Mein musikalisches Jahr 2018

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Pillamyd » Freitag 1. März 2019, 12:09

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YOB | Our Raw Hearts
Genre: Stoner/DoomBild
VÖ: 08. Juni 2018

1. Ablaze (10:13)
2. The Screen (09:50)
3. In Reverie (09:44)
4. Lungs Reach (05:39)
5. Beauty In Falling Leaves (16:27)
6. Original Face (07:03)
7. Our Raw Hearts (14:23)


„Our Raw Hearts“ hat mir zu Anfang viel Kopfzerbrechen bereitet. Das ist erstmal nichts für schwache Nerven. Ich hatte bereits zuvor schon von der Band gehört und wollte mit diesem Album mich an die Band ranwagen. Dass dies nicht so einfach werden würde, war mir gar nicht bewusst.

Das Album ist ein schwermütiger und sperriger Brocken. Ich las erst später, das „Our Raw Hearts“ in zu einer für den Sänger, kritische Lebenssituation, entstanden ist. Und ab dem Moment konnte ich mich in das Album fallen lassen.

Beim Eröffnungssong „Ablaze“ leidet man gleich zu Anfang mit. Dieser tieftraurige Song und den verzweifelt klingenden Vocals sind erstmals schwer zu greifen und irgendwie auch nichts für sanftmütige Geister. Hier tun sich Abgründe auf die unglaublich emotional sind. Mit seinen 10 Minuten entsteht hier einer der intensivsten Songs die ich jemals zu hören bekam. Und eines fällt hier auf, dass sich aber über das ganze Album erstreckt. Die Vocals sind eher im Hintergrund abgemischt. Was aber nicht negativ stimmt, denn der Sänger muss nicht gegen die Musik ankämpfen. Es intensivert eher zur Atmosphäre und trägt die Songs daher eher.

„The Screen“ beginnt dann mit einem sehr harten Riff, der den ganzen Song über präsent ist. Zunächst kann einem nichts monotoner vorkommen. Das Gefühl beschleicht sich mir, dass sich die Riffs im Laufe des Titels dem Sänger anpassen und somit keine Abwechslung vermissen lässt.

„Beauty In Falling Leaves“und „Our Own Heart“, die Longtracks der Platte.
Ich hatte zunächst etwas bammel vor diesen Songs. Nimmt man sich der Schwere der Platte an fragt man sich wie das 16 und 14 Minuten lang gut gehen soll. Aber auch gerade „Beauty In Falling Leaves“ steigert sich in seiner Atmosphäre so derart . Die sphärischen Klänge, die akustische Gitarre und dann der Knüppel aus dem Sack.

Ich kann das Album nicht immer hören, weil es tief emotional ist und ich die schwere nicht immer ertragen kann. Und das meine ich nicht negativ. Es ist einfach nur so brutal ergreifend, dass die Stimmung einfach nicht immer passt. So ungefähr geht es mir übrigens mit „In The Passing Light Of Day“. Vielleicht weist der Vergleich auf was ich meine. Zufälligerweise auch mit einer Krankheitsgeschichte verbunden.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Pillamyd » Sonntag 3. März 2019, 13:20

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W.E.T. | Earthrage Bild / Bild
Genre: Melodic Rock
VÖ: 23. März 2018

1. Watch The Fire (05:05)
2. Burn (04:17)
3. Kings On Thunder Road (04:25)
4. Elegantly Wasted (02:58)
5. Urgent (03:44)
6. Dangerous (03:14)
7. Calling Out Your Name (04:02)
8. Heart Is On The Line (04:28)
9. I Don’t Wanna Play That Game (03:38)
10. The Burning Pain Of Love (04:03)
11. The Never-Edning Retraceable Dream (03:51)

Mit "W.E.T." ist mir über die Jahre ja wirklich etwas durch die Lappen gegangen. Aber ich hatte Mitte letzten Jahres wirklich zum ersten Mal von der Band gehört. Ich muss auch gestehen, dass ich tatsächlich bis dato nur etwas von Jeff gehört habe. Erik und Robert waren mir völlig unbekannt. Und mir fällt gerade ein, dass ich immer noch nicht reingehört habe, was deren Bands angeht.

