Also mein Sampler ist Zweiteilig, beide Rohlinge haben ein "Vinyl-Cover", zusammen mit der großartigen Verpackung werde ich in Sachen Wichteleien wohl eher nichts mehr bekommen, was näher an tatsächliches Vinyl ran kommt.

Ich nenne die unbeschrifteten CDs dann mal Standesgemäß Seite A und B.
Hier noch einmal das Cover-Artwork:
http://reincarnated.de/IMG_0022.JPG
Seite A
01. Passend zum Thema, Nadelknistern. Ein Intro.

02. (08:39) Mich begrüßt ein (Damen-)Chor, dann kommt die Musik und... also ich bin beim Thema "Metal meets Klassik" ja wahrlich nicht völlig unbefleckt, aber diese Heransgehensweise ist mir tatsächlich neu. Hier spielt ein Orchester einen Metalsong, also im wahrsten Sinne des Wortes. Die Instrumente werden so eingesetzt, wie sonst Gitarren und Drumkit. Dazu kommt dann noch der Chor, der auch in den üblichen Metal-Gesangsmustern agiert. Wahnsinn! Das war beim ersten Mal zunächst durchaus anstrengend, nein, das klingt zu negativ, das war, ist, ungewohnt und fordert erst einmal volle Konzentration. Ich bin fasziniert und habe keinen blassen Dunst, wer/was das ist.
03. (02:54) Schwups, überwalzt mich ein wenig überraschender Death Metal Song. Nach dem Vorgänger ist das schon eher etwas zum Durchatmen, obwohl es durchaus heftig zur Sache geht. Ich bin ja leider nicht ganz so fit, was die Einteilung beim Death Metal angeht. Das hier erinnert mich, wenn ich an meine eigene Sammlung denke am ehesten an Bloodbath, wobei das hier dann doch noch eine gute Ecke "sauberer" klingt und auch irgendwie etwas "grooviger" ist. Was auch mit am Sänger liegt, der für mich etwas in Richtung The Crown oder so ähnlich geht (was auch nicht wirklich meine liebste Gesangsfarbe für diese Musik ist). Könnte mir vorstellen, dass das unter Umständen Amis sind, aber das ist nur ein sehr diffuses Bauchgefühl. Leider muss ich sagen, dass der Song auf Seite A dann tatsächlich etwas untergeht, denn gleich danach kommt Folgendes...
04. (09:50) So, nach knapp 10 Minuten fehlten mir erst einmal noch immer die Worte, um den Song irgendwie ordentlich einzuordnen. Ich versuche es mal: hätten Doom und Prog ein Kind gezeugt und es mit Death Metal großgezogen, das Ergebnis könnte ich mir so vorstellen. Es gibt klaren und harschen Gesang, wobei mich der Klare von der Stimmfarbe her etwas an Tim Aymar bei Control Denied erinnert (die Musik stellenweise auch), nur eine gute Spur tiefer und "dreckiger". Da das zum Raten vielleicht noch etwas Wenig ist, hier noch eine teilweise Song Beschreibung. Der Song beginnt mit einer Art Drumsolo unter Begleitung der Saitenfraktion, dann zunächst der genannte Klargesang, teilweise Zweistimmig, über schleppender Musik. Für drei Minuten bleibt es so, dann kommt der Schreihals dazu und kurze Zeit später wird dann das Tempo etwas angezogen und das Gekeife übernimmt erst einmal. Kurz nach Minute vier übernimmt dann die Leadgitarre, und zwar für eine knappe Minute. Dann wird es wieder schleppend, diesmal mit dem Death Metal Gesang. Das war etwas über die Hälfte des Songs, so abwechslunsreich geht es dann auch weiter. Herausstechend ist dann noch ca. zu 8:45 eine kurze reine klare Gesangseinlage während die Instrumente schweigen. Dann halb flüsternd wie eine Art Drohung hinter dem Gesang und die Instrumente riffen noch einmal los. Ende. Bin sehr gespannt, wer das ist!
