Vorfreude 2018

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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Raphael Paebst » Samstag 11. November 2017, 12:56

Ich glaube ja, das hat auch damit zu tun, dass wir hier alle verhältnismäßig alte Säcke, bzw. schon lange Musikfans sind. Wir haben unsere Helden halt schon gefunden, die Bands, die wir als erstes entdeckt haben, die uns in wichtigen Phasen unseres Lebens begleitet und geprägt haben. Da kommen hin und wieder mal neue dazu, aber eben eher selten. Leute, die in den letzten Jahren erst angefangen haben, bewußt Musik zu hören, haben da ganz andere Favoriten und greifen halt eher zu Powerwolf oder Alestorm als zu Priest oder Maiden

Das mag für uns unglaublich schwer zu verstehen sein und gerade die beiden sind inzwischen auch schon weit über den Underground hinaus, aber fast jeder von uns dürfte so ein paar Bands haben, deren neue Veröffentlichungen ungehört vorbestellt werden, weil sie eben mit so viel emotionalem Ballast kommen, dass im Prinzip egal ist, wie durchwachsen bis mies die Platte tatsächlich ist. Da kann man halt auch nen Redeemer Of Souls nicht einfach liegen lassen, auch wenn er lahm und mit extrem dumpfem Sound dahergehumpelt kommt, ist halt Priest, die Band, die man als erste live gesehen hat, deren Platten man als erste im Plattenladen entdeckt hat etc.

Deshalb kauf ich trotzdem ne Menge Newcomer und Undergroundbands und bemühe mich, diesen Bands mit dem Organisieren von Konzerten, dem Kauf von Merchandise und wasweißich zu helfen. Letztendlich hilft da aber vor allem eines, wenn man einen geilen Newcomer entdeckt, möglichst vielen Leuten damit so lange auf die Nerven gehen, bis sie sich das auch anhören und kaufen. Vielleicht sollten wir hier mal einen eigenen Thread für sowas eröffnen? Wo man direkt nach dem ersten Klick auf Bandcamp diese spontane Euphorie mit Link reinpackt und alle so lange nervt, bis sie sich das anhören...
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 11. November 2017, 13:47

Havoc hat geschrieben:
Daran liegt es wohl. Es gibt so irre viel Zeugs. Man kann einfach nicht überall am Ball bleiben. Und wo findet man dann einen Bezugspunkt...einen Anker? Bei den alten Helden natürlich.
Es gibt 100 neue Progbands die ähnlich klingen wie Dream Theater. Viele sind gut. Manche mögen für viele Leute auch besser sein. Aber letzten Endes kann man das nicht alles kennen. Und was kauft man dann....natürlich Dream Theater als erstes.


Das ist ja nur die halbe Wahrheit. Natürlich braucht man nicht etliche Bands, die sehr ähnlich wie eine andere Band klingen (Dream-Theater-Klones), aber darum ging es doch auch grundsätzlich gar nicht. Ich hatte den Ambush/Priest-Vergleich aufgestellt und da da außerdem zu einem anderen Ergebnis als Du. Eher Ambush sofort und Priest dann später.

Es ging aber doch um Bands, die neue Wege beschreiten. Also eben nicht um die Klones. Natürlich ist es heutztage noch schwer komplett etwas anderes zu machen, denn wenn man es böse formulieren will, hört man überall Lizzy/Maiden/Priest/Purple/Sabbath, mal mehr und mal weniger abgewandelt. Das genau zwei Subgenres boomen, die vermeintlich am weitesten auseinander liegen, zwigt doch ebenfalls diesen Zwiespalt: Retro und Djent. Also einmal der offensichtliche Wunsch nicht weniger Hörer, organische Sounds zu hören, von Bands, mit denen sie sich als jüngere Generation identifizieren können udn auf der anderen Seite die Suche nach ganz neuen Klanggebilden.