Ich hörte jeden Falls den bärenstarken Opener „Watch The Fire“ und war hin und weg. Die Härte und der Elan in Kombination mit dem melodischen Song und dem grandiosen Refrain haben mich völlig von den Socken gehauen.

Als das Album dann eintraf, konnte ich kaum erwarten die Scheibe einzuwerfen. Und verdammte Axt, was sich mit „Watch The Fire“ angekündigt hat wird gnadenlos weiterverfolgt.
Das Album besticht bloß von fetzigen und knackigen Kompositionen. Die Refrains schießen aus dem nichts in die Gehörgänge und verwandeln sich in nullkommanix in Ohrwürmer und bleiben da auch erstmal.

Hinzu kommt noch, dass die Produktion sehr knallt und dem typischen AOR mit seiner gewissen Härte ja schon ein bisschen entweicht und somit schon eigenständig klingt. Zumindest habe ich etwas „härteres“ in die Richtung noch nicht gehört. Also kann man mich gerne berichtigen.

Ein herrliches Sommeralbum. Und bei den wirklich warmen Sonnenstrahlen im Februar schenkt einem das Album dann auch wieder Energie. Wirklich sehr tolles Album!

Die zwei Alben zuvor sind jedenfalls Pflicht. Vor allem weil mir jeder weiß machen will, dass die ersten beiden noch stärker sein sollten. Leider nicht wirklich für einen angenehmen Preis zu finden.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 5. März 2019, 13:38

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Witch Mountain | Witch Mountain
Genre: Doom Metal Bild
VÖ: 29. Juni 2018

1. Midnight (04:53)
2. Mechanical World (05:47)
3. Burn You Down (07:40)
4. Hellfire (02:30)
5. Nighthawk (14:17)


Im Zuge der Doom Phase im letzten Jahr bin ich irgendwie auf dieses Album gestoßen. Witch Mountain waren mir bis dato kein Begriff.

Mich hat das Album von der ersten Sekunde an gut gefallen. Die Songs sind sehr langsam und wuchtig. Manchmal driftet das Album auch etwas in die Drone Metal Gegend („Mechanical World“) umher. Die gerade mal 23 jährige Sängerin Kayla Dixon drückt dem Album aber ihren Stempel auf. Was da teilweise an Gesangsleistung abgezogen wird ist schon beeindrucken. Wirken die Songs schwer, schafft es Dixon diese mit ihrer hohen Stimme zu erhellen („Midnight“).
Soll es noch massiver klingen kommen auch tiefere Tonlagen zum Einsatz. Von bluesigen Gesangsleistungen bis hin zu growls bekommt die junge Dame beeindruckend alles unter einen Hut bei diesen tonnenschweren Riffs. Und überzeugt damit zu mindestens mich. An Tempo gewinnen die Songs nur punktuell („Burn You Down“). Was dem Album aber wegen obengenannten Grunds kein Abbruch tut.

Schielt man zu metal-archives rüber kann man in Erfahrung bringen das Dixon eine klassische Gesangsausbildung genossen hat. Jazz und Theater sind wohl auch ihr Ding. Da ist es umso beeindruckender eine so reife Stimme von einer 23 jährigen zu hören. Tolles Debut mit ihr. Ich hoffe man hört noch mehr von der Band in dieser Konstellation.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Pillamyd » Sonntag 10. März 2019, 22:15

Kurze Frage:

geht das hier zu schnell? :?
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Peter Kubaschk » Montag 11. März 2019, 00:17

Nee, gar nicht. :)

zu YOB: habe ich überhaupt nix zu zu sagen. Ich glaube, ich habe von der Band noch nie einen Ton gehört und hatte bisher nie Interesse daran, das zu ändern, weil ich das in die Drone-Ecke gepackt habe, mit der ich nix anfangen kann.

