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von Eike » Mittwoch 1. September 2010, 13:14
Ja, um das zweite dreht es sich meiner Meinung nach in dem Artikel, und das ist für mich auch das eigentlich interessante daran. Trotzdem verstehe ich den oben angesprochenen Absatz immer noch nicht. Musik könnte durch die Schaffung von Metaebenen sich selbst dekonstruieren,
Ja, durch Thematisieren von anderer Musik, bzw. von in ihr gängigen Prinzipien, die dann nicht nur paraphrasiert sondern auch spielerisch aufgebrochen, permutiert, variiert, gegen den Strich gebürstet werden oder gegen die man im entscheidenden Moment verstößt, um durch das Brechen einer Erwartungshaltung auf das Konventionelle in der Erwartung aufmerksam zu machen. Damit werden die Grenzen eines Genres aufgezeigt, eventuell gleichzeitig auch überschritten (eben im Falle eines Verstoßes gegen konventionelle Erwartungen ans Genre). Ästhetik zu dekonstruieren, das läuft ja oft über Ironie. Dazu fällt mir mal wieder SQUAREPUSHER ein: Prinzipien funktionaler Tanzflächenmusik anwenden, zerhacken, neu zusammensetzen, bis wieder tanzflächenfunktionaler Kram dabei herauskommt, der durch das zwar kurzweilige und clevere, letztlich aber auf den billigen Effekt abzielende Recycling erst so richtig das Billig-Funktionale des Ausgangsstoffes herauskehrt: ' My Red Hot Car' wird so zu einer 2-Step-Parodie, die (kaum aber eben doch) über das Genre hinausgeht - da wären wir dann bei der Innovation (aber in Grenzen!); dabei allerdings noch (geradeso) innerhalb des Genres, lediglich eben durch das Einmischen einer neuen, eigenen Note dessen billigpoppige Konventionen überschreitend. Ein anderes Beispiel fällt mir von den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS ein: '[quote=http://www.youtube.com/watch?v=K0zuEPo6_Vk]Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore?[/quote]' reduziert sich auf wenige Bestandteile einer konventionellen Grindcore-Ästhetik, die nach und nach "zugeschaltet" werden, bis sich aus einem Schlager ein - nun ja, weiterer Schlager, eben nur in konventionelle Grindcore-Manier übersetzt ergibt. Die Erwartungshaltung eines pseudo-progressiven "Extrem"-Publikums wird zwar oberflächlich erfüllt, dadurch aber in ihrem spießigen Wesen entlarvt. Für mich ist das in beiden Fällen Dekonstruktion auf einer Metaebene, könnte man jedenfalls so interpretieren. Ist das destruktiv? Für das Ego eines Konventionsfetischisten vielleicht. Aber weder entsteht dadurch (in den zwo obigen Beispielen) völlig genre-inkommensurable Musik ( wesentliche Innovation? Äußerst fraglich...), noch wird dadurch irgendetwas zerstört (die 2-Step bzw. Grindcore-Ästhetik als solche bleibt ja, noch deutlich erkennbar bestehen - darin liegt ja gerade der dekonstruktivistische Witz! Eine neue Ästhetik wird kaum geschaffen, lediglich eine Art Hybrid-Ästhetik die sich aus jenen Mitteln ergibt, deren sich die Dekonstruktion bedient, ohne dass sie schon genre-inhärent wären (die 2-step-untypische Verfremdung in 'My Red Hot Car' bzw. der bekannte Schlagertext nebst zugehöriger Melodie in 'Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore?'). Davon bleibt aber in der Gesamtästhetik der Stücke kaum etwas zurück. Sie wirken eher wie ein Katalysator, der beim Zuhörer eine befremdliche Reaktion hervorruft - die im Idealfall eben zu Hinterfragen und Dekonstruktion eigener Hörerwartungen führt.
