Ich genieße ja das Privileg, zu wissen, wer mich bewichtelt. Diese Person hat mir auch unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass er mit meinem Los etwas hadert
Auch ich hatte so meine Befürchtungen, da möglicherweise doch die ein oder anderen eklatanten Wissenslücken und Sammlungsmängel mich bloß stellen könnten. 
Generell hatte und habe nach wie vor sehr viel Spaß an dem mit "The Short & The Long" betitelten Sampler, dessen Cover zwei parallel ausgerichtete Bleistifte schmücken - einen Kurzen und einen Langen.
Der Name verweist wohl auf die Songdauer der auf den CDs beheimateten Songs. Die erste CD kommt auf stolze - meist kurze und knackige - 18 Songs. Die zweite ist mit deren fünf quantitativ schwächer besetzt, die Songlängen mit bis zu knapp 20 Minuten bringen dennoch eine ordentliche Laufzeit auf die Waage.
#1 ??? '???' (5:40)
Der Song beginnt mit sanftem Wellengeplätscher, über welches eine Frau eine Erzählung anzustimmen beginnt: "She covers (?) in the corner, she breathes the night air deep, the darkness swallowing our days, we do not see her light. To be buried full-dressed, mouths opened, loosing the words that would keep us above. Into the void we go. [...]"
Die verzerrten Gitarren brechen im Up-Tempo herein. Der Gesang stimmt an, den ich aufgrund des nicht zu überhörenden Akzentes nicht in nativ-englischsprachige Gefilde orten würde. Hat etwas osteuropäisches, kann mich hier aber auch täuschen. Eine kraftvolles Stimmchen hat die Gute und die Melodien sind doch schön wunderbar einprägsam. "Biiiiiiiyond eterniiiiiiiiityyyy, biiiiiiiyond mortaliiiiiiiityyyyyyy". Ist aber wirklich ein hübscher, eingängiger Modern Rock / Metal-Song. Das Gitarrengegnidel im Mittelteil hätte man sich vielleicht sparen können, das einhergehende Doublebass-Geballer irritiert mich selbst nach den vielen Durchläufen. Aber ich vermute, das ist Usus bei diesen Bands, die diesen angeproggten Stil verfolgen. Ist jetzt aber negativer, als es klingt. Wunderbarer Einstieg in den Sampler.
#2 ??? '???' (3:55)
Meine erste Assozation zu diesem Song war: "Das klingt ganz schön italienisch". Wir bewegen uns im Fahrwasser von Bands wie KLIMT 1918 oder weniger harschen NOVEMBRE. Sprich, verträumter Dream Pop mit verwaschenen Gitarren, wuchtigem, verhalltem Schlagzeug, pumpendem und verspielten Bass und ein sanfter Gesang, der versucht seinen Platz in dieser Klangwand zu finden. Ob's am Ende aber wirklich eine italienische Band ist, weiß ich natürlich nicht. Der männliche Gesangspart dominiert, hin und wieder doppelt der weibliche Counterpart die Melodie oder wirft ein sehnsüchtiges "aaah-aaah" ein. Der Song dürfte wohl "My heart is a monster" heißen, was ich dem Gesäusel dem Refrain entnehmen kann. Ein sehr gefälliger Song, wo ich gerne mal hören würde, wie die Band im großen Kontext klingt. Songs dieser Art auf Albumdauer wären mir etwas zu gleichförmig, aber wenn die Band es schafft, in dieser Stilistik genug Abwechslung zu schaffen, könnte ich mir das gut im Regal vorstellen.
#3 SAINT VITUS 'Dark World' (4:59)
Puh, da bin ich aber knapp an der Blamage vorbeigeschrammt. Den Song kenn ich zwar nicht im Original, aber ich war mir sicher, ihn irgendwoher zu kennen. Und dann kam es mir doch... die guten REVEREND BIZARRE haben diesen Song etwas eigenwillig gecovert. Was mich an diesem Song total fasziniert, ist wie dieses Riffing bei wohl 99,9% bei vielen anderen Bands einfach nur massive Langeweile bei mir verursacht hätte. Aber dieser völlig wahnsinnige Gesang von Scott Reagers passt einfach wie die Faust auf's Auge. Absolut brillanter Song. Das Album muss in den Schrank, da führt nichts dran vorbei.
#4 ??? '??? (4:12)
Wir orientieren uns weg von doomigen Gefilden und kommen in den Bereich des Midtempo-Alternative Rocks. Schön knackiger, trockener Sound, der allerdings von seltsam deplazierten Keyboard-Streichern gestört wird. Der Sänger hat eine schön rauchige, kratzige Stimme. Und er mag wohl Schmerzen, zumindest versucht er mir das im Refrain mitzuteilen. Ob man aber einen Song wirklich "I'm enjoying the pain" nennen würde... Noch kurz die obligatorische Stakkato-Gitarren-Double-Bass-Attacke. Und dann ist der Song auch schon rum. Hinterlässt mich ratlos.
#5 SPIRAL ARCHITECT 'Spinning' (3:23)
Werd ich in 100 Jahren nicht verstehen, was die Leute da spielen. Spaß macht's trotzdem. Und Asgeir bleibt einfach einer der besten Schlagzeuger. Und die Basslinien - besonders in diesem Song - gehören eh zu den Besten auf diesem Erdenrund. Die Platte brauch ich mir zum Glück nicht kaufen, die hab ich nämlich schon

#6 ??? '???' (4:49)
Einer meiner Favoriten auf dem Sampler. Das würde ich irgendwie in den Bereich Ethno-Progressive-Metal einordnen. Dem Ganzen schwingt ein orientalischer Grundton mit. Das Stück ist weitestgehend im 7/4-Takt. Der Song beginnt ruhig, mit verträumten Gitarren, über die eine Sängerin zunächst sanft eine doch relativ vertrackte Melodie singt. Einem Refrain gibt es in dem Sinn nicht, das Stück schaukelt sich langsam auf, das Arrangement wird reicher, mit verspielten Basslinien und zusätzlichen Gitarrenlinien. Der Song beginnt schon leicht auszuschwingen, bis dann doch Fahrt aufgenommen wird. Ein Schlagzeug setzt ein, der 7/4-Takt wird beibehalten, die akustischen Gitarren werden akzentuierter, die Melodien aus dem Anfangspart werden vereinzelt wieder aufgegriffen, jedoch deutlich expressiver gesungen. Auf einmal setzen wahnsinnig verzerrte Gitarren rein, die ein massives rhythmisches Fundament unter den Song liegen. Diese sind nur von kurzer Dauer und den Song hat auch schon sein Ende gefunden. Toll.
Später mehr.


