POWERMETAL.de - The Essentials

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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Jhonny » Montag 20. August 2018, 09:35

Hmm wie gesagt, die Situation ist heute ja kaum vorstellbar, aber ich kann zumindest irgendwo nachvollziehen, wie ihr (du bei MAYHEM / EMPEROR, Holger bei EXODUS) so empfunden habt.

Mit "In The Nightside Eclipse" gehts mir ja genauso - schon cool, aber den ganz großen Status verstehe ich nicht, wenn ich danach MAYHEM, DARKTHRONE, IMMORTAL oder vielleicht "Those Of The Unlight" auflege.

Auch da spreche ich dem Album den Status nicht ab, kann ihn aber im Nachgang nicht völlig nachvollziehen.


Aber das geht wahrscheinlich jedem bei einzelnen Klassikern so. Es gibt ja sogar Leute, die keinen Zugang zu "Back In Black" haben.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon frankjaeger » Montag 20. August 2018, 11:55

Jhonny hat geschrieben:Für mich ist es z.B. einfach schwer vorstellbar, dass ein Album schon so deutlich vor Veröffentlichung bekannt und verfügbar war.


Das war damals eine ganz andere Situation. Man nannte es "Tape Trading". Wenn Metaller irgendwo eine Kapelle aufgetan hatten, wurde ein Demotape - oder oft auch einfache Proberaumaufnahmen, seltener auch Live-Tapes - überspielt und an einen Bekannten verschickt. So wanderten Demos wie METALLICAS "No Life Til Leather" oder MEGADETH "Last Rites"-Demo oder LEGACY (später TESTAMENT) oder eben EXODUS' "A Lesson In Violence"-Demo durch die Welt und erreichten auch unsere Gestade. Je nachdem, wie oft das Demo schon kopiert worden war, war es nichts mehr für Soundfetischisten und manchmal war da nur noch leise Musik hinter dem Rauschen, sodass es oft auch darum ging, wer eine Kopie hatte, die noch näher am Original war, also weniger häufig als Kopie von der Kopie von der Kopie (...) gezogen worden war. Deswegen kannten viele die Stücke bereits und warteten auf die VÖ. Zumal viele der damals erschienenen Scheiben gar nicht neu eingespielt wurden, sondern einfach das Demo auf Vinyl gepresst wurde.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Oliver Passgang » Montag 20. August 2018, 11:58

Immer wenn ich diese Tape-Trading-Geschichten lese, frage ich mich als jemand, für den Konzerte bekanntermaßen alles sind, wie geil es dann erst gewesen sein muss, die Mucke nicht leise, verrauscht und vielleicht sogar durch minderwertige Abspielgeräte zu hören, sondern livehaftig, mit der vollen Power und Lautstärke von der Bühne.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 20. August 2018, 12:04

Holg, mal eine andere Frage zu EXODUS:

Gibt's eigentlich eine offizielle Veröffentlichung, welche die vier Demos irgendwo als Bonus verbrät, oder eine Compilation etc...? Hätte ich gerne mal in physischer Form, das Material.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Siebi » Montag 20. August 2018, 12:14

Edith sagt, einiges überlappt sich nun mit anderen Beiträgen, ich bin leider 2x rausgeflogen beim Verfassen.

Okay, hier der Text.
Manchmal muss man den Holger einfach lieb haben. *drückt*

Ich schüttel hin und wieder, nicht nur bei jhonnys Erklärungsversuchen, horizontal mit dem Köpfchen, weil einiges vermischt oder unschlüssig argumentiert wird oder es sei Recht zu sprechen. Man kann die Platte AA finden, eh klar.

Ich verstehe, warum "BBB" jemandem, der mMn mit Bay Area-Thrash nichts anfangen kann, das Album nicht als das sieht, was es in der Musikgeschichte des Metals ist. Die Stilvielfalt innerhalb Thrashs mag es geben, für mich sind weder Trivium noch Machine Head dieser für mich essentiell geile Ursuppen-Thrash. Mein Problem, auch klar.

Und ja, wenn man damals dabei war, für was der Ältere wie Jüngere nichts kann, war das eine Revolution. Auf nichts wartete die zappelnde Metalwelt des Undergrounds mehr als auf die Debüts von Exodus und Megadeth in LP- oder Kassettenform. Es kursierten in den Gazetten Aardshok, Kerrang, Metal Hammer, Shock Power etcpp. die ersten Reviews dank eines Advance-Tapes, wie früher eine Promo hieß, im Sommer/Herbst 1984.

