Der DEATH METAL Thread

Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 4. April 2015, 18:56

Das mag jetzt ketzerisch klingen, oder verbohrt, oder ewiggestrig, aber - so leid es mir tut - für mich ist es einfach die Wahrheit: Keines der ganzen neuen Heiländchen, das von den richtigen Multiplikatoren als der beste Aufstrich seit Butter gefeiert wird, ist für mich so überragend, wie ihn manche Szeneorgane handeln. Von Hypes will ich nicht reden, weil ich den Leuten ihre ehrliche Begeisterung weitgehend abnehme. Bei mir indes kommt sie nur selten so an. Die genannten Bands und ähnliche Beispiele aus anderen Genres finde ich zum größten Teil echt gut, aber diese ganzen Superlative, die dann immer darüber ausgeschüttet werden, turnen mich dann auch wieder total ab. Warum kann eine Band dieser Kategorie nicht einfach mal eine "tolle junge Band im alten Stil" sein, sondern warum muss das immer gleich "das beste deutsche Epic-Album aller Zeiten" sein, das "beste kontinentaleuropäische DM-Album seit Beginn unserer Zeitrechnung", die "beste Priest seit "Painkiller"", die "beste Maiden seit "Piece of Mind"" etc... pp... Das nervt mich so dermaßen...
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Jhonny » Samstag 4. April 2015, 18:58

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das mag jetzt ketzerisch klingen, oder verbohrt, oder ewiggestrig, aber - so leid es mir tut - für mich ist es einfach die Wahrheit: Keines der ganzen neuen Heiländchen, das von den richtigen Multiplikatoren als der beste Aufstrich seit Butter gefeiert wird, ist für mich so überragend, wie ihn manche Szeneorgane handeln. Von Hypes will ich nicht reden, weil ich den Leuten ihre ehrliche Begeisterung weitgehend abnehme. Bei mir indes kommt sie nur selten so an. Die genannten Bands und ähnliche Beispiele aus anderen Genres finde ich zum größten Teil echt gut, aber diese ganzen Superlative, die dann immer darüber ausgeschüttet werden, turnen mich dann auch wieder total ab. Warum kann eine Band dieser Kategorie nicht einfach mal eine "tolle junge Band im alten Stil" sein, sondern warum muss das immer gleich "das beste deutsche Epic-Album aller Zeiten" sein, das "beste kontinentaleuropäische DM-Album seit Beginn unserer Zeitrechnung", die "beste Priest seit "Painkiller"", die "beste Maiden seit "Piece of Mind"" etc... pp... Das nervt mich so dermaßen...


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Die Klassiker bleiben sowieso unumstritten. Für mich zumindest. Sorry an alle junge Bands!
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 4. April 2015, 19:10

Das mit dem "Sorry!" geht mir auch so. Das ist für mich kein Prinzip, und kein bewusstes Kokettieren mit der "Früher war alles besser!"-Phrase, sondern einfach eine Beobachtung meiner selbst, und die daraus resultierende Feststellung, dass ich nahezu immer einen Klassiker, aber auch ein neues Album einer Klassiker-Band, dem Schaffen des Nachwuchses im selben Genre vorziehe. Tut mir selber leid, für den Nachwuchs, aber es ist einfach so, wie es ist.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Raphael Paebst » Samstag 4. April 2015, 19:40

Tja, also das mit den unumstrittenen Klassikern kann ich nur teilweise nachvollziehen. Bei mir ist es eher so, dass die prägenden Alben, also die Alben eines bestimmten Stils, die ich zuerst gehört habe und die mich in diesen Stil reingezogen haben, nur schwer erreichbar sind. Grundsätzlich spreche ich aber keiner neuen Band die Fähigkeit ab, einen echten Klassiker abzuliefern, der es mit den Altvorderen des jeweiligen Genres aufnehmen kann. Das würde mir auch ziemlich den Spaß an der Musik nehmen, wenn ich davon ausgehen würde, dass die besten Alben in allen Genres bereits veröffentlicht sind. Warum sollte ich dann noch neue Bands anhören, geschweige denn selbst Musik machen?

Es gibt auch bei jungen Bands immer wieder Alben, die prägend für eine ganze Generation sein können. Das Beispiel ATLANTEAN KODEX mag überstrapaziert sein, aber für Leute, die erst in den letzten zehn Jahren den Metal für sich entdeckt haben, ist "The White Goddess" oft das beste Epic Metal Album überhaupt, einfach weil es sehr gut gemacht ist, die Essenz des Subgenres Epic Metal verkörpert und dank eingängiger Melodien noch dazu sehr zugänglich ist. Ist das dann viel besser oder schlechter als sagen wir mal "King of the Dead" oder "The Deluge"? Für Leute, die mit diesen Alben groß geworden sind, sicher, für Leute, die beide erst nach der weißen Göttin kennengelernt haben wohl nicht unbedingt. Zu sagen, dass "Swallowed By The Ocean's Tide" eines der besten DM Dbüts in Deutschland der letzten Jahre ist, ist da dann auch einfach nicht übertrieben. Das Album ist super gemacht, hat ein tolles Artwork und präsentiert eine Band mit einer Vision, wie sie als gesamtes wirken will. Da fallen mir im deutschen DM nicht allzu viele aus den letzten zehn Jahren ein.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Jhonny » Samstag 4. April 2015, 20:35

Raphael Paebst hat geschrieben:Zu sagen, dass "Swallowed By The Ocean's Tide" eines der besten DM Dbüts in Deutschland der letzten Jahre ist, ist da dann auch einfach nicht übertrieben.