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von Julian Rohrer » Mittwoch 1. September 2010, 13:32
Wenn du magst, kann ich dir eine Arbeit über "Selbst"-De-Konstruktion in der Romantik zusenden. Ich merke gerade, wie schwer es mir fällt, wissenschaftliche Diskussionen über das Internet zu führen. Mir fehlt da einfach die Mus(z)e. Aber dann weißt du wenigstens, worüber ich rede, wobei das jetzt offensichtlich schon der Fall ist. Besser: Dann weißt du, woher ich meine Gedanken zur D.K. ziehe. Und vielleicht überkommt es mich ja doch gleich und ich schreibe etwas zu den Beispielen.
Prinzipiell ist es ja so, dass eine Hinzunahme anderer musikalischer Elemente noch keine Selbstdekonstruktion darstellt. Es schafft ein neues Genre und weist mit dem Blick aber eben dennoch nach hinten oder es dreht sich im Kreis und schafft überhaupt nichts. Deine genannten Beispiele finde ich sehr spannend, treffen sie doch den Kern des Selbstdekonstruktion, sind allerdings zu stark auf das ironisierende Moment limitiert. Ironie mag ein Stilmittel zur DEKonstruktion darstellen, ist aber eigentlich ein allzu billiges und damit wenig starkes Mittel, das letztlich doch eher wiederum den vorher angesprochenen Entertainment-Faktor bespielt und daher ein Hybrid-Mittel für den schwergewichtigen falschen Zweck darstellt. Denn mit Unterhaltung einhergehende Dekonstruktion ist mir zu wenig.
Das einer Dekonstruktion am nächsten kommende Beispiel der letzten Zeit war für mich die "Blackjazz" von SHINING (Nor). Ich sprach dort auch von "DEkonstruktion": "Und dennoch ist man geneigt, diese musikalischen Störgeräusche immer wieder auf des Messers Schneide tanzen zu lassen, denn das Uneröhrte will erhört werden, auf dem Scheideweg des Klangs zur Musik wird nun also vorgezogen die letzte Schlacht geschlagen und schließlich, ja, schließlich bleibt vor allem eines zurück: Der Respekt vor dem Mut dieser Klangkünstler, die Faszination, diese Dekonstruktion des Rocks und des Jazz in Reinkultur erleben zu dürfen." Aber es ist eben doch eine sehr limitierte Dekonstruktion und ich kann eben nicht abschätzen, ob das wegweisend ung global genug ist...
Was hätst du denn von Kerkelings "Hurts" als Paradebeispiel einer Selbst-dekonstruktion?
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von hellknulf616 » Mittwoch 1. September 2010, 14:03
Interessant: Ist Jazz also eine Mischung aus Krämerladen und Parodie? Ich würde mich nicht dagegen verwehren, denn ich mag ihn nicht, aber etwas abgehoben kommen mir die Theorien schon vor.
Jazz ist mE afro-amerikanische Tanzmusik, die trotz - oder gerade wegen - ihrer Improvisation nach bestimmten und sehr starren Strukturen funktioniert (Julian hat das nach meinem Verständnis gesagt, Adorno vor knapp 100 Jahren ebenfalls). Die Dekonstruktions- oder Neu(er)findungsmaschine, zu welcher er gern stilisiert wird, dürfte wohl eher dem weißen Feuilleton entspringen, das in regelmäßigen Abständen nach Alternativen zur vermeintlich platten Musik des Volkes sucht. Die Enttäuschung von Erwartungen (und auch die Parodie) hat aber ihr eigenes Drehbuch, und dagegen wird mE im Jazz niemals verstoßen.
Was nun momentan als Jazz + X angeboten wird, kommt mir aufgrund der fehlenden Komponenten (Bewegung, Interaktion) wie ein nochmals verwässerter Strukturtransfer vor, der auf bereits bekannte und vor allem eindeutig erkennbare Versatzstücke zurückgreift ("...aah, da ist der Jazzpart!"). Insofern ist es vielleicht eine Zitatsammlung, oder unterentwickelter Eklektizismus, aber mit Sicherheit wohnt man auf den meisten Scheiben von Bands, die ihre Musik mit Jazz vermischen, keiner Dekonstruktion bei.
