Die "frau" bei Powermetal

Von euch... an uns...
Haben wir Mist gebaut? Geschrieben? Oder doch ein brillantes Werk verfasst? Sagt es uns!

Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 13. April 2015, 20:42

@ Feamorn:
Ja und nein, im Prinzip reicht "Agnostiker" schon aus, da das Nicht-Wissen schon die entscheidende Komponente ist. Im Endeffekt kann ich dir nicht sagen, ob und was genau ich glaube. Ob ich dann ein agnostischer Atheist, ein skeptischer Christ oder ein politischer Heide bin, das ist wohl von der Situation, der Stimmung und der mentalen Verfassung abhängig. In verzweifelten Momenten geht das Stoßgebet im Zweifel doch an den einen Gott, den man von Kindheit an gelehrt bekam und mit dem man aufgewachsen ist. Geht es um die Entstehung der Welt und Fragen des Lebens nach dem Tode, wird es wohl der agnostische Atheist sein, von dem du sprichst, und gesellschaftspolitisch hänge ich ganz klar heidnisch-tribalistischen Utopien an bzw. wünsche mir, dass man sich jenen annähern könnte. Das mag alles recht paradox klingen, doch auch wenn ich nicht daran glaube, dass der Einäugige auf einem achtbeinigen Hengst über der Regenbogen reitet, ist Wotan/Odin für mich doch weitaus mehr als eine Gestalt aus dem Märchen. Auch wenn ich nicht an den einen Gott glaube, der über Gut und Böse richtet und der uns seinen eingeborenen Sohn sandte, so kommt doch hin und wieder das Bedürfnis auf, zu jenem zu sprechen. Wobei das sicher auch Odin sein könnte, wenn man eben mit jenem aufgewachsen wäre. Jesus Christus ist für mich ein Philosoph, ein humanistisches Vorbild, aber das war's dann auch.

@ Teichfrosch:
Du hast mit allem Recht, was du sagst, und dass das Christentum viel europäisches Heidnisches und Heidenchristliches inkorporiert, das ist mir natürlich vollauf bewusst. Dennoch bedaure ich es, dass wir unser schönes Pantheon gegen den "einen Gott" tauschen mussten. Meiner Traumvorstellung würde es eher entsprechen, Jesus mit Baldur zu identifizieren und somit ein reformiertes Heidentum mit christlichen Ansätzen zu pflegen, als ein heidnisch beeinflusstes Christentum. Egal, Religionsgeschichte ist kein Wunschkonzert und sich Religionen malen zu wollen ist eh für die Katz. Dennoch wünschte ich mir, dass das Bewusstsein für das heidnische Ahnenerbe stärker betont würde. Im Übrigen nicht nur in Europa. Mir geht es da wie auch bei Sprachen und Dialekten vorwiegend um die Vielfalt, und da finde ich es besonders traurig, dass auch Länder wie Ägypten oder Mesopotamien, welche die ersten Hochkulturen der Welt und die ältesten überlieferten Religionen der Welt hervorbrachten, diesem Monotheisten-Einheitsbrei zum Opfer gefallen sind. Jeden Tag, an dem ich diesen ganzen Quark um Islamisten etc... im Fernsehen sehe, wünsche ich mir, dass ein stolzer Ägypter oder Iraker aufsteht und mal klar stellt, dass ein Volk das Isis, Osiris und Anubis; oder Marduk, Ishtar und Tiamat haben kann, keinen Mohammed und keinen Allah braucht.

Ich bin da hoffnungslos romantisch, ich weiß. Dass das niemals Realität werden wird, das weiß ich. Aber man wird träumen dürfen.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Teichfrosch » Montag 13. April 2015, 22:20

Wäre nur die Frage, ob es einen Unterschied macht, in Allahs oder Anubis' Namen abgeschlachtet zu werden. Hoffentlich gibt sich niemand der Illusion hin, dass diejenigen, die diese Kriege entfesseln, das wirklich machen, weil sie tiefgläubig wären. Nur ist es eben opportun, einfache Menschen auf diese Weise zu instrumentalisieren.

Religion find ich für mich persönlich jedenfalls durchweg überflüssig, egal welcher Gott es nun ist. Lenkt nur von der Tatsache ist, dass wir Menschen die Verantwortung für unser Handeln übernehmen müssen, und niemand sonst. Wem's hilft, an etwas zu glauben - bitteschön. Solange jedem bewusst ist, dass er nicht verhütet, weil es Gott gefällt, sondern weil es den eigenen Moralvorstellungen entspricht; solange es klar ist, dass man nicht Andersgläubige abschlachtet, um "Gottes Werk" zu tun, sondern weil man einer Lüge aufgesessen ist; solange sich niemand der Illusion hingibt, ein göttliches Wesen würde sich dafür interessieren, ob die Ameise Mensch vermeintlich gottgefällig lebt oder nicht. Die Vorstellung eines göttlichen Wesens kann ich akzeptieren, aber jeder, der mir erzählt, dass ein Allmächtiges und zeitloses Ding sich dafür interessiert, dass man seine Tochter genitalverstümmelt, gehört weggesperrt an einen Ort, wo er niemandem mehr Schaden zufügen kann. So und nicht anders.

