Nachwuchs im Metal

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Nachwuchs im Metal

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 9. April 2015, 11:56

Vor kurzem habe ich von einer Diskussion in einem anderen Forum gehört, wo es im Kern um "HipHop vs. Metal" ging (jaja, ist idiotisch, ich weiß, aber darum geht es ja nicht). Im Zuge dieser Diskussion wurde die These aufgestellt, dass im Metal Nachwuchsprobleme bestehen würden.
Meine Theorie dazu: kompletter Unfug, die Bands sind aber nunmal nicht wirklich bekannt oder erfolgreich, sondern nur in ihrem Metal-Sub-Genre groß und gefeiert, wogegen HipHop momentan Mainstream ist und jeder halbwegs talentierte Newcomer schnell Bekanntheit erfährt. Außerdem ist Metal als Genre eben sehr traditionsbewusst - sehr viele Altmeister sind seit Jahrzehnten erfolgreich, und wieviele erfolgreiche HipHop Künstler gibt es seit Jahrzehnten? Das sind ganz andere Vorraussetzungen, unter denen man diese zwei Musikrichtungen vergleichen muss.

Aber genug um den heißen Brei herum geredet. Ich würde euch bitten, ein paar Newcomer Bands aufzulisten, damit ich dem, der die Theorie aufgestellt hat, diese um die Ohren klatschen kann, damit er Ruhe gibt. ;) Ich kann das kaum alleine machen, da ich bekanntlich Metal nicht mag und zuletzt einfach auch wenig metallisches gehört habe. Die Bedingungen:

Es gibt - und ich exkludiere hier aktiv Subgenres bzw. mittlerweile alleinstehende Genres welche hardcoreangehaucht sind, wie Metalcore, Deathcore, Grindcore usw. - keine einzige Scheibe die mir jetzt aus dem Stehgreif einfällt, die in den letzten 10 Jahren erschienen ist, sich weitestgehend zum Obergenre Metal zuordnet, von einer Band geschrieben wurde die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 3 oder weniger Jahre lang gegründet war, und die dann auch noch von den weltweiten Kritikern bzw. jener Audience positiv rezipiert wurde.


Ich weiß, ich weiß. Dürft euch gerne über so viel Unwissenheit gepaart mit Überheblichkeit echauffieren, aber bitte vergesst nicht, ein paar "Newcomer" aufzuschreiben. Anschließend darf gerne die Frage diskutiert werden, ob die große Menge an "Altmeistern" im Metal das Aufkommen von Newcomern behindert oder befördert - eure Meinung hierzu würde mich interessieren.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 9. April 2015, 13:42

In den letzten 10 Jahren?
Gibt es doch eine ständige Flut an Newcomern, auch an solchen, die gute Kritiken kriegen.

Nur Bands aus meiner Sammlung, nur eindeutige Metal-Bands, Debüt ab 2005, gute bis sehr gute Kritiken:

Argus
Attic
Borrowed Time
Chapel Of Disease
Communic
Crescent Shield
Cultes Des Ghoules
Darkest Era
Dead Congregation
Dead Lord
Ethereal Architect
High Spirits
Huntress
In Solitude
Ketzer
Kryptos
Midnight
Nekromantheon
Pharaoh
Portrait
Vektor
Züül


weggelassen alte Helden in neuer Besetzung wie:
Kenn Nardi, Hail Of Bullets, Heaven & Hell, Warrel Dane, Subsignal, Unisonic

Oder alte Bands mit späten Debüt-Alben wie:
Deep Machine, Ruffians


Und natürlich viele neuere Bands, die nicht gleich für die ersten ein, zwei Alben richtig überragende Reviews und Fanreaktionen erhalten haben - und trotzdem frisch und gut sind.

Ach ja, und all die guten jüngeren Bands, von denen ich gar nix besitze...
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Raphael Paebst » Donnerstag 9. April 2015, 15:08

Wenn ich es richtig sehe, geht es ja um Bands, die auch außerhalb der reinen Metal-Zielgruppe, also im Mainstream, wahrgenommen wurden. Das Problem sehe ich eher in der Einschränkung der drei Jahre ab Gründung. Im Metal ist es für eine Band doch völlig üblich, erst mal ein paar Jahre durch Proberäume und Jugendclubs zu tingeln, bevor man einen Plattenvertrag bekommt, das schließt doch eine Menge Bands aus und das auch nicht erst seit zehn Jahren. Die Zeiten, in denen Bands direkt von einem Majorlabel unter Vertrag genommen wurden und ein sechsstelliges Budget für Aufnahmen und Werbung bekommen haben, sind doch einfach schon seit Ewigkeiten vorbei, nicht nur im Metal.