Grindcore-Schlagersongs sind mE am Ende nicht meta-aktiv, sondern für die Anhänger (und die Band selbst) eine gute Entschuldigung dafür, simpelsten Schlager gut zu finden UND cool (intellektuell, humorig, ...) zu sein. Squarepusher liefert mit besagtem Titel vielleicht die Dekonstruktion des Abendlandes, vielleicht wollte er aber auch einfach mal stumpfen 2-Step aufnehmen/auflegen - nach außen kann man auf die vermeintliche Metaebene verweisen, nach innen ist es eine schöne Abwechslung vom anstrengenden Dasein als Kulturelite.
Und das ist ja das Spannendste: Derartige Zuweisungen oder Diskussionen werden überwiegend von Anhängern/Hörern/Kritikern unternommen, selten von den Musikern selbst - als ob man den Abfall vom kulturellen Olymp (in die Körperlichkeit des Jazz, die Simplizität des Schlagers, die Zugänglichkeit des 2-Step...) umso krampfhafter rechtfertigen müsste...
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von Jesus » Mittwoch 1. September 2010, 14:30
Eike hat geschrieben:Ich glaube, Du hängst das alles etwas zu hoch, Jesus.
Das stimmt natürlich. Man möge mir verzeihen. Zum Artikel: der Autor holt am Anfang viel zu weit aus und überanalysiert oder kommt zu weit hergeholten Assoziationen. Das ist natürlich typisch für ANUS, die zerlegen Musik in all ihre kleinen Bestandteile, anstatt einfach mal zu erkennen, dass es auch ohne Theorie Spaß macht. Wie Freud mal nicht sagte: Manchmal ist eine Zigarre eine Zigarre. Die Kalt-Heiß-Dichotomie kann ich zwar nachvollziehen, aber die Gründe sind meiner Meinung nach vertauscht. Metal weist Emotionen nicht ab, er wird extremer durch Emotionen. Jazz wird extremer, je weniger Gefühl und je mehr Theorie hineingelegt wird. Zudem ist abstrakte Musik, die - laut Artikel - den wenigsten Hörern etwas zum orientieren gibt, nicht neu und ab Ende des 19. Jahrhunderts gibt es zunehmend abstraktere Orchestermusik, die den Hörer mehr überfordert als ATHEIST. Der Artikel meint auch, Jazz und Death Metal würden zusammenfinden, weil sie beide Außenseiter-Genres wären. Jazz mag keine Pop-Musik sein, ist aber prestigeträchtig. Wer Jazz hört, gilt als kultiviert, wer ihn spielt, als gebildet. Death Metaller gelten als asoziale Barbaren. anus.com hat geschrieben:What makes jazz cool is its acqueous descent into pure organic emotion, a casting aside of all structure that lets the psyche move with total freedom, given a few rules to keep its motion consonant -- like a morality of sound, it throws out conceptions of hierarchy and shared goals and lets the individual freestyle it, but imposes some rigid rules. What makes metal hot is that it throws out that coolness, and imposes an order that transcends human limitations, giving rise to speculation about the motion of empires and epic ideas in collision, like a heavenly war of symbols.
Das hier ist ANUS-typisch frei assoziierte lange Rede ohne Sinn. Eike hat geschrieben:Ich bin nun wahrlich kein DM-Experte, aber dass da eben auch mehr Wert auf Dekonstruktion von konventionellen Strukturen gelegt wurde, vergleichbar mit Free Jazz etc., ist das wirklich so abwegig?
Death Metal dekonstruiert keine konventionellen Strukturen, es folgt eher einem Pfad, der ihn für Metalhörer eben interessant macht. Metal ist eine extremere Form von Popmusik und folgt gerade genretypischen Strukturen. Death Metal greift nicht die freie Strukturlosigkeit des extremeren Jazz auf, sondern orientiert sich an dem technisch Machbaren, um sich äußerlich von der Popmusik loszusagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein DM-Musiker rein aus dem Bauchgefühl heraus entscheidet, seine Musik technisch unkonventioneller zu gestalten. Das hat aber nichts mit Rebellion gegen willkürlich gedachte Genregrenzen zu tun. Was will der Artikel mir am Ende sagen? Jazz und DM kamen zusammen, weil sie Gemeinsamkeiten haben und wurden doch nie vollständig fusioniert, weil sie zu unterschiedlich sind und wenn man sie zu fusionieren versucht, geht das auf Kosten eines der beiden Genres. Und das ist so, weil Jazz sich eben - wie Julian sagt - gerne von musiktheoretischen Dogmen löst, während Death Metal das nicht kann. Würde er es tun, wäre es streng betrachtet kein Death Metal mehr, denn die Definition seiner Genremerkmale ist eng gefasst. Insofern gibt es vielleicht viele Bands, die beide Genres erfolgreich fusioniert haben, aber wir erkennen den Death Metal darin nicht mehr, weil er einen Schritt zu viel aus seinem vertrautem Territorium gemacht hat.
