampfer rausgeworfen hat und bei der der Basser und der Sänger und Keyboarder kreativ, monetär und auch sonst das Sagen haben.
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