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von Havoc » Freitag 4. September 2015, 20:58
Habe in den News gesehen, dass jetzt auch die Progband DARK SUNS ihr komendes Album per Crowdfunding finanzieren wollen. Mhhh. Also ich bin da echt nicht so der Freund von. Ein neues Album finde ich natürlich cool, aber vorab irgendwo Geld reinzupumpen für die Produktion eines Albums?? Es gibt wohl kaum eine Band bei der ich das machen würde. Selbst wenn ich nicht am Hungertuch nage und mir es leisten könnte und sogar eine nicht zustande kommende Produktion und Rückzahlung bei einem geringeren Betrag (Risiko fast Null!) wohl kein Loch in meine Kasse reißen würde. Es entspricht einfach nicht meiner Denke. Ich würde sowas wohl nie machen. Für keine Band.
Noch deutlich seltsamer und schlimmer finde ich es allerdings wenn Bands zu Spenden aufrufen weil sie gerne eine Tour machen würden oder ihr Equipment geklaut wurde. Also mal ganz ehrlich. Da gibt es wohl schlimmere Probleme auf dem Planeten. Dafür einen Spendenaufruf zu starten finde ich fragwürdig und fast armselig.
Wie seht ihr das?
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Havoc
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von Jhonny » Freitag 4. September 2015, 21:37
Ich hab überhaupt kein Problem, Geld zu spenden... aber eine Albenproduktion ist da für mich - wie für Havoc - kein Grund. Ganz klar. Ich freue mich über neue Scheiben, aber ich finanziere sie lieber danach durch meinen Kauf. Das System kann ich ganz gut nachvollziehen... aber es gibt ja Wirtschaftssysteme, die für die Vorfinanzierung zuständig sind - zuerst mal die Plattenfirma. Ich gebe aber auch zu - bei manchen Bands würde ich eventuell meine Standards aufweichen... ne neue CIRITH UNGOL Scheibe würde ich sicher mit 50 € vorfinanzieren... 
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von Peter Kubaschk » Freitag 4. September 2015, 23:05
Hmm, ich finde eure Einstellung da schon schade. Die Bands, die darauf zurückgreifen, tun das meist nicht, weil sie sich ihr teures Hobby auch so leisten und die stellenweise enorme Vorfinanzierung locker stemmen können. Und letztendlich liefern sie ihr Produkt eben nicht nur für sich, sondern auch für uns Fans ab. Wenn da also eine Band, die ich sehr gut finde und deren Album ich sowieso kaufen werde, nach einem Vorschuss fragt, warum sollte man das nicht machen? Das Risiko ist - wie Havoc richtig festgestellt hat - praktisch null und hat idR noch diverse Vorzuüge, die es eben im Laden nicht gibt. Und wenn es nur die frühzeitigere Lieferung (und wenn es ein DL ist), ein Patch oder sonst ein Gimmick ist. Damit ist es ja auch keine Spende, sondern eine Vorauszahlung mit einem gewissen Vertrauensvorschuss.
Davon abgesehen, motiviert das die Bands ungemein den Fans das bestmögliche Produkt/die beste Show/etc. zu bieten. Wenn ihr glaubt, dass heute ein Label noch massiv in Vorleistungen für Albumproduktionen oder Touring geht, seid ihr völlig falsch gewickelt. Das ist mittlerweile leider nicht mehr die Regel, und wenn wird ganz massiv mitbestimmt (z.B. Dauer im Studio, Songreihenfolge, Coverartist & -artwork etc. etc. etc.)
Auch das mit den Spendenaufrufen für Touren oder Equipment finde ich völlig verständlich. Gerade die Musiker, die das semi-professionell betreiben und von der Musik zwar halbwegs leben, aber damit nicht wirklich etwas verdienen, können sich eben nicht neues Studioequipment leisten, wenn ein Hurricane übers Haus gefegt ist, wie es bei JOLLY der Fall war. Wenn ich als Fan dann also daran interessiert bin, dass die Band nicht erst wieder in 10 Jahren etwas veröffentlicht, nachdem sie sich mühsam ihr Equipment wieder zusammengespart hat, dann kann ich doch 5,- EUR, die ich übrig habe, auch meinem Hobby spendieren.