Das ist zugegebenermaßen noch nicht das ganz große Kunstwerk.
Selbst das beste Death Metal Album Deutschlands wäre noch nicht der Übermeilenstein - Morgoth hin, Fleshcrawl her.

Das beste schwedische oder us-amerikanische Death Metal Debüt aller Zeiten und Entombed, Death, Autopsy, Dismember oder Deicide durchzusetzen... das wäre noch ne andere Liga.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 4. April 2015, 20:39

Ich finde ja auch seit relativ kurzer Zeit ein paar dieser neuen Deathies recht beerig: SULPHR AEON, CHAPEL OF GEMÜSEKUCHEN, RUINS OF BEISCHLAF ..., THE COMMITEE fand ich auch ganz nett. Ob das besser als die Altvorderen Schwarzfüßens klingen vermag ich schwer zu beurteilen, weil ich die zu wenig kenne. Ich kenne aus den alten Tagen Florida-Deather und ENTOMBED (zBsp.) aber tief bin ich da nie vorgedrungen. Die Gründe dafür waren vielschichtig und lagen nicht nur im musikalischen Bereich.

Da ich in letzter Zeit aber in meiner eigentlichen Lieblingsstilistik manchmal ein wenig Biss und Spritzigkeit vermisse und ich keinen Bock auf bügelfreien Heavy Metal habe, aber trotzdem noch gern "neue" Extreme hören möchte, werde ich hier fündig. Klar, ich könnte mir jetzt auch die ollen Kamellen kaufen - was manchmal geschieht - aber da sind meine Löcher eben kratergross, was mich davon abhält überhaubt erst anzufangen. So oft höre ich das dann dort nicht.

Ich verstehe Rüdiger absolut, weil mir das in meinen Lieblingsbereichen ähnlich geht.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Raphael Paebst » Samstag 4. April 2015, 21:28

Jhonny hat geschrieben:
Raphael Paebst hat geschrieben:Zu sagen, dass "Swallowed By The Ocean's Tide" eines der besten DM Dbüts in Deutschland der letzten Jahre ist, ist da dann auch einfach nicht übertrieben.


Das ist zugegebenermaßen noch nicht das ganz große Kunstwerk.
Selbst das beste Death Metal Album Deutschlands wäre noch nicht der Übermeilenstein - Morgoth hin, Fleshcrawl her.

Das beste schwedische oder us-amerikanische Death Metal Debüt aller Zeiten und Entombed, Death, Autopsy, Dismember oder Deicide durchzusetzen... das wäre noch ne andere Liga.

Ich weiß nicht, ob das ne andere Liga ist, ist für mich vor allem mal ein anderer Stil. Was doch jüngere Bands wie SULPHUR AEON oder auch CHAPEL OF DISEASE oder auch VENENUM ausmacht, ist dass sie einen eigenen Stil fahren und nicht einfach nur Florida oder Schweden nach Deutschland holen. Das Ergebnis ist ja immer noch Death Metal und unterscheidet sich von den großen Spielarten des Genres weniger als, sagen wir mal, von US Power Metal, aber es ist schon irgendwie eine eigene Kiste.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon salisbury » Samstag 4. April 2015, 23:10

enemy-of-reality hat geschrieben:Aufgrund des SULPHUR AEON-Hypes hab ich kürzlich übrigens mal meine Lauschlappen im Debüt versenkt. Hat mir auf Anhieb aber leider keine Errektion beschert. Muss man vielleicht ja öfter hören.


Hmm, SA ist ein seltsames Beispiel von Musik, die ich mit jedem Durchlauf weniger mag. :schade: Und ich finde das klingt auch komplett anders als CHAPEL OF DISEASE, die es mir tatsächlich angetan haben. Ganz übel hingegen find ich RUINS OF BEVERAST, das war auch live irgendwie mega-öde (saß ich mit dem Raben beim HoD in der Aula und wir haben versucht, die Zeit totzuschlagen...).