05. (03:52) Nahtlos geht es jetzt zu etwas ganz anderem über. Das ist auf den ersten Lauscher folkig angehaucht und dann kommt der (eher hohe) Sänger und singt in einer Sprache, die ich nicht (er)kenne. Aus dem Bauch raus würde ich mal in Richtung des Slawischen tippen, auch die Musik deutet für mich dahin. Wobei es theoretisch auch in Richtung Asien gehen könnte. Der Song bewegt sich im gehobenen Midtempo und ich denke, dass da noch irgendein folkloristisches (Saiten-?) Instrument (oder ein entsprechender Effekt) beteiligt ist. Schöner Song! Bin mal gespannt, wie verkehrt ich in der geographischen Einordnung liege.

06. (08:25) Der Song hat mich zu Anfang erst einmal etwas an der Nase herum geführt. Für etwas mehr als eine Minute gingen meine Gedanken angesichts der Gitarrenmelodie fast schon in Richtung Melodic/Power Metal doch dann, nanu, das wird hier so schwarz... den Eindruck bestätigt auch der Sänger. Die Gitarren sind schon sehr Black Metal artig, insgesamt ist da für mich aber auch Death Metal mit in der Songstruktur, wobei das weit ausladende und der Stimmungsaufbau schon deutlich schwarz sind. Nach drei Minuten gibt es dann unter der ausklingenden Gitarre Herzklopfen und als die Instrumente wieder einsetzen ist das fast schon jazzig. Saxophon! Ooookay... hmmm... mir fallen leider nicht so viele Bands aus der Sparte mit Saxophon ein. Sigh sind das nicht. (Oder? Hatte bei denen vor ein paar Jahren mal kurz reingehört, wollte mich immer mal mit beschäftigen, kam aber nie dazu. Aber die waren deutlich stressiger, wenn ich mich recht erinnere.) Nach dem kurzen Intermezzo wird es dann sehr, sehr rifflastig und irgendwie groovig, jetzt ist da mehr Death im Spiel. Irgendwann wird es dann wieder sehr ausladend, die Gitarren flirren wieder schwarz, darunter Double Bass und das Tempo wird gesteigert. Bei ungefähr 7:20 dann plötzlich das Piepen eines Herzmonitors, Herzklopfenund dann Warnsignale und die Nulllinie... Mit einer Art Donnerhall geht es zu Ende. Ein sehr, sehr cooles Stück Musik!
07. (07:38) Jetzt kommt der Knüppel aus dem Sack und dazu tiefe Gegrowle, schon eher Geröchel. Hektisches Schlagzeugspiel (die Produktion ist hier relativ low-fi und etwas rumpelig, passt sehr gut zum Song). Die Gitarren hypnotisieren mich irgendwie. Wieder viele Tempovariationen. Dieses simple Grundriff wird mich vermutlich verfolgen. Jetzt wird es richtig schleppend, immer wieder dieses klare Riff, mit dem Schlagzeug wirkt das, als würde sich irgendein tonnenschwerer Koloss an mich "heranschleichen", BUMM ... BUMM ... BUMM ... während mich die Gitarre einlullt. Was der Sänger mir zwischendurch erklärt, verstehe ich leider nicht. Was für eine großartige Klangmalerei die hier betreiben! Jetzt flüstert auch noch jemand. Ich glaube, der Takt wird gaaaanz langsam etwas schneller. Immer wieder ein Schnauben und leises Gebrabbel im Hintergrund. Ja, es wird schneller, das Riffing unterstützt das, jetzt fegt der Schlagzeuger wiederholt über alle vorhandenen Felle und der Sänger wird auch aktiver. Das wird etwas wie eine langsam anschwellende Beschwörungsformel oder so. Kurze Pause und jetzt knüppelt es wieder deutlich mehr! DIESES RIFF! AAAARRRRGGHH! (Ein positives ARGH!