Zuletzt sehe ich jedenfalls im Namen diverser Götter mehr Leid als Glück entstehen.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 13. April 2015, 23:18

Da bin ich bei dir. Für mich ist das eher ein folkloristischer Reiz, der dem Ganzen innewohnt. Ich bin immer schon ein Gegner von Währungsunionen, von Internationalismus, von Weltreligionen, von Weltsprachen, von Globalisierung, von zu großer Mobilität, einfach weil ich die Vielfalt liebe, die es so spannend macht, sich mit menschlichen Kulturen, Mythen, Sprachen etc... zu befassen. Alles was die Vielfalt reduziert ist mir suspekt und zuwider, und missionierende Religionen sind da halt ganz vorne mit dabei, die Vielfalt zu mindern.

Im Namen irgendwelcher Götter, gleich wie sie heißen, jemand anderem zu schaden, ist natürlich das Hinterletzte, wobei die Strippenzieher ihren Hass eben auch auf andere Weise verbreiten können. Sei es durch Schüren der Feindbilder anderer Rassen, anderer Klassen, anderer Schichten, anderer sexueller Orientierungen, anderer Überzeugungen, anderer Ernährungsgewohnheiten, anderer Nasenspitzen... man braucht keine Religionen, um Leute zu manipulieren. Sie machen es auch nicht unbedingt immer leichter, als andere ideologische Konstrukte.

Wie auch immer, ich fände es halt spannender die großen Weltreligionen wieder durch 75000 Stammesreligionen ersetzt zu sehen. Da gäbe es so viel mehr zu erforschen und erkunden.

:grins:
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Teichfrosch » Montag 13. April 2015, 23:48

Hm, also ich sehe nicht, wie sich international und regional beißt, wenn man beidem seinen Platz einräumt. Sowohl für ein geeintes Europa wie auch für starke regionale Unterschiede kann ich mich begeistern, und ich sehe nicht, inwiefern sich das widersprechen sollte. Weltsprachen, Währungsunionen, Globalisierung, Mobilität usw. - das sind für mich erstmal alles Sachen, die das Leben einfacher machen und Kulturen einander näher bringen, ohne dass man deshalb direkt jede Eigenheit aufgeben müsste. Manchen Eigenheiten allerdings weine ich keine Träne hinterher, wie nationale Währungen, überdeutliche Ländergrenzen oder Passkontrollen.

Nur weil die europäische Politik denkt, man müsse alles gleich machen um gemeinsam weiter zu kommen, heißt das ja weder, dass das der richtige, noch der einzige Weg wäre. Da ginge viel mehr, und es ginge viel besser. Bei der aktuellen Stimmung ist da aber wohl ohnehin nichts zu machen.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 14. April 2015, 00:00

Ich bin ein großer Freund der europäischen Einigung im Sinne einer friedlichen und freundschaftlichen Koexistenz und Symbiose. Nationalstaaten an sich spielen da für mich keine Rolle. Die entscheidende Größe waren für mich schon immer die Stämme. Allerdings wünsche ich mir Einigkeit in Vielfalt, und die ist halt schon ein Stück weit gefährdet, wenn die örtliche Verwurzelung allzu beliebig dem beruflichen Fortkommen und anderen Dingen geopfert wird. Passkontrollen und Ländergrenzen brauche ich innerhalb Europas sicherlich auch nicht; die alten Währungen indes vermisse ich sehr. Nicht aus protektionistischen oder wirtschaftlichen Gründen, sondern aus rein numismatischen. Das Münzensammeln ist durch den Euro sicherlich nicht spannender geworden, und ja, mir ist die Münzkultur tatsächlich ein höheres Gut als der erleichterte Waren- und Geldverkehr.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Loomis » Donnerstag 23. April 2015, 11:35

Und schon wieder hat er es getan:
http://powermetal.de/news/news-Naechste ... 36854.html

Wie jeder Witz nutzt sich auch dieser ab, wenn man (!) ihn zu oft bringt.

Mal davon abgesehen, dass der Satz ja gar kein richtiges Deutsch ist:
Wenn mann und frau liest, wer sich hinter dem ausgesprochen ausgelutschten Namen TEENAGE TIME KILLERS verbirgt, der wird die Ohren anlegen
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 23. April 2015, 12:42

Jo, da hast du recht, deswegen steht das da jetzt auch nicht mehr.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon mattes » Donnerstag 23. April 2015, 22:37

Meine Göttin, was für Probleme hier gewälzt werden...
Mir wurde anerzogen, dass das "man" einfach unpersönlich und Blah! ist. aber bitte... dann lass ich mir einfach eine andere Provokation einfallen....wahrscheinlich werde ich ins verdeutlichende Neutrum wechseln....Wer da gleich einen Feminismus riecht...das ist ja interessant...Aber es ist ein Anzeichen dafür, dass das Zeug gelesen wird.
Bestes, Mattes
Nichts ist, wie es scheint.
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Re: Die "frau" bei Powermetal

Beitragvon Eike » Sonntag 14. Juni 2015, 20:46

Neutrum? Dann also "Wenn eines..."?
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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