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von Rüdiger Stehle » Dienstag 24. Januar 2017, 16:01
Des Siebis Wunsch ist dem Raben Order. Daher will ich auch einmal versuchen, mich dran zu machen, so eine kleine Retrospektive meiner Eindrücke aus dem Jahr 2016 hier stehen zu lassen. Mit den Top-20-Alben will ich dann auch mal von 20 rückwärts anfangen. Vielleicht gibt's dann noch ein paar Boni dazu, mal schauen, was die Zeit zulässt... Die besten Alben - Platz 20FLOTSAM & JETSAM "Flotsam & Jetsam" Was die Foltsis die letzten Jahre über veranstaltet haben, war ja doch eine gewisse Achterbahnfahrt. Erst kam ganz unerwartet ein brachiales, sehr modernes Wuchtmonster namens "The Cold", das polarisierte und die Fangemeinde spaltete, für mich jedoch die beste Arizona-Scheibe seit vielen Jahren war. Dann rappelte es mal im Karton und ein völlig neues Line-up zeichnete für "Ugly Noise" verantwortlich; deutlich ruhiger, deutlich beschaulicher, ansatzweise auch alternativer, ja insgesamt doch ein wenig durchwachsen. Die Zwischendurch-Neueinspielung von "No Place" lassen wir mal außen vor, kommt dann 2016 die neue Scheibe, und - oh Wunder - wieder ist alles anders... Das Line-up, der Sound, das Songwriting. Zwar klingt das Ding wieder absolut aktuell und druckvoll, aber doch irgendwie wieder klassischer. Vielleicht heißt die Scheibe auch wie die Band, weil die Band meint, sich hier wieder selbst gefunden zu haben. Ich denke, näher wird sie ihrem eigenen Frühwerk heute nicht mehr kommen können. Gesanglich topp, die Gitarren knistern und braten, der Sound drückt, bleibt aber lebendig, und auch wenn hier mal ein wenig und dort auch mal ein wenig mehr Maiden geworshipped wird, ist das eine geile Platte, die einfach immer Laune macht. Vielleicht ist die Band auch deshalb heute so spannend, weil man einfach nie vorher sagen kann, wie genau die neue Scheibe klingen wird, es ihr aber trotzdem fast immer gelingt, tolle Songs in frische Kleider zu stecken. https://www.youtube.com/watch?v=fQ77YEzem_I
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 25. Januar 2017, 03:39
Die besten Alben - Platz 19MAYFAIR "My Ghosts Inside" Durch meinen Freund Thommy (Salisbury) kenne ich MAYFAIR ja nun doch schon eine ganze Weile, seit geraumer Zeit auch den lieben René (Gitarrist der Band) vom SMB und vielen Gigs (speziell beim KIT). Obwohl die Band progressiv und eigenwillig, bisweilen durchaus auch skurril und verschwurbelt ist, gelingt es ihr, auch eine im positiven Sinne poppige Griffigkeit in ihre Hooks und Refrains zu bekommen, die dich als Hörer packen kann. Trotz vieler Kontakte mit der Musik in unseren Chartstreffen etc..., und obwohl ich die alten drei Scheiben auch schon lange habe, hat's aber doch nie so ganz für die Liste der Lieblingsbands gereicht. Das hat sich nun im vergangenen Jahr geändert. Dreimal habe ich MAYFAIR, die ich vor 2016 nie live gesehen hatte, nun live erleben dürfen. In ihrer Heimatstadt Feldkirch in Vorarlberg (mit ANACRUSIS' Kenn Nardi), in Ludwigsburg (mit MANILLA ROAD) und schließlich auch in München beim von Thomas organisierten Headlinergig. Dadurch hat mich das sympathische Quartett nun doch vollends geknackt, und ich würd mal sagen, dass es zu einer Lieblingsband wirklich nicht mehr weit ist. So erschließen sich mir nun auch die beiden neueren Alben auf eine ganz andere, tiefere Weise, und in "My Ghosts Inside" bin ich durchaus ein wenig verknallt. Herrlich emotional gesungen, völlig eigenwillig gespielt, lyrisch mit viel Hingabe und Tiefgang; das Ding geht weit unter die Haut und ist mit Volltreffern gespickt. Gerade auch die Sachen mit deutschen Lyrics sind super, und das ist fast schon die Königsdisziplin, denn wie viele richtig tolle deutsch gesungene Bands im Metalsektor gibt's denn, die clean, melodisch und schön singen, statt zu schreien, kreischen, grölen, knödeln oder shouten? Eben, kaum welche! https://www.youtube.com/watch?v=JTgWQjdSZ1U
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von Nils Macher » Mittwoch 25. Januar 2017, 09:50
Dass MAYFAIR in deiner Liste landet, überrascht mich ja auf den ersten Blick. Bei deinen Gründen, wieso du das neue Album so toll findest, kann ich es aber sehr gut nachvollziehen. Ich hatte mit "My Ghosts Inside" nicht genug Zeit, damit es sich so entwickelt wie der Vorgänger. Ich muss mir die Scheibe endlich mal kaufen, das macht bei intensiver Beschäftigung doch immer noch einiges aus.
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von Eike » Mittwoch 25. Januar 2017, 19:00
Rüdiger, das freut mich ganz besonders. Zum einen, da es eine unerwartete Band ist; zum anderen, weil ich sie auch mag. "My Ghosts Inside" könnte tatsächlich das rabigste Album der Band sein, da es hier auch mal garstig zugeht. Zudem natürlich - wichtiges Merkmal! - eigenwilliger Gesang bei MAYFAIR seit ehedem eine große Rolle spielt. Insofern ist das dann keineswegs widersprüchlich, dass die Band hier auftaucht. Es freut mich um so mehr, dass Du es immer wieder versucht hast, bist Du sie Dir schön gehört hast!
