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von Drumtier » Freitag 30. August 2013, 19:09
Eike hat geschrieben:Drumtier hat geschrieben:Hui, Publikum?!
Das hast Du hier natürlich, auch wenn sich längst nicht jeder Leser gleich zu Wort meldet. Allerdings wäre es noch größer, würdest Du die Texte auch als Leserrezensionen auf unsere Hauptseite stellen. Dessen würdig sind sie allemal; und das war die Untertreibung des Tages. Großartig geschrieben!
Das hatte ich diesmal eh schon im Hinterkopf war mir aber net sicher ob das noch geht weil meine Leserreviews zu DEATH von seinerzeit nicht mehr auffindbar sind. Aber falls das noch geht, gern! Ansonsten schicke ich dicke Küsse nach Frankreich und Season Of Mist die es doch tatsächlich geschafft haben das Album pünktlich heute zu liefern! Deshalb hab ich mich jetzt auch getraut die hier schon verlautbarten Meinungen durchzulesen. Ein paar Sätze könnt ich so auch teilen, andere wieder gar nicht. Erste Kurzzusammenfassung (und dies soll noch kein Leserreview werden): Gggggggggggeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiillllllllllllllllllleeeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrrrrrrrr Ssssssssscccccccccchhhhhhhhhhhhhheeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiißßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßß
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von Drumtier » Mittwoch 4. September 2013, 19:24
Die Begeisterung hat noch nicht nachgelassen, sondern ist noch weiter gestiegen. Ich hab seit Freitag heute erstmals wieder etwas anderes gehört und werd jetzt eine kurze Pause einlegen um Altlasten "abzuhören" und mich dann wieder mit voller Konzentration der Colored Sands und anderen Neuerwerbungen widmen. Bis jetzt kommen bei jedem Hören neue Eindrücke dazu, neue Facetten und das Labyrinth wird Stück für Stück klarer. Die interessanteste Eigenschaft an dem Album ist für mich bislang wie sie es geschafft haben nach den Impulsen die sie mit From Wisdom To Hate und speziell Obscura gesetzt haben, heute die seitdem entstandenen weiteren Ausformungen des extremen Metals wiederum in ihre Musik einfließen zu lassen. Man hört schon eine gewisse Ähnlichkeit zu manchen heutigen Tech Death Bands aber das Songwriting ist doch ganz anders. Riffs sind wieder klar als solche zu erkennen, werden auch innerhalb des Songs durchaus öfter einmal wiederholt aber vor allem werden sie teilweise erstaunlich lange gehalten. Das Klangspektrum das den Gitarren entlockt wird, spottet wieder jeder Beschreibung aber das sie das derartig flüssig und logisch in vermeintlich normale Riffs integrieren können, muss irgendeine spezielle Form der Magie sein. Ansonsten zu den hier angesprochenen Dingen: Dass Rüdiger die Band gar nicht kannte wundert mich doch ein wenig, ist zwar nicht dein Haus-und-Hof-Genre aber die größeren Namen kennst ja normalerweise doch auch? Aber dann versteh ichs wiederum, dass die Colored Sands einen etwas ratlos zurücklassen kann. Du hättest auf meine Zusammenfassung warten sollen oder mich früher zu dieser drängen sollen, dann hätte ich dich vorbereiten können Auch wird Clouded-artiges Schlurfen angesprochen was ich auf Colored Sands eigentlich nicht höre, der einzige Song der ein bisschen in diese Richtung geht ist Absconders aber das ist ja auch völlig anders. Was sie jedoch beide gemeinsam haben ist ihre Fähigkeit mich innerhalb weniger Momente in tiefschwarze Depression zu stürzen. Meine Güte, die letzten Minuten, bei denen nur mehr ein paar Mal der Titel wiederholt wird, kanns denn was traurigeres geben? Bin völlig hin und weg. Falls das Schlurfen nicht auf einzelne Songs bezogen ist, okay, es geht in der Tat oft sehr langsam zu und in der Tat beherrschen sie auch das phänomenal. Generell wird Abwechslung in dicken Großbuchstaben geschrieben, ganz groß. Außerdem ganz groß: John Longstreth!!! Meine Fresse, ich packs gar nimmer. Aber dazu später mehr. Christian Schwarzer hat geschrieben:Sehr schöne Zusammenfassung und sehr geile Band, die sich sehr sicher einen besonderen Platz in meiner Sammlung an musischen Verfechtern des auralen Kaos erobern wird. Das ist wirklich der Hammer, was da immer wieder abgeht. Der Luc Lemay macht auch einen recht sympathischen und "bedachten" Eindruck auf mich.