Zum Glück ist das offensichtlich auch die generelle Sichtweise, denn es gibt genügend Crowdfunding-Kampagnen, die erfolgreich verlaufen und wo am Ende sowohl die Fans als auch die Bands sehr glücklich mit dem Produkt sind.
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von salisbury » Freitag 4. September 2015, 23:26
Schönes Thema, über das ich mich ja auch lang mit Deutschrocker Thomas Godoj (hier nachzulesen: http://powermetal.de/content/artikel/sh ... 674-1.html) unterhalten habe. Für ihn war es ein wichtiger Aspekt beim Sprung in die musikalischen Unabhängigkeit. Und es ist eben keine reine Spende. Am Ende lassen sich die Künstler immer etwas einfallen, dass das produkt, welches die Crowdfunder erhalten auch wirklich etwas originelles ist. Bonussongs, spezielles Artwork, Poster, Backstagepässe bis hin zu Wohnzimmerkonzerten steht da oft alles im Abgebot, woram man as Musik kaufender Mensch erfreuen könnte. Bei LISERSTILLE gibt es zur LP spezielles Artwork, Marya von IAMTHEMORNING schreibt Dir die Lyrics handschiftlich auf, etc etc. Und nicht nur der Musiker, auch der Fan freut sich, wenn das Endprodukt gekonnt gemastert ist und einfach ordentlich tönt. Und für 5 Euro mehr pro Fanboy ist da echt viel drin. Ich geh fast soweit zu sagen, Crowdfunding ist die Zukunft der Underground-Musikszene.
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von Siebi » Freitag 4. September 2015, 23:31
Seit Obituary, die ihre Scheibe danach doch bei einem Label veröffentlichten und richtig Kohle eingesackt haben, und den verblendeten Katagory V bin ich da sehr zwiegespalten. Zum einen hege ich mein Helfersyndrom und bin gern mit einem im Verhältnis stehenden Obulus dabei, auf der anderen Seite sind manche Bands in meinen Augen einfach gierig oder verblendet.
Bsp. Katagory V. Die schaffen es nicht, ihre seit Jahren fertig gemischte und gemasterte CD als physisches Produkt zu veröffentlichen. Eine sehr kurzfristig angelegte Spendenaktion mit Ziel 10.000 USD scheiterte kläglich. 10.000 USD? Hallo? Das bekommt kein Lanfear, kein Emerald (CH) oder sonstige bekannte Bands, deren Scheiben sich auch hier in einigen Sammlungen befinden.
Habe mich dann informiert, was mich eine gepresste CD mit 8-seitigem Booklet im Vierfarbcover in einer 500er oder 1000er Auflage kostet. Da war ich bei einem dreistelligen Eurobetrag im ersten Drittelbereich. Dazu meldete sich ein nicht unbekannter Labelboss aus den USA und schilderte sein Vorgehen, der Band einen Deal für die Scheibe angeboten zu haben, der keine trockenen Tücher je sah. Nur so viel dazu, die Sicht einiger Musiker ist meines Erachtens nah am Größenwahn und eine Selbsteinschätzung des Marktwertes bar jeden Verstands.
Ach so, den DL kann man sich für 10 USD ziehen. Nein danke! Und ich kaufe durchaus hin und wieder bei ziemlich unbekannten Bands ohne Label, die meist als free download anbieten, Musik als DL. Aber 10 USD als Ansage, sonst gibt es nix, ist überzogen und frech. Gib mir eine industriell gefertigte CD für gerne 15 EUR und ich bin dabei.
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von Peter Kubaschk » Freitag 4. September 2015, 23:49
Siebi hat geschrieben:Seit Obituary, die ihre Scheibe danach doch bei einem Label veröffentlichten und richtig Kohle eingesackt haben, und den verblendeten Katagory V bin ich da sehr zwiegespalten. Zum einen hege ich mein Helfersyndrom und bin gern mit einem im Verhältnis stehenden Obulus dabei, auf der anderen Seite sind manche Bands in meinen Augen einfach gierig oder verblendet.