) Und dann ist plötzlich Ende. Puuuuh, intensives Stück... und wirklich toll!08. (08:51) Ohne Pause wird jetzt sehr viel lässiger gerifft. Geiler Sound, tief, doomig, aber nicht total langsam, dazu ein klarer Sänger. "Carving(?) through the night, I am carried by the wind, ? in my sight, I am the demon of the sin" (oder so ähnlich Oo ). Das Riff ist übrigens auch wieder nah am Ohrwurm. "Remembering the war"? Okay, was für eine (womöglich sogar klassische) Doom Band kenne ich hier nicht? Das ist jedenfalls eindeutig auch meine Tasse Tee! "A Whisper in the dark", "Silence will prevail" und im Refrain glaub ich "The sun cries for Jerusalem where ...?".
09. (04:53) So, totaler Stilwechsel. Singer-Songwriter-mäßig und ich muss zugeben, die Stimme der Dame hat mich heute Nacht so gefangen, dass ich einfach nach dem Text googlen musste, tut mir wirklich Leid für's Mogeln... Das sind Florence + The Machine mit Delilah. Ich glaube auch, dass ich den Song (oder einen ähnlichen) schon einmal gehört habe, sei es im Radio oder im Musikladen. Reinhören wollte ich nach diversen Nennungen hier im Forum ohnehin längst mal. Das wandert jedenfalls sofort auf meine Einkaufsliste. Wahnsinn, die Frau! Einfach Wahnsinn... https://www.youtube.com/watch?v=zZr5Tid3Qw4 (Die erste Minute, also das gesprochene Intro, ist auf dem Sampler-Song übrigens nicht dabei.)
10. (09:55) Das ist jetzt atmosphörisch wieder näher am vorletzten Song, aber kein Metal (denke ich). Ganz langsames, sehr reduziertes Stück, die Instrumente sind quasi auf- und abebbend während halb im Hintergrund leise eine Frau singt, beziehungsweise eher spricht und dabei immer ekstatischer wird. "Make me feel good!", "Make me feel good!!!", "Father"(?), "Father"(?)... Die Instrumente werden mit der Zeit auch ganz sanft eindringlicher und "heftiger". Das ist wieder sehr hypnotisierend, eher entrückend. In solcher Musik kann ich mich super verlieren! Jetzt wird es ruhiger und die Frau singt mehr, klingt teilweise fast schon etwas "heulend". Jetzt spricht sie wieder... "Make it rise!"? Ich glaube ja, immer wieder, immer ekstatischer, immer höher, am Ende kiekst sie fast nur noch. Das klingt tatsächlich wie ein Orgasmus. Und dann, nach dem letzten hohen Stöhnen, machen die Instrumente auch Krach und die Frau schreit richtig, bzw. growlt? Wir sind circa zwei Minuten vor Liedende. Der Krach zieht sich jetzt relativ monoton hindurch um dann im letzten Feedback auszuklingen. Großartig!
11. (02:48) Und wieder Stilwechsel zum Singer-Songwriter, diesmal ein Herr. "Please mother hit me, it's what I need". Nun bereue ich, dass ich für Florence gemogelt habe. Noch einmal möchte ich das nicht machen, aber der Song ist mindestens genau so gut... "Dear Mother I have no religion and I know that I won't burn in hell". Das wird der nächste sichere Eintrag auf der Einkaufsliste. Merci bien!
12. Mit einem Nadelknister-Outro schließt sich nun also der erste Kreis.
So, das war Seite A. Ob Seite B heute noch folgt, kann ich nicht versprechen, ich guck mal. Gefällt mir bisher ausgesprochen gut. Ausgerechnet die beiden Nicht-Metal-Beiträge sind so gut wie gekauft (sobald ich weiß, wer die 11 ist). Die No. 4, 6, 7 und 10 sind auch recht heiße Kandidaten! Vielen Dank schon einmal!




Habe mir auch echt Mühe gegeben mit dem ganzen Teil