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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Siebi » Donnerstag 21. Januar 2016, 10:32
Sally, Du weißt, wie ich das meine. Man muss nicht immer diese Verkopft-Schublade öffnen. Metal is' aus dem Proletariat entstanden, aber da wiederhole ich mich abermals, will nicht weiter langweilen.
Ein Businessplan ist gut und schön, er sollte einer gewissen Realität ins Auge sehen. Luftschlösser sind nichts anderes als... Luft. Von einem schreibenden Redakteur erwarte ich bspw., dass er die eine Scheibe im Kontext der Bandhistorie einzuordnen vermag und auch seine Wertung einbringt. Gefallen oder nicht, alles geschenkt, passt. Nur dem, dem es nicht gefällt, regelmäßig latent eine mitzugeben, er verstünde die Musik oder den Plan des Künstlers nicht, warum?
Wer mit seiner Band und seiner Musik den Lebensunterhalt im Metalgenre bestreiten will, der muss sich verbiegen oder hat das immense Glück, mit authentischer Einstellung und seiner aus dem Herzen kommenden Musik den Gheist der Zeit zu treffen. Jetzt Butter bei die Labskaus? Welcher Band, weder gecastet noch sonst irgendwie businessplanmäßig zusammengestellt, gelingt dies heute noch?
Wenn ich den Ulle von Lanfear sehe oder den Vauchi von Emerald. Die sind mehr als reine Amateure oder Freizeitmucker. Die spielen, spielen und spielen. Die haben was drauf, spielen Platten ein, und verdienen was? Nix, nada, null, niente. Vauchi erzählte mir auf dem KIT vor Jahren nach frischer VÖ der "Re-Forged", dass sie 100 CDs und ein paar Gimmicks vom Label bekommen hätten, aus die Maus. Toursupport? Fehlanzeige.
Deswegen ist der Sangesmann Winkler ja zu den, für mich mit unsäglichem Businessplan ausstaffierten, Gloryhammer abgewandert. Da gibt es ein Image, einen Plan, das lässt sich scheinbar besser an Mann und Frau bringen. Für Winkler passt's, auch okay. Aber der singt auch da, wo eben monetär etwas abfällt. Oder nehmt Hennig Basse. Was für ein Sänger! Der trällert halt Werbejingles oder andere Sachen ein, mit Metal als seiner Herzmusik schaut’s dagegen mau aus. Oder die Holzwarth-Brüder. Die haben dem Vernehmen nach noch nie wirklich einen Cent mit Sieges Even verdient. Die sind mittlerweile Berufsmusiker, spielen bei Rhapsody, Guardian oder eben auf anderen Platten wie live mit.
Was ich sagen will? Mir ist nicht klar, wohin Ketzer mit der neuen Ausrichtung wollen? Ist der Markt dafür so groß? Ist das der neue Hype, das Neue, das durch die metall-gotische Decke geht? Fällt nur noch eine Östrogenschleuder hinterm Mikro. Dass man als Kunstschaffender auch andere Wege beschreiten will, liegt in der Natur der Sache. Aber unter demselben Namen alles ändern? Ich tu mich schwer, das nicht unter, "Schau ma moi, vielleicht klappt's ja damit"-Schiene zu packen. Klar, ist ein hypothetisches Vorurteil, bin ich nicht gefeit vor. Aber mich trügt selten der Schein, der hier mehr als Sein zu sein scheint. Hui, was für eine Wortklauberei, haha.
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Siebi
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von Haris Durakovic » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:32
Siebi hat geschrieben:Von einem schreibenden Redakteur erwarte ich bspw., dass er die eine Scheibe im Kontext der Bandhistorie einzuordnen vermag und auch seine Wertung einbringt. Gefallen oder nicht, alles geschenkt, passt. Nur dem, dem es nicht gefällt, regelmäßig latent eine mitzugeben, er verstünde die Musik oder den Plan des Künstlers nicht, warum?
Ganz unabhängig davon, ob du mit "schreibenden Redakteur" den jeweiligen Rezensenten oder einen Redakteur aus der Soundcheck-Crew. Wenn ich mich bei jeder Scheibe, über die ich schreibe oder die ich in irgend einer Art bewerte, mit der jeweiligen Diskographie der Band auseinandersetzen müsste, dann müssten wir alle hier unseren Job über Bord werfen und PM.de hauptberuflich schmeißen...
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von Peter Kubaschk » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:59
Nun ja, die Erwartungshaltung ist jetzt nicht ganz neu und auch nicht ganz falsch, zumindest für die Reviews. Entsprechend verteilen wir die ja meist an Leute, die sich mit der Diskographie bereits auskennen. Wobei ich schon glaube, dass es eine solche Erwartungshaltung meist nur bei etwas bekannteren Gruppen gibt. Wenn jetzt eine totale Untergrundband wie THE DEAR HUNTER von einem nicht-Experten rezensiert wird, freut sich der Siebi sicher, dass das überhaupt passiert. Aber DREAM THEATER sollte eben schon jemand machen, der sich damit auskennt. Da bin ich durchaus bei Siebi.