zu W.E.T.: Alles richtig, was du schreibst und bei mir nur hauchdünn an den Top20 vorbei geschrammt, weil ich finde, dass vor allem das Debüt noch stärker war. Und du weißt, dass bei Gefallen an W.E.T. das automatisch dazu führt, dass du dich mit WORK OF ART, ECLIPSE und TALISMAN auseinadersetzen musst, oder?
Falls dich vor allem der Gesang begeistert, ist TALISMAN deine Band, denn dort sang auch Jeff Scott Soto (wie auch noch bei diversen anderen Bands wie SOTO, SONS OF APOLLO etc.) bevor sich die Band nach dem Tod von Bassisten und Songwriter Marcel Jakob auflöste. Top sind die Alben "Talisman", "Humanimal" und "7", doch auch der Rest ist stark.
Das Gitarrenspiel kommt von ECLIPSE (Eric Martensson) und WORK OF ART (Robert Säll), die ebenfalls nur tolle Melodic-Rock-Werke veröffentlicht haben. Gerade ECLIPSE dürfte dir gefallen, denn das ist schon auch fast metallisch. Die letzten drei Alben ("Bleed & Scream", "Armageddonize" und "Monumentum") sind allesamt toll. WORK OF ART ist etwas weniger hart und weniger eingängig, aber ebenfalls bärenstark. Alle drei Alben ("Artwork", "Framework" und "In Progress") sind sehr empfehlenswert.

WITCH MOUNTAIN: habe ich nur einmal gehört und konnte damit nur bedingt etwas anfangen.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 12. März 2019, 00:26

Peter Kubaschk hat geschrieben:Und du weißt, dass bei Gefallen an W.E.T. das automatisch dazu führt, dass du dich mit WORK OF ART, ECLIPSE und TALISMAN auseinadersetzen musst, oder?


Ja das muss ich :)
Und nachdem du hier das gut zusammengefasst hast, kann ich da auch gezielt rangehen :dafuer:
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Haris Durakovic » Dienstag 12. März 2019, 00:31

Du scheinst, mit 'nem sehr interessanten Musikgeschmack gesegnet zu sein - einiges aus dem Thread steht schon länger auf der Liste und muss mal in Angriff genommen werden.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 12. März 2019, 00:44

Pillamyd hat geschrieben:Bild
YOB | Our Raw Hearts
Genre: Stoner/DoomBild
VÖ: 08. Juni 2018


Danke dir, dass du YOB mal wieder der Vergessenheit entrissen hast. Ich fand die Band früher toll und habe auch sehr positive Besprechungen zu den beiden Alben der Metal-Blade-Ära der Truppe aus Oregon geschrieben. Das war 2004 und 2005. Hab dann auch ein für mich sehr cooles Interview mit Mastermind Mike Scheidt geführt. Und doch hab ich dann irgendwie die Band aus den Augen verloren seither. Obwohl sie ja durchaus noch ausgiebig aktiv waren, die Jungs. Isamu ist schon lange nicht mehr dabei...

@ Peter:
Die Drone-Elemente waren 2004/2005 da, aber schon damals nicht dominant oder stilprägend. Schon damals war viel 70er-Doom und Stoner-Sound mit im Mix. Nach Pillamyds Hörproben zu urteilen, sind die Drone-Momente eher weniger als mehr geworden. Immer noch sehr dunkler, drückender Doom, aber schon auch mit sehr schönen und melodischen Elementen. Wenn man so mag, sogar mit postrockigen Nuancen.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 12. März 2019, 01:00

Rüdiger Stehle hat geschrieben:@ Peter:
Die Drone-Elemente waren 2004/2005 da, aber schon damals nicht dominant oder stilprägend. Schon damals war viel 70er-Doom und Stoner-Sound mit im Mix. Nach Pillamyds Hörproben zu urteilen, sind die Drone-Momente eher weniger als mehr geworden. Immer noch sehr dunkler, drückender Doom, aber schon auch mit sehr schönen und melodischen Elementen. Wenn man so mag, sogar mit postrockigen Nuancen.


Ja, als die Band etwas aufkam, war das sogar häufig eines der Schlagwörter in den Rezensionen (hatte ich zumindest so wahrgenommen) und damit dann gleich abgelegt. Mal sehen, ob ich mich gegen meinen inneren Widerstand durchsetze und mal hineinhöre. Hat aber keine Priorität.
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Re: Mein musikalisches Jahr 2018

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 12. März 2019, 01:05

Jupp, ich hab in meinen beiden Rezis auch jeweils gewisse Parallelen zu KHANATE und NEUROSIS gezogen, die aber nicht als ausschließliche Referenz oder dominante Stilistik herausgestellt. Sie wurden aber für diese Richtung durchaus beworben, ja. Das war der Southern-Lord-Heyday...
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