Havoc hat geschrieben:Man kennt die Historie der Band und ist gespannt auf das nächste Album. Das ist einfach so. Ich sehe es zudem auch so, dass man nunmal nicht alles unterstützen kann. Ich will das haben was ich haben will. Ob meine 14,99 € dann in die Tasche einer großen Band oder einer kleinen Band gehen ist mir ehrlich gesagt relativ egal. Klingt vielleicht etwas eigensinnig. Aber so ist es. Weiterhin denke ich, dass viele der großen Bands auch heute noch tolle Musik machen. Das ist nicht alles schlecht. Und manch Underground Kram wird auch zu sehr gehypt und als "echt" und "authentisch" angepriesen. Und wenn die Band dann größer wird und mehr verkauft und weiterhin gute Musik macht ist es dann auf einmal kein Underground mehr und damit auch nicht mehr "authentisch". Tss. :) :grins:


Wer mit Dream Theater anfängt, sollte sich Schlitschuhe mit Stützrädern anschnallen, wenn er das Thema "Hype" ins Spiel bringt. Dazu schreibe ich einfach nichts mehr. Auch nicht zum Thema "authentisch". Das ist bei mir ein Bauchgefühl. Fertig.
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 11. November 2017, 14:17

Raphael Paebst hat geschrieben:Ich glaube ja, das hat auch damit zu tun, dass wir hier alle verhältnismäßig alte Säcke, bzw. schon lange Musikfans sind. Wir haben unsere Helden halt schon gefunden, die Bands, die wir als erstes entdeckt haben, die uns in wichtigen Phasen unseres Lebens begleitet und geprägt haben. Da kommen hin und wieder mal neue dazu, aber eben eher selten. Leute, die in den letzten Jahren erst angefangen haben, bewußt Musik zu hören, haben da ganz andere Favoriten und greifen halt eher zu Powerwolf oder Alestorm als zu Priest oder Maiden


Das mag stimmen, aber ich freue mich noch immer über eine Überraschung in Sachen Klangbild, Instrumantierung oder Stilmix. Natürich haben die jüngeren Leute heute andere Favoriten, aber auch wir haben doch irgendwann begonnen rückwärts zu schauen, weil uns interessiert hat, was denn an den Klassikern so toll gewesen sein soll oder woher unsere Helden ihre Inspiration genommen haben.

Raphael Paebst hat geschrieben:Das mag für uns unglaublich schwer zu verstehen sein und gerade die beiden sind inzwischen auch schon weit über den Underground hinaus, aber fast jeder von uns dürfte so ein paar Bands haben, deren neue Veröffentlichungen ungehört vorbestellt werden, weil sie eben mit so viel emotionalem Ballast kommen, dass im Prinzip egal ist, wie durchwachsen bis mies die Platte tatsächlich ist. Da kann man halt auch nen Redeemer Of Souls nicht einfach liegen lassen, auch wenn er lahm und mit extrem dumpfem Sound dahergehumpelt kommt, ist halt Priest, die Band, die man als erste live gesehen hat, deren Platten man als erste im Plattenladen entdeckt hat etc.


Absolute Zustimmung.

Raphael Paebst hat geschrieben:Deshalb kauf ich trotzdem ne Menge Newcomer und Undergroundbands und bemühe mich, diesen Bands mit dem Organisieren von Konzerten, dem Kauf von Merchandise und wasweißich zu helfen. Letztendlich hilft da aber vor allem eines, wenn man einen geilen Newcomer entdeckt, möglichst vielen Leuten damit so lange auf die Nerven gehen, bis sie sich das auch anhören und kaufen. Vielleicht sollten wir hier mal einen eigenen Thread für sowas eröffnen? Wo man direkt nach dem ersten Klick auf Bandcamp diese spontane Euphorie mit Link reinpackt und alle so lange nervt, bis sie sich das anhören...