Ich hatte das Glück ihn zweimal treffen zu können und ja, dein Eindruck stimmt vollkommen. Wahnsinnig freundlicher Mensch, geduldig und vollkommen am Boden geblieben.
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von Drumtier » Sonntag 20. Oktober 2013, 16:07
Na gut, dann versuche ich mich halt jetzt einmal an so etwas wie einer vorläufigen Abschlussmeinung.
Ich würde mir selbst und dem quälenden Warten Unrecht tun, wenn ich sagte, dass Colored Sands die jahrelange Wartezeit wert war aber wir dürfen uns immerhin glücklich schätzen, dass der Bann jetzt endlich gebrochen ist und die Band vielleicht wieder längerfristig stabil oder zumindest aktiv bleibt. Es lässt sich auch sagen, dass Luc Lemay auch in den Jahren ohne GORGUTS sein Talent und seinen Mut nicht verloren hat. Mut vor allem deshalb, da er vor einer schier unlösbaren Aufgabe stand nach so vielen Jahren und den legendären Werken From Wisdom To Hate und natürlich Obscura sämtliche Erwartungshaltungen der Fans erfüllen zu sollen. Ich bin mir sicher, dass genug Geierjournalisten schon ihre virtuellen Bleistifte gezückt hatten um ihm ordentlich eins reinzuwürgen, sowohl bei einem potentiellen Obscura II als auch bei etwas völlig anderem, was dann vermutlich für diese wieder einem feigen Verkauf seiner Seele gleichgekommen wäre. Unter diesen denkbare schwierigen Voraussetzungen steigt Luc Lemay wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche seiner beinahe verbrannten Band und liefert mit seinen hochtalentierten Mitstreitern ein Album ab welches Konkurrenz, Mitstreiter, Neider und Bewunderer gleichermaßen in Ehrfurcht erstarren lässt.
GORGUTS trägt 15 Jahren verschiedenster Entwicklung im Bereich des Technical Death Metal Rechnung und befreit sich aus jeder vorschnellen Schubladisierung. Eine Grundausrichtung entlang des Death Metal ist noch erkennbar, ihr wird aber auch mit vorangestellten Attributen von progressive, avantgarde, etc nicht genüge getan. Die Vocals sind am klarsten dem Death Metal zuzuordnen, wer die hoffnungslosen, leeren, gequälten Angstschreie von Obscura und FWTH liebte, der wird auch hier nicht enttäuscht. Die Gitarren bilden wieder das gleichermaßen verwirrende wie verspielte Fundament auf dem das Werk fußt. Sie stehen hier nicht einfach nur zwischen dem wiedergefundenen Riffstakkato auf FWTH nach der geordneten Kakophonie des Vorgängers sondern bringen eine eigene, unbekannte Note in die Musik von GORGUTS. Sie zeigen keine Scheu vor Elementen aus Post Metal/Sludge/Black Metal, für die Kollegen der jeweiligen Fachbereiche sicher die passenderen Worte finden und bauen das Ganze überraschend melodisch in das gewohnte Klangbild der Band ein. Auch die Saitenhexerei in den Soli soll nicht unerwähnt bleiben, unaufdringlich aber unüberhorbar.
