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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Frozen » Donnerstag 26. März 2015, 12:11
Ich habe vor einiger Zeit ein Interview gesehen, wo ein Musiker sehr glaubwürdig erklärte, wie sich das Verhältnis zwischen den CD Verkäufen und den Auftritten in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Haben Bands vor dreissig Jahren noch Tourneen gemacht, um ihre neueste LP/CD zu promoten und entsprechend viele Exemplare zu verkaufen, ist der Ertrag aus Tonträgerverkäufen inzwischen so tief, dass das neue Album eher eine Werbung für die kommende Tour ist, wovon die meisten Bands heute leben.
Soweit macht das ganze Sinn, denn ausser den Grossmächten des Genres kann wohl kaum jemand von den CD Verkäufen leben. Je nach Scheibe gehen davon ja nur zwischen 5 und 10% tatsächlich an die Musiker, ich kenne sogar Bands die keine -.50 von einer CD für 20-30 Franken bekommen. Dann ist es mir aber echt ein Rätsel, wie die Setlisten heutzutage zusammengesetzt werden, wenn die Bands auf Tour gehen.
Grad gestern ist es mir wieder stark aufgefallen, Majesty, eine Band, die über einen riesigen Katalog an starken Livehymnen verfügt und bei selbst grösster Kritik mit jedem Album ein, zwei starke Songs dieser Liste von Livekandidaten hinzufügt. Irgendwann bringt man da nicht mehr alle in ein 90 Minuten Set. Wenn man dann aber gut die Hälfte aus neuen Songs zusammenstellt, ist der Platz für die Klassiker, für die die Fans nunmal kommen, die sie kennen und lieben gelernt haben, nicht mehr gegeben. Auch die jüngeren Alben, welche eben immer ein paar starke Songs drauf hatten, werden dann kaum noch zum Zug kommen.
Bewirbt man also damit doch die neue Scheibe auf der Tour, anstatt umgekehrt? Und, das habe ich ja letztes Jahr bei Iced Earth stark bemängelt, wenn man ein neues Album raus hat, zeigt man den Fans dann nicht am besten die zwei, drei besten davon? Ist die Chance, dass sie es kaufen, dann nicht grösser, als wenn man es fast ganz durchspielt und dem Fan auch das eine oder andere Lied zeigt, das er unweigerlich weniger mögen wird?
Ein tolles Beispiel hierzu ist Overkill. Die Setliste ist nie vorhersehbar, hat einige neue Songs drin, aber immer nur die wenigen, die in ihren Augen am besten in dieses Set passen. Ich wurde durch die Tour letzten Herbst mit "Pig" warm. Man kann ja dann die Songs immer noch wechseln, z.B. war 2012 noch "Come and get it" und "Save Yourself" von der Electric Age drin, schnelle Songs hatten sie aber von der neuen zur Genüge, also tauschte man die beiden kurzerhand für "Black Daze" aus, und brachte Variation rein. Aber die letzten drei Albumtouren hatten jeweils "nur" 3 Songs von der neuen Scheibe im Set, die drei "besten", die das Album am besten bewarben, gleichzeitig aber die Liste für alle Klassiker und diverse Überraschungen offen liess. Ich bin mir sicher, auch das nächste Mal wenn Overkill hierher kommen, bringen sie eine gut durchdachte, abwechslungsreiche Setliste mit, sie werden nicht die ganze "White Devil Armory" durchspielen, auch wenn ich in diesem Falle nichtmal enttäuscht wäre. Aber man kann ja kaum wissen, welche Songs bei den Fans am besten/eher weniger ankommen, wenn das Album grad erst draussen ist, also selbst eine restriktive Auswahl treffen und sonst das liefern, was die Fans sich wünschen.
Also wie läuft jetzt das, promotet man mit einer Tour die neue CD, von der man so viel wie möglich verkaufen will und deshalb praktisch die ganze Scheibe durchspielt, oder bewirbt das Album die nächsten Auftritte, bei denen die passendsten, ausgewählten Songs von der neuen unter die etablierten Songs gemischt werden?