Sehr dafür.
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Siebi » Samstag 11. November 2017, 17:41

Pillamyd hat geschrieben:Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Aussage nicht ganz verstehen kann. Warum das Eine das Andere ausschließen soll ist mir nichr klar.

Je nachdem wie zum Beispiel die Stimmungslage ist freue ich mich über ein neues Album einer alten Band und kann trotzdem sagen dass die "Redeemer..." mir nichts gibt und gleichzeitig kann ich mich über eine neue "Vektor" freuen oder mich an der aktuellen "Power Trip" rankuscheln. Wenn der Siebi hier seine Jahresliste auspackt und mit Underground Platten nur so um sich schmeißt finde ich dass genauso geil weil ich für Tipps natürlich immer zu haben bin. Und in vielen Dingen gefällt mir das dann auch supergut.

Ich bin mal vorsichtig, aber spricht man damit nicht die Wichtigkeit einer Band für zigtausend Fans ab, für die die Band im Leben sehr wichtig ist?
Oder vertausche ich da was?

Absprechen werde ich niemanden was, das eine schließt das andere natürlich nicht aus. Ich kann den Ansatz des Thunderlaans in jeder Silbe nachfühlen. Jhonny und Rüdiger argumentieren meist, dass das neue Zeux alter Helden besser sei bzw. mehr gefällt als neues. Passt für sie, für mich nicht so ganz.

Jeder soll hören und kaufen, was ihm passt. Warum ich aber eine Maiden oder Priest kaufen muss, wenn sie mir nicht gefällt, entzieht sich mittlerweile meiner Kenntnis. Auch das Argument "wenn mal günstig am Grabbeltisch" verstehe ich nimmer. Wenn mir etwas gefällt, ist der Preis doch Nebensache. Klar, man muss nicht jeden Preis mitgehen, ich habe meine Obergrenzen, aber ich höre Musik, ich sammle nicht wegen des Besitzens, ich WILL das Zeug hören. Gefällt's, ist es prima, missfällt's, kein Kauf oder raus damit in einen wertschätzenden Haushalt.

Ob eine Band Über- oder Untergrund ist, ist pillepalle. Einzig meine Rezeptoren müssen wuschig werden, dann ist das meins. Dennoch verstehe ich die Worte des Donnermanns nur zu gut.
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Martin van der Laan » Samstag 11. November 2017, 18:16

Schöne, faire und ehrliche Diskussion hier, danke dafür!!

Ich bin auch eine "alter Sack" und höre sehr gerne die Platten, mit denen ich aufgewachsen bin. Aber eben genau die und nicht das x-te Comeback-Album der heute auf die 60 zu gehenden Musiker, die diese Platten damals eingespielt haben. Mir tut es eher weh, wenn ich mich durch ein ganz nettes, aber eben nicht mehr wirklich mitreißendes neues METAL CHURCH-, DEATH ANGEL- oder JAG PANZER-Album höre. Danach muss ich dann immer erst einmal "Blessing in Disguise", "Act III" oder "Mechanized Warfare" hören, bevor ich mich wieder den Musikers zuwenden die GERADE JETZT ihre kreative Hochphase haben.

PRIEST, ACCEPT, SAXON etc. spielen bei mir eh keine große Rolle, klingt alles gut, höre ich auch gerne auf meinem Hardrock-Radiosender im Auto, aber so richtig flashen und anfixen tut's mich nicht. Ist mir zu gleichförmig, zu einfach gestrickt,... früher hätte ich vermutlich noch gesagt "proletarisch" (sage ich aber heute nicht mehr, weil's gemein ist ;-)). "Mein" Metal fängt mit der ersten US-Metal-Welle an, so um das Jahr 1983/84 etwa herum, weiter zurück muss ich nicht. Habe mir das zwar alles intensiv angehört und ich habe auch die zwei, drei besten Scheiben der meisten alten Größen oder idealerweise eine Triple-Best Of im Schrank stehen. Interessiert mich auch alles sehr, aber eher mit dem Blick des Historikers, nicht des Fans. Fragt mich nicht, warum das so ist, ich kann es nicht erklären.

