Kreator

Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 14. Februar 2017, 12:14

Holger Andrae hat geschrieben:Wir verstehen uns.

Deine bisherigen Erkenntnisse hier kann ich voll und ganz nachvollziehen. Nebenan ist die Platte Gesprächsthema Nummer Eins.


Im Sacred Metal Board? ;-)
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Re: Kreator

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 14. Februar 2017, 12:15

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Wir verstehen uns.

Deine bisherigen Erkenntnisse hier kann ich voll und ganz nachvollziehen. Nebenan ist die Platte Gesprächsthema Nummer Eins.


Im Sacred Metal Board? ;-)

Nee, auf der anderen Seite.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 24. Februar 2017, 01:31

Um das Projekt nicht einschlafen zu lassen; ich schulde euch noch die letzten beiden Runden:

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Der "Phantom Antichrist" habe ich im April im Jahre des Herrn 2012 satte 9,5 Punkte gegeben. Allgemein hat die ganze Redaktion die Platte zünftig abgefeiert. Im Soundcheck keine Note unter 8,0; in der Gruppentherapie sogar keine unter 8,5. Und auch zehn Monate später landete die Platte noch auf einem satten vierten Platz der Redaktionscharts. Was ist davon geblieben? Heute, ziemlich genau fünf Jahre nach der VÖ? Es würde mich sehr interessieren, was ihr heute denkt. Es haben ja viele hierzu ihre Meinung abgegeben, damals. Was hat sich geändert? Ist sie für euch immer noch eine Highlight, oder hat sie abgebaut?

Ich für meinen Teil muss sagen, dass sie seit 2012 nicht mehr gelaufen ist. Bis zum Februar 2017. Fünf Jahre lang. Das muss nichts Schlechtes heißen, denn ich höre viele Alben nicht mehr oft, nachdem die VÖ-Phase und Rezensionsarbeit vorbei ist. Doch bei "Phantom Antichrist" war es tatsächlich so, dass mir die Erinnerung verschwamm und ich die Platte nurmehr als "gut" in Erinnerung hatte, trotz meiner seinerzeit sehr guten Note. Der neuerliche Selbstversuch hat die Sache relativiert. Auch wenn die Scheibe schon ihre melodeathigen und blindgardinigen Nuancen in den Hooklines hat, speziell in Samis Gitarrenleads, und auch wenn die Produktion etwas geschmeidiger geworden ist, und viel transparenter und klarer als beim tollen Vorgänger "Hordes Of Chaos", hat das Album über weite Strecken doch noch eine gewisse feine Schärfe. Mehr Skalpell als rostiges Kurzschwert, mehr Sichel als Sense, aber doch, die Schärfe ist da.

Ich bin ein wenig ambivalent. Bei Kreator ging es seit "VR" in etwas seltsamen Wellenbewegungen hin und her. War "VR" die Rückkehr zum Thrash, so ging "EOG" recht neue Wege und schien einen neuerlichen Ausbruch aus dem Stilkorsett einzuleiten. "HOC" wirkte dann wieder basischer, dafür "PA" dann gleich noch eine Ecke stiloffener, unthrashiger, melodieorientierter. Es ist als würde sich Kreator in einer sich weitenden elliptischen Spirale vom eigenen Zentrum entfernen. Nach einer Viertelumdrehung ist man näher dran, nach der nächsten Viertelumdrehung aber dann immer noch weiter weg... Auf "PA" finden wir erstmals richtig merkliche, dominante "schöne" Chöre, dann wieder vermehrt auch klaren, regelrecht sanften Gesang von Mille, verträumte mehrstimmige Gitarrenabfahrten beim bärenstarken "From Flood Into Fire" usw...

Ja, nachdem ich sie mir nun wieder öfters angehört habe, muss ich mich in diesem Fall zum zweiten mal revidieren. Thrashtreue hin oder her, das Album hat was. 9,5 Punkte wären es heute nimmer, und auch finde ich es heute nicht mehr stärker als die Chaoshorden, aber es ist schon eine richtig schöne Scheibe, auf der Mille & Co. mal wieder experimenteller waren. Sicher auch mainstreamiger, aber zu viel Stiltreue kann auch langweilen, und das Problem haben wir hier, bei KREATOR, sicherlich nicht.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 24. Februar 2017, 02:19

So, letzte Runde:

Bild

Hier habe ich vor noch nicht einmal zwei Monaten 7,5 Punkte gegeben, und ich haderte damals wie heute damit. Wo ich bei "Phantom Antichrist" auf Anhieb ggf. zu euphorisch war, da war ich bei seinem Nachfolger vielleicht zunächst zu kritisch. Ich weiß es nicht. Die Scheibe läuft seit der Notenabgabe immer und immer wieder, und ich bin beim einen Durchlauf hingerissen, beim nächsten Durchlauf hergerissen.