Top 5 Jahr 20151. ENFORCER - From Beyond 2. VISIGOTH - The Revenant King 3. ARMORED SAINT - Win Hands Down 4. SATAN - Atom by Atom 5. HORACLE - Dead Eyes Revelations MEINE SAMMLUNGCurrent Taste: Traditional Heavy Metal
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von Feamorn » Donnerstag 26. März 2015, 12:37
Vielleicht habe ich einen Denkfehler, dass ich denke, Du hast einen Denkfehler, aber ich schreibe mal drauf los.  Angenommen die These, ein Album bewirbt mittlerweile die Tour, stimmt. Dann muss auf der Tour auch ein guter Teil des neuen Materials, mit dem ja geworben wurde, gespielt werden. Sonst hat man Leute, die, war die Werbung erfolgreich, wegen einigen Songs gekommen sind und wenn sie Pech haben wird keiner ihrer Lieblinge gespielt, weil es nur zwei oder drei neue Stücke in die Setliste geschafft haben. Insofern finde ich eine Setliste mit vielen neuen Stücken unter der Annahme "ein neues Album bewirbt die aktuelle Tour" eher eine logische Folge als einen Widerspruch dazu. Ich weiß noch, dass ich "früher", des öfteren mal traurig war, wenn eine Band von neuen Alben kaum etwas gespielt hat, zumal ich eine Tendenz zu haben scheine, dass meine Lieblinge nicht die Songs sind, die jeder mag. Eine Setliste mit vielen (alten) "Hits" ist ja eher ein Zugeständnis an die Alt-Fans, da bedarf es aber keiner Werbung durch ein neues Album. Am Ende musst Du als Band, wenn möglich, häufig touren und dementsprechend einmal die Setlist auf das aktuelle Album ausrichten und dann bei Touren (oder Auftritten) "zwischen" den Alben/ausserhalb einer Tour zum Album eben eher Klassiker unterbringen, damit beide Gruppen bedient werden. Ich habe auch ehrlich das Gefühl, dass es ungefähr so immer öfter läuft. Bei einer Tour zum neuen Album bekommt man oft mindestens das halbe neue Werkstück dargeboten, wohingegen kleinere Touren oder Festivalauftritte "ausser der Reihe" dann oft eher ein "Best-of mit Raritäten" darstellen. Als Beispiel hierfür fallen mir jetzt gerade Opeth ein, die auf den letzten beiden Alben-Touren nicht so viel (letzte) bis gar keinen (vorletzte) Death Metal gespielt haben, dann aber ausgerechnet auf dem Night Of The Prog vor zwei Jahren zum Teil ziemlich heftige Sachen ausgebuddelt haben. Das letzte Video des letzten RaR-Auftritts war auch eher metallisch/best-of-mäßig ausgerichtet.
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von Jhonny » Donnerstag 26. März 2015, 13:02
Klar freue ich mich mal auf einen Oldie-Gig (gerade am KIT) - aber wenn ich auf eine Tour gehe, möchte ich, dass mir das neue Album präsentiert wird. Die Klassiker sollen auch da sein, und ein paar Schmankerl schaden nie, aber dass das halbe neue Album gespielt wird, halte ich nicht nur für normal, nein - das erwarte ich sogar.