Potentielle Kandidaten, die außerhalb der Szene für Aufsehen sorgten, wären z.B. THE DEVIL'S BLOOD oder GHOST über deren metallizität ich hier ausdrücklich nicht diskutieren will.
Verhältnismäßig junge Bands, die es in den sehr großen Mainstream geschafft haben, wären sicher immer noch NIGHTWISH (ja, die sind alles andere als jung), VOLBEAT (ja, die sind alles andere als Metal) oder SABATON (ja, die sind alles andere als gut). BLUES PILLS müsste man hier wohl auch erwähnen, auch wenn die natürlich ebenfalls wenig Metal sind, aber mit Nuclear Blast als Label und ihrer Stammhörerschaft schon daher kommen.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 9. April 2015, 15:27

Nö, geht wirklich mehr darum, ob und dass Bands positiv aufgenommen wurden, also von objektiver (Kritiker) und subjektiver (Fans) Seite her Zuspruch erhalten haben. Wenn es nach dem kommerziellen Erfolg geht, kann Metal ohnehin kaum ernsthaft mithalten. Allein schon, um mit einem eher national erfolgreichen HipHop Künstler wie CRO bei den Verkäufen mithalten zu können, müsste man mehrere Metal-Größen zusammenpacken. Das ist weder ein fairer noch beabsichtigter Vergleich.

@Johnny: Danke, ich werds einfach mal so weiterreichen. Möge er dran verstummen! :grins:
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Jakob » Donnerstag 9. April 2015, 15:30

Guck die Line Ups vom Euroblast Festival an. Da sind fast nur Newcomer unterwegs. TESSERACT, ANIMALS AS LEADERS, UNEVEN STRUCTURE, VILDHJARTA, MONUMENTS, HYPNO5E, DESTINY POTATO (die haben übrigens nach dem ersten Gig ein Angebot von Century Media bekommen), MODERN DAY BABYLON, TWELVE FOOT NINJA, HEAVY METAL NINJAS... Die Liste ist lang^^
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 9. April 2015, 16:05

Die größeren Metal-Bands können kommerziell doch mehr als mithalten...

viele größere Metal-Bands landen mit neuen Alben locker in der Top 30 der Alben-Charts.
Selbst Newcomer wie Blues Pills oder echte Underground Bands wie Atlantean Kodex stehen in den Top 100, dazu teilweise so extremer Stoff (Cannibal Corpse, Mayhem), dass das meilenweit weg von Easy Listening ist.
Also, da bin ich mir nicht sicher, ob da die meisten neueren HipHop Acts mithalten können.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Chavo89 » Donnerstag 9. April 2015, 16:23

Es landen doch auch ständig relativ junge Band wie POWERWOLF in den Top 10. Kriegt halt nur niemand mit, weil die vom Radio und TV Angst vor echter Musik haben.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 9. April 2015, 17:08

Teichfrosch hat geschrieben:
Es gibt - und ich exkludiere hier aktiv Subgenres bzw. mittlerweile alleinstehende Genres welche hardcoreangehaucht sind, wie Metalcore, Deathcore, Grindcore usw. - keine einzige Scheibe die mir jetzt aus dem Stehgreif einfällt, die in den letzten 10 Jahren erschienen ist, sich weitestgehend zum Obergenre Metal zuordnet, von einer Band geschrieben wurde die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 3 oder weniger Jahre lang gegründet war, und die dann auch noch von den weltweiten Kritikern bzw. jener Audience positiv rezipiert wurde.


Ich bin ja nicht so der Newcomer-Jäger, aber es gibt zahlreiche in der Szene weltweit sehr gut rezipierte Newcomer in den letzten 10 Jahren, speziell auch in den explizit traditionellen Genres. Neben den von Jhonny bereits genannten fallen mir spontan auch noch die hier ein:

Atlantean Kodex
The Committee
Enforcer
Sulphur Aeon

Es ließen sich bestimmt zig bis hunderte weitere finden, wenn man denn suchen würde. Wenn großer medialer Erfolg nicht vorausgesetzt ist, gibt es wahrscheinlich im Metal mehr "Nachwuchs" als sonst irgendwo. Man schaue sich allein die faktischen Zahlen von Bands bei Metal Archives an. Aktuell 102.242 Bands. Wenn da nur 1% in den letzten zehn Jahren debütiert hätten, wären wir schon dreistellig. Es werden aber sicher mehr als 1% sein.

Dass das (massen-)medial nicht wirklich stattfindet, ist eine andere Sache.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 9. April 2015, 17:27

Wenn ich sehe, dass andauernd Metal-Releases in den Media Control Charts auftauchen, kann ich das auch nicht bestätigen. Exodus, At The Gates, Majesty, Enslaved, Cannibal Corpse etc tauchen alle - wenn auch meist nur kurz - in den Top 50 auf. Um jetzt mal neue Bands zu nennen: Atlantean Kodex, Battle Beast (jaja), Enforcer, Grand Magus.

Ob ich möchte, dass Massenmedien mehr über Metal berichten? Zweischneidige Angelegenheit.
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Re: Nachwuchs im Metal

Beitragvon Peter Kubaschk » Donnerstag 9. April 2015, 17:57

Jüngstes Beispiel ist BEYOND THE BLACK. #12 in den Charts mit dem Debüt, dazu die BLUES PILLS mit #4 beim Debüt etc. etc.
Und dass CRO mehr echte Tonträger verkauft als NIGHTWISH oder VOLBEAT halte ich für ein Gerücht. Da wird erst ein Schuh draus, wenn auch DLs zählen. Wenn überhaupt.
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