Kreator

Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 9. Januar 2017, 17:27

Schaf hat geschrieben:Das würde Mille nie zulassen! Dafür rollt der Rubel seit "Violent Revolution" viel zu gut.


Das ist - um seiner Sallygkeit wunde Stelle zu besalzen - dann wohl auch das, was beim einen oder anderen einstigen Zielgruppengänger spürbar ankommt: Erfolgsformel-Rehash statt Authentizität. Mich interessiert ja traditionell eher wenig, was Musiker so alles erzählen, aber mir wurde wiederholt berichtet, dass Mille gesagt habe, dass er selbst gar nicht mehr so viel mit Thrash am Hut habe, dass es aber das sei, was die Fans von ihm hören wollen (und was sich gut verkauft). Da kann man nun sagen, was man will, aber das lässt dann natürlich schon die Mutmaßung aufkommen, dass aus einem Mangel an Identifikation mit dem eigenen Werkeln natürlich auch ein Mangel an Kreativität resultieren kann.

Ich bin der Letzte, der Mille das Vorgehen vorwerfen würde; bei "Violent Revolution" habe ich ihn für diese Kehrtwende noch gefeiert, aber meine Wahrnehmung suggeriert mir hier trotzdem, dass dieses langfristige "Abliefern" zu Abnutzungserscheinungen beim Hörer führt, der gerne etwas mehr hätte als nur "Kreator von der Stange". Mein Lieblingsalbum der Band ist nicht umsonst "Renewal".
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 19:10

Hat von der werten Forengemeinde schon jemand in die neue Kreator hinein gehört? Im Blätter- und Datenwald rauscht und raucht es ja teils schon gewaltig. Teils von gar berufenen Kritikern bewundert und beweihräuchert, wird die Scheibe von manch altem Hasen auch arg gescholten, und bei uns in der Redaktion stößt die Scheibe auch zumindest zur Hälfte auf recht gleichgültige Ohren. Jedenfalls ist der Schnitt für einen Zweitplatzierten von dem Range nicht gerade berauschend, und die Tatsache, dass es nur eine Toppnote (Marcel mit 9,5) und eine mehr als "nur gute" (Walter mit 8,5) gibt, spricht nun auch nicht für einen Euphoriesturm.

Ich bin gerade in meiner zweiten Versuchsphase. Die erste war bis zur Notenabgabe des Soundchecks, die ein arg wohlwollendes "jo, ganz gut" (7,5) zu Tage förderte, und jetzt nach dem Komplettierungskauf kommt natürlich noch eine intensivere Hörphase, die eben begonnen hat. Wo das Ding nun so läuft und mir das Artwork und die Texte vorliegen, komme ich etwas näher ran, aber irgend etwas stimmt doch nicht so ganz. Für eine Kreator-Scheibe ist mir das tatsächlich noch immer etwas zu "smooth". Das Ding hat nichts, woran man sich reiben kann, nichts was sich sperrt, nichts Schroffes, nichts Knuspriges, Thrashiges. Ich höre eine sehr glatte, geschmeidige Produktion; Melodic Death, jede Menge Blind Guardian-Oppulenz ("Side By Side"). Klar, irgendwie ist das schon auch eine nicht ganz unschlüssige Evolutionsstufe der Band, und so gesehen auch wieder spannend, aber ja, aber... wirklich Biss hat das Ding über weite Strecken nicht. Dafür ist es melodisch super eingängig, sehr schlüssig durchkomponiert, und Schönklang galore... ich seh schon die Schunkelchöre von "The Bard's Song" beim RHF 2017 gotthilffischern.

Schwierig, wobei ich ja Blind Guardian noch immer sehr gerne mag, und daher kriegt die Kreator doch ein progredientes Placet von mir. Trotzdem... schwierig...

:-D
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Re: Kreator

Beitragvon Eike » Montag 30. Januar 2017, 19:54

Ein laut.de-Schreiber hatte die BLIND GUARDIAN-Assoziation auch schon.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 19:57

Bei einigen Hooks, Leadmelodien, Backing Chören, Zupfinterludien, mehrstimmigen Arrangements etc... drängt die sich auch massiv auf. Kommt man eigentlich kaum drum herum, finde ich.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 19:59

Ich seh da buchstäblich Zwerge schunkeln und Elben flöten...
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Re: Kreator

Beitragvon Holger Andrae » Montag 30. Januar 2017, 21:05

Mir ist das zu poliert und melodeathig. Außerdem belustigen die Breitwand-Refrains auf Knopfdruck.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 21:09

Das deckt sich ja dann mehr oder minder mit meinem Eindruck.
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Re: Kreator

Beitragvon Holger Andrae » Montag 30. Januar 2017, 21:15

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das deckt sich ja dann mehr oder minder mit meinem Eindruck.

Absolut. Obendrein überfordert mich dieser Soundoverkill mal wieder. Wo ist denn der erdig-organisch Aspekt von Thrash? Nicht anwesend.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 21:23

Ja, richtig. Ganz unabhängig davon, ob das jetzt gut ist oder nicht, für mich ist dieses Album von Kreator kein Thrash-Metal-Album. Es ist schon noch als Kreator-Album erkennbar, keine Frage, und ich will auch nicht von Stilbruch lamentieren, aber Thrash Metal? Das ist auf jeden Fall nicht mehr Thrash Metal als "Endorama", vielleicht sogar weniger. Da gab's doch Anfang der Neunziger mal die ARTE-Doku über Heavy Metal, in dem so Koryphäen wie Götz und Co. die ganzen Genres erklärten. Der Weisheit letzter Schluss war dann "Konsens Metal" mit Paradebeispiel "Schwarzes Album" von METALLICA. So in etwa kommt mir die neue KREATOR auch vor. Metalinterner Komplettcrossover, logisch, super eingängig und flutschig durchkomponiert, toll gespielt, teuer produziert, aber "no edge at all". Ich kann mir das gut anhören, keine Frage, aber irgendwo ist es doch zu leicht verdaulich für jemanden, der mal extreme Aggressionen hatte, sich für einen Freidenker und Widerredner hält und der sein Publikum wantet each other zu killen. Wie schon gesagt: Schwierig...
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 21:30

Ganz besonders grotesk finde ich dazu dann den Blood&Gore-Videoclip, den sie vom Album ausgekoppelt haben. Das Video würde zu einer Band passen, die wie Dismember klingt, oder wie Cannibal Corpse, aber doch nicht zu einem so plüschigen Hoppelhasenbomber.
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