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von Eike » Mittwoch 1. September 2010, 15:08
hellknulf616 hat geschrieben:Und das ist ja das Spannendste: Derartige Zuweisungen oder Diskussionen werden überwiegend von Anhängern/Hörern/Kritikern unternommen, selten von den Musikern selbst - als ob man den Abfall vom kulturellen Olymp (in die Körperlichkeit des Jazz, die Simplizität des Schlagers, die Zugänglichkeit des 2-Step...) umso krampfhafter rechtfertigen müsste...
Da ist auch wieder was dran. Letztlich kann man von außen schlecht reinkucken in den Künstler und das, was ihn umtreibt. Ein Werk als Konstruktion, Dekonstruktion, oder unkontrollierten Kreativitätsausbruch oder eklektizistischen Mischmasch wahrzunehmen, bleibt damit letztlich immer Interpretationssache. hellknulf616 hat geschrieben:Jazz ist mE afro-amerikanische Tanzmusik, die trotz - oder gerade wegen - ihrer Improvisation nach bestimmten und sehr starren Strukturen funktioniert (Julian hat das nach meinem Verständnis gesagt, Adorno vor knapp 100 Jahren ebenfalls). Die Dekonstruktions- oder Neu(er)findungsmaschine, zu welcher er gern stilisiert wird, dürfte wohl eher dem weißen Feuilleton entspringen, das in regelmäßigen Abständen nach Alternativen zur vermeintlich platten Musik des Volkes sucht. Die Enttäuschung von Erwartungen (und auch die Parodie) hat aber ihr eigenes Drehbuch, und dagegen wird mE im Jazz niemals verstoßen.
Das dürfte zutreffen, vor allem auf den traditonelleren Jazz (im modernen Feld kenne ich mich noch weniger aus; und wo ansatzweise doch, da dann wieder bei den Hybrid-Formen, und auf die trifft in der breiten Masse wohl tatsächlich zu, was Du hier schriebst: hellknulf616 hat geschrieben:Was nun momentan als Jazz + X angeboten wird, kommt mir aufgrund der fehlenden Komponenten (Bewegung, Interaktion) wie ein nochmals verwässerter Strukturtransfer vor, der auf bereits bekannte und vor allem eindeutig erkennbare Versatzstücke zurückgreift ("...aah, da ist der Jazzpart!"). Insofern ist es vielleicht eine Zitatsammlung, oder unterentwickelter Eklektizismus, aber mit Sicherheit wohnt man auf den meisten Scheiben von Bands, die ihre Musik mit Jazz vermischen, keiner Dekonstruktion bei.
Ich würde Jazz dennoch nicht auf eine "Mischung aus Krämerladen und Parodie" bezeichnen. Es ist wohl eher so, dass er ein breites Repertoire an Traditionen verwaltet bzw. aufgreifen kann (okay, da passt die "Krämerladen"-Metapher irgendwie), und dass er die, je nach Subgenre, nach bestimmten Grundregeln immer wieder (mehr oder weniger frei improvisierbar) neu kombiniert. Aber trifft das nicht irgendwie auch auf Musik generell zu? Das parodistische Element würde ich im Jazz nicht höher bewerten, als es sich aus dem kommunikativen Schema von call & response aufgrund der menschlichen Natur ohnehin hin und wieder ergibt: Wo viel geplappert wird, noch dazu innerhalb gewisser Anstandsregeln in halbwegs lockerem Ton, da wird halt auch gerne mal gescherzt. Und da, wo man sich auf das afrikanische Erbe beruft, spielen dann eben auch die trickster tales mit ihrem eigenen Humor als kultureller Hintergrund mit rein. Jesus hat geschrieben:Die Kalt-Heiß-Dichotomie kann ich zwar nachvollziehen, aber die Gründe sind meiner Meinung nach vertauscht. Metal weist Emotionen nicht ab, er wird extremer durch Emotionen. Jazz wird extremer, je weniger Gefühl und je mehr Theorie hineingelegt wird.