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von Havoc » Donnerstag 21. Januar 2016, 15:05
Peter Kubaschk hat geschrieben:Aber DREAM THEATER sollte eben schon jemand machen, der sich damit auskennt. Da bin ich durchaus bei Siebi.
Ja. Und falls man sich kaum mit der Band auskennt, dann sollte man das zumindest im Review anbringen. Aber ihr Musik-Freaks kennt doch eh alles! 
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von Peter Kubaschk » Donnerstag 21. Januar 2016, 15:09
Keine Sorge. Die Rezi habe ich übernommen.  Geht morgen online.
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von Siebi » Donnerstag 21. Januar 2016, 16:15
Haris Durakovic hat geschrieben:Siebi hat geschrieben:Von einem schreibenden Redakteur erwarte ich bspw., dass er die eine Scheibe im Kontext der Bandhistorie einzuordnen vermag und auch seine Wertung einbringt. Gefallen oder nicht, alles geschenkt, passt. Nur dem, dem es nicht gefällt, regelmäßig latent eine mitzugeben, er verstünde die Musik oder den Plan des Künstlers nicht, warum?
Ganz unabhängig davon, ob du mit "schreibenden Redakteur" den jeweiligen Rezensenten oder einen Redakteur aus der Soundcheck-Crew. Wenn ich mich bei jeder Scheibe, über die ich schreibe oder die ich in irgend einer Art bewerte, mit der jeweiligen Diskographie der Band auseinandersetzen müsste, dann müssten wir alle hier unseren Job über Bord werfen und PM.de hauptberuflich schmeißen...
Verstehe Dich Haris. Ein Problem ist, es wird viel zu viel besprochen. Daneben ist nach genau den Perlen zu tauchen, der seinem potentiellen Leserkreis gefalllen könnte. Hier eben aus Rock, Metal und Gothic. Das ist durch die Stilvielfalt dieses Magazins eine schwierige Aufgabe und durch redaktionelle Selektion faktisch unmöglich. In der SC-Crew muss man sich noch mit bis zu 25 weiteren Alben in der Art beschäftigen, dass man sie in Noten packen kann. Für mich ein Ding der Unmöglichkeit, ich könnte das dank Familie und Arbeit nicht mehr. Zudem will ich Musik nur noch aus Spaß an der Freude hören und nicht, weil ich etwas abzuarbeiten habe. Kenne diese Situation nur zu gut. Meine das nicht nur auf PM.de bezogen, schließt Web- wie Printmagazine ein. Wenn ich ein Album beschreibe, ist das für mich keine redaktionelle Arbeit im journalistischen Sinne, sondern reines (be)schreiben, möglich ohne Background oder Kontext. Das kann jeder, der eine Scheibe hört und in Satzbau wie Wortwahl firm ist. Den Beipackzettel rezitieren und ein paar Sätze über das Gehörte schreiben, traue ich jedem Forumsuser hier oder andernorts zu. Journalismus ist eine andere Ebene und die verlangt mMn ein Auseinandersetzen mit Band und Historie, egal ob ich dafür lediglich Ruhm und Ehre bekomme oder eine finished copy oder monetär entschädigt werde. Schade, dass es das nur noch begrenzt zu geben scheint. Hier lese ich das in der Qualität durchaus und gerne, in manchen Printmagazinen nicht (mehr). Schade das.
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von Havoc » Donnerstag 21. Januar 2016, 16:31
Peter Kubaschk hat geschrieben:Keine Sorge. Die Rezi habe ich übernommen.  Geht morgen online.
Mhhh. Ob ich die vorab lesen soll? Verdirbt das mir die Spannung? 
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von Haris Durakovic » Donnerstag 21. Januar 2016, 18:38
Siebi hat geschrieben:Journalismus ist eine andere Ebene und die verlangt mMn ein Auseinandersetzen mit Band und Historie, egal ob ich dafür lediglich Ruhm und Ehre bekomme oder eine finished copy oder monetär entschädigt werde. Schade, dass es das nur noch begrenzt zu geben scheint. Hier lese ich das in der Qualität durchaus und gerne, in manchen Printmagazinen nicht (mehr). Schade das.
Ja, da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Ich schreibe ja hauptberuflich für ein Motorsport-Magazin und der Großteil der Zeit geht für die Recherche drauf - vorausgesetzt, man hat den Druck nicht, Artikel im Akkord herausballern zu müssen. Da gibt es auch so Kandidaten, die Masse über alles andere stellen.