Mit Tapetrading schwappte das Teil in die alte Welt. Das war nach den frühen Exodus-Tagen eine Revolution. Da kommt eine Band, die vorher mit einem gewissen Hr. Hammett eher biederen NWoBHM machte, worauf der Bay Area-Sound fußt, und nagelt neun vermaledeite Übertracks in teils irrwitzigem Tempo, aber dennoch immer nachvollziehbar, ohne reines Uffta-Uffta aufs Mastertape. G.E.N.I.A.L.!

Die nächsten Westcoast-Thrash-Hämmer, nach der "Reign In Blood" 1986, die nicht meine liebste Slayer ist, deren Status ich klar in der Historie des Thrashs manifestiert und anerkannt sehe, waren die Debüt-Scheiben Heathens, Testaments und Death Angels 1987, dank Tapegehandel und den Demos vorab bereits teilweise 1985/86 im Umlauf. Gieriggeile Revolution junger Männer auf hohem Level. Klar Bay Area, dennoch weder Metallica noch Exodus, alle mit einer eigenen Note, die ich heute im Thrash nur selten höre.

Und nein, auch Vektor sind keine Revolutions-Knaller vor dem Herrn für mich. Da waren andere Tech-Thrasher in den 80er/90er Jahren weit vorher und eigenständiger da. Mekong Delta, Watchtower, Target, Voivod, Realm, Toxik uswusf.
Und ja, so toll es heute ist, nahezu alles immer und sofort verfügbar zu haben, schön war die Zeit ohne Internetz, ohne Mausklickmetallismus. Die weltweite Metalpresse mit ihren Fanzines, Mundpropaganda und vor allem der örtliche Plattenhändler hatten die Antennen am Puls der Zeit. Da hörte und diskutierte man Ratt, danach CoC und über Motörhead in Viererbesetzung dann die "neuen" Sykes-Whitesnake oder den VÖ-Termin der ersten Nuclear Assault im alten Europa oder wann Hellhound denn nun endlich aus dem Quark kämen. Schee.

Obwohl ich jhonny auch etwas in Schutz nehmen will, denn bspw. den Einfluss der Krefelder FullofSpuren-Bombastler auf die Metalwelt werde ich nie verstehen, ist aber wohl unbestritten. Ich verspüre lediglich den Drang, bei dem Stil das Weite zu suchen. Der Hobbit wurde ab dem dritten Album salonfähig, die ersten beiden waren "Walls Of Jericho"-Gedächtnisspeed-Scheiben. Für die Band fehlen mir mittlerweile alle Antennen, aber zumindest haben sie sich bei den Gibb-Brüdern den Schriftzug geliehen Auch was tolles, denn die BeeGees waren eine der Pop-Ikonen dieser Welt. Falsetto the Australian Way, ich schweife ab...
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Jhonny » Montag 20. August 2018, 12:45

frankjaeger hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Für mich ist es z.B. einfach schwer vorstellbar, dass ein Album schon so deutlich vor Veröffentlichung bekannt und verfügbar war.


Das war damals eine ganz andere Situation. Man nannte es "Tape Trading". Wenn Metaller irgendwo eine Kapelle aufgetan hatten, wurde ein Demotape - oder oft auch einfache Proberaumaufnahmen, seltener auch Live-Tapes - überspielt und an einen Bekannten verschickt. So wanderten Demos wie METALLICAS "No Life Til Leather" oder MEGADETH "Last Rites"-Demo oder LEGACY (später TESTAMENT) oder eben EXODUS' "A Lesson In Violence"-Demo durch die Welt und erreichten auch unsere Gestade. Je nachdem, wie oft das Demo schon kopiert worden war, war es nichts mehr für Soundfetischisten und manchmal war da nur noch leise Musik hinter dem Rauschen, sodass es oft auch darum ging, wer eine Kopie hatte, die noch näher am Original war, also weniger häufig als Kopie von der Kopie von der Kopie (...) gezogen worden war. Deswegen kannten viele die Stücke bereits und warteten auf die VÖ. Zumal viele der damals erschienenen Scheiben gar nicht neu eingespielt wurden, sondern einfach das Demo auf Vinyl gepresst wurde.


Das war sicher auch eine coole und spannende Zeit - dass es Tapetrading gab, weiß ich natürlich schon :grins:

Aber es ist schwer vorstellbar. Für mich spielte selbst CD-Brennen ja kaum eine Rolle, 2002/2003 gab es schon MP3-Downloads.

Naja, egal, heute früh lief "Bonded By Blood" in etwas zu hoher Laufstärke (nicht unbedingt die Musik meiner Frau, die heute Geburtstag hat), und ich kann das Album zumindest extrem geil finden.
Nacherleben kann ichs nicht, die Prägung durch die Scheibe fehlt mir völlig, aber ich glaube, ein wenig verstehen zu können, warum das für euch damals so geil war.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 20. August 2018, 12:52

Siebi, in dem Beitrag finde ich mich an allerlei Ecken und Enden wieder.