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von Raphael Paebst » Donnerstag 26. März 2015, 13:07
Den idealen Weg haben da wohl IRON MAIDEN gefunden, die einfach zwischen den Touren zu den neuen Alben ihre Klassikertouren "Maiden England", "Somewhere Back In Time" und "The Early Days" fahren, mit denen die nostalgischen Altfans, wenn sie sich nicht gerade über zu progressives Drumming oder zappelige Gitarristen aufregen, glücklich gemacht werden. Da kann man dann auch auf der Tour zu "A Matter Of Life And Death" das komplette Album am Stück spielen, wenn man davon überzeugt ist, dass es ein gutes Album ist. Letztendlich sind mir Bands, die ihr neustes Album auf der zugehörigen Tour stark promoten lieber, weil das eben zeigt, dass sie auch an ihr neues Material glauben und nicht nur ein paar Songs nach Schema F eingespielt haben, um eine Ausrede für eine tour zu haben. Die Ausrede bräuchte es bei Bands, die einen Backkatalog von 10+ Alben haben nämlich einfach nicht, weil es immer genug Material gibt, das man spielen kann und das die Fans auch hören wollen. Also sollen die Bands neue Musik machen, wenn sie Lust drauf haben und Ideen da sind und die dann auch entsprechend live präsentieren und wenn ihnen halt nichts einfällt, sollen sie meinetwegen eine Nostalgietour machen und ich kann die Klassiker abfeiern, ist mir beides Recht.
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von Oliver Passgang » Donnerstag 26. März 2015, 13:12
Persönliche Vorlieben mal ganz außen vor gelassen: Nach mittlerweile vielen Gesprächen mit diversen Musikern und zudem auch Beobachtungen als Fan ist es inzwischen ganz eindeutig so, dass extrem viele Bands ein neues Album herausbringen, um einen Grund zu haben, wieder auf Tour zu gehen. Wie sich das dann auf die Setlist auswirkt, hängt dann wohl von ganz unterschiedlichen Faktoren ab (Selbstbewusstsein der Band im Bezug auf die Platte, Rezeption bei den Fans/in den Magazinen, Planung einer möglichen "Zwischentour", wie Feamorn es treffend beschrieben hat etc.). Der obige Zusammenhang ist recht unstrittig, die Setlist dabei jedoch ein eher "willkürlicher" Faktor.
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von Feamorn » Donnerstag 26. März 2015, 13:44
Raphael Paebst hat geschrieben:Den idealen Weg haben da wohl IRON MAIDEN gefunden, die einfach zwischen den Touren zu den neuen Alben ihre Klassikertouren "Maiden England", "Somewhere Back In Time" und "The Early Days" fahren, mit denen die nostalgischen Altfans, wenn sie sich nicht gerade über zu progressives Drumming oder zappelige Gitarristen aufregen, glücklich gemacht werden. Da kann man dann auch auf der Tour zu "A Matter Of Life And Death" das komplette Album am Stück spielen, wenn man davon überzeugt ist, dass es ein gutes Album ist. Letztendlich sind mir Bands, die ihr neustes Album auf der zugehörigen Tour stark promoten lieber, weil das eben zeigt, dass sie auch an ihr neues Material glauben und nicht nur ein paar Songs nach Schema F eingespielt haben, um eine Ausrede für eine tour zu haben. Die Ausrede bräuchte es bei Bands, die einen Backkatalog von 10+ Alben haben nämlich einfach nicht, weil es immer genug Material gibt, das man spielen kann und das die Fans auch hören wollen. Also sollen die Bands neue Musik machen, wenn sie Lust drauf haben und Ideen da sind und die dann auch entsprechend live präsentieren und wenn ihnen halt nichts einfällt, sollen sie meinetwegen eine Nostalgietour machen und ich kann die Klassiker abfeiern, ist mir beides Recht.
Maiden hatte ich auch im Kopf als ich vorhin geantwortet habe. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Zeit der genannten Tour (war leider selbst nicht dabei...), da sind nach den jeweiligen Auftritten einige böse Stimmen aufgetaucht à la "ich wollte meinem Sohn Maiden zeigen und dann kamen keine Klassiker" und ähnliches. Da habe ich mir echt an den Kopf gefasst. Gerade Maiden kann man nicht vorwerfen, keine Klassiker-Touren zu machen, ich habe von dieser Art jetzt drei Stück gesehen und die Band hatte sogar noch angekündigt, das komplette neue Album zu spielen. Wenn man die Preise eventuell ausklammert (ich persönlich fand es noch tragbar), kann man bei Maiden wirklich sagen, dass in den letzten zehn Jahren eigentlich so ziemlich jeder auf seine Kosten gekommen sein sollte (sofern man sich denn informiert).