Nils, hol Dir das Teil! Ein progressives Schmuckkästchen!
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 26. Januar 2017, 01:10
@ Eike:
Ja, mich freut das alles auch, und deine Aufforderung an Nils mag ich hier unterstützen.
Das rabigste Album ist meines Erachtens im Zweifel die Debüt-EP, die doch sehr deutliche 80-US-Power-Prog-Einflüsse hat (wie z.B. Arch-Ära-Fates-Warning oder Crimson Glory), was dann naturgemäß doch sehr in meinen Geschmacksbereich tendiert. Aber ich mag auch die trippigeren Sachen wie auf der dritten Platte.
Schönhören ist meine Spezialität. Wobei ich das jetzt bei Mayfair nicht gezielt machen musste. Das hat sich einfach so ergeben, dass die Zuneigung immer mehr wuchs. Eine tolle, einzigartige und sympathische Band.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 26. Januar 2017, 01:34
Die besten Alben - Platz 18HELLHOUND "Nothing Left" Als die Band "aktuell" war, lief die unter meinem Radar durch. Drei Demos in den Achtzigern? Vor meiner Zeit. Die Compilation aus den Neunzigern? Übersehen. Erst die zweite Anthology von Stormspell anno 2008 bekam ich dann, Frank sei Dank, in die Finger, und ja, das konnte überzeugen. Nach der zähen Veröffentlichungsfolge rechnete dann wohl keiner mehr damit, dass es von den Kaliforniern irgendwann mal ein richtiges Studioalbum geben würde, und das sind ja dann immer die Momente, die mich besonders reizen und besonders gerne mal richtig für sich einnehmen: Wenn eine Band, mit der man gar nicht (mehr) gerechnet hat, aus dem nichts heraus, voll zuschlägt. So gelingt es den Jungs aus der südlichen Bay Area mit ihrem Sound, wirklich gute Laune zu verbreiten, ist er doch irgendwie anders, als der typische Stil der Gegend. Ein gutes Stück mehr Speed und Power als reiner Thrash, trotzdem anspruchsvoll und messerscharf in der Gitarrenarbeit. Als Einflüsse oder Vergleichsgrößen würde ich frühe METALLICA, VICIOUS RUMORS, aber auch europäischen Speed-Metal wie frühe RAGE und etwas NWoBHM der SATAN/PARIAH/BLITZKRIEG-Schule nennen. Leider Gottes wird die Scheibe aufgrund der geringen Bekanntheit der Band und der dürftigen Promotion auch nur marginal zur Kenntnis genommen werden, doch ich finde sie richtig toll! https://www.youtube.com/watch?v=hdkUCmB6ag4
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von Jhonny » Donnerstag 26. Januar 2017, 11:13
Ich hab die HELLHOUND, und die gibts bei Stormspell (CD Baby) für 5 $, wenn man mindestens 3 CDs bestellt. Lohnt sich!
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von Havoc » Samstag 28. Januar 2017, 01:04
Eike hat geschrieben:Nils, hol Dir das Teil! Ein progressives Schmuckkästchen!
Mhh. Mayfair ist einer der wenigen sehr oft hier angepriesenen Prog-Bands von denen ich noch gar nix habe. Woran liegt das? Vielleicht am deutschen Gesang? Irgendwann vielleicht mal. Flotsam ist nicht meine Band und Hellhound kenne ich nicht. Das Cover ist aber schick. 
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von Peter Kubaschk » Samstag 28. Januar 2017, 01:07
MAYFAIR ist auch keine Prog-Band im Schubladen-Sinn. Überhaupt nicht. Aber im Wortsinne ist es das natürlich. Ist halt etwas verschroben, hochgradig unkonvetionell und komplett einzigartig. Die (seltenen) deutschen Texte stören da auch nicht. Im Gegenteil: 'Schrei es raus' ist sogar der beste Song des neuen Albums.
Die FLOTSAM ist super, die HELLHOUND auch sehr stark. Bisher eine Topliste, die den Namen verdient.
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von Rüdiger Stehle » Samstag 28. Januar 2017, 04:39
Peter Kubaschk hat geschrieben:Bisher eine Topliste, die den Namen verdient.
Dann wollen wir damit mal Schluss machen und als nächstes verschämt die sündige Last bekennen: Die besten Alben - Platz 17OMEN "Hammer Damage" Ja, ich weiß, ich bin irre geworden. Und ich weiß, dass das "Schlagzeug" auf dem Album ein schlechter Witz ist und auch der Mix insgesamt eher dürftig. Deshalb ist die Scheibe auch tatsächlich meine Enttäuschung des Jahres 2016 und trotzdem in meiner Top-Liste. Wie geht das? Ganz einfach: Ich finde die Songs kompositorisch weit überwiegend richtig klasse, ich liebe Kennys Gitarrenspiel und Kevin Goocher ist für mich der adäquateste Kimball-Nachfolger, den ich mir vorstellen kann. Hellas, Knights, Eulogy und Era of Crisis sind für mich echte Knaller, die ich auch sehr gerne live hören würde. Trotzdem ist und bleibt es eine Schande, dass Kenny Powell hier in Sachen Produktion komplett beratungsresistent war. Hätte er sich hier Hilfe geholt und Ratschläge angenommen, dann wäre die Scheibe ein echter Kracher geworden. So lieben sie halt nur ganz besonders schmerzfreie Legionäre... solche wie ich... und selbst die halt mit einem weinenden Auge. Trotzdem: Ich höre die Scheibe gerne. Fertig... https://www.youtube.com/watch?v=9OcJoopByQk
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