Beim ersten Hören des Albums dachte ich ernsthaft, "Oh, dieses Mal hat BLIND GUARDIAN nur zwei Jahre für den Nachfolger gebraucht?" - Gut, das ist natürlich in der Deutlichkeit Quatsch, aber ein bisschen was ist schon dran. Die mit "Phantom" gelegten Ansätze werden hier noch mal fünf Stufen deutlicher heraus gearbeitet. Chöre, melodische Hooks, verspielte Soli, mehrspurige Leadgitarren, große Refrains... ja, manchmal sogar Bombast. Wo ich vorher von Ellipsen sprach, da muss ich jetzt sagen, dass die Band nach "Phantom" ganz offenbar den Orbit verlassen haben muss, um zu "Gods Of Violence" zu gelangen, denn das ist für mich eine geradlinige Weiterentwicklung nochmal weiter weg vom Thrash und hin zum Opernmetal. Die Produktionen werden immer luftiger, vielspuriger, glatter, bombastischer, orchestraler; die Melodien dominieren an allen Ecken und Enden, auch wenn es noch immer tolle Riffs gibt.

Schwierig, echt schwierig. Das Album hat wirklich, wirklich geile Momente; ist kompositorisch stark, aber für mich ist es am Ende doch einen Tick zu weit weg von dem, was KREATOR für mich ausmacht. Wie damals "Endorama". Für sich genommen ein cooles Album, aber für KREATOR dann doch eine Sackgasse, weil es sich zu weit weg bewegte. So fühlt sich für mich auch "Gods Of Violence" an. Als Experiment und konsequenter Ausbau des "P.A."-Konzepts sicherlich spannend, aber noch mehr Bombast brauche ich von KREATOR nicht, so dass ich echt hoffe, dass die Band wieder in ihren eigenen Orbit zurück findet.



Fazit Post-2000-KREATOR:


01. Violent Revolution
02. Hordes Of Chaos
03. Phantom Antichrist
04. Gods Of Violence
05. Enemy Of God

Wobei ich definitiv keine davon schlecht finde und keine missen möchte. Noten möchte ich hier keine verteilen. Das mache ich nur noch, wenn ich muss... beschreiben ist viel cooler.
:grins:
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Re: Kreator

Beitragvon Havoc » Freitag 24. Februar 2017, 16:27

Ich besitze ja davon nur "Enemy Of God" und "Violent Revolution". Aber wenn ich das alles so lese, dann kommt mir vor allem ein Gedanke.
Da hat eine Band mal sehr sehr viel richtig gemacht. Für jeden was dabei. Die alten Recken werden nicht komplett verschreckt und es werden sicher
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Re: Kreator

Beitragvon Feamorn » Freitag 24. Februar 2017, 17:30

Ich glaube, meine Reihung wäre ähnlich wie Rüdigers, nur tippe ich fast, dass die Hordes Of Chaos auf 1 wäre bei mir (die Produktion ist einfach ein Traum!). Habe die VR aber laaaange nicht mehr gehört.
Wobei ich bei Kreator ohnehin recht schmerzfrei bin, was den Stil angeht, da mein Erstkontakt tatsächlich die berüchtigte Endorama war, die ich übrigens damals super fand und auch heute noch sehr gerne mag. Ich kann verstehen, dass sich Alt-Fans da damals geärgert haben, aber künstlerisch finde ich das nach wie vor klasse. (Habe die Renewal leider noch immer nicht in meiner Sammlung/gehört. Nach allem was ich bisher über die Scheibe gehört habe, könnte es potentiell meine Favorisierte der Band sein. ;) )
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 24. Februar 2017, 18:09

Für mich ist "Renewal" tatsächlich die Nummer 1. Aber der extrem coole Videoclip zum Titelsong war halt auch mein erster im Hirn gebliebener näherer Kontakt mit KREATOR.

https://www.youtube.com/watch?v=Wihwj_oTE8c

Seinerzeit trieben sich die Thrasher offenbar gerne in der Wüste herum. Siehe auch "Seasons In The Abyss".
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Re: Kreator

Beitragvon Oliver Passgang » Freitag 24. Februar 2017, 18:14

Spannend, dass du quasi überall die gleichen Einschätzungen vornimmst wie ich, nur "Enemy Of God" komplett konträr bewertest... :)
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 24. Februar 2017, 18:35

Ja, das ist in der Tat kurios.
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Re: Kreator

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 24. Februar 2017, 23:12

Nee, das finde ich voll logisch. :grins:
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