Pillamyd hat geschrieben:Aber ich das finde ich alles quatsch.
Kollegenschelte liegt mir ja an sich völlig fern und die einschlägige Seite schätze ich sehr, aber da bin ich ein Stück weit bei dir, denn ich kann die Grundaussagen der Rezension nur teilweise und die daraus folgenden Wertungen überhaupt nicht nachvollziehen. Letzteres mag natürlich Geschmackssache sein, aber trotzdem, die Art und Weise wie die Rezension aus den objektiven Feststellungen ihre Schlussfolgerungen zieht, mag mir ganz und gar nicht eingehen. Da finde ich die 8-Punkte-Rezension der ansonsten gerne mal gescholtenen Onliner mit den fünf Buchstaben deutlich überzeugender, tiefgehender und schlüssiger.
Im Endeffekt find ich die betreffende Rezi recht lieblos und knapp. Manche Punkte trifft er inhaltlich durchaus:
1.
Der Klargesang verdrängt den BM-Gesang über weite Strecken, aber dass sie fast völlig auf den Kreischgesang verzichten würden, ist so auch nicht richtig. Er spielt allerdings klar die zweite Geige.
2.
Eine Abkehr vom Metal ist das im Leben nicht, aber das hat er ja auch nicht geschrieben. Eine Abkehr vom Black Metal? Nun, dazu müsste man Helheim erst einmal ganz grundsätzlich im Black Metal verorten. Ich persönlich tue das musikalisch durchaus, aber nicht auf eine Art und Weise, die zwingend eine gewisse klangliche Erwartungshaltung erzeugen würde. Das ist das eine. Das andere ist, dass die Band diesen Weg für mich spätestens seit der "Åsgårds Fall"-MCD beschritten hat und diesen Weg einfach für mich schlüssig und überzeugend weiter geht.
3.
Post-Rock-Einflüsse? Ja, definitiv. Sind aber nicht neu. Gothic-Rock-Einflüsse? Höre ich nicht. Statt dessen eine gute Dosis an Progressive Metal und Psychedelic Rock.
4.
Hauptirritationspunkt der Rezi ist für mich die Aussage, dass der Sound erschreckend dünn und die Produktion mies sein sollen. Das ist für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar, denn ich hab in diesem Stilbereich echt ganz selten in meinem Leben einen so herrlich differenzierten und dynamischen Sound gehört. Wenn er schreibt, dass die Produktion die dynamischen Feinheiten und orchestrale Arrangements (welche orchestralen Arrangements?) verschluckt, dann sitz ich da und denke...
5.
Ein Mangel an folkigen Momenten? Wo war denn Helheim in den letzten 25 Jahren musikalisch eine allzu folklastige Band? Das sind immer wieder mal Facetten der Melodieführung, doch die gibt es auch dieses Mal wieder, speziell bei 'Stormviðri', aber eine massiv folklastige Band war Helheim dann doch vorwiegend in der Anfangsphase, und selbst damals war es mehr Schmuckelement als Wesenskern.
frankjaeger hat geschrieben:Die Scheibe ist wirklich gut und ich bin eigentlich gar nicht die Zielgruppe.
Vielleicht ist genau dies das Problem des Kollegen, um den es hier geht: Dass die Scheibe ganz massiv in der Lage sein könnte, der Band neue, transschwarzmetallische Zielgruppen zu erschließen, weil sie - mehr noch als zuvor - mit vermeintlichen schwarzmetallischen "Konventionen" bricht und normalohrtauglicher wird. Könnte ich ggf. nachvollziehen, aber wenn das sich aus einer fließenden Entwicklung halt so ergibt, ohne dass die Band so klingt, als würde sie irgendwie auf den Mainstream schielen etc..., dann hab ich damit kein Problem. Für mich klingt "Rignir" (und das gibt jener Rezensent auch unumwunden zu) trotz des stilistischen Wandels zunächst mal zu 100% nach Helheim, ob und in wie weit das dann nun "noch" Black Metal, Pagan Metal oder Viking Metal ist, oder "schon" Prog, Post Rock, Psychedelic, das ist mir dann ziemlich schnurz.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38