Für mich ist Musik oder besser gesagt Kunst im Allgemeinen ein grandioses und beglückendes Abenteuer. Ich gucke nach vorne, will immer Neues entdecken. Musik Hören und Verwalten wie ein Buchhalter oder Verwaltungsbeamter (sorry...) gruselt mich. Ich glaube, ich hab's schon mal irgendwo geschrieben: Ich bin ja als kleines Kind total auf klassische Musik abgefahren. Und nicht nur Rondo alla Turca und so, sondern richtig das schwere Zeug, Mahler, Prokovjew etc. Habe zwar im Feuilleton-Sinne nichts verstanden, aber ich hab's heiß und innig geliebt. Mit 12, 13 Jahren etwa habe ich dann angefangen zu gucken, was es sonst noch so gibt und da hat mich der damalige Metal total umgehauen. Heute bin ich auf sehr vielen, sehr verschiedenen musikalischen Baustellen mit großer Begeisterung unterwegs... d.h. wenn ich noch Zeit dafür freigeschafft kriege.

Ich kann nur noch mal betonen, dass ich sehr ermuntern möchte zur Abenteuerlust in Sachen Musik. Mal alles auf Reset und ganz frisch und unvoreingenommen zuhören. Entdeckungen machen, sich wieder wie ein kleines Kind freuen. Und die Schmerzen, dass das Alte nicht mehr so ist wie es mal war, aber eben doch das Alte und Vertraute... Musikhören soll doch keine langweilig gewordene 40jährige Ehe sein, an der man aus Gewohnheit und Bequemlichkeit festhält!!
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Pillamyd » Samstag 11. November 2017, 18:47

Holger Andrae hat geschrieben:Keiner hat unbegrenzte finanzielle Mittel und erst recht nicht unbegrenzt Zeit, so dass im Zweifelsfall bei vielen "normalen" Musikkonsumenten der Newcomer einen schwereren Stand hat.


Halte ich für einen sehr wichtigen Punkt. Bis 2012 waren meine finanziellen Mitteln auch begrenzt, so als Schüler ging da einfach nicht mehr. Heute fällt es nicht mehr so ins Gewicht wenn 2-3 Platten mehr im Monat in die Sammlung wandern. Alleine im Underground hat es aber auch so gefühlt Trilliarden Klassiker, die ebenfalls erkundet werden wollen. Es könnte einem schier der Kopf platzen :grins:
Nein, aber das stimmt natürlich irgendwo, ganz klar!

Holger Andrae hat geschrieben:Im Zweifelsfall für eine neue Klangfarbe


Das Allerdings passiert auch noch wenn ich heutzutage Klassiker kaufe, die es einfach noch nicht gepackt haben, gekauft zu werden. Und die Liste ist ellenlang. Wahrscheinlich auch deshalb weil ich gar nicht so viel habe, wie manch anderer hier. Aber das ist auch ein Punkt den ich immer damit arugemtieren könnte, das mein streben nach Vielfältigkeit (was die Musik anbelangt) ein sehr hohen Stellenwert hat. Das hat oberste Priorität.

Holger Andrae hat geschrieben:Da nimmt man sich die Zeit für [...] überelgt, was Musiker A sich wohl gedacht haben könnte


Bekenne mich Schuldig bei genannten Bands. Erst heute habe ich wieder zu klatsch und Tratsch im Metal beigetragen :grins: :-S

Siebi hat geschrieben:Absprechen werde ich niemanden was


Das wollte ich auch tunlichst vermeiden, dass das nicht falsch verstanden wird. Deswegen habe ich ja mit Vorsicht gefragt.