Bsp. Katagory V. Die schaffen es nicht, ihre seit Jahren fertig gemischte und gemasterte CD als physisches Produkt zu veröffentlichen. Eine sehr kurzfristig angelegte Spendenaktion mit Ziel 10.000 USD scheiterte kläglich. 10.000 USD? Hallo?
Das Beispiel mit OBITUARY finde ich jetzt nicht so wild, so lange du das erworbene Produkt in der versprochenen Form durch das Crowdfunding erhalten hast. Denn möglicherweise wäre es sonst nie zu dem Plattenvertrag in der Form gekommen, denn letztendlich ist es natürlich auch ein Nachweis für Interesse & damit Marktwert. KATEGORY V aber ist natürlich absurd und schade. Aber dieses Beispiel ist eben doch eher Ausnahme denn Regel.
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von salisbury » Freitag 4. September 2015, 23:57
Na ja, schwarze Schafe wird es immer und überall geben. Kraut-Funden tu ich auch selber nur bei Bands, mit denen ich persönlich Kontakt habe.
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von Havoc » Samstag 5. September 2015, 13:18
Das ist wirklich ein zwiespältiges Ding. Ich kann Peters Ausführungen auch gut verstehen und gebe ihm sogar irgendwo Recht. Und im Endeffekt zahlt man für Konzertkarten ja auch oft weit im Voraus für eine Leistung. Ist eigentlich nix anderes. Vielleicht muss ich hier auch mal umdenken...keine Ahnung. Es ist wohl so eine Gewohnheits und Emotionskiste denke ich. Man kennt es halt so einfach nicht...für eine CD zu zahlen die noch nicht mal aufgenommen ist. Mhhhhh. Für eine Band zu spenden finde ich aber immer noch etwas unwirklich. Wer braucht kein Geld für sein Hobby? Das mit Jolly und dem Sturm war vielleicht wirklich eine Extremsituation bei der ich noch halbwegs nachvollziehen kann. Aber letztens habe ich sowas bei Powermetal in den News gesehen...weiß den Bandnamen nicht mehr. Die haben glaube ich ein paar Gitarren oder so geklaut bekommen. Also sorry. Tut mir ja leid. Aber sowas passiert anderen Menschen auch. Da kann ich auch ne Anzeige schalten, dass ich gerne ein neues Auto kaufen würde....wer spendet? 
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von Feamorn » Samstag 5. September 2015, 13:58
Also ich würde gegebenen Falls bei so einer Finanzierung für eine Band mit machen, wenn ich (a) auf das Ergebnis wirklich heiß wäre und (b) ich eine gewisse "Vertrauensbasis" habe, dass das Ganze auch was wird. Die Möglichkeit, dass das Geld weg ist, besteht immer, es kann ja auch passieren, dass das Funding erfolgreich ist, aber das Ziel aus was weiß ich für Gründen trotzdem nicht erreicht wird, das muss auch nicht unbedingt in der Hoheitsgewalt der Musiker liegen. Das muss einem einfach klar sein. Ich habe bisher genau einmal bei so etwas mitgemacht, aber für ein PC-Spiel. (Shadowrun Hong Kong war das, die Firma hat vorher schon einmal ein Shadowrun-Spiel per Crowd auf die Beine gestellt und dazu einen wirklich exzellenten Nachfolger auf die Beine gestellt. Das Projekt für den dritten Teil (eben Hong Kong) haben sie dann in aller breite vorgestellt und da war ich guter Dinge, dass das Ganze auch funktioniert. Das Spiel habe ich mittlerweile, ebenso sämtliche anderen digitalen Belohnungen für mein Pledge-Level, auf die physischen muss ich noch etwas warten, aber das hat schon wie erwartet geklappt in meinen Augen.) Wem ich zum Beispiel kein Geld über so ein Funding geben würde, ist Jari von Wintersun, der hat für Time II schon zig Kohle von Nuclear Blast durch gebracht und kommt nicht in die Pötte, da werde ich, auch wenn ich das Album gerne hätte, sicher kein Geld rein schießen in der Hoffnung, dass er es dann endlich gebacken bekommt. (Hintergrund: er will das Album unbedingt selbst produzieren und scheitert, meiner Ansicht nach, an seinen eigenen Ansprüchen. Wäre er in ein Studio gegangen wäre das Ding wohl schon lange veröffentlicht und fertig.) Es ist wohl so eine Gewohnheits und Emotionskiste denke ich. Man kennt es halt so einfach nicht...für eine CD zu zahlen die noch nicht mal aufgenommen ist. Mhhhhh. 