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von Frozen » Donnerstag 26. März 2015, 15:07
Feamorn hat geschrieben:Ich habe auch ehrlich das Gefühl, dass es ungefähr so immer öfter läuft. Bei einer Tour zum neuen Album bekommt man oft mindestens das halbe neue Werkstück dargeboten, wohingegen kleinere Touren oder Festivalauftritte "ausser der Reihe" dann oft eher ein "Best-of mit Raritäten" darstellen.
Das könnte sein, warum es mir gar nicht auffällt, denn in meinen Schubladen gibt es schlicht keine Festivals im Umkreis von 200km, und die kleinen Touren kommen auch nur dann in die Schweiz wenn sie an einen grossen Headliner gekoppelt sind. Aber wie gesagt, es gibt auch Bands die es wirklich können. Overkill ist ein Beispiel, Saxon wär ein anderes, auch wenn die eine Albumtour machen, da sind vielleicht 1/4-1/3 vom neuen Album, 1/3 sind überraschungen die man nicht zwingend erwarten musste, und der Rest sind die Klassiker, bzw. eine Auswahl derer. Das funktioniert, und ist definitiv bessere Werbung für das neue Album, als wenn man nach dem Konzert sagt "Hm, die hälfte der neuen Songs packte nicht so, ob das album es wert ist?" Hörte ich gestern bei Bloodbound und Majesty, beide boten sehr viel vom neuen Album, beide packten nicht so, wie man es von ihnen gewohnt war, und am Ende zweifelten die, dies noch nicht hatten, ob sies kaufen sollten. Wenn natürlich etwas vorangeht ala "Wir spielen das ganze neue Album", dann weiss man woran man ist.
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von trent » Freitag 27. März 2015, 15:37
Dass die meisten Bands heute eher von den Touren leben als von den CD-Verkäufen, hab ich vor ca. 10 Jahren schon mal in einem Interview mit J.B.O. gelesen, in dem diese sehr offen damit umgingen, wie teuer die Produktion des letzten Albums war, wieviel sie damit verdient haben und dass sie demzufolge mit dem Album selbst kaum Geld verdient haben. Wenn die Bands noch weiter im Underground sind, reichen ja oft nicht mal die Touren aus, wie beispielsweise Nocte Obducta, die in einem Interview sagten, dass sie mit ihren Alben bisher keinen Cent verdient haben und die afaik auch alle noch einen regulären Job haben.
Ansonsten hab ich bei Konzerten beides schon festgestellt, etwa 2012 bei Cradle of Filth, die auf dem Wacken ein reines Oldschool-Set gespielt haben und dann später im Jahr auf ihrer Tour einige Songs des da neuen Albums in die Setlist gemischt haben. Eine andere Variante haben Lacrimosa auf ihrer letzten Tour gemacht, die der Meinung waren, sie hätten so viele Songs, die sie gern spielen wollen und könnten keinen streichen, also wird das Konzert eben drei Stunden lang (mit Pause), was ja im Rock-/Metalbereich doch eher selten ist
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von Frozen » Sonntag 29. März 2015, 16:31
Ein 3-Stunden-Set ist halt auch extrem schlauchend für die Bands, selbst mit Pause. Die regelmässigen 2h seh ich eigentlich nur von Gamma Ray. Aber bei einigen Bands wär ich durchaus dafür, dass man mehr spielt. Wenn ich die rund 30 Minuten von Stormwarrior vor einem Jahr nehme, die könnten 4h spielen und hätten noch nicht alle must haves durch, lieber solchen bands mehr zeit geben als, wie immer öfter, 4-5 Supportbands mitzunehmen. Qualität vor Quantität.
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