Siebi hat geschrieben:Jeder soll hören und kaufen, was ihm passt. Warum ich aber eine Maiden oder Priest kaufen muss, wenn sie mir nicht gefällt, entzieht sich mittlerweile meiner Kenntnis. Auch das Argument "wenn mal günstig am Grabbeltisch" verstehe ich nimmer. Wenn mir etwas gefällt, ist der Preis doch Nebensache. Klar, man muss nicht jeden Preis mitgehen, ich habe meine Obergrenzen, aber ich höre Musik, ich sammle nicht wegen des Besitzens, ich WILL das Zeug hören. Gefällt's, ist es prima, missfällt's, kein Kauf oder raus damit in einen wertschätzenden Haushalt.

Ob eine Band Über- oder Untergrund ist, ist pillepalle. Einzig meine Rezeptoren müssen wuschig werden, dann ist das meins. Dennoch verstehe ich die Worte des Donnermanns nur zu gut.


Gut, das sind halt Dinge die versteht man oder eben nicht. Ich meine in meinem Familienkreis gibt es zwei Arten. Die eine, die sagt es gibt doch spotify, warum soll man dann Staubfänger in die Bude stellen…aua… :schade:

Oder die anderen, die sich dann schon Mal vor den Schrank hinstellen und sich die ein oder andere CD herausziehen und schon cool finden was man da so sieht.
Ich sammle CDs auch weil ich die Musik hören möchte, das andere ist ein schöner Nebeneffekt, weil für mich das schon so ist, dass ich sagen kann, ach die Platte habe ich an dem Tag gekauft, als die Geburt meiner Schwester anstand z.B. (ist auch so gewesen). Bedeutet ich kann schon dann und wann sagen, was mich dazu bewegt hat bzw. wann das ungefähr war, dass ich mir die und die Platte gekauft habe. Deswegen habe ich mich auch dazu entschlossen, keine CDs zu verkaufen die ich nicht mehr höre, einfach weil ich das für mich schon einen Grund hat, warum die eine CD bei mir im Schrank steht.

Martin van der Laan hat geschrieben:Schöne, faire und ehrliche Diskussion hier, danke dafür!!


Ich finde das auch Klasse!
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Raphael Paebst » Samstag 11. November 2017, 19:22

Also ich hab dieses Jahr recht wenig gekauft und auch relativ wenig neues entdeckt. Da war einfach die Zeit nicht da und das Geld ging in Reisen zu Festivals in Portugal, Griechenland und Malta, sowie in das eigene, bald anstehende Festival. Das gemeinsame Erleben der Musik und das Treffen netter Menschen aus der ganzen Welt, die diese Musik genauso feiern und mit genauso viel Herzblut und Einsatz (finanziell und zeitlich) bei der Sache sind, war einfach wichtiger als das Anhäufen riesiger Plattenberge in den heimischen 12m².

Natürlich habe ich ein paar lohnende Neuentdeckungen gemacht, ein paar bisher eher stiefmütterlich behandelte Baustellen etwas weiter beackert und ein paar Alben ewiger Lieblinge gekauft, aber wenn in vier Wochen Freunde aus der ganzen Welt bei mir in Marburg stehen und gemeinsam den Metal feiern, dann ist mir das persönlich wichtiger als all die Neuentdeckungen, die ich dieses Jahr nicht gemacht habe. Und vermutlich haben Bands wie Ravensire oder A Sound Of Thunder auch deutlich mehr davon, mal in Deutschland Leuten ihre Musik in der Form, in der sie am besten funktioniert, nämlich live, um die Ohren hauen zu können. Für das stundenlange klicken durch Bandcamp fehlt mir momentan schlicht die Zeit und auch die Geduld, Tipps von Freunden hör ich mir aber natürlich immer gern an.
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Havoc » Samstag 11. November 2017, 21:17

Siebi hat geschrieben:Auch das Argument "wenn mal günstig am Grabbeltisch" verstehe ich nimmer. Wenn mir etwas gefällt, ist der Preis doch Nebensache. Klar, man muss nicht jeden Preis mitgehen, ich habe meine Obergrenzen, aber ich höre Musik, ich sammle nicht wegen des Besitzens, ich WILL das Zeug hören. Gefällt's, ist es prima, missfällt's, kein Kauf oder raus damit in einen wertschätzenden Haushalt.