Der Punkt ist ja, Du bezahlst beim Crowd-Funding eben NICHT die CD, die da am Ende raus kommen soll. Du bezahlst den Musikern die Aufnahmekosten und als Dank, falls alles geklappt hat, bekommst Du die CD umsonst. Eben deshalb wäre ich eben auch sehr vorsichtig bei solchen Projekten, schließe das aber nicht kategorisch aus. Nur muss einem halt wirklich bewusst sein, dass man da nichts "kauft", sondern einen Finanzierungsbeitrag ohne garantierten Gegenwert liefert. Die meisten Crowd-Funding-Projekte dürften ehrlicher Natur sein und wenn die Leute mit dem eingenommenen Geld Scheiße bauen, dürften sie in der entsprechenden Gemeinschaft auch auf ewig unten durch sein, der Druck ist also eher ein sozialer, ganz gewiss kein rechtlicher (es sei denn, es würde sich in Richtung "Untreue" bewegen, vermut ich mal als Laie).
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von Rüdiger Stehle » Samstag 5. September 2015, 16:31
Also be allen Crowdfundings, die ich bisher verfolgt habe, hattest du die Garantie, dass du das Geld zurück bekommst, wenn das Projekt nicht realisiert wird. Insofern ist das normal keine Spende, sondern einfach eine Vorfinanzierung mit vorhandener Absicherung des Fans.
Selber mitgemacht, habe ich auf jeden Fall einmal (FLOTSAM & JETSAM "Ugly Noise") und ich meine auch ein zweites Mal irgendwo, aber ich kann mich nicht erinnern, wer das war.
Grundsätzlich habe ich mit dem Modell kein Problem dergestalt, dass ich das als Bettelei um Almosen ansehen würde. Klar, ich finanziere meine Hobbys auch in erster Linie selbst und weiß, dass ich dabei draufzahle, weil ja niemand was davon hätte, mir meinen nächsten CD-Einkauf vorzufinanzieren. Aber in dem Moment, wo Leute von deinem Hobby auch profitieren, weil sie deine Musik mögen, weil sie Fan deines Sportvereins sind, weil sie ein öffentliches Kunstwerk von dir als Bildhauer in der Straße stehen haben wollen, ist es doch durchaus sinnvoll und normal, dass sie dich dabei unterstützen, das Ziel möglichst bald zu erreichen. Der Fußballverein steckt Einnahmen aus Fanartikelverkäufen in den Einkauf eines neuen Mittelstürmers, von dem man auch noch nicht weiß, ob er einschlägt; dein Turnverein steckt Sponsorengelder in die Jugendarbeit und den Aufbau neuer Talente, ein paar junge Mucker haben tolle Demos, kriegen aber keinen Deal und haben kein Geld fürs Studio und die Produktion? Für mich durchaus alles legitime und schöne Zwecke für solidarische Finanzierungsmodelle.
Dass ich selber nicht öfters mitmache, liegt zum einen an meiner Ungeduld in Sammlerbelangen. Wenn ich mich zum Wollen entschieden habe, dann ist das Habenwollen sehr übermächtig und dringend. Zum anderen finde ich die Pledge-Angebote oft überzogen teuer. Das geht in die Richtung, die Siebi mit KatV genannt hat. Wenn ich dann als Vorfinanzierer für ein CD inkl. Porto aus den USA 25 Dollar zahlen soll, und für 'nen 10er nur einen Download bekomme, dann finde ich das nicht angemessen. Da sind manche Bands echt komplett unrealistisch, was das angeht. Habe ich auch schon der einen oder anderen Band geschrieben, die 20+x Euro als billigste Variante für den physischen Tonträger für angemessen hielt.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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