Na ja, sorry so arg viel hab ich als Death-Metal-Blinder hier nicht beizutragen, überlass ich das Feld wieder den Experten. ;-)

Ach, ja ich find die neue MORGOTH geil! :gitarre:
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Tragic_Idol » Sonntag 5. April 2015, 00:21

Hm, da gehen unsere Geschmäcker wieder auseinander. "Gateway To The Antisphere" packt mich gerade wie kein anderes DM-Album zuvor und in The Ruins Of Beverast (wobei ich die jetzt eher irgendwo zwischen Black und Doom verorten würde) seh ich sogar eine der großartigsten Extremmetal-Kapellen Made In Germany - dafür gibt mir die Morgoth nicht viel.

*ebenfalls wieder den Experten das Feld überlass*
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 5. April 2015, 01:30

Raphael Paebst hat geschrieben:Grundsätzlich spreche ich aber keiner neuen Band die Fähigkeit ab, einen echten Klassiker abzuliefern, der es mit den Altvorderen des jeweiligen Genres aufnehmen kann.

Das würde ich auch niemals tun. Mir ging es nur darum, dass in den letzten 15 Jahren keine einzige Band debütiert hat, die in meiner persönlichen Gunst einen meiner alten Helden aus dem jeweiligen Genre hätte überflügeln können. Das passiert halt nicht mehr. Fertig. Das heißt nicht, dass ich einem neuen Album einer jungen Band nicht die volle Punktzahl geben kann. Das heißt auch nicht, dass ich ein solches Album nicht toll oder gar überragend finden kann. Trotzdem: Eine neue "Lieblingsband" ist mir im dritten Jahrtausend erst eine einzige begegnet (wenn man mal neue Bands alter Mucker außen vor lässt), und selbst bei der Band betrifft es eigentlich nur ein Album und eine EP; danach ließ es ein wenig nach.

Das würde mir auch ziemlich den Spaß an der Musik nehmen, wenn ich davon ausgehen würde, dass die besten Alben in allen Genres bereits veröffentlicht sind. Warum sollte ich dann noch neue Bands anhören, geschweige denn selbst Musik machen?

Weil sie auch tolle Musik machen? Reicht es nicht, wenn eine Band tolle Musik macht? Sind nur die Besten der Besten interessant? Dann dürfte ich an 80% meiner Sammlung ja keinen Spaß haben... nö... so streng bin ich da nicht. Aber neue Band interessieren mich tatsächlich zumeist weniger als alte Bands. Ist so. Kann und will ich auch nicht ändern.

Es gibt auch bei jungen Bands immer wieder Alben, die prägend für eine ganze Generation sein können.

Das würde ich nicht im Traum bestreiten wollen.

Das Beispiel ATLANTEAN KODEX mag überstrapaziert sein, aber für Leute, die erst in den letzten zehn Jahren den Metal für sich entdeckt haben, ist "The White Goddess" oft das beste Epic Metal Album überhaupt, einfach weil es sehr gut gemacht ist, die Essenz des Subgenres Epic Metal verkörpert und dank eingängiger Melodien noch dazu sehr zugänglich ist. Ist das dann viel besser oder schlechter als sagen wir mal "King of the Dead" oder "The Deluge"?

Ich spreche doch nicht von "besser sein" oder "schlechter sein", sondern von "mir wichtiger sein". Ich finde die A.K.-Sachen allesamt toll. Aber jede einzelne Scheibe von Manilla Road, Cirith Ungol, Manowar, Omen, Bathory etc... ist mir weitaus wichtiger. Das hat mit besser oder schlechter gar nichts zu tun, sondern mit einem persönlichen, rein emotionalen Stellenwert, und da bedeutet mir eine "Reopening The Gates" oder eine "Octagon" tatsächlich mehr, als eine "The White Goddess". Die mag ich vielleicht für objektiv besser halten, und sogar subjektiv besser finden, aber sie hat halt meine Vita nicht geprägt, mich nicht seit 20 Jahren durch mein Leben begleitet, war nicht der Anlass für meinen ersten Omen-Livegig etc...

Für Leute, die mit diesen Alben groß geworden sind, sicher, für Leute, die beide erst nach der weißen Göttin kennengelernt haben wohl nicht unbedingt.

Nur für jene kann ich sprechen, denn zu denen gehöre ich.

Zu sagen, dass "Swallowed By The Ocean's Tide" eines der besten DM Dbüts in Deutschland der letzten Jahre ist, ist da dann auch einfach nicht übertrieben.

Nö. Das würde sogar ich unterschreiben. Ist ja nun auch kein Hexenwerk, wie Jhonny schon sagt.

Das Album ist super gemacht, hat ein tolles Artwork und präsentiert eine Band mit einer Vision, wie sie als gesamtes wirken will. Da fallen mir im deutschen DM nicht allzu viele aus den letzten zehn Jahren ein.

Absolut. Habe ich nie bestritten. Im Gegenteil. Meine Aussage war nur, dass die Band bei aller Klasse in meiner Gunst niemals meine alten Genrehelden überholen wird können.
;-)
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