Empfand ich FWTH als eher gitarrenbasiert, so scheint mir "Colored Sands" auf den breiten Schultern der Rhythmusfraktion getragen zu sein. Der Bass bietet eine erfrischend hörbare Darbietung, die, wie in dieser Art von Musik eh keine Überraschung sein sollte, häufig vom vorgegebenen Pfad der Gitarren abweicht. Vor allem aber stellt er eine sehr melodische Ergänzung des Gesamtbildes dar, es lohnt sich also durchaus einmal genauer hinzuhören. Das (oder ein) Herzstück des Albums stellt aber der Schlagzeuger John Longstreth dar. Vielen dürfte dieser Name von seiner Hauptband ORIGIN ein Begriff sein, was wohl zwei entgegengesetzte Erwartungshaltungen hervorrufen könnte. Ich kann beide beruhigen. Ja, dass der Mann spielen kann wissen wir und das zeigt er auch hier in all seiner Klasse. Aber nein, mit dem Stil von ORIGIN hat das nicht ganz so viel zu tun. Während er bei den Hyperfricklern hauptsächlich im Überschallbereich seine Blasts und Double Bass-Attacken loslässt, so lässt er das Schlagzeug hier atmen und schweben. Es sollte nicht vergessen werden, dass die Grundausrichtung wie gesagt im Tech Death liegt aber er zeigt hier oft jazz-artige Ausflüge in rhythmischen Spielereien gegen die allgemeine Tendenz der Gitarren, fantastische Fills und geradezu behutsame Double Bass-Arbeit. Er scheint eine chronische Abneigung gegen das Wiederholen von ein und demselben Takt zu haben und so hält er den geneigten Hörer permanent bei Laune. Er verlangt einem damit zwar auch einiges an Aufmerksamtkeit und Geduld ab, gibt aber einen grandiosen Hörgenuss zur "Entschädigung" zurück.
Was blieb bis jetzt noch unerwähnt? Richtig, das Instrumentalstück in der Mitte des Albums. "The Battle of Chamdo" mit einem Streichquintett zeigt, dass Luc Lemay auch in klassischer Musiklehre seine Hausaufgaben gemacht hat und bringt den sowohl thematischen als auch musikalischen Umschwung zwischen den Albumhälften in eine ausgezeichnete Form. Für den angesprochenen thematischen Umschwung lohnt sich ein Blick in die Texte, die ausgehend von färbigen Sandmandalas die Situation der Tibeter beschreiben. Die erste Hälfte beschäftigt sich mit der Kultur im Allgemeinen, ihren Ritualen, der Philosophie und nicht zuletzt dem Dalai Lama. Sie bleibt musikalisch dabei verhältnismäßig (!) noch am ehesten in der Nähe des klassischen Technical Death Metal. Das bereits angesprochene "The Battle Of Chamdo" stellt die Zäsur der chinesischen Invasion 1950 dar und die dafür besonders geeigneten Streichinstrumente bringen die Emotionen der Angst und Beklommenheit hervorragend zur Geltung. Der folgende zweite Teil der Geschichte bringt dann die öffentliche Selbstverbrennung der Mönche, den gewaltfreien Widerstand und die internationalen Reaktionen zur Sprache. Demenstprechend wird auch die Musik zunehmend dunkler, emotionaler und entrückter um sich erstmals in "Absconders" und seinem himmelschreiend traurigen Schlussteil zu entladen. Intensiver hat man GORGUTS vielleicht nur in "Faceless Ones" oder gar "Clouded" vom Überalbum Obscura erlebt. Auch der Abschlusssong "Reduced To Silence" steht dem aber im Nichts nach und macht die erdrückende Ausweglosigkeit der Situation geradezu greifbar. Sehr intensiv und wahnsinnig schön. Ein Abschlusssatz der in dieser Form für das ganze aktuelle Album der lebenden Legenden von GORGUTS steht.
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von Christian Schwarzer » Sonntag 20. Oktober 2013, 16:42
Schönes Review!  - dem ich mich, hätte ich ansonsten noch Ahnung von der Band, vermutlich auch anschließen würde. Von der "Colored Sands" bin ich aber auch ziemlich begeistert.