Da fasst Du etwas in Worte und bringst es gekonnt auf den Punkt, was mir gefühlsmäßig im Bauch rumspukte, als ich den anus-Artikel las und sich an einigen Stellen bei mir so einiges - noch unformulierbar - dagegen sträubte. Touché! Jesus hat geschrieben:Jazz mag keine Pop-Musik sein, ist aber prestigeträchtig. Wer Jazz hört, gilt als kultiviert, wer ihn spielt, als gebildet. Death Metaller gelten als asoziale Barbaren.
Soviel zur Mainstreamsicht auf Jazz und Death Metal. Was mich mal interessieren würde, sind zwei Fragen: Es war/ist ja wohl auch im Death Metal - oder sehe ich das falsch? - nur eine Minderheit, die sich auf jazzähnliche Songaufbauten kapriziert(e) oder die da gar eine Fusion mit Jazz-Elementen wagt, welche über das hellknulfsch offensichtliche "...aah, da ist der Jazzpart!" hinausgeht/ging. a) Sind das dann eher solche (ich nenne sie gerne Musiker-Musiker, weil das Beeindruckende an ihrem Spiel sich scheinbar Musikern mit spielerischem Sachverstand eher erschließt als unmusikalischen Leuten) Typen, die innerhalb des Death-Genres einen eher technischen Ansatz verfolgen? b) Sind das Typen, die sich bewusst vom "asoziale Barbaren"-Image abheben wollen, oder die bei Death-Metal-Kennern ohnehin eine prestigeträchtige Sonderstellung einnehmen - ob nun mit oder ohne Jazzeinflüssen? Das wäre deshalb interessant, weil man daraus ja rückschließend Vermutungen ableiten könnte, ob Jazz+Death für diese Musiker eher als künstlerische Herausforderung oder als Imagepflege interessant ist. Zur "ANUS-typisch frei assoziierte[n] lange[n] Rede ohne Sinn": Ich hatte es so interpretiert, dass "like a morality of sound, it throws out conceptions of hierarchy and shared goals and lets the individual freestyle it, but imposes some rigid rules" sich darauf bezieht, dass Jazz kaum wert auf ein Schema wie Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Coda legt, bei dem es möglicherweise noch dominierende Parts wie ein Hauptmotiv/Heldenthema oder ein großes Finale gibt, dem die anderen nachgeordnet sind oder auf die sie zuarbeiten. (Das unterschlägt freilich, dass es auch Jazzmusiker gab, die sich bewusst an europäischer Klassik abgearbeitet haben, um diese in anderem Kontext für ihre Zwecke nutzbar zu machen.) Je öfter ich die obige Passage jedoch lese, um so mehr stellt sich das Gefühl ein, dass der Text so vage gehalten ist, dass man da alles mögliche reininterpretieren könnte... "What makes metal hot is that it throws out that coolness, and imposes an order that transcends human limitations" hingegen klingt für mich verdächtig nach metaphysischem Quark. Aber vielleicht bin ich auch nur zu doof, das verborgene tiefere Wissen dahinter zu entschlüsseln. Aus vielen Metaltexten lässt sich zwar allerlei "speculation about the motion of empires and epic ideas in collision, like a heavenly war of symbols" erlesen, aber weder in besonders imposanter Ordnung noch in einer, die "transcends human limitations". Jesus hat geschrieben:Insofern gibt es vielleicht viele Bands, die beide Genres erfolgreich fusioniert haben, aber wir erkennen den Death Metal darin nicht mehr, weil er einen Schritt zu viel aus seinem vertrautem Territorium gemacht hat.
Damit könnten die für mich interessant werden.  Beispiele?
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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