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von Peter Kubaschk » Donnerstag 21. Januar 2016, 20:29
Havoc hat geschrieben:Peter Kubaschk hat geschrieben:Keine Sorge. Die Rezi habe ich übernommen.  Geht morgen online.
Mhhh. Ob ich die vorab lesen soll? Verdirbt das mir die Spannung? 
Nein. Es steigert die Spannung. 
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von Holger Andrae » Donnerstag 21. Januar 2016, 21:03
n Holger Andrae hat geschrieben:Gerade bei einem Newcomer finde ich dieses marktstrategische Stilausloten ganz besonders gruselig. Ich gehe davon aus, dass man Muisk deshalb spielt, weil man ein bestimmtes Gefühl ausdrücken möchte und nicht, weil man in erster Linie Knete verdienen will.
salisbury hat geschrieben:Holger, ganz ernsthaft, ich wäre extrem vorsichtig, wenn Du einer Band einen solchen Vorwurf machst. Wie willst Du das beweisen? Auf Basis deines subjektiven Höreindruckes? Habe die Musiker Aussagen in diese Richtung getätigt? Hast Du selbst mit ihnen darüber gesprochen.
Das war jetzt ganz konkret auf KETZER gemünzt. Was Peter schon schrieb, dieser krasse Wandel in Sachen Sound und Image bei fünf Personen gleichzeitig, finde ich halt unglaubwürdig. salisbury hat geschrieben:Ich muss mich ja manchmal verteidigen, wenn ich Bands scheinbar objektivieren "schlechten Sound" oder "schlechte musikalische Umsetzung" vorwerfe. Das sind jedoch unmittelbare - primäre - Eigenschaften, die ich mir zumute, beurteilen zu können. Zu sagen, eine Band sei nicht authentisch, das heisst im Klartext, sie möchte seine Hörer aus monetären Gründen täuschen, halte ich für viel schwerwiegender als "kann nicht singen". Bei Dir deckt sich Authenzitäts-Gefühl häufig mit deinem Musikgeschmack, was mir wiederrum sagt, dass Du Authentizität mit einem gewissen Sound gleichsetzt. Ich finde dies jedoch einen gravierenden Fehler, den viele Kritiker machen. Laut Wikipedia ist die Definition von Authetizität:
"Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt." Ein Stilwechsel und verändertes Design von Promofotos sind für mich ein extrem schwacher Beleg, einer Band Mangel als Authentizität vorzuwerfen.
Ich setzt Authetizität nicht mit einem bestimmten Sound gleich, denn ich halte sowohl die Chamäleon-Thrasher von Voivod durchweg authentisch, wie auch Long Distance Calling, Armored Saint, Tribe After Tribe, Tau Cross, Mumford & Sons und Fates Warning. salisbury hat geschrieben:Zudem sehe den Zusammenhang zwischen Authentizität und Markwirtschaft komplett anders als Du. Wie sollte ich als Manager ein Produkt bewerben können, das mich nicht von seiner Qualität überzeugt? Das nicht das zu sein scheint als dass ich es verkaufe? Eine Band hat doch nur dann Erfolg, wenn sie selbst hinter dem steht was sie tut und diese Passion auf ihr Publikum überträgt.
Das sehe ich komplett anders. Sicherlich ist es im Idealfall so, dass eine Band hinter dem stehen sollte, was sie macht. Aber: Wie viele kommerziell erfolgreiche Interpreten gibt es denn, die das nachsingen, was andere ihnen vorsetzen und die in Klamotten auftreten, die ihnen jemand anreicht. Da muss man bloß mal auf die Charts schauen. Außerdem: Der Manager kann ja durchaus von dem "Produkt" überzeugt sein. Das muss dann ja nicht zwingend auch für die Musiker gelten. salisbury hat geschrieben:Ich nehme jedoch zur Kenntnis, dass im Falle KETZER bei Kennern der Band Zweifel bestehen. Es wird Leute geben, die deswegen nicht die CD kaufen werden und mit dem Wandel nicht klarkommen. Aus dem Wandel einen Mangel an Authentizität zu schließen halte ich dennoch für höchst gewagt, zumal mir die Bewertungskritrien hierfür sehr unzureichend erscheinen.
Ich halte den Authentizitäts-Faktor nach wie vor für wichtig, wenn es um Heavy Metal geht und ich werde mir weiterhin unlogischerweise anmaßen, diesen zu "bewerten". salisbury hat geschrieben:Ich bis sehr gespannt wie sich die Band in Zukunft präsentiert und wie nachhaltig ihr Konzept ist. Einen neuen Fan haben sie schon. Nils, zwei. Haris, drei. 
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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