Das sehe ich mittlerweile auch so. Vor allen Dingen weil die "Grabbeltische" mittlerweile halt riesig sind. Mir ging es letztens wieder mal so, dass ich 10 CDs für 5 € oder so in der Hand hielt....bis ich dann kurz darüber nachdachte, dass ich jetzt eigentlich genau genommen satte 50 € für Platten ausgebe von denen ich eigentlich keine wirklich haben will oder muss. Dann lieber zur VÖ für 15,99 € ein Album einer Band auf das ich mich total freue. Bringt mir mehr! Und bei der heutigen irren Auswahl muss man halt selbst irgendwie den Markt sondieren.
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Martin van der Laan » Sonntag 12. November 2017, 21:46

Na ja, heute kann halt jeder sein Zeug mehr oder weniger selbst veröffentlichen, daher der Overkill. Obwohl (oder gerade weil?) ich Metal sehr liebe, finde ich heute 90% aller Neuerscheinungen langweilig oder sogar für die Tonne. Deswegen sind ja gute Magazine (wie unseres :-)) als Vor-Selektion für die Fans so wichtig. (Und deshalb sollten wir auch versuchen nicht jedem Quatsch, nur weil der halbwegs professionell gemacht ist und nach unserer Lieblingsband klingt, eine Top-Note zu geben ;-).) Aber damit hat natürlich auch das Jagen nach Perlen und Juwelen im Ozean der Mittelmäßigkeit einen ganz neuen Reiz bekommen...
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Re: Vorfreude 2018

Beitragvon Raphael Paebst » Sonntag 12. November 2017, 22:18

Martin van der Laan hat geschrieben:Na ja, heute kann halt jeder sein Zeug mehr oder weniger selbst veröffentlichen, daher der Overkill. Obwohl (oder gerade weil?) ich Metal sehr liebe, finde ich heute 90% aller Neuerscheinungen langweilig oder sogar für die Tonne. Deswegen sind ja gute Magazine (wie unseres :-)) als Vor-Selektion für die Fans so wichtig. (Und deshalb sollten wir auch versuchen nicht jedem Quatsch, nur weil der halbwegs professionell gemacht ist und nach unserer Lieblingsband klingt, eine Top-Note zu geben ;-).) Aber damit hat natürlich auch das Jagen nach Perlen und Juwelen im Ozean der Mittelmäßigkeit einen ganz neuen Reiz bekommen...

Ich bin da in den letzten Jahren etwas vorsichtiger geworden, vielleicht auch durch die Aktivitäten als Konzertveranstalter. Worauf es mir heute oftmals mehr ankommt, oder was zumindest einen höheren Stellenwert bekommen hat, als vielleicht noch vor ein paar Jahren, ist die Begeisterung und Energie, mit der Musiker bei der Sache sind. Das kann ich natürlich auf einer Platte nur sehr bedingt beurteilen, aber letztendlich unterstütze ich eine Band wie z.B. Stereo Nasty sehr gerne, auch wenn ihre Musik alles andere als innovativ ist, weil ich die Jungs kennengelernt habe und erlebt habe, mit wieviel Hingabe, zeitlichem und finanziellem Aufwand die sich ihrer Musik widmen. Wer auf eigene Kosten und ohne auch nur minimale Gage zu kriegen als Vorband von Argus im Camper durch Europa tourt, dem liegt wirklich viel an der eigenen Musik und diese Hingabe ist mir fast wichtiger als innovatives Songwriting, denn für mich ist Metal immer noch vor allem auch Livemusik.
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