Bin zwar ein paar Jährchen jünger und somit entsprechend später in der Szene gelandet, aber es war auch noch die Tapetrading-Zeit, die Zeit der Mythen (hah...!). Dein Posting bestätigt die Analogie zu Emperor und Mayhem, die ich gezogen habe. Da haben wir auch aus Fanzines wie dem Slayer Mag, dem Ornament Mag, Nordic Vision usw... nach und nach jeden Infoschnippsel aufgesogen, bis es dann irgendwann soweit war, dass sich am Horizont das Erscheinen der Scheibe abzeichnete. Da kam ja dann sogar noch dazu, dass man nicht einmal wusste, wer denn nun wirklich auf der Scheibe zu hören sein würde, nachdem ja immer mal wieder einer das Zeitliche segnen oder gesiebte Luft atmen musste.

Ein wenig fehlt mir die Zeit schon auch. Die Spannung, die Vorfreude und die Überraschung waren einfach noch viel, viel größer als seit dem Ende der Neunziger (als ich dann irgendwann mal einen Internetanschluss hatte). Klar, hat alles Vor- und Nachteile, aber die Mystik ist der Materie halt schon verloren gegangen. Jetzt nicht im religiösen Sinne, sondern einfach das Gefühl, dass man vom Hörensagen ein Bild im Kopf hat, das sich ganz langsam zu einem Ganzen fügt, während die Spannung immer mehr steigt. Das Internet hat die Szene belebt, aber halt auch komplett entmystifiziert. Heute entstehen Mythen nicht mehr, sondern man muss sie krampfhaft mit mehr oder minder albernen Kapuzen und Pseudonymen oder verweigerten Interviews künstlich erzeugen, was mich Null anspricht. Typen wie Cronos oder Quorthon wurden durch ihre grotesken Interviews, die stille Post und Alben, bei denen man dachte "What the fuck!?" zum Mythos, während der moderne polnische Black Metaller gerne Mythos wäre, sich aber durch seinen Habitus in eine Rolle begibt, die null Identifikation mehr ermöglicht. Musik per Mausklick frei Haus, aber kein Gesicht, kein Name, kein Songtitel... einfach alles nur Schwarz. Egal, auch das war ein Abschweifen... Was ich sagen wollte, ist, dass es schon schön war, als Mundpropaganda, Tapetrading, Gigs und Fanzines langsam Bilder und Mythen gedeihen ließen, als man sich Diskographien aus 20 verschiedenen Mailorderkatalogen langsam zusammenrecherchieren musste und nicht einfach zu Metal Archives gehen konnte. So wie ich z.B. aus dem Text zu Manowars "Blood of the Kings" erahnen musste, dass es da offenbar noch zwei Manowar-Alben geben musste, die es nirgendwo zu kaufen gab und die auch von den Kumpels keiner kannte. Einer hat mir dann doch "Into Glory Ride" überspielt, und ich hab erst gezweifelt, ob es auch wirklich dieses mythische Manowar-Album ist, oder ob der mich verarscht. Man konnte ja nicht nachhören und abgleichen.

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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Jhonny » Montag 20. August 2018, 18:18

Also, an eine Zeit vor der Metal-Archives-Nutzung erinnere ich mich schon auch. Da war ich dem RockHard immer dankbar, dass sie die Studio-Diskographien bei Interviews mit abgedruckt haben, das brachte mal einen ersten Überblick.
Und dann gabs damals coole Überblick-Stories auf der Sacred Metal Seite (die ich gerne gelesen habe). Das hatte schon was spannendes.
Die Metal Archives muss es da ja auch schon gegeben haben, aber sie gingen komplett an mir vorbei und waren dann wie eine Offenbarung... Anfangs habe ich die für mich relevanten Diskographien ausgedruckt und in einen Ordner geheftet :grins:
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 20. August 2018, 18:46

Na gut, es gab vor Metal Archives ja schon auch etliche andere gute Seiten. BNR fällt mir ein. Liebe ich immer noch und benutze ich zur Konzertvor- und nachbereitung nach wie vor.
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Re: POWERMETAL.de - The Essentials

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 20. August 2018, 18:46

Jhonny hat geschrieben:Anfangs habe ich die für mich relevanten Diskographien ausgedruckt und in einen Ordner geheftet :grins:


Löblich! Was man nicht anfassen kann, das existiert nicht.
:grins:
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