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von Drumtier » Sonntag 20. Oktober 2013, 23:39
Ahja, zwecks Leserreview, wenn sich die verantwortlichen Stellen ein Upgrade für ihre ausbaufähige Reviewdatenbank gönnen wollen (  ) dann möge mich jemand aufklären ob und wie das mit der "neuen" Layout noch funktioniert, besonders auch für Alben die noch gar ned angelegt sind. @Christian Danke 
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von Drumtier » Samstag 27. Februar 2016, 22:01
Es wurde ja für 2016 ein neues Album angekündigt und mittlerweile wurde dieses als EP identifiziert, die am 13. Mai der Musikwelt vorgestellt wird. Eigentlich schon früher, aber dazu später mehr. Diese EP, Pleiades' Dust, ist eigentlich ein einziger Song von stolzen 34 Minuten was für die Band neues Terrain ist und äußerst spannend klingt. Vermutlich würde ich das über alles sagen, aber ich hab auch nicht vor meine rosarote Fanboy-Brille zu verbergen. Da es sich um einen einzigen Song handelt, ist es naheliegend, dass es sich um eine "Konzept-EP" handelt, es geht diesmal um das "House Of Wisdom", eine Bibliothek im Bagdad des 8. bis 13. Jahrhunderts und die Entdeckungen während der Hochblüte von Wissenschaft und Kultur im Islam. Nerdy stuff wieder einmal und ich finds geil, aber, ja erraten, auch das würde ich über alles sagen. Der Song ist in verschiedene Kapitel unterteilt und eines davon, wurde als "Teil-Song", benannt Wandering Times, schon jetzt veröffentlicht. Ich warte auf das Gesamtwerk, wer trotzdem einen Höreindruck haben möchte, hier: https://www.youtube.com/watch?v=RDyn5lk ... e=youtu.beZur eingangs besprochenen Vorstellung der EP am 13. Mai wollte ich noch sagen, dass die Band angekündigt hat, die ganze EP auf ihrer kommenden Tour zu spielen. Jetzt da sich die EP als einziger Song herausgestellt hat, ist das zwar nicht mehr so überraschend aber immer noch ziemlich geil. Riesenproblem allerdings, dass sie leider auf einen Österreich-Termin verzichten und der nächstgelegene Spielort Bratislava ist. Von Wien aus ein Katzensprung, von Graz aus allerdings ein doch breiterer Weg. Noch dazu ists an einem Dienstag und ich hätte da schon einen anderen Termin. Bringt mich in eine ziemliche Zwickmühle, weil ich das schon unbedingt sehen wollte... 
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von Schaf » Freitag 5. August 2016, 15:11
Wer hat die beste EP des Jahres veröffentlicht? Richtig, GORGUTS natürlich: http://rateyourmusic.com/charts/top/ep/2016  Nachdem "Coloured Sands" sich ein bisschen zu freundlich ans Ohr schmeichelte, verbindet "Pleiades' Dust" wunderbar die Melodiösität ebendieser mit dem avantgardistischen Gefrickel von "Obscura" ohne dessen furchtbare Produktion, trifft also genau die Mitte der gewissermaßen extremsten Alben. Ein Schmankerl für alle Freunde des Progressive Metals, wie ich finde. Man muss halt nur hinhören. Kommt am Ende des Jahres definitiv in die Top 20.
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von Drumtier » Mittwoch 17. August 2016, 19:53
Na gut, EPs sind eine etwas vernachlässigte Veröffentlichungsform heutzutage, auch und besonders bei mir, von daher sagt dieser Platz jetzt nicht soo viel aus. Ich werd sie aber am Jahresende als Album behandeln und sie muss sich auch dann nicht mit Top 20 herumschlagen, ganz heißer Treppchenkandidat!
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von Schaf » Donnerstag 18. August 2016, 07:25
Drumtier hat geschrieben:Ich werd sie aber am Jahresende als Album behandeln
Häh? Eine EP ist eine Album?  Es ist keine LP, also kein Longplayer, aber aber eine EP (Extended Play) ist ein Mini-Album. Es ist keine Full-Length, wolltest du sagen?
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von Drumtier » Donnerstag 18. August 2016, 18:14
Wie du einwandfrei erkannt hast, ein Mini-Album. Wenn von einem Album die Rede ist wird üblicherweise ein Full-Length impliziert, sollte es sich um eine Single oder EP handeln wird das meist gesondert ausgeführt.
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